Angel of Mine

Lesezeit: 3 Minuten

Solange es Filme gibt, solange wird es darin auch Familien geben, deren Problembewältigung die Verarbeitung traumatischer Ereignisse umfasst. Das Drama Angel of Mine ist das US-Remake des französischen Films Das Zeichen des Engels und wie so häufig wird die Fassung für das US-Publikum mit einem großen Namen garniert. In diesem Fall ist das Noomi Rapace (berühmtgeworden als Lisbeth Salander in der Millennium-Trilogie). Regisseurin Kim Farrant (Spurlos: Ein Sturm wird kommen) sorgt für große Emotionen, ist aber auch nicht weit von einer Rosamunde Pilcher-Verfilmung entfernt.

Lizzie (Noomi Rapace) ist eine aufopferungsvolle Mutter. Wie eine Löwin verteidigt sie ihre Tochter Rosie. Eine Liebe, die nichts und niemand trennen kann. Außer das Leben, denn ihre Tochter ist schon lange tot. Etwas, das Lizzie sich noch immer nicht bewusst gemacht hat, obwohl ihr Leben mit Mann Mike (Luke Evans, Die Schöne und das Biest) äußerlich stabil erscheint. Als sie eines Tages die süße Tochter ihrer Nachbarin Claire (Yvonne Strahovski, The Handmaid’s Tale) kennen lernt, werden jegliche Gefühle und Mutterinstinkte wach. Lizzie ist felsenfest davon überzeugt, dass sie in Lola (Annika Whiteley) ihr eigenes Kind wiedergefunden hat …

Hochemotionale Performance von Noomi Rapace

Originaltitel Angel of Mine
Jahr 2019
Land USA
Genre Drama, Thriller
Regisseur Kim Farrant
Cast Lizzie: Noomi Rapace
Claire: Yvonne Strahovski
Mike: Luke Evans
Rosie: Annika Whiteley
Laufzeit 98 Minuten

Die Hintergrundgeschichte von Angel of Mine ist nicht der einfachste Stoff. Die Depression einer Frau, die nicht loslassen kann und dann auch noch in eine Abwärtsspirale gerät, ist wahrhaft eine Ausgangssituation, die ein Mindestmaß an Empathie voraussetzt. Dementsprechend ist die Besetzung Lizzies umso essenzieller, um einen Zugang für den Zuschauer zu erschaffen. Mit Noomi Rapace wurde ein echter Profi engagiert. Die Schwedin besitzt ein natürliches Talent für abgründige Figuren mit Hang zur Düsternis. Bereits mit ihrer Stimme transportiert sie sehr viele Emotionen, die auch schnell in ein Extrem umschlagen können. So gelingt es ihr auch über weite Teile im Alleingang die Handlung zu wuppen, denn ohne eine derart starke Präsenz würde Angel of Mine schnell in der Bedeutungslosigkeit versinken. Es ist Rapace hoch anzurechnen, dass ihre Figur für genügend Präsenz sorgt. Yvonne Strahovski bildet einen glaubhaften Gegenpol, der es aber mit der Ausdrucksstärke der Protagonistin nicht aufnehmen kann.

Auf Nummer sicher gehen

Der Kern der Geschichte lässt auf dem Papier viele Möglichkeiten zu. Schlägt die Geschichte ins Dramatische um? Bleibt Raum für eine Entführung? Bekommen wir gar Thriller-Elemente serviert? Angel of Mine versucht hier das volle Programm abzudecken, nimmt aber nie so richtig Fahrt auf. Die Emotionen funktionieren immer, was zugegeben nicht schwierig ist, sobald es um verstorbene Kinder und Mutterliebe geht. Insofern bewegt sich das Drehbuch gänzlich innerhalb seiner Komfortzone. Eher spärlich fallen die Szenen aus, welche dieses Metier verlassen und die Chance bieten, an Tempo zu gewinnen. Denn gerade hinsichtlich des Thrills bleibt viel Potenzial liegen, was zu allem Überfluss durch eine Überdosis Kitsch kompensiert wird. Einzig in den letzten 15 Minuten folgt nochmal ein Überraschungsmoment, mit dem man zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr rechnet, allerdings sorgt er auch für keinen außergewöhnlichen Boost. Im Gegenteil: Die letzte Szene verdeutlicht, dass das Ende eben doch nicht so wahnsinnig anders ausfällt als man vermuten möchte.

Fazit

Als reines Drama macht Angel of Mine nichts falsch, wagt aber auch genauso wenig. Wenn auf der Zutatenliste Emotionen versprochen werden, bekommt man die hier auch. Tempo, Thrill und Wagnisse jeder Art werden aber nicht konsequent verfolgt, sodass sich das Verhalten des Drehbuchs geradezu anbiedert. Mehr Mut für das Einschlagen einer Richtung hätte sich hier ausbezahlt: Entweder ein Entführungsthriller oder das Portrait einer Frau, deren Anker in der Vergangenheit liegt. Blendet man die größte Stärke der Produktion, die Hauptdarstellerin, aus, bleibt ein belangloses Drama mit emotionalem Plot, aber geringer Fallhöhe.

© Eurovideo

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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