Star Trek: Picard (Folge 1×07)

Darauf haben die Fans seit der ersten Folge gewartet. Star Trek: Picard Folge 7 gönnt sich endlich ein Wiedersehen mit den Helden von Star Trek: The Next Generation und eine Extraportion Nostalgie. Bei so viel Wiedersehensfreude gerät fast aus dem Blick, dass es ja eigentlich Verfolger abzuschütteln, Geheimnisse zu lüften und Verschwörungen zu durchkreuzen gilt. Selten gönnt sich ein Plot mit so viel Genuss eine Verschnaufpause vor dem großen Finale.

Picard und Soji haben es dank des praktischen Portals der Borg-Königin, das den Nutzer an einen Ort seiner Wahl teleportiert, auf den Planeten Nepenthe geschafft. Dort leben seine alten Mannschaftskameraden von der Enterprise, Will Riker und Deanna Troi mit einer halbwüchsigen Tochter in einer idyllischen Blockhütte im Wald. Die Wiedersehensfreude ist groß, nur Soji hat mit der verstörenden Erkenntnis, dass sie ein Android ist und dem Schock über Nareks Verrat zu kämpfen. Natürlich sind Riker und Troi sofort zur Unterstützung bereit und ihre Tochter Kestra tut einiges, um Sojis Vertrauen in die Menschheit und speziell in Picard zu retten. Auf dem Borg-Kubus teilen sich Narek und Narissa auf, er verfolgt das Schiff von Rios, Raffi und Agnes, sie versucht, aus Hugh Informationen herauszupressen. Nareks Aufgabe scheint zunächst die leichtere, denn Agnes wurde von Commodore Oh mit einem Tracker ausgestattet, sodass es ihm nicht schwer fällt, Rios’ Ausweichmanövern zu folgen. Hugh weigert sich standhaft, auf Narissas Verhörtaktiken einzugehen und beschließt, unterstützt von Elnor, eine Befreiung des Kubus und der Ex-Bs von der romulanischen Herrschaft. Dafür hat die Borg-Königin noch ein Gadget hinterlassen, allerdings eins, das nur durch einen Ex-B aktiviert werden kann…

Mal wieder eine Rückblende

Und wieder fängt eine Folge mit einer Rückblende an. Und wie beim letzen Mal ist es keine klassische Rückblende in die Zeit bevor die Geschichte begann. Diesmal füllt es eine Lücke, die bisher ganz bewusst als Lücke belassen wurde. Was hat Commodore Oh an jenem Tag auf Okinawa zu Agnes Jurati gesagt, um sie zur Maulwurf-Tätigkeit zu überreden? Der Zuschauer konnte es sich denken und hat die Information nicht vermisst. Einigei Aspekte sind allerdings neu. Kenner der Materie freuen sich über eine Rückkehr der vulkanischen Gedankenverschmelzung und fragen sich, ob die Endzeitvisionen, die Commodore Oh übermittelt, wohl einen Bezug zu Star Trek: Discovery darstellen. Und Commodore Oh hat Agnes nicht nur zum Mord an Dr. Maddox angestiftet, sie hat sie auch ein Wick Blau Hustenbonbon schlucken lassen…. Unfug, einen Tracker verabreicht, bevor sie sie zu Picard schickte. Sodass Agnes die ganze Zeit nachverfolgbar ist. Konnte eine so professionelle Person ahnen, dass Agnes Jurati die schlechteste Undercover-Agentin der Welt sein würde? Mittlerweile ist sie ein von Schuldgefühlen zerfressenenes Nervenbündel, das vor Anspannung und Reue Raffis Trost-Sahnetorte erbricht. Von allen Varianten, wie man das vertraute Motiv “Ein Verräter in unserer Mitte” durchspielen kann, ist diese durchaus originell und spannend anzuschauen.

Zuhause bei Familie Riker-Troi

Es waren einmal ein erster Offizier von der Erde und eine Empathin vom Planeten Betazed, die wurden ein Paar und lebten im Ruhestand glücklich und zufrieden in – den nordkalifornischen Wäldern? Neiiin. Auf dem Planeten Nepenthe, da haben die Berge etwas barockere Formen als in den USA und die Häschen haben Hörner. Ansonsten kann man da prima Blockhütten bauen und Tomaten anpflanzen. Picards Weingut war ja schon idyllisch. Aber das Anwesen von Will Riker und Deanna Troi toppt das noch einmal. Und sie sind so nett. Und haben so eine nette Tochter. Und sie freuen sich so, Picard zu sehen. Und es ist so ein Vergnügen, ihren Unterhaltungen zu lauschen, obwohl da potenziell langweilig der ganze Stoff der letzten sechs Folgen aufgearbeitet werden muss. Wahrscheinlich steht man vor ihrem Häuschen knietief in Ostereiern, die von den Fans begierig aufgesammelt werden. Aber auch wer nicht in den letzten Jahrzehnten eine innige Beziehung zu den Figuren aufgebaut hat, ertappt sich möglicherweise dabei, bei diesen Szenen vor Zufriedenheit zu schnurren. Ach ja. Ergebnis dieser kleinen Auszeit im Wald abgesehen von dem gewaltigen Feel Good-Faktor: Soji will an der Ort, den sie im Traum gesehen hat. Den mit den zwei Monden und den Blitzen. Ihre Heimat. Das ist in der ganzen Galaxis just der eine Ort, wo Narek und Narissa auch hinwollen. Sehr schlechte Idee. Aber ein Schiff und ein Pilot sind in greifbarer Nähe.

Und was macht Elnor?

Diese Frage konnte man sich schon anlässlich der letzten Folge stellen. Als einziger der Crew auf dem Borg-Kubus zurückgeblieben, hat er einiges an Kampfkunst aufgeboten, um Hugh zu schützen. Den Angriff aus der Finsternis. Den Kampf von Schwert gegen Schusswaffe. Unbewaffneten Nahkampf gegen Narissa, die als Tal Shiar-Agentin auch einiges von Kampfkunst versteht. Am Ende der Folge steht er wieder allein im Dunkeln und ihm bleibt nichts mehr, als die Fenris Ranger um Hilfe zu bitten. Das sieht schwer nach einem Aufbruch in die Nebenhandlung “Elnor und Seven of Nine befreien die Ex-Bs des Kubus aus den Klauen der Romulaner” aus.

Eine Folge, die sich von Anfang bis Ende kuschelig und warm anfühlt. Zwar passieren an den Rändern von Star Trek: Picard Folge 7 ernste Dinge. Da gibt es Misstrauen, Mord und schurkische Häme. Aber auch wenn Hugh von Narissa gemeuchelt wird, Agnes im Koma liegt und Elnor nur noch und Elnor nur noch, eigentlich möchte man nur mit Picard und der netten Familie Riker-Troi Pizza aus dem selbstgebauten Pizzaofen essen. Am besten in Echtzeit.

wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

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