Shang-High Noon

Zwei ungleiche Kerle raufen sich zusammen und sorgen für Action, Humor und eine Menge Chaos. Im Erstlingswerk von Regisseur Tom Dey (Marmaduke) verschlägt es den Schauspieler und Kampfkünstler Jackie Chan (Police Story) in den Wilden Westen. Wie zuletzt Chris Tucker (Das fünfte Element) Jackie Chan bei seinem US-Debüt in Rush Hour zur Seite stand, ist es nun Owen Wilson (Nachts im Museum), der ihm den Rücken freihält. Als Roy O’Bannon beginnt er Jackie Chan alias Chon Wang mit den Regeln des Wilden Westens vertraut zu machen. Durch diesen Unterricht wird der Asiate selbst zum Banditen und ein Cowboy-Anwärter, der allerdings noch viel lernen muss. Wie erfolgreich die beiden sind, sehen wir in Shang-High Noon bei ihrem gemeinsamen Kampf gegen Rowdies, Kopfgeldjäger, feindliche Indianer und kampfwütige Chinesen. In Shanghai Knights von 2003 verschlägt es die beiden übrigens nach Großbritannien.

 

Als Wachsoldat des Kaisers führt Chon Wang ein eher eintöniges Leben in der verbotenen Stadt des chinesischen Kaiserreiches. Er wird Zeuge, wie Prinzessin Pei Pei (Lucy Liu, 3 Engel für Charlie) gemeinsam mit ihrem Englischlehrer das Land verlassen will. Doch ihr Wunsch frei zu sein, geht nicht in Erfüllung. Ihr Lehrer, dem sie ihr Leben anvertraut, verkauft sie in Amerika an den Bösewicht Lo Fong (Roger Yuan, Once Upon a Time in Vietnam), der sie gefangen hält und vom Kaiser Lösegeld fordert. Chon Wang reist gemeinsam mit Auserwählten der kaiserlichen Garde in den Wilden Westen, um den geforderten Geldbetrag zu übergeben und die Prinzessin heil nach Hause zu bringen. Bei einem Raubüberfall auf den Zug, in dem sich die Männer befinden, macht Chon Wang Bekanntschaft mit dem Cowboy Roy O’Bannon. Für beide endet dieses Treffen alles andere als berauschend: Chon wird von seinen Kameraden getrennt und Roy von seiner Truppe verraten und verstoßen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kämpfen die beiden fortan gemeinsam um das Leben der Prinzessin und ihre Ehre.

Teamwork der Kulturen

Originaltitel Shanghai Noon
Jahr 2000
Land USA
Genre Action, Abenteuer, Komödie
Regie Tom Dey
Cast Chon Wang: Jackie Chan
Roy O’Bannon: Owen Wilson
Pei Pei: Lucy Liu
Falling Leaves: Brandon Merrill
Lo Fong: Roger Yuan
Marshall Nathan van Cleef: Xander Berkele
Calvin Andrews: Jason Connery
Laufzeit 106 Minuten
FSK
Veröffentlichung: 5. Februar 2009

Neugier an der Geschichte bietet vor allem das Aufeinandertreffen der Kulturen: Ein Chinese ist plötzlich ohne jegliche Vorkenntnisse in Amerika und macht erste Erfahrungen mit Indianern, Ponys, Cowboys und Alkohol. Chon und Roy bilden dabei ein gleichwertiges Team, denn sie ergänzen sich perfekt. Da das Drehbuch beiden genügend Raum für Nebenhandlungen schenkt, steht keiner im Schatten des anderen. Die Chemie zwischen ihnen stimmt. Owen Wilson steht der Screentime von Jackie Chan aber in nichts nach und schafft es durch seine sympathische, ab und an vertrottelte Art, nach dem Rauswurf seiner Bande wieder Vertrauen zu finden, einen Mitstreiter zu akzeptieren und ein Partner zu sein, ohne den Chon im wilden Westen aufgeschmissen wäre.

Training, Training, Training

Roy O’Bannon, der zunächst als stolzer, von sich überzeugter Anführer daherkommt, zeigt im Lauf des Films sein wahres Gesicht. Er ist gutmütig, macht sich viele Gedanken und versucht jedweder Gewalt aus dem Weg zu gehen. Was auch erklärt, weshalb seine Schießkünste so miserabel sind, da die Übung und Routine fehlen. Für Chon ist er eine Art Trainer, der ihn unter seine Fittiche nimmt. Zum Training gehören Dinge wie das richtige Halten einer Waffe, kombiniert mit zielen, schießen und treffen (was bei Roy allerdings nicht funktioniert, Chon scheint das fehlende Talent aber auch nicht wahrzunehmen) plus das Reiten auf einem Pferd. Weitere Übungen erinnern etwas an einen Hürdenlauf oder Limbo mit anschließenden Dehnübungen. Aufwärmen ist ja auch wichtig.

Was ist das denn?

Im Saloon lässt es sich wunderbar prügeln. Auch mit fernöstlicher Kampfkunst. Diese Filmszenen nehmen glücklicherweise nicht Überhand, sondern betten sich passend ein. Typische Western-Elemente lassen nicht auf sich warten. So etwa der Kampf eins gegen eins in der Sonne, die Schlägerei im Saloon und das alles natürlich begleitet von typischer musikalischer Untermalung. Für Kenner und Fans der Filmgeschichte rund um den Wilden Westen bietet der Film zudem einige Anspielungen und Referenzen. Roy O’Bannon nennt Chon Wang gerne John Wayne, hinter dessen Namen sich ein berühmter Westernfilmstar verbirgt. Ein Marshall, der Roy und Chon jagt, trägt den Namen Nathan van Cleef. Bekannt ist dieser als Lee Van Cleef, einer der führenden Stars des Italo-Westerns aus den 1960er Jahren. Der Ort Carson City steht im Mittelpunkt des Filmes und erinnert an die Fernsehserie Bonanza. Bei genauem Hinsehen werden findigen Kennern noch weitere Eastereggs auffallen.

Jackie Chan, Humor und Kampfkunst

Jackie Chans Talent lässt sich kaum in Worte fassen und kommt nicht von ungefähr. Bereits als Kind ging er auf die Peking Opera School, ein Internat, welches sich auf die Bereiche Kampfsport, Gesang und Schauspiel spezialisiert. Was er dort gelernt hat, zeigt Chan in vielen Filmen. Seine Bewegungen wirken elegant und bringen teilweise Bewegungskomik mit. Er ist ein großer Fan von Stummfilm-Schauspielern wie Buster Keaton und Charlie Chaplin. Um ihnen Respekt zu zollen, baut er gerne Stummfilm-Elemente bei Kampfszenen ein, die dann für Komik sorgen. Hinzu kommen stellenweise gefährliche Stunts, bei denen er seit Beginn der Filmkarriere auf Doubles oder technische Hilfen verzichtet. Wie bei vielen Filmen mit Jackie Chan sorgen auch bei Shang-High Noon die Outtakes mit deutscher Synchronisation am Ende für Tränen in den Augen. Also nicht verpassen, es lohnt sich auf jeden Fall.

Fazit

Ein perfektes Team, welches sich zunächst nicht versteht, dann aber doch zusammenrauft. Das sind Roy O’Bannon und Chon Wang. Beide besitzen Fähigkeiten, die sie auszeichnen. Jackie Chan bekommt genügend Gelegenheiten, seine Kampfkünste zu zeigen. Und das nicht nur mit seinen Fäusten und Beinen. Einige Requisiten stehen ihm beim Kampf für das Gute treu zur Seite. So zum Beispiel ein Hufeisen, der Stern des Sheriff und ein Elchgeweih. Roy hingegen glänzt durch seine Art, sich durchzumogeln, eine Lösung zu finden und ein sympathisches Auftreten. Negativ fallen lediglich einige Szenen auf, die teilweise überzogen und dadurch nicht ganz so lustig wirken. Bestes Beispiel dafür ist ein Trinkspiel, das die beiden Freunde in der Badewanne führen. Was noch lustig beginnt, artet leider aus und zieht sich in die Länge. Wer eine Western-Kampfkunst-Komödie mit sympathischen Darstellern sehen möchte, ist allerdings mit Shang-High Noon definitiv an der richtigen Adresse.

© Constantin Film


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