You – Du wirst mich lieben (Staffel 2)

Mit You – Du wirst mich lieben strahlte Netflix eine echte Erfolgsserie aus, die laut Angaben des Streamingdienstes mit hohen Abrufzahlen belohnt wurde. Da darf sich der Sender Lifetime, auf dem die erste Staffel zuerst lief, wohl ärgern. Denn das Interesse der Zuschauerschaft war gering, so dass der Sender die Serie fallen ließ. Anders verhält es sich mit der nun von Netflix produzierten Staffel 2, die Ende Dezember 2019 anlief, aber gemeinsam mit The Witcher zu den abrufstärksten Netflix-Serien des Jahrgangs zählt. Nicht ganz überraschend: Schließlich war die Spannung groß, wie eine solche Geschichte weitererzählt werden könne. Dafür verschlägt es den New Yorker Stalker und Protagonisten Joe (Penn Badgley, Gossip Girl) allerdings erst einmal nach Los Angeles.

Nach dem tragischen Ende der Beziehung zwischen Joe und Beck verschlägt es Joe nach Los Angeles. Dort will er einen Neuanfang wagen und sich von seiner Besessenheit befreien. Dafür stiehlt er die Identität eines Mannes namens Will Bettelheim (Robin Lord Taylor, John Wick: Kapitel 3) und verguckt sich spontan in die schöne Food Store-Besitzerin Love Quinn (Victoria Pedretti, Once Upon a Time … in Hollywood), die direkt auf Joes Flirtversuche einsteigt. Es könnte alles so schön sein, doch da steht Joes totgeglaubte Ex Candace (Ambyr Childers, Aquarius) vor der Türe. Die ist verständlicherweise gar nicht gut auf Joe zu sprechen, nachdem er versuchte, sie zu begraben. Sie sinnt auf Rache, beginnt Joes neues Leben zu torpedieren und ein Katz-und-Maus-Spiel entbrennt …

Anknüpfen oder neu beginnen?

Originaltitel You
Jahr 2019
Land USA
Episoden 10 (in Staffel 2)
Genre Drama, Thriller
Cast Joe Goldberg: Penn Badgley
Candace Stone: Ambyr Childers
Love Quinn: Victoria Pedretti
Ellie: Jenna Ortega
Forty Quinn: James Scully
Delilah Alves: Carmela Zumbado
Calvin: Adwin Brown
Seit dem 26. Dezember 2019 auf Netflix verfügbar

Auf den falschen Partner hat sich nahezu jeder schon einmal eingelassen. Doch den Spieß herumzudrehen und eine Beziehungsgeschichte aus der Sicht eines Stalkers und Psychopathen zu erzählen – damit traf You – Du wirst mich lieben den Nerv der Zuschauer. Umso spannender war, was die Serie nun Neues erzählen sollte, aber mit Buchgrundlage (Hidden Bodies von Caroline Kepnes) im Rücken schien es zumindest einen übergeordneten Plan zu geben, so dass sich wenigstens die Befürchtung abschütteln ließ, dass Netflix das Feuer etwas länger brennen lassen wollte. Staffel 2 lebt ihren eigenen Plot und besitzt daher eine Existenzberechtigung – muss sich aber die Kritik gefallen lassen, ebenso so vieles zu wiederholen.

Zurück in alte Muster

Erfreulicherweise steigt die Fortsetzung direkt dort ein, wo Staffel 1 endet, und behält auch Joes Perspektive bei. Dies hat den Vorteil, dass der Zuschauer mittlerweile um seinen geistigen Zustand weiß und besser einschätzen kann, dass sich nicht jede seiner Empfindungen und Beobachtungen mit der Realität deckt. Die größte Steigerung stellt zumindest die Tatsache dar, dass er sich durchaus darüber im Klaren ist, dass sein Verhalten alles andere als typisch oder gar gesund ist. Reflektiert ist er zwar, nur kann er einfach nicht aus seiner Haut. So wie Joe in alten Mustern bleibt, verhält es sich auch mit dem Plot, den die zweite Staffel bedient. Beck ist nun Quinn, Peach heißt jetzt Candac, und so gibt es einige Rollen, welche dafür sorgen, dass Herausforderungen der ersten Staffel wiederholt werden. Teilweise auch satirisch von Joe kommentiert, wenn dieser etwa zum erneuten Male einen Laptop aus einer Wohnung klauen muss …

Ein Liebeskranker versucht ein guter Mensch zu werden

Eine bloße Wiederholung bereits geschehner Dinge soll allerdings auch nicht stattfinden. Deshalb schlägt die zehnteilige Staffel auch etwa ab der Hälfte einen anderen Ton an. Zu Joes Persönlichkeit halten immerhin ein paar erklärende Worte Einzug, beispielsweise in Form von Rückblicken in die Kindheit, wo seine Eigenarten ihren Ursprung haben. Während er an Beck noch ziemlich zu knabbern hatte, macht es ihm Quinn schon einfacher. Sie und ihr Bruder Forty (James Scully, Straight Up) sind allerdings ziemlich durchgeknallt. Das macht es den Zuschauern nicht leichter, irgendwo in dieser haltlosen Handlung einen Halt zu finden, zumal auch die sonstigen Nebenfiguren wie die Schwestern Delilah (Carmela Zumbado) und Ellie (Jenna Ortega) wenig bodenständig sind. Viel Trubel mit vielen verhaltensauffälligen Charakteren. Von Candace ganz zu schweigen: Wer seinem vermeintlichen Killer hinterherreist, um ihm das Leben mit Intrigen schwer zu machen, hat nicht minder einen an der Klatsche.

Gewollter Wendungsreichtum

Staffel 2 zieht ihr Suchtpotenzial einmal mehr aus der Tatsache, dass Joe trotz seiner Verhaltensstörung eigentlich nur Gutes bewirken möchte. Doch es geht immer daneben und die stets ungünstigen Umstände fordern sein Improvisationstalent. Glaubwürdig ist das alles schon lange nicht mehr und damit reiht sich die Serie neben andere Teenie-Serien wie Pretty Little Liars oder Riverdale ein, die ihre Zuschauer mittels schwindelerregender Twist-Abfolge bei Laune halten wollen. Wer einmal innehält und das Geschehen zusammenfasst, wird schnell feststellen, wie irrsinnig das Drehbuch eigentlich ist. Aber das ist sowieso empfänglich für Selbstironie jeglicher Art und geht auch ganz locker mit dem klischeehaften Treiben der L.A.-Teens um, die zwischen krankhafter Social Media-Selbstdarstellung und Sellerie-Saft-Diät nichts anderes kennen (und können), als dem Hedonismus frönen.

Fazit

Trotz Wiederholungen und wenig Neuem entfaltet auch die zweite Staffel von You – Du wirst mich lieben wieder ein rasantes Storytelling und hohes Suchtpotenzial. Geht man mit der Staffel strenger ins Gericht, wird man deutlich geringere Relevanz und wesentlich mehr Willkür als in der ersten Staffel entdecken. Denn selbst die absurdesten Einfälle werden herangezogen, um Joe das Leben schwer zu machen und ihn an jeder Herausforderung wachsen zu lassen. Während Beck in Staffel 1 noch ein starkes Gegengewicht bildet, spielt Quinns Verhalten ihm viel zu häufig in die Karten. Kaum wehren kann man sich allerdings gegen den brillierenden Penn Badgley, der seine Rolle wiederholt mit ganz viel Charme und Faszination füllt.

© Netflix

Sharing is caring / Artikel teilen:

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments