Thor

Der erste Auftritt des Donnergottes im Jahre 2011 legte den Grundstein für weitere Abenteuer: Thor ist das Debüt von Chris Hemsworth in der Rolle von Thor, ehe die Avengers erstmals ein Jahr später in The Avengers zusammenfanden. Dabei wirkt Regisseur Kenneth Branagh (Hamlet), den man sonst näher bei Shakespeare als in einer Superhelden-Verfilmung sieht, wohltuend auf das Action-Genre ein und beschert dem Film nebst toller Besetzung stets den richtigen Ton. Dass Kritiker trotzdem viel Getöse und starken CGI-Einsatz ankreideten, konnte den Film kalt lassen: An den Kinokassen spielte Thor weltweit über 449 Millionen US-Dollar ein, was beinahe dem dreifachen Budget der Produktionskosten entspricht. Dabei war zunächst vor allem fraglich, ob das durch Iron Man und Der Unglaubliche Hulk an bodenständige Stories gewöhnte Publikum den weiten Schritt ins Fantasy-Genre mitgehen würde …

 

Das Königreich Asgard: Dem Donnergott Thor (Chris Hemsworth, Snow White and the Huntsman) steht die Königsweihe bevor. Doch die Zeremonie wird gestört, als der Friedenspakt zwischen Asgard und der Eishölle Jotunheim gebrochen wird. Frostige Riesen greifen an und dringen in die Waffenkammer von Thors Vater Odin (Anthony Hopkins, Das Schweigen der Lämmer) ein. Der hitzköpfige Thor reist mit seinem hinterlistigen Bruder Loki (Tom Hiddleston, High-Rise) sowie seinen Gefährten nach Jotunheim und lässt den Konflikt der Reiche neu entflammen. Außer sich vor Wut, verbannt Odin in seinen Sohn auf die Erde, wo Thor als erstes drei Forschern über den Weg läuft: Jane (Natalie Portman, Black Swan), Darcy (Kat Dennings, 2 Broke Girls) und Erik (Stellan Skarsgard, Melancholia). Währenddessen erklimmt Thors Bruder Loki den Thron …

Querverweise auf andere Filme weiten das MCU aus

Originaltitel Thor
Jahr 2011
Land USA
Genre Fantasy, Action
Regie Kenneth Branagh
Cast Thor: Chris Hemsworth
Jane Foster: Natalie Portman
Loki: Tom Hiddleston
Odin: Anthony Hopkins
Erik Selvig: Stellan Skarsgård
Darcy Lewis: Kat Dennings
Agent Coulson: Clark Gregg
Heimdall: Idris Elba
Frigga: Rene Russo
Sif: Jaimie Alexander
Laufzeit 115 Minuten
FSK

Nachdem Iron Man mit zwei Filmen den Weg für das Marvel Cinematic Universe geebnet hatte, standen innerhalb eines Jahres nun Thor und Captain America an. Zwei Origin Stories, deren primäre Aufgabe es war, den jeweiligen Titelhelden soweit zu etablieren, dass im Anschluss eine Zusammenführung möglich war. Angeteasert wurde Thor bereits in Iron Man 2: Dort verabschiedet sich Coulson von Tony Stark mit den Worten, er sei zu einem neuen Auftrag in New Mexico abkommandiert worden. In einer Szene nach dem Abspann trifft er dort an der Fundstelle von Thors Hammer ein, was unmittelbar zu Coulsons Auftritt in Thor überleitet. Darin wird Coulson von seinem Kollegen beim Anblick des Destroyers gefragt, ob letzterer “einer von Stark” sei. Auch ein Querverweis auf Der unglaubliche Hulk ist vorhanden, als ein “Pionier auf dem Gebiet der Gammastrahlung” genannt wird, mit welchem Bruce Banner gemeint ist. In Captain America findet Red Skull schließlich den Tesserakt in einem Wandrelief des Weltenbaums Yggrdrasil, welcher als “Juwel aus Odins Schatzkammer” betitelt wird. In der Abspannszene von Thor wird jener Würfel dann wieder von Nick Fury (Samuel L. Jackson) präsentiert.

Überraschungen hinter und vor der Kamera

Schon nach wenigen Minuten wird klar, was einen Regisseur wie Branagh an einem Stoff wie Thor reizt: Die Konflikte am Hofe von Asgard stehen der Streitkultur europäischer Königshäuser in nichts nach. Neben Branagh als Regisseur überraschte vor allem die Besetzung von Natalie Portman für die Rolle der Jane Foster. Portman, die vor allem für ihre anspruchsvolleren Engagements bekannt ist, in der Position der weiblichen Errungenschaft des Protagonisten, was wiederum Kritiker auf den Plan rief. Die Figur Jane Foster musste einige Kritik als umkämpfte Damsel-in-Distress einstecken, doch zu jenem Zeitpunkt war noch lange nicht bekannt, dass Natalie Portman zehn Jahre später selbst in die Rolle des Donnergottes schlüpfen sollte (Thor: Love & Thunder, 2021). Die Handlung orientiert sich größtenteils an der klassischen Vorlage und an den neueren Marvel-Ultimate-Comics. Für Zuschauer mag am ehesten ein Bruch mit der Tradition anderer Superheldenfilme darstellen, dass Thor bereits im vollen Besitze seiner Kräfte ist und sie somit nicht erst erlernt oder Herr seiner Kräfte werden muss, sondern bereits aus den Vollen schöpfen kann.

Herausforderung: Wurzeln kappen ohne in die Lächerlichkeit abzudriften

Etwas oberflächlich hingegen bleiben die meisten Figuren. Insbesondere Thor als Titelfigur beschränkt sich auf ein einfaches Gemüt, Jane Foster wächst über einen Stereotypen nicht hinaus. Die einzige halbwegs ausgearbeitete Figur ist der zwielichte Loki, der auch ohne Liebegeschichte auskommt und den nötigen Ernst beisteuert, um die Geschichte nicht vollkommen ins Humorvolle abdriften zu lassen. Diese differenzierte Entwicklung ist außergewöhnlich und fühlt sich erfrischend ambivalent an. Denn egal, ob man Loki nun mag oder nicht: Seine Figur bleibt undurchbschaubar und er ist selten ganz klar einer Seite zuzuordnen, ganz im Gegensatz zu seinem Bruder. Thor hat es auch grundsätzlich erst einmal schwieriger: Mit seinem Götter-Status, dem herablassenden Gehabe und seinem törichten Auftreten passt er weder in das bisherige MCU, noch verkörpert er (abgesehen von seiner Kraft) einen klassischen Superhelden. Auch die Witze auf die Kosten seiner Figur rühren immer daher, dass er sich in einer fremden Welt bewegt und irdische Gepflogenheiten nicht kennt. Das mag zu Beginn noch komisch sein, wenn er in einer Zoohandlung aber nach einem Pferd verlangt, nutzt sich das Niveau der Gags auf die Dauer allerdings ab. Immerhin ist sich das Drehbuch der Kluft zwischen beiden Welten bewusst, weshalb Thors Gefährten auch mal ironisch als “Xena, Jackie Chan und Robin Hood” kommentiert werden.

Thor, Loki … und die anderen

Chris Hemsworth funktioniert in der Rolle vor allem durch sein optisches Erscheinungsbild, doch überlegen ist ihm Tom Hiddleston: Dieser versteht es nämlich, begünstigt durch das Drehbuch, Loki eine Tiefe zu verleihen, welche die Figur auch für die folgenden Projekte des MCUs spannend macht. So richtig Dramatik kommt ohnehin nicht auf, denn Loki wird wohlwissend für einen späteren Zeitpunkt noch wichtig sein. Vor allem auf der Erde macht der Heldenpathos keine gute Figur und wirkt unrund. Da verkommen selbst die Gastgeber Jane, Darcy und Erik zu munteren Sidekicks, die sich auf Asgard ebenso finden lassen (etwa Rene Russo als Thors Mutter Frigga). Angesichts des hohen Tempos bleibt auch gar nicht viel Zeit, um näher auf die Beteiligten einzugehen, und so verwundert es auch nicht, dass sich die junge Romanze zwischen Thor und Jane im Eiltempo entwickelt. Was Jane nun genau an dem schusseligen Gott reizt, bleibt uns der Film schuldig und wird erst in Thor 2: The Dark Kingdom vertieft.

Leichtfüßiger Start ohne Mythos-Einschlag

Dass die Digitaleffekte nicht mit modernen Filmen wie Avengers: Endgame mithalten können, versteht sich von selbst. Man sieht Thor seine Herkunft aus dem CGI-Baukasten deutlich an. Auch die künstlichen Wurzeln der Eisriesen sind dort deutlich zu verorten, was angesichts des ohnehin lockeren Tons nicht weiter ins Gewicht fällt. Trotz augenscheinlicher Fantasy-Dramatik ist Thor eben doch dem Format einer modernen Actionkomödie näher. Das kommt vor allem Einsteigern zu Gute, denn Thors erster Auftritt ist weit davon entfernt, ein nerdiger Comic-Film mit (zu) viel Substanz zu sein, sondern greift das altbewährte Motiv des Sonderlings ab, der sich in einer ihm nicht vertrauten Umgebung zurecht finden muss. Ein Motiv, welches Marvel Jahre später mit Captain Marvel erneut verwendete, um die Situation der Protagonistin in einer ihr fremden Welt als humorvolles Fundament zu nutzen. Vor dem göttlichen Hintergrund hätte es für Thor durchaus mehr Mysterium sein dürfen. Dieser Part bleibt somit vollkommen an Idris Elba (Der Dunkle Turm), dessen Figur Heimdall über den Dingen steht, aber im Hintergrund bleibt.

Fazit

Thors Ausflug auf die Erde lehrt ihn nicht nur Demut, sondern bringt für den Zuschauer ein Actionspektakel mit. Dabei ist die Balance zwischen Irdischem und Überirdischem, Drama, Mythos und Humor erstaunlich ausgewogen. Branagh besitzt das richtige Gespür, um den epischen Stoff angenehm leichtfüßig in Szene zu setzen, und setzt darüber hinaus auch ironische Akzente. So war ausgerechnet Thor der bis dahin erzählerisch ausbalancierteste Teil des MCUs. Die fehlende Ernsthaftigkeit wird von viel Charme und sympathischen Figuren aufgefangen, sodass eine ganz neue Couleur in die erste Phase des damals noch jungen MCU gebracht wurde. Aus heutiger Sicht ist Thor ein simpler Auftakt, der sich insbesondere vom dritten Teil der Reihe deutlich unterscheidet, obwohl der humorvolle Ton maßgebend für die Entwicklung der Reihe war.

© Marvel Studios

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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3 Kommentare
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Taria
Redakteur
2. Januar 2020 7:12

Ich finde es immer noch witzig, dass Tom Hiddleston eigentlich die Rolle des Thors haben wollte. Loki passt aber eindeutig besser zu ihm, da die Rolle vielschichtiger ist und vom Körperbau mal ganz zu schweigen. Ich bezweifle, dass ohne Tom Loki je so beliebt geworden wäre.
Ich habe Thor bereits mehrere Male gesehen (auch auf Englisch) und mir gefällt der Film auch immer noch gut. Er ist nicht perfekt, aber das ist Ragnarök auch nicht und The Dark Kingdom schon gleich dreimal nicht, nur mit der Liebesgeschichte komme ich irgendwie nicht ganz klar. Ging mir letztendlich einfach viel zu schnell das Ganze.

Taria
Redakteur
Antwort an  Ayres
5. Januar 2020 6:31

Ja, die Liebesgeschichte ist hier wirklich zum Vernachlässigen. Aber dennoch könnte sie überzeugender sein, aber hierfür hätte man wahrscheinlich mehr Zeit gebraucht. Tom Hiddleston ist wirklich eine tolle Besetzung für Loki, ich glaube auch nicht, dass viele andere Schauspieler diesen Charakter zu dieser Fanbase verholfen hätte wie Tom. Ja, seine Mimik ist grandios, das merkt man vor allem dann, wenn es eine Szene ist, in der er nicht redet. Aber dennoch kommt alles beim Zuschauer an.
Von Natalie Portman kenne ich nur zwei Rollen, da sie meist in den Filmen mitspielt, deren Genres ich nicht gerade bevorzuge. Aber ich bin dennoch gespannt, was aus Jane Foster charakterlich gemacht wird. Da ja nicht viel Charakter in den ersten beiden Thor-Filmen aufgebaut wurde, hat man den Vorteil, dass man nicht viel kaputtmachen kann.