World on Fire (Staffel 1)

Wir alle haben in unserer Schulzeit vermutlich mehr als einmal das Thema des Zweiten Weltkrieges behandelt. Aber nicht nur als Lehrstoff ist das Thema beliebt, auch Serien und Filme greifen das Thema gerne auf. Das BBC-Kriegsdrama World on Fire startete 2019 als eine weiterer Titel, dessen Handlung 1939 mit der Übernahme von Polen durch die Nazis beginnt. Allerdings werden in der Serie nach Drehbuch von Peter Bowker die unterschiedlichen Menschen und ihre Schicksale an verschiedenen Schauplätzen der Welt in den Mittelpunkt gerückt. Die sieben Episoden umfassende erste Staffel des von Kritikern gelobten Kriegsdramas feierte ihre deutsche Premiere parallel zur britischen Erstausstrahlung im September 2019 auf dem Streaming-Dienst TVNOW. Am 16. April 2021 erschien die erste Staffel bei Pandastorm Pictures auf Blu-ray und DVD.

   

September 1939: Der britische Übersetzer Harry Chase (Jonah Hauer-King, Die unglaublichen Abenteuer von Bella) arbeitet in Warschau und führt eine Beziehung mit der polnischen Kellnerin Kasia (Zofia Wichlacz, 1983). Als jedoch das Deutsche Reich einmarschiert, muss er eine Entscheidung treffen, um sie vor den Invasoren zu schützen. In Manchester wartet derweil Lois Bennett (Julia Brown, The Last Kingdom) sehnsüchtig auf einen Brief von Harry, mit dem sie bis kurz vor seiner Abreise nach Warschau eine Beziehung führte. In Berlin arbeitet hingegen die amerikanische Kriegsreporterin Nancy Campbell (Helen Hunt, Then She Found Me) und sieht sich immer stärkerer Zensur ausgesetzt, während sie herausfindet, dass ihre Nachbarn in Gefahr schweben. Nancys Neffe Webster (Brian J. Smith, Stargate Universe) ist hingegen ein in Frankreich stationierter Arzt, der eine Beziehung mit dem Jazz-Musiker Albert Fallou (Parker Sawyers, My First Lady) beginnt.

Harry zwischen den Fronten

Originaltitel World on Fire
Jahr 2019
Land Großbritannien
Episoden 7 (in Staffel 1)
Genre Drama
Cast Harry Chase: Jonah Hauer-King
Lois Bennett: Julia Brown
Nancy Campbell: Helen Hunt
Douglas Bennett: Sean Bean
Kasia Tomaszeski: Zofia Wichlacz
Robina Chase: Lesley Manville
Brian J. Smith: Webster O’Connor
Albert Fallou: Parker Sawyers
Veröffentlichung: 16. April 2021

Im Fokus der Handlung von World on Fire stehen die unterschiedlichen Menschen, die während des Zweiten Weltkrieges leben und auf eine sehr subtile Weise lose miteinander verbunden sind. Diesen Charakteren kommt durch die Episodenlänge von etwa 60 Minuten viel Screentime zugute, sodass Zuschauer schnell mit ihnen fiebern. Eine der ersten Szenen zeigt ein glückliches Foto von Harry mit der Familie von Kasia – ein Moment, der so nicht mehr zustande kommen wird. Denn danach geht alles schnell bergab, Kasias Vater und Bruder ziehen als Soldaten an die Front, doch können nichts gegen die Streitkräfte des Deutschen Reiches ausrichten, sodass Polen überrannt wird. Kurzerhand heiratet Harry Kasia, um sie so nach England mitnehmen zu können, doch Kasia entscheidet sich, Harry stattdessen ihren jüngsten Bruder mitnehmen zu lassen. Zurück in England muss Harry jedoch feststellen, dass sich in seiner Abwesenheit einiges verändert hat. Er versucht sich wieder seiner Freundin Lois anzunähern, doch als diese versteht, dass er sie in Polen betrogen hat, möchte sie nichts mehr von ihm wissen. Das Liebes-Dreieck zwischen Harry und seinen beiden Geliebten Lois und Kasia klingt in der Theorie nervig, wird aber so umgesetzt, dass es weder die Handlung überschattet noch irgendwie kitschig erscheint. Auch Harry als zentraler Protagonist gestaltet sich interessant, denn er entscheidet sich, als Soldat zu kämpfen und porträtiert mit seinem Gerechtigkeitssinn und vorurteilsfreier Moral eine Art Idealbild, ohne zu langweilig und kantenfrei zu wirken.

Die Grausamkeit der Nazis

Als eine Serie, die zur Zeit des Nationalsozialismus spielt, herrschen natürlich furchtbare Verhältnisse und als Zuschauer bekommt man Szenen präsentiert, die durch ihre Kälte zu Tränen rühren. So wird Kasias Mutter, nachdem sie sich in ihrer Trauer um ihren Mann gegen die deutschen Soldaten wehrt, einfach kaltblütig erschossen. Als Folge tritt die so gutherzige Kasia dem Polnischen Widerstand bei und muss einen immer dunkleren Weg beschreiten, der sie nachhaltig verändern wird. Einer der wohl emotionalsten Handlungsstränge beginnt auch eher unscheinbar, doch stellt sich als besonders tragisch und emotional heraus: Nancys Nachbarn haben eine an Epilepsie erkrankte Tochter und durch die Gerüchte um verschwundene Kinder mit Behinderungen haben sie Angst, ihnen könne es ebenso ergehen. Nancy geht fortan der Geschichte um das Euthanasie-Programm nach und versucht gleichzeitig alles, um ihren Nachbarn zu helfen. In einer Zeit von Überwachungen und Presse-Zensur stellt sich dies natürlich als gefährliches und schwieriges Unterfangen heraus. Ihr Neffe Webster muss hingegen damit umgehen, dass sein Geliebter Albert als schwarzer Mann zur Zielscheibe der Nazis wird und auch er selbst muss durch seine Homosexualität um seine Sicherheit fürchten. Die Darstellung dieser Handlungen wirkt besonders stark nach, da es sich immerhin um reale Politik und Geschehnisse handelt, die aus der zunehmenden Machtübernahme der Nationalsozialisten folgten. Umso wütender macht es dann, wenn ein Arzt gegenüber Nancy die Euthanasie verteidigt oder beteuert wird, dass sie doch nur paranoid sei.

Das Ensemble: Stark geschriebene Frauen und Diversität

Eine besondere Stärke der Serie ist das so vielseitige Charakter-Ensemble mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten, ebenso wie die Internationalität. Getreu dem Titel “World on Fire” spielt die Handlung in Warschau, Manchester, Berlin und Paris, denn vor den Folgen des Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg ist niemand sicher. Auch die Diversität fügt sich sehr natürlich in die Handlung ein und beschränkt sich nicht auf Geschlechter oder Sexualitäten, sondern bezieht sich auch auf unterschiedliche Klassen. So ist Harry Sohn einer elitären Frau, die weder Kasia noch Lois als geeignete Partnerin für ihn anerkennt, da ihr der gesellschaftliche Status ihrer Schwiegertochter sehr wichtig ist. Auch das Handeln der weiblichen Figuren ist sehr vielseitig: Während zum Beispiel Kasia als Widerstandsmitglied aktiv gegen die Besatzung durch das Deutsche Reich vorgeht, engagiert sich die Arbeiterin Lois als Sängerin und Teil der ENSA (Entertainment National Service Association, eine Gruppe, die 1939 als Unterhaltung der britischen Soldaten um die Welt reiste). Zudem muss sie damit umgehen, dass sie nach einer einzigen gemeinsamen Nacht mit Harry schwanger ist, was sich als unverheiratete Frau in den späten 30er-Jahren als schwierig gestaltet, schließlich lehnt sie auch die Unterstützung von Harry ab. Darüber hinaus verfügt sie als einfache Arbeiterin nicht über viel Geld, ihr Vater leidet an einem Kriegstrauma, engagiert sich aber eifrig als Pazifist, sodass die Pläne ihres Bruders, sich der Marine anzuschließen, für Aufruhr sorgen.

Schusswechsel, Kriegsfronten, Tode

In einem Kriegsdrama muss es neben den ruhigen, aber emotional mitreißenden Szenen natürlich auch Szenen im Krieg geben. Diese sind überzeugend gestaltet und punkten damit, dass kein Fokus auf besonders brutale Szenen oder einen Schock-Effekt gelegt wird. Auch hier geht es vorrangig um die Menschen, die agieren. Zum Beispiel wenn Harry ein kleines Mädchen vor den Angriffen feindlicher Soldaten schützt oder wenn er darauf besteht, dass ein schwarzer Soldat nicht schlechter behandelt wird (anhand beiläufig rassistischer Bemerkungen seiner Kameraden wird klar, dass Harry damit doch eher in der Minderheit ist, ein passendes Relikt dieser Zeit). Dennoch sind die Schusswechsel packend inszeniert und schockieren auf ganz natürliche Weise damit, wie schnell doch alles für einen Menschen vorbei sein kann, wenn er im Kugelhagel stirbt. Dennoch wird auf die Kriegsszenen nicht zu viel Gewicht gelegt. Als Zuschauer muss man sich etwa nicht minutenlange Dialoge über Strategien anhören. Auch die Nuancen im Bezug auf die an der Front kämpfenden Charaktere sind beeindruckend. Es wird nebenbei immer wieder ein zitternder Soldat des Deutschen Reiches gezeigt, der sich später als Sohn von Nancys Nachbarn herausstellt. Gegen Ende der ersten Staffel eröffnet er ihr, wie unwohl er sich damit fühlt, für das Deutsche Reich und dessen Ideologie kämpfen zu müssen.

Internationaler Cast und authentische Kulissen

Der Cast wartet sowohl mit großen Namen wie der Oscar-Preisträgerin Helen Hunt als auch mit eher weniger bekannten Schauspieler*innen auf. Besonders hervorstechend ist dabei die Tatsache, dass Figuren wie die polnische Kasia oder die deutschen Nachbarn von Nancy auch größtenteils von polnischen oder deutschen Darstellern verkörpert werden, was insbesondere den vielen Dialogen in polnischer (bzw. in der Originalfassung auch deutscher) Sprache zugutekommt. Dieser Aspekt trägt zur Authentizität bei und unterstreicht den Aspekt der internationalen Handlung. Auch die Kulissen wissen zu überzeugen, ebenso wie die Kostümierungen, die den Zeitgeist widerspiegeln. Egal ob es sich um das zerbombte Warschau, ein von Fliegern attackiertes Schlachtfeld oder den stilvollen französischen Jazz-Club handelt: Die Kulissen wirken beeindruckend und entführen in eine andere Zeit. Die Schauplätze können so mit Glaubwürdigkeit glänzen und es ist deutlich zu erkennen, dass es sich bei World on Fire um eine hochkarätige und aufwendig produzierte Serie handelt. Die erste Staffel porträtiert lediglich das erste Kriegsjahr und endet mit einem spannenden Cliffhanger. Eine zweite Staffel wurde erfreulicherweise bereits bestätigt, auch wenn zum Zeitpunkt unseres Reviews noch kein Start-Datum bekannt ist.

Fazit

World on Fire brilliert als Kriegsdrama mit dem tollen, authentischen Figuren-Ensemble und den aufwendigen Kulissen. Insbesondere die so persönlichen Geschichten der Figuren sorgen dafür, dass man schnell eine Bindung zu ihnen aufbaut und mitfiebert, wie es für sie weitergeht. Besonders beeindruckend ist aber, wie keine der Figuren und Handlungen zu kurz kommen, sondern allesamt ein ähnlicher Raum zur Entfaltung gegeben wird, deren Verbindungen zueinander aber erst nach und nach deutlich werden. Persönlich bin ich sehr begeistert von der ersten Staffel, vorrangig dadurch, dass mir die Charaktere sehr schnell ans Herz gewachsen sind und ich entsprechend gespannt ihre Geschichten verfolgt habe. Wer Kriegsdramen mag, sollte sich die Serie nicht entgehen lassen. Und ebenso, wer einfach nur gerne gute Dramen schaut und nichts gegen historische Kriegs-Settings hat, sollte der ersten Staffel eine Chance geben.

© Pandastorm Pictures


Veröffentlichung: 16. April 2021

 

Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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