Takopi und die Sache mit dem Glück

Der Alltag kann manchmal so schlimm sein, dass es kaum noch möglich ist, ein Lächeln aufzubringen. Erst recht, wenn psychische sowie physische Gewalt in Form von Mobbing an der Tagesordnung steht. So ergeht es auch der jungen Protagonistin Shizuka Kuze der Manga-Serie Takopi und die Sache mit dem Glück, denn sie erlebt durch ihre Mitschülerin Marina wortwörtlich die Hölle auf Erden. Doch dann trifft Shizuka einen Außerirdischen, den sie liebevoll “Takopi” nennt und ihr Freund wird. Dieser möchte Glück in Shizukas trauriges Leben bringen, aber diese Aufgabe stellt sich als gar nicht so einfach heraus. Viel mehr wird alles nur noch schlimmer und Takopi findet sich plötzlich in der verzweifelten Situation wieder, Shizukas Leben zu retten. Ob sein Vorhaben gelingt, kann die deutsche Leserschaft seit Oktober 2023 verfolgen, denn Hayabusa brachte den ersten Band des aufwühlenden und schockierenden Mangas heraus.

   

Eines Tages findet das Mädchen Shizuka Kuze zufällig ein außerirdisches Wesen namens Nnu-Anu-Kf, welches an einen Oktopus erinnert. Der Happianer entstammt dem Planeten Happy und möchte nach einer Bruchlandung auf der Erde Glück verbreiten. Shizuka freundet sich mit ihm an und er erhält den leichter auszusprechenden Namen “Takopi”. Allerdings ahnt Takopi nicht, wie schlecht es Shizuka geht. Schnell wird ersichtlich, dass Shizuka auf brutale Weise von ihrer Mitschülerin Marina Kirarazaka gequält wird. Ihre einzige Stütze im Leben ist ihr Hund Chappy, um all die täglichen Qualen durchzustehen. Takopi möchte daher Shizuka unbedingt helfen, damit sie wieder Lächeln kann. So bringt er öfters seine Happy-Gadgets hervor, die sie meist jedoch ablehnt. Doch dann wird für Shizuka alles so unerträglich, dass sie eine magische Versöhnungsschleife von Takopi akzeptiert. Jedoch nimmt Shizuka diese nicht für den Zweck, den Takopi erwartet. Die Folgen des Ganzen sind schrecklich, denn Shizuka begeht mit der Schleife Selbstmord …

Wenn das Leben unerträglich wird

Originaltitel Takopi no Genzai
Jahr 2021
Band 1/2
Genre Drama, Psychological, Supernatural
Mangaka Taizan5
Verlag Hayabusa (2023)
Veröffentlichung: 24. Oktober 2023

Die Geschichte widmet sich der Viertklässlerin Shizuka, die in einer sehr harten Realität lebt, denn neben Beleidigungen und zerstörten Schulutensilien muss sie auch Schläge und Tritte ihrer Mitschülerin Marina ertragen. Ihre Mutter, die als Escort arbeitet, lässt sich kaum blicken und zeigt nur wenig Interesse. Eine mögliche Stütze in der schwierigen Situation, die wegfällt. Bei ihrem Vater sieht es jedoch nicht besser aus, denn er verließ die Familie früh und ließ einzig den Hund Chappy zurück. Doch gerade Chappy stellt sich als das wichtigste Überbleibsel ihres Vaters heraus, denn der Vierbeiner spendet ihr immer wieder Trost, den sie in ihrem grausamen Alltag so dringend braucht. Schnell wird klar, wäre Chappy plötzlich nicht mehr da, dann könnte Shizuka das Leben nicht mehr aushalten. Allerdings findet sie in Takopi, den sie nach einem pazifischen Riesenoktopus benannt hat, noch einen weiteren Freund. Der Happianer besitzt einige futuristische Happy-Gadgets, die auch einige verrückte Dinge können. Unter anderem Flatter-Flatter-Flügel, mit denen das Fliegen möglich ist und eine besondere Fotokamera, die im späteren Handlungsverlauf aufgrund ihrer Zeitfunktion noch wichtig wird. Shizuka schenkt den Happy-Gadgets jedoch kaum Beachtung, da sie ohnehin an ihrem unglücklichen Leben nichts ändern können. Dennoch benutzt Takopi die Kamera, um ein gemeinsames Foto von sich und Shizuka zu machen. Eines Tages passiert dann unverhofft eine wahre Tragödie, denn die verletzte und blutverschmierte Shizuka wirkt sichtlich verzweifelt und Takopi kann ihr Verhalten nicht deuten. Er geht fatalerweise davon aus, dass sie sich mit einer Freundin zerstritten hätte und gibt ihr daher eine magische Versöhnungsschleife. Mit dieser magischen Schleife sollen sich die beiden Freundinnen wieder vertragen. Doch später muss Takopi schockiert feststellen, dass Shizuka sich mit seinem Happy-Gadget erhängt hat. Nun möchte Takopi wissen, weshalb Shizuka das getan hat und so kommt das gemeinsame Foto zum Einsatz, denn eine Zeitreise zum Zeitpunkt der Fotoaufnahme ist damit möglich.

Das Leid der Mobbenden und der Gemobbten

Takopi nutzt die Möglichkeit, um mehr über Shizuka zu erfahren, indem er in die Vergangenheit aus der Fotoaufnahme reist. Diesmal möchte er ihren Alltag miterleben, denn vorher konnte er nicht sehen, was mit Shizuka in der Schule passierte. Allerdings wird ihm der Ernst der Lage erst bewusst, als er Shizukas Platz einnimmt, um mit der Mobberin Marina zu sprechen. Dabei erlebt Takopi den Horror am eigenen Leib, denn er wird in Shizukas Gestalt brutal von Marina zusammengeschlagen. Sich normal mit ihr zu unterhalten und das Problem auf diese Weise zu lösen, stellt sich als nahezu unmöglich heraus. Nicht verwunderlich, dass sich Takopi dann sogar selbst vor Marina fürchtet. Gleichzeitig wird offensichtlich, dass Marina einen eigenen Kampf in ihrem Inneren führt und ihre Wut an Shizuka auslässt. So macht Marina Shizuka und deren Mutter für all ihr Unglück verantwortlich. Ihr Hass geht dabei so weit, dass sie dafür sorgt, dass Shizukas Hund Chappy mitgenommen wird. Dies ist auch der Grund, weshalb Shizuka Selbstmord beging, denn sie konnte den Verlust des geliebten Hundes nicht verkraften. Mit diesem Wissen beginnt für Takopi jedoch eine sehr schwierige und nervenaufreibende Aufgabe, dieses negative Ereignis abzuwenden. Über hunderte verzweifelte Versuche unternimmt der außerirdische Zeitreisende, um Shizuka zu retten, aber jeder Versuch scheitert, denn Chappy wird jedesmal fortgenommen. Als sich Takopi in einer festgefahrenen Situation befindet und eine erneute Konfrontation mit Marina eskaliert, passiert etwas Furchtbares, denn Marina wird dabei getötet. Die Lösung ist schnell gefunden, denn Marinas Leiche muss versteckt werden und Takopi muss die Gestalt der Toten annehmen, damit niemand etwas merkt. Shizuka stirbt diesmal nicht, aber dafür bekommt die Leserschaft durch Takopi einen Einblick darin, was tagtäglich in Marinas Zuhause abläuft.

Abgründe der menschlichen Seele

Das Leid des jungen Mädchens Shizuka ist auch für die Leserschaft nur schwer zu verdauen. Daher mag es kaum überraschen, dass sich das Werk Takopi und die Sache mit dem Glück trotz aller Niedlichkeit als ein echter Schocker entpuppt, der zudem ziemlich unter die Haut geht. Denn hierin wird thematisiert, welche gefährlichen Ausmaße Mobbing bei Kindern annehmen kann. Dabei scheut sich Mangaka Taizan5 nicht davor, dies bildlich in aller Härte darzustellen und im gleichen Zug die Abgründe der menschlichen Seele aufzuzeigen. Trotz der übernatürlichen Elemente mit dem Außerirdischen Takopi, büßt der Titel nichts von seiner Ernsthaftigkeit ein. Vielmehr wird die bedrückende Geschichte mit einigen heiteren Momenten aufgelockert, um die Lesenden nicht vollständig in die depressive Tiefe zu reißen. Der Fokus der Serie liegt zwar auf Shizuka und Takopi, aber Marina wird ebenso näher beleuchtet. Dabei wird ersichtlich, dass Marina kein friedliches Zuhause hat und ebenso leidet. Ihre ganze Verzweiflung entlädt sie in Aggressionen gegenüber Shizuka. Dies sind interessante Feststellungen, die Takopi hautnah macht und die gleichzeitig eine ganz neue Sicht auf die Geschichte eröffnen. Zudem wird es spannend zu verfolgen sein, welche Richtung die Kurzserie nun einschlägt, denn der erste Band hat die Weichen dafür gelegt, wie es weitergehen könnte. Will Takopi vielleicht am Ende sogar beiden Mädchen zum Glück verhelfen? Dies wäre durchaus vorstellbar. Ansonsten wird als weitere Figur noch der Mitschüler Naoki Azuma vorgestellt, der sich mit Shizuka und Takopi anfreundet. Mit Sicherheit wird er im zweiten Band mit von der Partie sein. Was am Ende noch wichtig zu erwähnen ist: Der erste Band enthält einen niedlichen Pappaufsteller von Takopi in der Erstauflage, daher lohnt es sich hierbei schneller zuzugreifen.

Erster Eindruck

Der Titel Takopi und die Sache mit dem Glück entwickelte sich in Japan schnell zu einem Überraschungserfolg und das auch vollkommen zurecht, denn er ist sozusagen ein berührender und tiefgründiger Trip durch die Hölle auf Erden. Doch gerade aus diesem Grund ist die Geschichte nicht für jeden geeignet, denn sie beinhaltet einige triggernde Themen wie unter anderem Mobbing, Gewalt und Selbstmord. Zartbesaitete sollten daher lieber Abstand von dem Werk nehmen. Wer sich jedoch an den außergewöhnlichen Manga herantraut, der erhält eine packende Erzählung, die mitten ins Herz trifft. Zumal Shizuka und Takopi sich als sympathische und liebenswürdige Figuren erweisen. Erfrischend ist auch die Idee das Mobbing-Thema mit einem Außerirdischen aufzuarbeiten und mit Zeitreisen zu verknüpfen. Als besonders informativ stellt sich zudem noch der Einblick in Marinas Leben heraus, denn bei ihr Zuhause läuft so einiges falsch. Dadurch wird manches im Handlungsverlauf nachvollziehbarer und man will unbedingt wissen, wie es mit den Figuren weitergeht. So bleibt es spannend, wie Takopi mit Marina weiter verfahren wird. Insgesamt überzeugt der Auftakt von Takopi und die Sache mit dem Glück, denn die Serie schockiert nicht nur, sondern nimmt die Lesenden zugleich auf eine emotionale Achternbahnfahrt mit. Eindeutig eines der Highlights unter den deutschen Manga-Veröffentlichungen des Jahres 2023.

© Hayabusa 

Alva Sangai

Alva Sangai beschäftigt sich in ihrer Freizeit gerne mit Medien verschiedenster Art. Egal, ob Serien, Filme, Anime oder Manga. Dabei spielt es keine Rolle aus welchem Land die Produktionen stammen, denn Alva ist da sehr weltoffen. Des Weiteren hört sie gerne Musik, schreibt Geschichten und zeichnet ab und zu. Ein Tee oder ein Cappuccino darf dabei natürlich nicht fehlen. Nebenbei beschäftigt sich Alva mit den vielen Funktionen von Clip Studio Paint EX, denn sie möchte sich in der Zukunft an einem Web-Comic versuchen. Der Name Alva Sangai setzt sich aus dem Vornamen der Protagonistin ihrer ersten längeren Geschichte, sowie ”Sangai”, Hirschen die nur in Manipur (Indien) zu finden sind, zusammen. Sangai spielt also auf ihre Bollywood-Artikel an.

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