Wynonna Earp

Der Name Wyatt Earp sagt vermutlich jedem, der sich irgendwie für den Wilden Westen interessiert, etwas. Der legendäre Revolverheld, dem bereits zahlreiche Medien gewidmet wurden, spielt auch in der Serie Wynonna Earp eine indirekte Rolle – primär geht es jedoch um seine schlagfertige Ururenkelin Wynonna Earp, die Titelheldin des modernen Western-Dramas mit Horror-Elementen. Die von 2016 bis 2021 ausgestrahlte Serie basiert grob auf den Graphic Novels von Beau Smith und ist eine amerikanisch-kanadische Co-Produktion. Der Pay-TV-Sender SYFY strahlte die in vier Staffeln unterteilte Serie ab November 2020 aus. Am 17. Juni 2021 flimmerte die letzte Episode über die Bildschirme, höchste Zeit also für einen Blick auf das Gesamtpaket.

   

Wynonna Earp (Melanie Scrofano, Bad Blood) kehrt nach langer Abwesenheit wieder in ihre Heimatstadt Purgatory zurück, in der sie jedoch alles andere als willkommen ist. Zum Glück wird sie zumindest von ihrer jüngeren Schwester Waverly (Dominique Provost-Chalkley, The Carmilla Movie) herzlich aufgenommen, doch die Idylle währt nicht lange. Denn als älteste Ururenkelin von Wyatt Earp muss sie sich mit dem berüchtigten Earp-Fluch herumschlagen: Die Verbrecher, die von Wyatt getötet wurden, kehren als Dämonen immer wieder zurück auf die Erde. Nur Wynonna als Wyatts Erbin mit dem magischen Revolver “Peacemaker” kann die dämonischen Wiedergänger zurück in die Hölle schicken. Wynonna tritt den Black Badges bei, einer Organisation, die um das übernatürliche Treiben in Purgatory weiß. Gemeinsam mit dem Agenten Xavier Dolls (Shamier Anderson, Awake) und dem legendären John Henry “Doc” Holiday (Tim Rozon, Instant Star), der mit Unsterblichkeit gestraft wurde und das letzte Jahrhundert in einem Brunnen verbracht hat, bekämpfen Wynonna und Waverly die Dämonen …

Heldin Wynonna: sarkastisch, schlagfertig und nie um einen Spruch verlegen

Originaltitel Wynonna Earp
Jahr 2016–2021
Land Kanada/USA
Episoden 49 in 4 Staffeln
Genre Western, Drama, Horror
Cast Wynonna Earp: Melanie Scrofano
Waverly Earp: Dominique Provost-Chalkley
Doc Holliday: Tim Rozon
Xavier Dolls: Shamier Anderson
Nicole Haught: Katherine Barrell
Seit dem 17. Juni 2021 komplett

Wynonna Earp präsentiert sich bereits in der ersten Episode als eine Serie, die mit einem modernen Western-Setting überzeugen kann. Denn die Handlung spielt zwar bis auf einige Rückblick-Episoden in der heutigen Zeit, aber die Stadt Purgatory wirkt mit Sheriffs und Revolverhelden aus der Zeit gefallen. Dazu tragen natürlich auch die Wiedergänger bei, die seit ihrem Tod durch die Waffe von Wyatt Earp alle Earp-Nachfahren heimsuchen und weiter Verbrechen begehen. Mit Wynonna als Protagonistin wird es dabei nie langweilig, denn mit ihrer sarkastischen, schlagfertigen Art sowie der Tatsache, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt, besitzt sie einen hohen Unterhaltungswert. Gleichzeitig ist aber auch klar, dass sie durch ihre Vergangenheit mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hat, denn an einem tragischen Tag verlor sie ihre ältere Schwester und ihren Vater. Zudem hat sie einige Jahre in der Psychiatrie verbracht und wird von vielen Bewohnern abgelehnt. Ohnehin sind die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander aber das Herzstück der Serie. Zu ihnen zählt auch Officer Nicole Haught (Katherine Barrell, Workin’ Moms), die zunächst als regelmäßig auftauchender Nebencharakter begeistert und ab Staffel 3 fest zum Hauptcast gehört. Gemeinsam mit Wynonnas Schwester Waverly bildet sie das unter Fans sehr beliebte lesbische Paar “Wayhaught”, das auf sehr natürliche Weise für Diversität sorgt. Eine weitere zentrale Beziehung stellen Wynonna und der klassische Cowboy Doc Holliday dar, die eine sehr holprige On-Off-Beziehung führen und eine ausgesprochen coole Dynamik besitzen. Unbestreitbar rührend ist aber die Schwesternbeziehung zwischen Wynonna und Waverly, die sich nicht immer einfach gestaltet, aber alles in allem eben doch sehr liebevoll ist und daraus besteht, dass sich die beiden gegenseitig unterstützen.

Die Spannende Handlung verläuft sich

Bobo Del Rey (Michael Eklund, Terminal City) ist insbesondere in der ersten Staffel als Anführer der Wiedergänger ein zentraler Antagonist, wird jedoch sinnvoll ausgearbeitet, sodass er sich als dieser sehr interessant präsentiert. Die Handlung selbst, bei welcher der Earp-Fluch als Dreh- und Angelpunkt fungiert, verläuft sich mit zunehmender Episodenzahl jedoch. Insbesondere in den letzten beiden Staffeln wirkt Wynonna Earp sogar eher episodenhaft, auch wenn es immer wieder übergreifende Handlungsstränge gibt. Das ist nicht zwanghaft negativ, denn diese Episoden machen durch die tollen Charaktere und coolen Sprüche sehr viel Spaß. Die locker-spritzigen Dialoge sind ebenfalls eine besondere Stärke, denn diese sind größtenteils zwar nicht sehr tiefsinnig, aber sehr unterhaltsam. Oft wird auch recht vulgäre Sprache genutzt und mal mehr und mal weniger plumpe Referenzen zu Sex gehören ebenso dazu. Auch an aktuellen popkulturellen Referenzen wird insbesondere im späteren Verlauf nicht gespart. Bei diesen hat man das Gefühl, dass die Drehbuchautoren genau wissen, wer ihre treuesten Fans sind. Dennoch fällt gerade beim direkten Vergleich der ersten und der letzten Staffeln auf, wie anders der narrative Fokus und die Handlung sind. Mit der Zeit entwickelt sich die Serie so mehr zu einem Charakter-Drama. Ebenso scheint der Humor mit zunehmender Episodenanzahl zu steigen, denn viele Episoden wirken, als seien sie nur ein einziges großes Fest an absurden Situationen, was erneut für viele Lacher sorgen kann, aber auch verdeutlicht, dass die ursprüngliche Handlung in den Hintergrund rückt.

Ein Hauch Buffy

Übernatürliche Figuren und Fügungen gehören fest zu Wynonna Earp. Die Helden sehen sich neben Wiedergängern auch mal mit Werwölfen, Vampiren, Hexen oder Zombies konfrontiert. Ebenso gibt es natürlich auch Monster und einfach kriminelle Menschen, die als Gegner auftreten und oft auch einen Horror-Einschlag darstellen. Dadurch kommt es auch zu zahlreichen actionreichen Szenen, bei denen mit Revolvern nicht gespart wird. Mit dem Prinzip einer jungen Frau, die übernatürliche Wesen jagt, erinnert Wynonna Earp an Buffy – Im Bann der Dämonen, obwohl es um eine erwachsene Frau anstatt einer Schülerin geht. Allerdings ist die Serie nichts für schwache Nerven, denn es gibt viele blutige und brutale Szenen, die zwar im späteren Verlauf teilweise etwas zahmer werden, aber noch immer vorhanden sind. Da kann es durchaus passieren, dass plötzlich ein Kopf explodiert oder ungehorsamen Lakaien die Haut abgezogen wird. Diese flapsig dargestellte Brutalität und die teils ekelerregenden Szenen muss man aushalten können, denn die Horror-Elemente gehören fest zur Serie. Ohnehin wirkt diese an einigen Stellen etwas ulkig, was aber nicht daran hindert, auch wirklich ernste Themen anzusprechen und überzeugende Figuren mitsamt deren Entwicklung darzustellen. Dazu trägt auch die starke schauspielerische Leistung des Casts bei, dem der Spagat zwischen Absurdität und Ernsthaftigkeit sehr gut gelingt. Fans kanadischer Serien dürfen sich dabei auch auf Gast-Auftritte prominenter Namen wie Zoie Palmer (Lost Girl) freuen.

Warum fast nach Staffel 3 Schluss war, oder aber: #FightForWynonna

Obwohl bereits kurz nach Premiere der dritten Staffel eine Fortsetzung bestätigt wurde, wäre Wynonna Earp fast auf dem Friedhof abgebrochener Serien gelandet. Denn das Produktionsstudio IDW Entertainment hatte finanzielle Probleme, sodass der Start der Dreharbeiten verschoben wurde. Die vierte Staffel hing also in der Schwebe, doch die Fans kämpften für ihre Serie: Über Social Media trendete der Hashtag #FightForWynonna, um deutlich zu machen, wie groß die Fangemeinde der Serie ist. Produzentin Emily Andras hat sich für das Engagement der Fans herzlich bedankt. Mit dem Wechsel des Produktionspartners konnte tatsächlich noch eine vierte Staffel gedreht werden, die jedoch auch die letzte Staffel wurde. Viele Fans zeigten sich über die nun endgültige Absetzung der Serie enttäuscht. Da Wynonna Earp in der letzten Episode einen schönen Abschluss gefunden hat, sollte dies verkraftbar sein. Deutsche “Earper”, wie die Fans der Serie genannt werden, hatten es aber ebenfalls nicht leicht. Die ersten beiden Staffeln waren auf Netflix verfügbar, auf weitere Episoden wurde jedoch aufgrund der geringen Abrufzahlen verzichtet und die Lizenz lief aus. Zum Glück kam einige Monate später die Ankündigung, dass SYFY die deutsche Ausstrahlung übernehmen und auch über Staffel 2 hinaus senden würde, sodass die Serie auch in Deutschland vollständig ist. Wer sich auch für die Graphic Novel-Vorlage interessiert, sollte hingegen wissen, dass sich diese von der Serie teilweise stark unterscheidet. Insbesondere dadurch, dass die Charaktere eindimensionaler sind und dafür der Fokus auf ulkiger Action liegt, außerdem existieren einige Charaktere aus der Serie in der Vorlage gar nicht.

Fazit

Wynonna Earp ist eine Serie, die vor allem eines macht: Spaß! Die Figuren sind cool, das Setting durch den Western-Einschlag erfrischend und die Dialoge sorgen für viel Witz und sind angenehm locker. Schade ist hierbei nur, dass die Haupthandlung sehr seicht bleibt und im späteren Verlauf kaum noch relevant wirkt. Das wird aber dadurch relativiert, dass sich die Figuren und ihre Beziehungen kontinuierlich entwickeln und die Serie im Gesamtpaket vorrangig einfach nur unterhalten möchte. Wer Serien über Dämonenjäger und übernatürliche Begebenheiten mag, sollte einen Blick riskieren. Für alle, die vorrangig nach Unterhaltung zum Abschalten suchen und sich dafür wenig an einer eher durchschnittlichen Handlung stören, dürfte Wynonna Earp hingegen ideal sein.

© SYFY

Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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