Alice Academy

Lesezeit: 4 Minuten

Shoujo Manga meets Harry Potter? Aus der Feder von Tachibana Higuchi präsentierte der Carlsen Verlag bereits 2005 in seinem Daisuki Manga-Magazin die Erstveröffentlichung der Reihe Alice Academy um die gleichnamige exklusive Schule für Schüler mit magischen Kräften, den sogenannten “Alice”.

    

“Alice” sind magische, übernatürliche Fähigkeiten. Sie können sich in allen erdenklichen Formen äußern, doch kommen sie mit einem Preis: Wird bekannt, dass ein Kind ein Alice hat, unternimmt die Regierung alles, um es zur Alice Academy zu bringen. Die Akademie ist eine Schule die den Umgang mit den Kräften lehrt, aber gleichzeitig auch ein goldener Käfig: Das verlassen des Schulgeländes ist zu ihrem eigenen Schutz streng verboten und selbst der Kontakt zu Familienangehörigen stark eingeschränkt. Mikan ist ein quirliges, lebensfrohes Mädchen. Doch ihre Freundin Hotaru hat ein Alice und verlässt ihr Dorf, um ihren Eltern die weitere Flucht vor der Regierung und der Alice Academy zu ersparen. Als Mikans Briefe an Hotaru monatelang unbeantwortet bleiben macht sie sich auf, die Alice Academy und Hotaru vor Ort aufzusuchen. Da trifft sie auf den Lehrer Narumi, der alsbald ein ganz besonderes Alice in Mikan entdeckt: Ein Alice, dass andere Alice außer Kraft setzt…

Zum Start: Kindlich niedliches Comedy-Slice of Life

Originaltitel Gakuen Alice
Jahr 2002 – 2013
Bände 31
Genre Comedy, Romanze, Drama
Autor Tachibana Higuchi
Verlag Carlsen Manga (2005)

Das erste Viertel der Serie ist ganz klar leichtherzig: Mikan (die oft zu wenig nachdenkt) muss die Schule und ihre kleinen sowie großen magischen Elemente kennen lernen, außerdem mit ihren neuen Klassenkameraden zurecht kommen. Vor allem mit Natsume, dem Rabauken in ihrer Jahrgangsstufe, der mit seinem Alice Flammen erzeugen kann, hat sie laufend Auseinandersetzungen. Mikan begreift auch bald, dass nicht alles an der Schule toll, lustig und faszinierend ist. Manche verlieren ihre Kräfte mit der Zeit und müssen wieder von der Schule abgehen. Aufgrund der Sicherheitsbestimmungen kein einfacher Abschied, denn die Erinnerungen von Abgängern an die Zeit in der Alice Academy werden gelöscht. Manche können sogar ihre Kräfte nur auf Kosten ihrer Lebenskraft verwenden. Außerhalb der Schule besteht für alle Kinder jederzeit die Gefahr, entführt zu werden, da ihre Kräfte begehrt sind und missbraucht werden könnten. Doch auch innerhalb der Schule werden die Kräfte oft ausgenutzt, so wie etwa bei Natsume, der wegen seiner Feuerkraft auf Spezialmissionen geschickt wird.

Ab der Mitte: Düster, ernst und viele Tearjerker

Ungefähr ab der Mitte der Serie verpufft die anfängliche Stimmung sehr und Drama mit Schneeballeffekt macht sich breit: Natsume hat durch Überbenutzung seiner Kräfte nicht mehr lange zu leben, Mikan entwickelt ein zweites Alice, das Stehlen anderer Alice und ihre tragische Herkunft wird ebenso geklärt. Das wirft sie auf den Radar des Direktors des Grundschulzweigs der Akademie, welcher die Weltherrschaft anstrebt und sich Mikan dafür zu Nutze machen will. Immer weniger Luft bleibt bei all der Gefahr, den Intrigen und Machtspielen, für den Humor und die Leichtherzigkeit der Kinder, als sich die Schlingen immer enger ziehen. Die Serie vollzieht einen Genrewechsel von Slice of Life, Comedy und Coming of Ag zu Drama, Action und einem gewaltigem Schuss Romantik, vor allem zwischen Mikan und Natsume.

Dramatischer Stilwechsel im Verlauf der Serie

In Deutschland erschien die 31-bändige Serie bis Band 18, ehe Carlsen Manga die Serie abbrach. Alice Academy ist einer der Titel, die tonal und genretechnisch die eine starke Wandlung vollziehen und einen Umbruch aufweisen. Mord, posttraumatische Belastungsstörungen, Sexualität, Obsessionen und psychologischer Terror drängen sich in den Vordergrund. Die Schatten sind zwar von Anfang an da und deuten Gefahr und Tod an, aber keine so schnelle politische Eskalation. Wenn man spätere Bände neben die Bände der ersten Hälfte legt, erscheinen sie wie aus vollkommen verschiedenen Serien. Auch der Zeichenstil wandelt sich sehr stark. Zu Beginn sind die Panels klein und mit viel Text gefüllt, ähnlich des Gag-Manga Stils. Später häufen sich große Panels zur dramatischen Betonung. Das wäre alles halb so wild, wenn in der Serie ordentlich Zeit vergehen würde, so wie Harry Potter sieben Jahre überspannt. Bei Alice Academy vergehen aber bestenfalls knapp zwei Jahre. Die Ereignisse und Entwicklungen erscheinen unglaubwürdig, wenn man sich ihre Entwicklung vor Augen hält. Die Kinder benehmen sich zu Beginn für zehnjährige altersgerecht. Am Ende haben sie nicht nur die Reife später Teenager, sondern sehen auch so aus, obwohl sie gerade einmal elf Jahre alt sein dürften. Da kann schon das eine oder andere Mal ein Uncanny Valley hochkommen. Vor allem beim Romantik-Anteil, den man so sonst eher in Shoujo Mangas mit High School-Schülern sieht anstatt bei Grundschülern.

Der erste Teil ist wahlweise niedlich oder nervig, je nach dem wie gut mit man Kindern auskommt, die ihr Alter ausleben. Der spätere Teil kommt mit vielen dramatischen Twists und Action daher, der da daneben viel zu erwachsen vorkommt. Er bringt aber auch sehr viel Spannung in die Serie, der die Serie sehr viel interessanter für mich machte, da der dem nicht kleinen Cast in verschiedenen Facetten zeigen kann. Es ist schade, dass die Transition zwischen den beiden Teilen nicht so recht geglückt ist. Viele der Figuren fand ich trotzdem ziemlich sympatisch (vor allem Hotaru rockt). Ein Blick ist es daher vielleicht doch noch wert, wer Zugang dazu findet. Auf Französisch erschien die Reihe komplett. Auf Englisch wurde sie allerdings mit dem Ende von Tokyopop USA mit Band 16 abgebrochen. Der erste kindlichere Teil wurde auch als Anime Serie adaptiert.

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch nicht um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben, sich verständigt zu bekommen, vertreibt sie gerne die Zeit mit dem Lernen und Erproben verschiedener Sprachen und derer Ausdrucksformen.

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Ayres
Redakteur

Liest sich ziemlich spannend. Also, was den Verlauf des Mangas anbelangt. Ich befürchte zwar, dass ich damit anfange (dafür ist er mir eindeutig zu lang), aber wohl schade, wenn der Titel unter dem Radar lief. Ich erinnere mich dunkel daran, die ersten Kapitel in der Daisuki noch mitbekommen zu haben. Wahrscheinlich ist auch die Fanbase hier eher überschaubar. Interessant wären die (Hinter-)Gründe für den harten Bruch aber allemal.