What If…? (Staffel 2)

Viele Worte gibt es zu Marvels What If…? nicht mehr zu verlieren: Der allsehende Watcher Uatu gewährt erneut Einblicke in Marvels Multiversum und zeigt dem Publikum alternative Geschehnisse und Geschichten bekannter Figuren. Was 2021 begann, wurde Ende 2023 fortgeführt. Die neun Folgen der zweiten Staffel wurden zwischen dem 22. und 30. Dezember täglich auf Disney+ veröffentlicht. Ob es eine gewisse Art von Eingeständnis ist, dass die Serie nicht über mehrere Wochen hinweg ausgestrahlt wurde? Insbesondere vor dem nicht gerade reichhaltigen Marvel-Jahr 2024 eine berechtigte Frage. 

Was wäre, wenn …

  • … Nebula für das Nova Corps rekrutiert worden wäre?
  • … Peter Quill die mächtigsten Helden der Erde angegriffen hätte?
  • … Happy Hogan Weihnachten gerettet hätte?
  • … Iron Man auf den Grandmaster treffen würde?
  • … Captain Carter den Hydra-Stampfer besiegt hätte?
  • … wenn Kahhori die Welt umformen würde?
  • … Hela die zehn Ringe gefunden hätte?
  • … die Avengers im Jahr 1602 zusammenkämen?
  • … Strange Supreme einschreiten würde?

Fragen, die sich niemand jemals stellen würde

Originaltitel What If…?
Jahr 2023
Land USA
Episoden 9 in Staffel 2
Genre Action, Fantasy, Science-Fiction
Cast Uatu: Jeffrey Wright
Peggy Carter / Captain Carter: Hayley Atwell
Kahhori: Devery Jacobs
Dr. Stephen Strange: Benedict Cumberbatch
Tony Stark / Iron Man: Mick Wingert
Nick Fury: Samuel L. Jackson
Natasha Romanoff / Black Widow: Lake Bell
Veröffentlichung: 30. Dezember 2023 auf Disney+

Die Krux an What if…? ist einfach zu erklären: Die Episoden der animierten Serie werfen in Form einer Anthologie Fragen auf, um diese (meist) in einer Folge abgeschlossen zu beantworten. Fiktive Fragen, die soweit nichts mit dem Canon des MCU zu tun haben, sodass der Ausgang konsequenzlos für den Rest des Marvel Cinematic Universe bleibt – zumindest bislang. Denn auch die Gedankenspiele der ersten Staffel wurden nie wirklich über ein Fanservice-Außmaß hinaus aufgegriffen oder weiterentwickelt. Damit ergibt sich sogleich der Gedanke reinen Füllmaterials, von dem sich What If…? nicht freisprechen kann. Da die zweite Staffel lose Handlungsfäden der ersten Staffel aufgreift und weiterspinnt, kann man nicht mehr ausschließlich von einer Anthologie sprechen. Mit einer noch im Dezember 2023 bestätigen dritten Staffel ist auch klar, dass die einzelnen Geschichten weitererzählt werden. Zumindest ein Teil von ihnen, denn man merkt relativ schnell, dass eine Captain Carter ein wenig wertvoller für das Gesamtkonstrukt erscheint als etwa ein Party-Thor aus Staffel 1. Auf alle Fälle ist aber bemerkenswert, wie viele Stimmen aus dem Original-Cast Marvel vor dem Mikro vereinen konnte, wenn man einmal von jenen absieht, die offiziell ausgeschieden sind.

Neun Geschichten, neun lose Handlungsfäden

“Was wäre, wenn Nebula für das Nova Corps rekrutiert worden wäre?” präsentiert eine düstere Variante von Guardians of the Galaxy und erinnert mit dem Neo Noir-Stil an Blade Runner. Nebula zählt allerdings auch den am wenigsten entwickelten Charakteren des MCUs, sodass der spannendste Teil der Episode der Blick auf die illustren Gäste auf dem Planeten Xandar bleibt, etwa Howard the Duck.

“Was wäre, wenn Peter Quill die mächtigsten Helden der Erde angegriffen hätte?” stellt eine dünne Alternativ-Prämisse für Guardians of the Galaxy Vol. 2 dar. Das Highlight der actionreichen Episode bildet das alternative Avengers-Team, welches aus Hank Pym als Ant-Man, Bill Foster alias Goliath, König T’Chaka als Black Panther, dem Winter Soldier, Supreme Intelligence und Thor besteht. Eine Besetzung, die Potenzial für mehr birgt.

“Was wäre, wenn Happy Hogan Weihnachten gerettet hätte?” lief pünktlich zu Heiligabend und spielt irgendwo zwischen Iron Man 3 und Avengers: Age of Ultron. Happy versus Justin Hammer mit einigen Anspielungen auf Weihnachtsfilmklassiker, insbesondere auf Stirb langsam. Nett, aber nicht herausragend.

“Was wäre, wenn Iron Man auf den Grandmaster treffen würde?” ist ein wilder Ritt, der irgendwo zwischen Speed Racer, Mad Max und Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung eingeordnet werden kann. Wer Tony Star vermisst hat, bekommt hier ein Wiedersehen. Ansonsten bleibt die Folge actionreich, aber weitgehend sinnentleert.

“Was wäre, wenn Captain Carter den Hydra-Stampfer besiegt hätte?” sorgt für ein Wiedersehen mit einer der Hauptfiguren der ersten Staffel, Captain Carter. Man merkt, dass sie weiterhin als echte Alternative zu Captain America aufgebaut werden soll, allerdings ist sie weder großartig interessant, noch fällt es leicht, ihr die Fähigkeiten abzukaufen. Ihre Chemie mit Steve ist immer wieder sehenswert, doch davon einmal abgesehen bräuchte Captain Carter mehr Persönlichkeit als Action-Folgen.

“Was wäre, wenn Kahhori die Welt umformen würde?” besitzt einen gewissen Sonderstatus. Mit Kahhori wurde eine Originalfigur erschaffen, die keinen Comic-Ursprung besitzt. Leider drängt sich hier der Verdacht auf, dass es weniger um Kahhori als Persönlichkeit geht, sondern eher das Vorhaben verfolgt wird, eine indigene Folge in die Serie zu pferchen und Respekt für die Naturvölker zu repräsentieren. Visuell handelt es sich um die stärkste Folge und auch wenn Kahhori keine Figur mit ausgeprägter Persönlichkeit ist, wissen wir spätestens nach dieser Folge, dass wir sie nicht zum letzten Mal gesehen haben.

“Was wäre, wenn Hela die zehn Ringe gefunden hätte?” zelebriert ein Wiedersehen mit einer Figur, die viel zu früh innerhalb nur eines Films verheizt wurde. Bei aller Begeisterung für Hela kann die Folge wenig reißen, auch wenn es schön ist, mal wieder mehr aus dem Erzählkosmos von Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings zu erleben.

“Was wäre, wenn die Avengers im Jahr 1602 zusammenkämen?”: Superheld:innen in frühere Zeiten zu verlegen ist nicht erst seit Gotham By Gaslight ein bequemer und Spannung versprechender Kniff, die Figuren neu zu interpretieren und ihre Moral an anderen Maßstäben zu messen. Hier bedient sich die Serie an Neil Gaimans Vorlage Marvel 1602 und präsentiert etwa einen Steve Rogers in einer Art Robin Hood. Die alternativen Darstellungen machen Spaß, sodass die Folge zu den besseren zählt.

“Was wäre, wenn Strange Supreme einschreiten würde?” hat wie die Finalfolge der ersten Staffel die Aufgabe, einige der Handlungsfäden zusammenzuführen. In dem Fall stellen sich Captain Carter und Kahhori Strange Supreme. Im Vergleich zum Finale der ersten Staffel schneidet diese Episode allerdings deutlich schlechter ab.

Fazit

Wann immer man über Stoff für die hartgesottenen Fans spricht, sollte man What If…? als Referenz aufführen. Die konsequenz- und oftmals ereignisarmen Geschichten dienen auch in der zweiten Staffel eher als Zeitvertreib, als dass man sie als ein echtes Must See bezeichnen kann. Inhaltlich läuft hier so einiges aus dem Ruder, worüber die ansprechende Präsentation nur bedingt hinwegtäuschen kann. Natürlich ist es gerade bei Anthologie-Serien am Ende immer eine Frage des Geschmacks, wie gut die einzelnen Folgen performen. Die Prämissen sind allerdings selten wirklich stark und es werden überwiegend Figuren bedient, bei denen sich auch das Interesse des breiten Publikums eher in Grenzen hält. Es bleibt zu hoffen, dass die Serie mit einer dritten Staffel noch irgendwie den Bogen kriegt.

© Disney

Ayres

Ayres ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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