Drifters – Battle In A Brand-New World War

Lesezeit: 7 Minuten

Wer würde wohl in einem Kampf gewinnen: Napoleon oder Hannibal? Wer solche oder andere historische Überlegungen anstellt, der darf gerne einen Blick in den 2016 von Hoods Entertainment produzierten Anime Drifters – Battle In A Brand-New World War werfen. Hier landen nämlich historische Figuren aus verschiedenen Zeiten in einer anderen, fantastischen Welt, in der sie um den Fortbestand der menschlichen Rasse kämpfen sollen. Die Geschichte stammt aus der Feder von Hellsing-Schöpfer Kouta Hirano. Sein gleichnamiger Manga erscheint hierzulande seit April 2011 beim Panini Verlag. Seit dem 11. Oktober 2018 liegt die komplette Serie dank Universal Pictures in einer schicken Limited Premium Edition vor, die wir uns nicht entgehen lassen konnten.

    

Wir schreiben das Jahr 1600 und die Schlacht von Sekigahara ist in vollem Gange. Toyohisa Shimazu stellt sich dem Feind in den Weg, damit sein Onkel das Schlachtfeld verlassen kann, um so dem Clan in späteren Zügen zum Sieg zu verhelfen. Als sein letztes Stündchen geschlagen hat, landet er plötzlich in einem seltsamen weißen Gang mit vielen Türen. Wenige Meter vor ihm steht ein Schreibtisch, hinter dem ein Mann mit Brille sitzt. Erklärungen gibt es keine, denn noch bevor der verblutende Toyohisa auch nur eine Frage stellen kann, wird er in eine dieser Türen gesaugt. Als der Samurai das nächste Mal die Augen öffnet, wurde er verätzt und befindet sich in der Gesellschaft von niemand geringerem als Nobunaga Oda — einem Mann der eigentlich tot sein müsste, da 20 Jahre zuvor umgebracht wurde. Doch nicht nur Oda ist bei ihm, sondern auch der legendäre Krieger Yoichi Suketaka Nasu aus dem Jahre 1189. Wie der Neuankömmling erfährt, sind alle drei in einer anderen Welt gelandet, wo neben Menschen auch Elfen, Zwerge, Drachen und Monster leben. Sie alle wurden aus einem bestimmten Zweck hierher geschickt. Es gibt noch weitere Gestrandete, sogenannte Drifters, wovon einige es sich zum Ziel gesetzt haben, die Menschheit auszulöschen. Toyohisa und seine Gruppe sollen dies unter allen Umständen verhindern.

Ein paar Samurais hier, ein paar Wildwest-Schützen da und die berühmteste Jungfrau Frankreichs

In Drifters -Battle In A Brand-New World War erwartet den Zuschauer eine ganze Palette an historischen Figuren. Wer sich mit diesen auskennt, wird hier sehr viel Spaß haben. Denn wenn sich zum Beispiel Stratege Nobunaga mit dem senilen Hannibal Barca verbündet, dann hat der Feind nichts zu lachen. Für europäische Zuschauer wird es nur nicht ganz so einfach sein, da alleine die drei Hauptfiguren japanische Samurais sind. Immerhin ist mit Nobunaga einer der drei Reichseiniger dabei. Durch viele andere Geschichten, wie z.B. Sengoku Basara, erlangte er auch außerhalb Japans einen gewissen Bekanntheitsgrad. Nur keine Sorge, zum Ausgleich erscheinen im Laufe der Handlung auch noch weitere Persönlichkeiten, wovon alleine Butch Cassidy, Jeanne d’Arc und Anastasia Romanova ein paar Glöckchen klingeln lassen werden. Wer mit den drei Samurais jedoch nichts anfangen kann, sollte vielleicht vor dem Konsum einen kleinen Abstecher zu Wikipedia machen. Es werden zwar die wichtigsten Eckdaten der drei in der Serie selbst erwähnt, aber gerade im späteren Handlungsverlauf sind die Hintergründe sehr wichtig. Dass geschichtliches Wissen von Vorteil ist, zeigt sich schon beim ersten Aufeinandertreffen der Krieger. Da erfährt nämlich Nobunaga dank Toyohisa, wer ihn umgebracht hat. Bevor die Charaktere in die andere Welt geschleudert wurden, sind sie in ihrer jeweiligen Zeit gestorben. Sollten sie zumindest, laut Geschichtsschreibung! Leider vergeht ein wenig Spielzeit, bis klar wird, was ihre Aufgabe in der neuen Welt ist.

Gut gegen Böse?

Originaltitel Drifters
Jahr 2016
Episoden 12
Genre Action, Historie, Fantasy
Regisseur Kenichi Suzuki
Studio Hoods Entertainment

Im Laufe der Folgen zeichnet sich ab, dass sich zwei unterschiedliche Gruppen aus den Gestrandeten gebildet haben. Das eine sind die Drifters, die dafür kämpfen, den Erhalt der menschlichen Rasse zu sichern. Das andere die Ents, die ihren Glauben an die Menschheit verloren haben. Obwohl die erste Gruppe für die Menschen kämpfen soll, lässt sie sich nicht unbedingt mit dem Begriff Heldengruppe bezeichnen. Viel mehr plant der gute Nobunaga, sich sein eigenes neues Reich aufzubauen. Für Toyohisa ist fast alles egal. Hauptsache er kann in der Schlacht sterben und Yoichi möchte eine alte Rechnung begleichen. Hier wird nicht wirklich das klassische Heldenbild aufgebaut. Das macht Drifters – Battle In A Brand-New World War sehr interessant, da der Handlungsverlauf nicht immer vorhersehbar ist. Als kleines Beispiel rettet Toyohisa ein Elbendorf vor der Auslöschung durch eine Einheit von Soldaten der Menschen. Die Welt, in der die Geschichte spielt, lässt Fantasyherzen höher schlagen. Es gibt Elben, grummelige Zwerge und sogar Drachen, die hier als Lufteinheit vom Feind eingesetzt werden. Da kommen einem schon mal Gedanken, dass Kouta Hirano auf Tolkiens Spuren wandert.

Der erste Akt

Der Anime von Drifters setzt den Inhalt der ersten vier Mangabände vorlagengetreu um. Woran jedoch Veränderungen vorgenommen wurden, ist der markante Humor. Dieser wurde um Einiges reduziert und entschärft. Es lässt sich darüber streiten, ob so vom Flair der Vorlage verloren geht. Jedoch erspart sich der Zuschauer dadurch ein paar billige Witze auf Kosten Homosexueller oder frauenfeindliche Kommentare gegenüber der vollbusigen Olmine. Da der Manga noch nicht abgeschlossen ist, endet leider auch der Anime mitten in der Handlung. Es ist daher zu hoffen, dass es irgendwann weitergeht. Leider erscheinen nur sehr langsam neue Kapitel, weswegen wir viel Zeit einrechnen müssen. Immerhin hat die erste Staffel inhaltlich zwei größere Höhepunkte, wovon einer eine Verteidigungsschlacht in einer Stadt ist, bei der zwei Samurais auf furiose Art die Klingen kreuzen dürfen.

Hellsing lässt grüßen

Das eigens für den Anime gegründete Studio Hoods Entertainment hat hier ganze Arbeit geleistet. Die Animationen sind flüssig und die stylischen Kämpfe aus der Vorlage sind genial umgesetzt. In der Besetzungsliste sind einige Namen aus der Hellsing Ultimate OVA-Produktion zu finden, wie etwa Ryouji Nakamori. Kein Wunder, dass dieser die Figuren so detailgetreu umgesetzt hat, wenn er schon früher mit Kouta Hiranos Stil zu tun hatte. Auf dem Regiestuhl saß Kenichi Suzuki, der 2018 an dem Anime Cells at Work! arbeitete. Der abwechslungsreiche, teils epische Soundtrack stammt aus der Feder von Yasushi Ishii (Darker than Black: Kuro no Keiyakusha Gaiden) und Hayato Matsuo (The World God Only Knows). Ein besonderer Leckerbissen ist dabei das Stück „開闢“, das einen sofort in die richtige Stimmung für eine Geschichte mit Samurais bringt.

Wenn Elfen und Zwerge singen

Das Opening ist ein wahres Highlight jeder Folge. Gesungen wird das englische Stück von Minutes Til Midnight, heißt „Gospel Of The Throttle 狂奔REMIX ver.” und lädt bei seinen Nanana-Passagen zum Mitsingen ein. Optisch macht das Video auch einiges her, da hier teilweise die Szenen nur skizzenhaft ausgearbeitet worden sind. Viele Leute können nicht anders als zu lachen, wenn die Zwerge und Elfen singen. Das Ending von Maon Kurosaki mit Namen „Vermillion” kann leider nicht mit dem Vorspann mithalten, da der Song nicht so eingängig ist. Immerhin bietet es einiges für die Augen, denn hier sind die Bilder in einem alten Tuschestil aufgemacht. Der zwölften Episode spendierte das Kreativteam einen anderen Song, der aus der Feder von Yasushi Ishii stammt und „Rurou no Zakuro” heißt. Ein bei weitem stimmungsvollerer Song, der unter die Haut geht.

Machtkampf auf Deutsch

Die hiesige Vertonung lag beim Berliner Oxygen Sound Studios, welches Animeerfahrung mit unter anderem Free!, Steins;Gate und Aldnoah.Zero sammelte. So merkt man schon in der ersten Folge, dass darauf geachtet wurde, dass Namen und Orte richtig ausgesprochen werden. Etwas, das leider auch heute noch nicht selbst verständlich ist, hört man sich die deutsche Sprachfassung von Touken Ranbu: Hanamaru an. Ein besonderes Lob geht vor allen daran, dass die Sprache der anderen Welt von den deutschen Sprechern ebenso eingespielt wurde. Bei der Wahl der Sprecher hört der Zuhörer schnell, dass hier Leute mit Erfahrung am Werk sind. Toyohisa Shimazu wird im japanischen von Yuuichi Nakamura (Tetsurou Kuroo in Haikyu!!) gesprochen. Frank Schaff, Stammstimme von Ethan Hawke (Predestination – Entführung in die Zukunft), verleiht ihm im Deutschen seine Stimme, bei der er gekonnt viel Variation hineinbringt. Viel Spaß schien Sven Brieger (Amon Ogata in SWORDGAI The Animation) bei seiner Interpretation von old man Nobunaga Oda zu haben. So schafft er den Spagat zwischen lustig, nachdenklich und badass, so dass der Figur viel Leben eingehaucht wird. Damit steht er Naoya Uchida (Madara Uchiha in Naruto: Shippuuden in nichts nach. Der Bogenschütze Yoichi Nasu kann sich über einen Geschlechtswechsel freuen. Mitsuki Saiga (Tsukasa in .hack//SIGN) schenkt dem zierlichen Samurai im japanischen die Stimme, während Dirk Stollberg (Mikleo in Tales of Zestiria the X) auf deutsch den Bogen anlegen darf. Ein besondere Überraschung gibt es für Hellsing Ultimate-Fans. Denn Torsten Münchow, die deutsche Stimme des Vampirs Alucard, spricht hier den Oberbösewicht Schwarzer König.

Drifters -Battle In A Brand-New World War gehört zu den wenigen Titeln, die ich besser finde als ihre Vorlage. Das ist eine echte Seltenheit, wie eine Perle. Ich finde optisch alles viel ansprechender, da gerade die Kämpfe besser dargestellt werden. Außerdem wurden an den richtigen Stellen Dinge hinzugefügt oder weggelassen. Alleine die Eröffnungsszene, bei der Toyohisa in der Schlacht von Sekigahara kämpft, ist hier viel ausführlicher und für mich als Samurai-Fangirl purer Zucker! Der unpassende Humor ist hier auch reduziert, wofür ich sehr dankbar bin. Handlungstechnisch hat der Anime jedoch sowohl Stärken als auch Schwächen seiner Vorlage übernommen. So geht es hier und da recht gemächlich voran und wenn man zurückschaut, ist nach zwölf Folgen gar nicht so viel passiert. Allerdings hat das Langsame auch etwas für sich, denn es bleibt dabei sehr realistisch wie militärisch vorgegangen werden muss. Hier macht es besonders viel Spaß, Nobunaga in Aktion zu sehen. Allgemein ist er eine wirklich schillernde Persönlichkeit, die hoffentlich so bleibt, wie sie ist. Meine Lieblingsfigur ist Toyohisa, der einen mit seiner einfachen Art überzeugen kann. Zusammen mit Yoichi sind die drei ein interessantes Trio, dem ich im Verlauf der Serie meine Daumen gedrückt habe, dass sie die Probleme überstehen, die vor ihnen liegen. Als Shinsengumi-Fan finde ich es klasse, dass Hijikata mitmischen darf. Schade nur, dass er auf der Seite der Ents steht. Sein Kampf gegen Toyohisa ist auf jeden Fall das Highlight der Staffel, denn hier mussten beide tief in die Trickkiste greifen. Ich hoffe sehr, dass Toyohisa sein Schwert reparieren kann.  Ich liebe das Opening! Es ist optisch sehr interessant, der Song ist nach meinem Geschmack und ich muss einfach immer grinsen, wenn die Nanana-Passagen kommen. Ich freue mich sehr darüber, dass Drifters -Battle In A Brand-New World War es nach Deutschland geschafft hat und dann noch in einer solch schicken Edition mit so vielen Beilagen. Außerdem ist die deutsche Sprachfassung wirklich ein Genuss, denn die Sprecher machen ihren Job wirklich ausgezeichnet.

© Hoods Entertainment

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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Iruka
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Iruka

Als ich in die Serie das erste Mal reingeschaut habe, hat sich mich zuerst nicht gefesselt. Irgendwie bin ich mit ihr nicht warm geworden und habe nach einer Folge abgebrochen.
Einige Zeit später schwärmt mir aber ein Fan in den höchsten Tönen davon vor und erzählt so unterhaltsam, dass ich nun doch neugierig geworden bin. Bei diesen geschichtlichen Verwicklungen war ich ganz froh, dass ich mir die deutsche Version ausleihen durfte. Was soll ich sagen: Ein launischer Dämonenkönig, ein talentierter Bogenschütze und ein fähiger Hitzkopf, dazu noch eine ordentliche Menge Blut plus Fantasy, da konnte ich dann doch nicht mehr aufhören. Plötzlich waren zwölf Folgen vorbei und ich dachte nur: Hallo? Wie geht es weiter? Wann vor allem geht es weiter?? Sobald eine zweite Staffel läuft, möchte ich sie unbedingt ansehen. Mein Kompliment auch an die deutschen Sprecher, diese wurden sehr passend ausgesucht. Vor allem das Lachen von Nobunaga, da läuft es einem kalt den Rücken runter. 😀