Raven’s Hollow

„Sprach der Rabe: Nimmermehr.“ Fliegen diese Verse durch den Raum, so denken wir augenblicklich an das berühmte Gedicht Der Rabe von niemand Geringerem als Edgar Allan Poe. Doch wie kam der Vater der Horrorliteratur auf diese berühmten Zeilen? Regisseur und Drehbuchschreiber Christopher Hatton (Battle of the Damned) überlegte sich zusammen mit Chuck Reeves (Monster Village ‒ Das Dorf der Verfluchten), welche düsteren Ereignisse wohl als Inspiration dafür dienten. Jene Gedanken wuchsen dann zum Skript für den Film Raven’s Hollow an, der auf dem Fantasy Filmfest 2022 läuft und in dem Poe seine Militärzeit erneut erlebt, ihn schließlich der Fund einer Leiche aber zu düsteren Machenschaften führt. Ob die britische Produktion mehr als nur ein meckerndes Krächzen entlockt, lest ihr hier.

 

Im Jahre 1830 findet eine Gruppe junger Militärkadetten eine seltsam zugerichtete, als Vogelscheuche anmutende Leiche eines Mannes. Als sich einer der Soldaten, Edgar Allan Poe (William Moseley, (Land of Dreams), diese näher betrachtet, erwacht der Scheintote für seine letzten Atemzüge noch einmal und haucht das Wort „Raven“. Genau dieses führt die Gruppe dann in das naheliegende Städtchen Raven’s Hollow. Keiner der Anwohner scheint den Toten zu kennen, doch wirken alle bei ihren Antworten sehr ausweichend, was die Soldaten misstrauisch stimmt. Deswegen mietet sich die Truppe über Nacht im Gasthaus ein, was zur Folge hat, dass am nächsten Morgen ein Kamerad fehlt.

Verschießt sein Pullover schon zu Beginn

Originaltitel Raven’s Hollow
Jahr 2022
Land Großbritannien
Genre Thriller
Regie Christopher Hatton
Cast Edgar Allan Poe: William Moseley
Charlotte Ingram: Melanie Zanetti
Elizabet Ingram: Kate Dickie
Dr. Garrett: David Hayman
Will Taylor: Callum Woodhouse
Usher: Oberon K.A. Adjepong
Laufzeit 98 Minuten
FSK unbekannt
Titel im Programm des Fantasy Filmfest 2022

Mit einer jungen Dame im Wald, welche plötzlich etwas wahrnimmt, und panisch in ihr Haus flüchtet und dort auf etwas trifft, beginnt Raven’s Hollow. Ein richtiges Rätsel bleibt aus, denn es geht wenig subtil zu, weshalb es nicht überrascht, welche Richtung die Geschichte einschlägt. Trotzdem schafft es der Film gerade mit dem Eintreffen im kleinen Ort Neugier für die anstehende Mördersuche zu erzeugen. Schließlich wären da eine Leiche und ein paar wenig zutrauliche Bewohner, die nun wirklich nicht den Anschein erwecken, als sei mit ihnen gut Apple Pie essen. Doch Poe sucht zielstrebig den Mörder. Zwei seiner Mitstreiter erfahren hingegen von einer alten Legende über ein Wesen, das schon vor den ersten Siedlern da war. Na, wäre hätte das gedacht!

Wirklichkeit oder Einbildung?

Doch ganz so einfach macht es uns die Handlung nicht, denn lechzt hier wirklich ein Monster nach Blut? Wenig abwechslungsreich spielt die Handlung mit dieser Frage. Es fehlt an ausdifferenzierten Charakterprofilen, außerdem fallen einige Szenen zu eindeutig aus und gerade das Ende ergibt keinen Sinn, da nicht alle Figuren zu tief ins Opium-Whiskeyglas schauten. Dies ist keineswegs der einzige Wermutstropfen, denn was aus einem seiner Kameraden wird, bleibt auch am Ende ungeklärt . Bis dahin gibt es einige unheimliche Szenen, die ihre Wirkung entfalten. Bliebe nur die fast immer verräterische, an den Nerven zerrende Musik weg.

Lovestory Light

Verschenktes Potenzial findet sich bei Raven’s Hollow auch innerhalb der Figuren. Gerade Poe besteht allenfalls aus einem starken Wissensdurst und einem ausgeprägten Pflichtbewusstsein, auf seine schwierige Vergangenheit geht die Geschichte leider kaum ein. Die anderen Kadetten bleiben sogar noch blassere Schatten an einer Wand. Gerade der aufkommende Streitpunkt Flucht oder das Erfüllen ihrer Pflicht um den Täter zu finden, bietet einen anregenden Konflikt, nur bleibt dieser auf der Strecke, weil die Drehbuchautoren ihre Figuren nicht tief genug ausbauen. Ebenso die aufkommende Liebesgeschichte zwischen unserem bald berühmten Schriftsteller und der Tochter des Gasthauspaares, Charlotte (Melanie Zanetti (Love and Monsters), lässt sich null als leidenschaftliche Flamme, sondern eher als schnell verflogener lascher Funke bezeichnen.

So grau wie der britische Himmel

Ein trister, grauer Wald und ein eher wenig einladendes Städtchen mit einigen Fachwerkhäusern stellen die Schauplätze von Raven’s Hollow dar. Dabei bleiben die Farben immer gedeckt, was zur düsteren Stimmung passt. Ebenso erweckt die Kleidung den damaligen Zeitgeist passend wieder und vor allem die verschlossene Gasthausbetreiberin Kate Dickie (The Northman) wirkt wie von einem damaligen Foto entsprungen. Nur beim Spiel mit der Schärfentiefe ist weniger doch gerne einmal mehr, denn so fragen sich Zuschauende doch vielleicht, ob die Brille verrutscht ist.

Fazit

Unglücklicherweise verschenkt Raven’s Hollow einiges an Potenzial. Dabei sind die Zutaten nicht das Problem! Eine Gruppe Männer mit verschiedenen Ansichten, eine alte Legende und eine Gemeinschaft mit düsteren Geheimnissen ergeben nichts Neues, aber bei richtiger Dosierung und Zubereitung einen spannenden Genuss. Da allerdings alle Figuren zu wenig Charakterausbau erfahren, nimmt das Schicksal dieser auch kaum mit. Immerhin Poe zieht mit seinem richtigen Moralkompass. Die eine oder andere atmosphärische Szene wartet auf uns und hin und wieder entfaltet sich eine angenehme gruselige Stimmung. Für die musikalische Untermalung benötigt es aber das Talent, diese einfach ausblenden. Unterm Strich bleibt ein Film, der anders als die Werke des Schriftstellers nicht den Zeitgeist überdauert.

© Canoe Film

Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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