Akashic Records of Bastard Magical Instructor

Im Frühjahr 2017 wurde die Animefangemeinde von der Umsetzung einer Light Novel überrascht, um die im Vorfeld keinerlei Aufhebens gemacht wurde. Dabei umfasste die Light Novel zu dem Zeitpunkt bereits acht Bände, dazu erscheint seit 2015 ein mittlerweile fünf Bände umfassender Manga. In Akashic Records of Bastard Magic Instructor erwartet den Zuschauer allerdings kein Ausflug in die Welt der Esoterik, wie der Begriff “Akashic Record” (welcher soviel wie “Buch des Lebens” bedeutet – Rudolf Steiner hat sich intensiv damit beschäftigt) vielleicht vermuten lässt. Vielmehr geht es um mehr oder weniger handfeste Magie. Und um einen Lehrer, der nicht den Erwartungen entspricht.

   

Aus dem Weg

Die klassische Annäherung der drei Hauptakteure in einem Anime: Sistine Fibel und ihre Freundin Rumia Tingel schlendern entspannt durch die Stadt in Richtung Schule, als sie von einem stürmischen jungen Mann fast umgerannt werden. Kurzentschlossen befördert Sistine den temperamentvollen Unbekannten per Magie in die Lüfte (sie scheint darin im Laufe des Anime immer besser zu werden), und wie es das Glück will, landet er nicht auf dem harten Pflaster und verbleibt die nächsten drei Episoden im Krankenzimmer, sondern in einem nahestehenden Brunnen. Soweit, so gut, und danach wird es lustig, wenn der junge Mann – seinen Namen erfahren wir nicht – zunächst wie der vollkommene Kavalier wirkt, als er glitzernd und haareschüttelnd aus dem Wasser entsteigt und die beiden Schülerinnen verständnisvoll anspricht, dann aber eine ganz andere Seite von sich zeigt. Sein Pech, denn wie gesagt wird Sistine im In-die-Luft-befördern unliebsamer Zeitgenossen immer besser…

Motivation – off

Originaltitel Rokudenashi Majutsu Koushi to Akashic Records
Jahr 2017
Episoden 12 (1 Staffel)
Genre Action, Magic, School
Regisseur Minato Kazuto
Studio Liden Films

Als neuer Vertretungslehrer an der Alzano Imperial Magic Academy bietet der mittlerweile trockene junge Mann nicht gerade das Bild eines engagierten Lehrers. Seine vorher sichtbare Energie scheint sich im Brunnenwasser aufgelöst zu haben. Schlapp schlurft er durch die Gänge, gibt zynische Kommentare zum Thema Magie von sich und lässt sich auch vom Enthusiasmus und Lernwillen seiner Schüler nicht dazu bewegen, ihnen etwas beizubringen. Anscheinend hat Glenn Radars die Stelle trotz mangelnder Befähigung über Beziehungen erhalten, ohne dass er eine Möglichkeit hatte zu widersprechen – nun ja, einer so überzeugenden Persönlichkeit wie seiner Mentorin Celica Arfonia schlägt niemand gern etwas ab… Doch davon ahnen die Schüler nichts, die ihren neuen Lehrer bei seinen Bemühungen, gefeuert zu werden, etwas ratlos betrachten.

Weit kommt Glenn mit seiner laxen Einstellung allerdings nicht, denn die ehrgeizige und idealistische Sistine schafft es immer wieder, ihn herauszufordern und aus der Reserve zu locken. Glenns Mauer beginnt zu bröckeln, und so kommen nach und nach immer mehr Details aus seinem Leben ans Licht. Aber auch im Hinblick auf Sistine und ihre zurückhaltende Freundin Rumia gibt es einiges mehr, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Und so ist es Rumias Vergangenheit, die sie einholt und unsere Protagonisten in ein Netz tödlicher Intrigen verstrickt.

Ein paar Fakten

Das japanische Animationsstudio Liden Films ist seit 2012 an einer erklecklichen Anzahl an Anime beteiligt. Die vollständig eigenpoduzierten Werke dürften Kennern der Szene allesamt nicht ganz unbekannt sein. Mit Akashic Records of Bastard Magic Instructor wurde die gleichnamige Light Novel in ansprechender Optik umgesetzt. Einem entsprechenden Manga diente die Light Novel bereits als Vorlage. Das schwungvolle Opening mit dem Song Blow Out von Konomi Suzuki passt gut zu dieser Serie und gibt neben einem Überblick über die Protagonisten einen kleinen Einblick in die Geschichte. Das Ending wird von Akane Fujita musikalisch untermalt, nach dem Song Precious You folgt eine kleine, witzige Chibi-Show. Die Hintergrundmusik fügt sich gut ins Geschehen ein und unterstützt es an den passenden Stellen unauffällig.

Neu? Nein. Gut? Ja!

Wer Fantasy mag, eine actionreiche Story zu würdigen weiß und an einem Schoolsetting seine Freude hat, wird mit dem Anime Rokudenashi Majutsu Koushi to Akashic Record sicherlich seinen Spaß haben. Nichts an diesem Anime ist wirklich neu, weder die Charaktere noch die bedeutsamen Vergangenheiten, auch nicht die knappen Schuluniformen, die Reibereien und Auseinandersetzungen, Missverständnisse und Heldentaten (und selbst lange Titel sind mittlerweile gang und gäbe). Erstaunlicherweise ist der Unterhaltungswert dieses Anime dennoch hoch, denn alle diese Elemente wurden in einer straff erzählten Story geschickt zusammengesetzt und erzählen mit optisch ansprechenden Animationen und einer passenden Backgroundmusic eine spannende Geschichte, deren Hintergründe erst nach und nach zutage treten.

Mir hat Akashic Records of Bastard Magic Instructor Spaß gemacht, denn er konnte mich doch allen enthaltenen Klischees zum Trotz mitunter überraschen. Knappe Schuluniformen sind nichts Neues in einem Anime, der in einem Schulsetting stattfindet; die Frage, wieso die Mädels sich nicht alle naselang ihre inneren Organe verkühlen, habe ich mit der Annahme, in der Schulkantine wird Nieren- und Blasentee ausgeschenkt, ad acta gelegt. Ob die Anleihen an bekannte Werke wie Great Teacher Onizuka, Mai Hime oder auch Harry Potter bewusst stattgefunden haben oder nicht, diese Frage habe ich mir gar nicht erst gestellt, stattdessen habe ich mich jedes Mal diebisch gefreut, wenn ich einen Bezug zu einem anderen Werk gefunden habe. Die Geschichte von Glenn und Co. wird in den vorhandenen zwölf Episoden ohne Umschweife erzählt, lässt aber noch vieles offen. Die Hintergrundstory klingt interessant genug, um mich an der Leine zu halten, und die Figuren entwickeln sich im Laufe der Zeit zu Protagonisten, deren Schicksale mich neugierig machen. Da möchte ich wirklich mehr erfahren. Darüber, dass ich an der einen oder anderen Stelle doch kurz schlucken musste, weil für mich die Balance aus Spaß und Ernst nicht mehr stimmig war, schaue ich gern hinweg, denn insgesamt habe ich mich gut unterhalten gefühlt.

Zweite Meinung:

Light Novel-Adaptionen stehen, vor allem in der westlichen Anime-Fangemeinde, zunehmend in der Kritik, eintönige, klischeebehaftete Geschichten wieder und wieder aufzuwärmen. Auch Akashic Records of Bastard Magic Instructor dürfte diese Kritik nicht gerade verstummen lassen. In so manchem Forum-Post oder Youtube-Review kann man den verzweifelten Autor jammern hören, wie viele billige Harry-Potter-Kopien man denn noch über sich ergehen lassen müsse. Und in der Tat, das Zauberer-Akademie-Setting des Animes, seine kurzen Röcke und noch kürzeren Oberteile, Sistine‘s Tsundere-Charakter – all das ist nun wirklich nichts berauschend neues.
Allerdings muss nicht jede Geschichte das Rad neu erfinden. Auch ein bekanntes Szenario kann unterhalten, wenn gut umgesetzt. Und das trifft auf Rokudenashi Majutsu Koushi to Akashic Record zu. Lob verdienen vor allem die gut dargestellten Hauptfiguren: Glenns meist erfolgloser Versuch, durch seine lässige Art sein Ringen mit der Welt und der eigenen Vergangenheit zu verdecken, macht ihn so sympathisch wie trottelhaft; Sistines ehrgeizige und übereifrige Natur dagegen wird verständlich durch ihren Wunsch, die Ehre ihres verleumdeten Großvaters zu retten. Natürlich führen die Gegensätze der beiden zu stereotypischen Missverständnissen und Sticheleien. Diese bleiben, abgesehen von der ersten Episode, aber im Rahmen des Erträglichen. Dies nicht zuletzt dank dem Eingreifen der schüchternen, aber stets positiven Rumia. Zwar treten hinter diesem Trio gefühlt alle weiteren Figuren in ihrer Bedeutung deutlich zurück. Dadurch wirken die zwölf Episoden des Anime aber auch nicht zu überfrachtet. Neben Sistines moderaten Tsundere-Ausbrüchen hält der Anime aber auch die Balance zwischen der Comedy und seinen ernsteren Themen recht gut. Leider liegt das vor allem daran, dass dieser ernsthafte Teil nicht über die typischen Klischees des Fantasy- und School-Genres hinaus kommt, und so nie wirklich dramatisch oder fesselnd wirkt. Positiv betrachtet kann man aber argumentieren, die Autoren haben gar nicht erst versucht, tiefgehende philosophische Ideen und komplizierte Handlungen einzubauen, und bewusst auf leichtere Unterhaltung gesetzt. Ein unvergessliches und unvergleichliches Erlebnis ist diese Serie daher letztlich nicht geworden. Trotzdem haben die Charaktere und ihre lustigen Interaktionen es wert gemacht, sie zu schauen.

 

Sharing is caring / Artikel teilen:
  • 1
  •  
  •  

2
Hinterlasse einen Kommentar

avatar

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Wolfapo
Redakteur

Die Serie lief beim Anime-Twitch-Marathon vor ein paar Wochen und ich hatte Zeit …
Mir hat die Serie auch gefallen, jedoch war es am Ende doch sehr absurd. Spaß hat es auf jeden Fall gemacht (auch wegen Twitch-Chat).