Star Trek: Discovery (Folge 5×10)

Finale, ohoh! Satte 87 Sendeminuten lang verabschiedet sich Star Trek: Discoverys Staffel 5 mit Folge 10 vom Publikum. Alle Rätsel geknackt, alle böswilligen Gegner ausgetrickst, alle Seelenknoten gelöst, alle losen Endchen zusammengebracht, Sternenflotten-Werte hochgehalten. Zeit, Michael Burnham und die Crew in ein Dasein nach Star Trek: Discovery zu entlassen. Dann bleibt nur noch eine abschließende Verbeugung. Und noch eine. Und noch eine. Damit auch jeder begriffen hat, dass keine Staffel 6 in den Startlöchern sitzt. Und 87 Minuten wollen schließlich gefüllt werden.

Inhaltsangabe

Michael Burnham findet sich auf der anderen Seite des Portals in einer Welt aus schwebenden Plattformen und Einblicken in verschiedenste Welten wieder. Das Labor der Progenitoren, wo sie neue Welten erschufen? Doch auch einige Breen-Soldaten und Moll sind dort angekommen. Michael muss einen angreifenden Breen ausschalten und sich dann mit Moll auseinandersetzen, die nach wie vor jegliche Kooperation mit der Sternenflotte ablehnt. Michael versucht ihr Vertrauen zu gewinnen, hilft ihr, eine blutende Verletzung zu verarzten und verrät ihr das letzte Rätsel, das sich offenbar auf Plexiglas-Dreiecke bezieht, die in einer bestimmten Art und Weise angeordnet werden müssen. Moll gibt sich kooperativ, greift Michael jedoch hinterrücks an und versucht, das Rätsel zu lösen, wählt jedoch eine falsche Anordnung und wird von blauen Energieblitzen getroffen. Offenbar hat sie außerdem einen Abwehrmechanismus ausgelöst, der das Portal in das schwarze Loch zieht. Michael findet die richtige Kombination und steht dem Hologramm einer Progenitorin gegenüber.

Die Discovery versucht, das Portal zu schützen, ist aber unter Beschuss Dutzender Breen-Jäger. Book und Culber fliegen in einem Shuttle zum Portal und versuchen es vor einem Sturz in das schwarze Loch zu bewahren, während Rayner und die Crew gegen die Breen-Jäger kämpfen. Doch es sind zu viele. Wie wäre es, wenn man sie alle auf einmal ausschalten könnte? Und könnte man das Schlachtschiff nicht mithilfe des Sporenantriebs wegspringen lassen? Die Crew erarbeitet eine Strategie. Außerdem ist Primarchin Tahal im Anmarsch. Saru und Nhan fliegen ihr entgegen und bieten Verhandlungen an. Tahal ist wenig gesprächsbereit, doch Saru kann sie mit einer Mischung aus Bluff und Vergeltungsdrohungen zum Einlenken bewegen.

Die Progenitorin berichtet über die Technologie: Nein, sie haben sie nicht erschaffen, sondern vorgefunden, offenbar stammt sie von noch viel älteren Wesen. Ja, man kann damit Welten und jegliches Leben erschaffen, die Progenitoren wollten vor allem Vielfalt entstehen lassen. Nein, L’ak von den Toten zurückholen kann man damit nicht, höchstens eine exakte L’ak-Kopie erschaffen, die aber nicht L’aks Erinnerungen und Persönlichkeit hätte. Ja, man könnte damit auch Armeen erschaffen oder sie sonstwie destruktiv einsetzen. Sie schließt damit, dass sie Michael zur Hüterin der Technologie beruft, die entscheiden kann, wie sie eingesetzt werden soll. Michael zögert. Zum Einen ist sie durch den draußen tobenden Kampf und der Sorge um ihre Freunde abgelenkt. Zum Anderen ist die Verantwortung gigantisch.

Zurück an Bord der Discovery eröffnet Michael ihre Entscheidung: Sie hat beschlossen, die Technologie nicht zu nutzen, sondern in das schwarze Loch stürzen zu lassen, damit sie dauerhaft unzugänglich bleibt, denn niemand sollte so viel Macht ausüben können. Trotz Protesten von Stamets und entgegen der roten Direktive wird ihre Anweisung ausgeführt. Zur Hochzeit von Saru und T’Rina ist die ganze Crew versammelt, Michael und Book gestehen einander ihre Liebe, werden aber von Dr. Kovich alias Agent Daniels, auf eine neue Mission gerufen.
Viele Jahrzehnte später ist Michael Admiralin im Ruhestand und lebt mit Book in einer Villa inmitten eines rotblätterigen Waldes, der wohl aus dem letztem Ableger eines Baumes von Books zerstörtem Heimatplaneten gewachsen ist. Sie haben einen erwachsenen Sohn, der gerade Captain eines Sternenflotten-Raumschiffs geworden ist. In einer letzten roten Direktive fliegt Michael die Discovery zu einem bestimmten Koordinatenpunkt im All, wo sie irgendwann später einmal gefunden werden soll. Schiffscomputer Zora ist verunsichert, freut sich aber auf die Nachkommen der Crew, die ihr so ans Herz gewachsen ist.

Die Breen und wie man sie loswird

An gleich drei Fronten tobt der Kampf, damit der Glanz auch über die ganze Crew verteilt wird. Nahkampf in der optisch eindrucksvoll gestalteten Welt hinter dem Portal. Da durfte der Bühnenbildner sich mal ordentlich austoben um einen angemessenen Schauplatz für ein Staffelfinale zu basteln. Schwebende Neonröhren, schwebende Plattformen, ein Oben, das auch ein Unten oder ein Seitwärts sein kann und dazwischen bunte Welten, sodass man sich von einer dunkelgrau-nasskalten Hurrikan-Welt durch rosa Wälder bis zu Vulkanlandschaften voller Feuersäulen kämpfen kann. Und am Schluss in einem Meer aus gelben Hortensien steht. Böse Zungen könnten auf die Idee kommen, auch der Eurovision Song Contest würde sich in dieser Kulisse gut machen. Warum die Breen-Soldaten, die in diese Welt katapultiert wurden, sofort nur auf Kampf aus sind, anstatt sich mit Moll und Michael zusammenzutun und sich darüber auszutauschen, was hier eigentlich los ist, ist eine Frage, die Staffel 5 zugunsten von knackigen Kampfszenen unter den Tisch fallen lässt. Im All vor dem Portal gibt es traditionell herumfllitzende Raumschiffe, Geschützfeuer und eine schwankende Brücke. Also, die Schauspieler schwanken, die Brücke eher nicht. Dazu Technobabble, gleich mehrere pfiffige Ideen und einen Rayner, der sich das Vertrauen der Crew erworben hat und die Führungsrolle tadellos ausführt. Während Saru für den dritten Kriegsschauplatz nur einen Bildschirm und nie gesehene Dreistigkeit braucht. Waren Kelpianer nicht eigentlich eher furchtsam und Saru im Besondern stets besorgt, betulich und übervorsichtig? Wer hätte gedacht, dass er auch so meisterhaft manipulieren, hinters Licht führen, drohen und als ganz harter Kerl posieren kann? Von den drei Handlungssträngen der knappste, aber auch der, der am meisten Spaß macht.

Das Leben, das Universum und der ganze Rest

Und dann kommt eines von den ganz großen Themen, die Science-Fiction und insbesondere Star Trek so gern verhandelt. Wenn da eine Gestalt im langen weißen Gewand erscheint, kann man sich auf jede Menge Text, jede Menge Bedeutung und jede Menge Lebensweisheiten gefasst machen. Wer hat die Welt erschaffen und warum? Worin finden wir Bedeutung? Ein schwieriger Moment. Zu gern möchte man aussteigen und sich nicht in dieses Geschwurbel hineinziehen lassen. Es ist zwar nichts ärgerlich Falsches dabei, aber da, wo es besondere Tiefe will, ist es platt. Schon das letzte Rätsel ist publikumsunterfordernd simpel. Lege eine Figur aus Dreiecken. Moll versucht es mit der naheliegendsten Lösung und bereits die zweit-naheliegendste Lösung ist die richtige. Da hätte es keiner charakterbildenden Schnitzeljagd durchs All bedurft, um das auszutüfteln. Der McGuffin bleibt ein McGuffin. Die Technologie ist eine Blumenwiese und schwupps, ist sie schon wieder weg. Weil, die Verantwortung für so viel Macht. Voraussehbar, aber lahm. Wie wenn der kleine Harry Potter beschlossen hätte, nicht nach Hogwarts zu gehen, denn die Macht der Magie ist zu gewaltig, als dass jemand sie erlernen sollte. Bleibe lieber bei den Dursleys, kleiner Harry, und denke darüber nach, was deinem Dasein Sinn verleihen könnte. Damit macht sich die gesamte Staffel überflüssig, dann hätte man gar nicht erst nach der Technologie suchen müssen. Denn Moll und L’ak hätten keines der Rätsel gelöst, die waren nur geschickt genug, sich stets an die Schnitzeljagd-Erfolge von Burnham und Crew dranzuhängen.

Ein sehr langer Abschied

Nur etwa die Hälfte der 87 Minuten Sendezeit wird benötigt, um die Breen abzuservieren und die Suche abzuschließen. Der Rest der Folge widmet sich dem Abschiednehmen. Ein Schlussszene und noch eine und noch eine. So etwas hat sich bisher etwa Peter Jackson zum Abschluss seiner Der Herr der Ringe-Trllogie gegönnt und die war deutlich epischer. Aber Star Trek nimmt sich und alle seine Figuren sehr ernst. Und es ist nicht nur das Ende einer Staffel, sondern das Ende der Ära Star Trek: Discovery. Das verfrühte Ende, eigentlich hätten noch zwei Staffeln hinterherkommen können. Also muss man alle losen Enden verknüpfen und dabei den Feel-Good-Faktor auf Maximum drehen. Inklusive der guten alten von beschwingter Musik unterlegten Zeitlupe, die so laut “Emotion!” schreit, wenn sie Menschen zeigt, die miteinander reden und lachen. Jeder kriegt seinen Abschluss, alle leben lang und in Frieden und ein wenig Star Trek-Lore wird auch eingearbeitet. Selbst Moll wird von Dr. Kovich rekrutiert. Der eigentlich Agent Daniels ist. Wer ist Agent Daniels? Ein Star Trek-Nachschlagewerk wird es wissen. Warum wird die Discovery zum Schluss im All zurückgelassen? Damit die Verbindung zu einer Folge aus Star Trek: Short Treks hergestellt wird. Wer das nicht weiß, der freut sich zumindest über einen letzten Moment mit Michael und Zora. So wie über Books Honigwabe in Michaels Kaffee oder Tillys Kommentar zum Zusammenspiel von Michael und Rayner. All der Abschied ist zwar lang, aber zum Glück nicht langwierig.

Fazit

Star Trek: Discovery Staffel 5 dreht zum Staffelfinale nochmal richtig auf und verwendet viel Zeit auf alles, was der Fan von Star Trek zu erwarten gelernt hat. Sowohl die Dinge, die Star Trek richtig gut kann, als auch die Dinge, die Star Trek immer wieder aufs Neue nicht kann. Auf der Plus-Seite solide Fernseh-Action mit Weltraumgeballer und schicken Raumschiffen. Ein riesiges Ezähluniversum, wo jedes Stückchen aneinanderpasst. Gut geschriebene Charaktere, stimmige Ensemble-Interaktion, immer wieder hübsche Charaktermomente. Aber leider auch lahme Lösungen für ganz große Momente, allzu viel Pathos und Bedeutung, die bei näherer Betrachtung auch in Ratgeberliteratur oder Frauenzeitschriften zu finden gewesen wäre. Dennoch, schade, dass es vorbei ist. Staffel 6 oder 7 hätten sicher Spaß gemacht.

© Paramount

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