Detektiv Conan: Episode ONE – Der geschrumpfte Meisterdetektiv

Klein, aber oho und das schon über Jahrzehnte hinweg! Detektiv Conan startete als Animeserie  in den 90er Jahren in Japan. Zwei Dekaden später feierte sie 2016 ihr 20-jähriges Jubiläum, das mit Detektiv Conan: Episode ONE – Der geschrumpfte Meisterdetektiv geehrt wurde. Das TV-Special in Kinofilmlänge gilt als Remake der ersten Folgen, doch gibt es darin weitaus mehr zu entdecken als lediglich ein Abpausen der Handlung in aktueller Optik im Widescreen Format. Kazé Anime veröffentlicht den Film am 29. Mai 2018 im Rahmen der „Anime Nights“ und am 27. Juli 2018 auf Blu-ray/DVD.

    

Shin’ichi Kudo ist ein 17-jähriger Detektiv. Als großer Sherlock Holmes-Fan und gesegnet mit einer brillanten Kombinationsgabe, stellt er diese auch gerne ins Rampenlicht. Allerdings besser nicht vor Ran Mori, seiner Kindheitsfreundin, die buchstäblich austeilen kann und sich auf ein Karate-Turnier vorbereitet. Während die beiden ein friedliches Leben führen (lediglich unterbrochen durch einen Mord im Umfeld von Sonoko, Rans bester Freundin). Als sich der Weg der Schurken Gin und Vodka mit einem Besuch von Shin’ichis und Ran im Tropical Land-Vergnügungspark schneidet, kann Shin’ichi seiner Spürnase nicht widerstehen. Ein Preis, den er mit seinem bisherigem Leben bezahlt, da er sich fortan in einem geschrumpften Körper wiederfindet…

Nichts für Neueinsteiger

Originaltitel Meitantei Conan: Episode One – Chiisaku Natta Meitantei
Jahr 2016
Laufzeit 92 Minuten
Genre Krimi, Drama, Comedy
Regisseur Yasuichiro Yamamoto
Studio TMS Entertainment

Das Special ist ein Remake des Anfangs der Serie, aber keineswegs eine Einführung ins Franchise. Handlungstechnisch setzt das Special ein wenig früher als die TV-Serie (und der Manga) an und expandiert u.a. den allerersten Fall, von dem man in den Ursprungsformen nur die Entlarvung des Mörders und Shin’ichis trittstarke Fußballfähigkeiten erlebt. Dieser ist nun ein Mordfall im beruflichen Umfeld von Sonokos Familie geworden. Doch selbst das ist nur das Endstück des ersten Drittels. Das Special setzt viel weiter vorne an und bezieht viele der späteren Flashbacks und Referenzen mit ein, die zwar chronologisch in den durch das Special abgesteckten Zeitraum fallen, aber sehr viel später in der Serie nach und nach aufgerollt wurden. So haben etliche Figuren, die erst nach höherer dreistelliger Episodenzahl der TV-Serie ihren ersten Auftritt feierten, im Special einen Cameo-Auftritt, der für Neueinsteiger im besten Falle gar nichts aussagt oder im schlechten einen fetten Spoiler darstellt. Am prominentesten tritt von den zukünftigen Figuren Sherry auf, mit der das Special auch beginnt und auf die man sich kaum einen Reim kann, wenn man Ai Haibara nicht schon anderweitig kennen gelernt hat. Beendet wird der Film mit einer raschen Abfolge von Szenen im einem Trailer/Preview Stil in denen andere spätere Figuren (Heiji, Kaito Kid, Yoko Ono, Vermouth, Jodie, Akai) vorgegriffen werden, als auch einige frühe Fälle, die die moralischen Grundsteine der Serie grundlegend geprägt haben (u.a. “Der Milliardenraub”, “Mondscheinsonate”, “Späte Sühne”, “Der Giftmord”). Fast jede wiederkehrende Figur, bis zum damaligen 2016er Stand der Serienhandlung hat damit einen Cameo-Auftritt in diesem Special abbekommen. Nicht sehr einsteigerfreundlich, aber eine schöne Ostereisuche für langjährige Fans, für die dieses Format auch produziert wurde.

Die gute alte Zeit?

20 Jahre sind viel Zeit, in der sich ein Zeichenstil entwickeln kann. Conan in den 90ern hatte noch wesentlich rundere, kindlichere Cartoon-Stil Züge, während der Conan aus dem Special alleine durch seine kantigere Gesichtsform fast doppelt so alt aussieht. Doch wird der langjährige Fan durch Der geschrumpfte Meisterdetektiv daran erinnert, dass die Anfänge der Serie dafür Inhalte zu bieten hatten, bei denen Tode noch eine wirklich grausame Angelegenheit waren und auch entsprechend grafisch präsentiert wurden. Der erste vollständigen Fall der Serie und Shin’ichis letzter Fall vor seinem Schrumpfen im Tropical Island decken sich inhaltlich mit dem der TV-Serie. Ein Fall mit einer blutigen Enthauptung, die der geneigte Zuschauer in aller Klarheit zu Gesicht bekommt. Leichen bekommt man in der Serie auch aktuell alle paar Kapitel/Folgen serviert, doch sieht man ihnen mittlerweile auch an, dass die Serie ihren Platz mit Stellenwert als moralisches Bildungswerk eingenommen hat. Spielerische Fälle ohne Morde haben zugenommen, genauso wie Fälle mit Morden im Vergleich geradezu zahnlos erscheinen. Abgesehen von einer Blutfontäne spiegelt sich das auch im Special wieder. Slice of Life, Romantik und Comedy haben einen großen Anteil. Der erste Fall wirkt wie eine Alibi-Erlaubnis, um Sonoko einen Auftritt zu verschaffen. Der Fall im Tropical Island der originalgetreu brutal adaptiert wurde, tanzt da geradezu aus der Reihe, während er viel an Nostalgie hochkommen lässt.

20 Jahre Jubiläum (22 Jahre zum Zeitpunkt der deutschen Erscheinung). Dabei möchte man meinen, so lange kann das doch gar nicht her sein, schließlich ist Conan selbst im aktuellen Band 93 der Mangavorlage und etwa neunmal so vielen TV-Episoden immer noch ein Grundschüler. Das Special zeigt mir aber klar, warum ich Detektiv Conan eigentlich noch verfolge: Nicht etwa wegen Krimi-Spannung, sondern wegen den unterhaltsamen Interaktionen des riesigen Figurenensembles, der sich über die Jahre so angesammelt hat.  Detektiv Conan ist schon seit einer Weile für mich zu einer Slice of Life-Comedy-Romantik-Show mit einigen gut durchdachten Rätseln geworden. Alleine die facettenreiche Mimik macht Gosho Aoyama so schneller keiner nach. Genauso wie selbst neue “Eintagsfliegen” nahezu nie wie Klone alter Figuren wirken, wenn auch leider auch nur auf Charakterdesign-Ebene. In den alten Fällen heben sich diese noch dadurch hervor, dass sie eine eigene Identität haben, die die Hauptfiguren berührt und emotional involviert. Das gab ihnen und ihren Fällen richtige dramatische Spannung. Oder es herrschte auch einmal tatsächliche Todesgefahr, wie etwa als der Mann vom Flashforward mit dem Baseballschläger auf Conan losgeht (bevor man sich an den Gedanken gewöhnt hat, dass fast alle Figuren einen sehr dicken Plotarmor tragen müssen). Ach ja, die gute alte Nostalgie, die leider aber auch nicht darüber hinweg hilft, dass ich ersten Zeichenstil mit Conans überdimensionierten Pandaohrkarikaturen wohl nie wieder so wirklich ernst nehmen kann.

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch nicht um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben, sich verständigt zu bekommen, vertreibt sie gerne die Zeit mit dem Lernen und Erproben verschiedener Sprachen und derer Ausdrucksformen.

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Ayres
Redakteur

Sind eigentlich konkret weitere Filme geplant, die Schlüsselszenen zu Filmen zusammenfassen? Immerhin heißt das Special ja “One”, da sollte thereotisch doch noch mehr kommen (hopefully vor dem nächsten Jubiläum). Wäre durchaus mal einen Blick wert.