Sing a Bit of Harmony

Kann eine KI oder ein Android wie ein Mensch sein? Dieser Frage sind schon zahlreiche Medientitel nachgegangen, aber in Sing a Bit of Harmony handelt es sich bei der KI um einen Prototyp, der als Test eine Woche wie ein normaler Teenager zur Schule gehen soll. Nur dass diese KI, genannt Shion, für ihr Leben gerne singt und aus irgendeinem Grund merkwürdig interessiert an Mitschülerin Satomis Wohlbefinden ist, obwohl ihr das doch niemand einprogrammiert hat. Der Anime-Film von Studio J.C. Staff und Regisseur Yasuhiro Yoshiura (Time of Eve) kam im Oktober 2021 in die japanischen Lichtspielhäuser. Hierzulande startete das Coming-of-Age-Werk mit Science-Fiction-Elementen am 26. Juli 2022 im Rahmen der Crunchyroll Anime Nights 2022 in ausgewählten Kinos. Die Disc-Fassung soll hingegen am 1. Dezember desselben Jahres veröffentlicht werden.

   

Schülerin Satomi ist an ihrer Schule eine Außenseiterin. Als aber die neue Schülerin Shion in ihre Klasse kommt, stellt ihr diese eine entscheidende Frage: “Bist du glücklich?” Satomi hat darauf natürlich keine Antwort und das neue Mädchen wirkt schlicht suspekt. Sie ist wunderschön, ein Ass in absolut jedem Bereich und fängt ständig an, plötzlich ein Lied zu trällern … und eben merkwürdig interessiert an Satomis Glück. Denn was niemand wissen soll: Shion ist eine hochentwickelte KI und ihr Schulbesuch der entscheidende Test, ob sie von ihren Mitschülern als echter Mensch wahrgenommen wird. Während Satomi dies bereits zufällig mitbekommen hat, erfahren durch einen Vorfall auch ihr entfremdeter Kindheitsfreund Toma, der beliebte Gocchan, die vorlaute Aya und der Judosportler Thunder von diesem Umstand. Können sich die fünf Jugendlichen zusammenraufen, um so Shions Geheimnis zu bewahren? Und warum möchte Shion Satomi glücklich machen?

Eine von KIs umgebene Welt

Originaltitel Ai no Utagoe o Kikasete
Jahr 2021
Laufzeit 110 Minuten
Genre Science-Fiction, Coming-of-Age
Regie Yasuhiro Yoshiura
Studio J.C. Staff
Kinostart: 26. Juli 2022

Dass es sich bei Shion um eine eine KI handelt, wissen Zuschauer:innen bereits durch die ersten Szenen des Films, schließlich präsentieren diese, wie sie im Labor konfiguriert wird. Äußerlich ist ihr dabei überhaupt nicht anzusehen, dass es sich bei ihr um keinen Menschen handelt und auch deshalb gilt sie nicht nur als sehr hochentwickelter Prototyp, sondern einer, der die nicht näher definierten KI-Gesetze auslotet. Denn tatsächlich sind künstliche Intelligenzen in der Welt des Films so normal, als hätte man nie ohne sie gelebt. Doch wirken sie nicht menschlich, sondern es handelt sich eben um Maschinen wie Busse oder Roboter. Shions Erschafferin und die Hauptverantwortliche für das Projekt ist Satomis Mutter, was auch der Grund für Satomis Kenntnisse über das Wesen ihrer neuen Mitschülerin ist. Sie konnte nämlich einen Blick in die Arbeitsdokumente ihrer Mutter werfen. Selbstverständlich darf diese das aber nicht erfahren, schließlich besteht der Sinn des Testes darin, dass sich Shion wie ein authentischer Teenager verhält und deswegen niemand hinter ihr Geheimnis kommt.

Das alltägliche Schulleben – mit der helfenden KI Shion

Sing a Bit of Harmony präsentiert sich als ausgesprochen ruhige Coming-of-Age-Geschichte. Insbesondere die erste Hälfte zeigt die Jugendlichen nur in ihrem Alltag, der eben durch Shion plötzlich durcheinandergewirbelt wird. Denn durch das gemeinsame Geheimnis verbindet sie nun etwas. Wobei Satomi zunächst befürchtet, jemand würde einfach ausplaudern, was Shion ist. Schließlich würde ein Versagen des Tests von Shion weitreichende Konsequenzen für Satomis Mutter haben. Gerade die zickig und oberflächlich wirkende Aya bereitet ihr Sorgen, allerdings zeigt sich hierin auch eine Stärke der Produktion. Denn Aya und die anderen Jugendlichen sind viel mehr als das, was sie nach außen hin zeigen. So fällt es ihr schwer, ihrem Freund Gocchan ihre wahren Gefühle zu offenbaren, weswegen er annimmt, sie sei nur wegen seiner Beliebtheit mit ihm zusammen. Als ein echtes Herzstück der Handlung kann hingegen die Beziehung zwischen Satomi und Toma bezeichnet werden. Als Kinder waren sie beste Freunde bis ein harmlos scheinender Vorfall dazu führte, dass sie sich auseinanderlebten. Shion hilft ihnen nun, wieder zueinander zu finden, ebenso wie sie allen anderen bei ihren Herzenswünschen hilft. Obwohl alle fünf zentralen Charaktere tolle Momente zugestanden bekommen, bleibt dabei doch Protagonistin Satomi diejenige, von der Zuschauer:innen am meisten erfahren und die dementsprechend am mehrdimensionalsten wirkt. So erfahren wir von ihr, dass sie seit ihrer Kindheit ein großer Fan der Zeichentrickserie “Die Mondprinzessin” ist, was sie direkt etwas greifbarer macht.

Spannende Ansätze, aber Fokus auf die Handlung

Sing a Bit of Harmony ist sich grundsätzlich als ein erheiternder Titel, der mit schönen Momenten glänzt, aber es gibt auch überraschend ernste Momente (die jedoch nie zu deprimierend wirken) und gerade in der zweiten Hälfte wird es sehr emotional. Ebenso regt die Handlung zum Nachdenken an. Wobei Gedankengänge wie etwa die Frage, ob eigenständige und sich entwickelnde KIs langfristig nicht eine Gefahr für Menschen darstellen könnten, nur sehr kurz angesprochen werden. Das mag einerseits schade sein, sorgt aber andererseits dafür, dass die rund 110 Minuten Laufzeit nicht überladen wirken und sich der Film auf das Wesentliche konzentrieren kann. Schließlich soll es in erster Linie darum gehen, wie sich die Freundschaft zwischen Shion und der Gruppe Jugendlicher entwickelt, aber auch, wie sie ihr Leben verändert. Schön ist dabei die Konzentration auf platonische Bindungen aller Art, denn während auch Romantik nicht ausgespart wird, so handelt es sich dabei lediglich um das Beiwerk. Der Fokus liegt eben auf den verschiedenen Charakteren, ihren Bindungen und natürlich Shion. Gerade die wachsende Freundschaft in der Gruppe selbst ist dabei wunderschön zu sehen, da sie sich zu großen Teilen zuvor nicht einmal beachtet haben. Tatsächlich steckt hinter Shion selbst natürlich viel mehr als nur eine hochentwickelte KI, schließlich war ihr besonderes Interesse an Satomi sicherlich nicht vorgesehen. Durch diesen Aspekt besitzt die Geschichte einen gewissen Mystery-Faktor und die Auflösung ist letzten Endes zwar wenig überraschend, aber doch gut umgesetzt und sehr emotional.

Ein Fest für die Ohren

Die deutsche Fassung bietet eine sehr gelungene deutschen Synchronisation mit etwa Johanna Schmoll (Ryouko in Sirius the Jaeger) als Satomi, Lin Gothoni als Shion (Xialian Jing in Appare-Ranman!) und Patrick Keller (Kirito in Sword Art Online) als Toma. Die Songs wurden hingegen allesamt im japanischen Originalton belassen, was bei den wundervollen Musikstücken sicher eine gute Entscheidung darstellt. Deutsche Untertitel sorgen dafür, dass Zuschauer:innen nicht die lohnenswerte Bedeutung der Songexte entgeht. Die musikalische Untermalung stammt hierbei von Komponist Ryo Takahashi (Healer Girl), während Shions japanische Synchronsprecherin Tao Tsuchiya die Lieder singt. Besonders hervorstechend ist dabei der Song “Umbrella”. In jedem Falle präsentiert sich die Musik als durchweg gelungen und abwechslungsreich, gleichzeitig wird mit den Gesangseinlagen nicht übertrieben, sodass sich der Film wie die Anime-Variante eines Musicals anfühlen würde. Aber auch optisch kann sich Sing a Bit of Harmony sehen lassen, einige Szenen gehen glatt als Lichtspektakel durch. Die kleinen actionreicheren Momente wie etwa eine Verfolgungsjagd weisen zudem mit flüssigen Animationen auf.

Fazit

Sing a Bit of Harmony präsentiert eine wunderschöne Coming-of-Age-Geschichte, die mit Shion eine interessante Herangehensweise an die KI-Thematik aufweist. Die bis auf das Finale sehr ruhige und alltägliche Handlung mag dabei nichts für jeden sein, überzeugt aber mit ihrem Fokus auf die Charaktere und deren Beziehungen. Der Film erzählt schlicht eine Geschichte in einem sehr kleinen Kosmos, die gerade deswegen gut zur Geltung kommt und sich nicht in zig verschiedene Handlungen verstrickt. Die emotionalen Momente wirken dabei sehr authentisch und keinesfalls so, als wolle man künstlich auf die Tränendrüse drücken. Besonders gelungen sind aber auch die kleinen Szenen mit ernstem Hintergrund, die aber nie die positive Grundstimmung zu stark trüben. Für Fans ruhiger Anime-Titel und alle, die gerne Ensemble-Filme mit Gesangseinlagen schauen, ist Sing a Bit of Harmony damit perfekt geeignet.

© YASUHIRO YOSHIURA BNArts, SBH Production Committee, Crunchyroll

Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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