Warrior Nun (Staffel 1)

Paramilitärische Nonnen? Wissenschaftler, die ein Tor in den Himmel öffnen wollen? Ein Heiligenschein, der Tote wiederbelebt und Superkräfte verleiht? Klar, warum nicht. Allein der Trailer für Netflix‘ Comicverfilmung Warrior Nun macht schon deutlich, dass Zuschauer mit einer Vorliebe für den wirklichkeitsnahen Naturalismus vielleicht besser woanders suchen sollten. Freunden übernatürlicher Action, die auch mit Buffy – Im Bann der Dämonen oder Wynonna Earp etwas anfangen können, ist die im Juli 2020 erschienene erste Staffel von Schöpfer Simon Barry (Continuum) aber ruhigen Gewissens zu empfehlen.

 

Häuser Gottes sind eigentlich besinnliche, ruhige Orte, doch eines Nachts bricht in einem (fast schon wortwörtlich) die Hölle los. Eine Gruppe bewaffneter Nonnen tragen nach einer Verfolgungsjagd eine ihrer schwer verletzten Schwestern in eine Kirche in Spanien. Die verletzte Schwester namens Shannon liegt durch in ihrem Körper steckende Schrapnell-Splitter eines sonderbaren Metalls namens Divinium nun im Sterben. Bevor dies geschieht, extrahiert man jedoch aus ihrem Rücken einen glühenden Ring, ehe eine Söldnertruppe einen Angriff auf die Kirche startet. Besagter Ring findet im Chaos schließlich ungeplant seinen Weg in den Rücken der jungen Ava. Diese liegt im Leichenkeller der Kirche und ist eigentlich tot, war davor zudem eigentlich seit einem Unfall in ihrer Kindheit querschnittsgelähmt, findet sich nun aber sehr lebendig und auch anderweitig geheilt einem monsterhaft verformten Söldner gegenüber. Geflohen und davon überzeugt, sich das alles nur im Wahn eingebildet zu haben, macht Ava jedoch nach und nach noch weitere Entdeckungen neben ihrer neugefundenen Mobilität, wie dass sie ungewöhnlich stark geworden ist, ihre Verletzungen mutantenhaft schnell heilen und sie sogar durch Wände laufen kann. Was Ava nicht weiß: Der Ring ist anscheinend der Heiligenschein des Engels Adriel, mit dem er im Mittelalter der Kriegerin Areala einst das Leben gerettet hat. Auch weiß sie nicht, dass dieser Heiligenschein nun als Artefakt in einem geheimen Kirchenorden, dem Kreuzschwert-Orden, weitergegeben wird, um damit die Mächte der Hölle zu bekämpfen, wobei die jeweilige Trägerin des Heiligenscheins den Titel der „Kriegernonne“ trägt. Der Kreuzschwert-Orden unter der Leitung von Vater Vincent will eben diesen Heiligenschein dringend zurückhaben, doch auch Dämonen aus der Hölle jagen nun Ava oder eher dem Heiligenschein in ihr hinterher.

Superkräfte sind ja toll, aber erstmal Party

Originaltitel Warrior Nun
Jahr 2020
Land USA
Episoden 10 (in Staffel 1)
Genre Action, Fantasy
Cast Ava: Alba Baptista
Shotgun Mary: Toya Turner
Beatrice: Kristina Tonteri-Young
Lilith: Lorena Andrea
Camila: Olivia Delcán
Vater Vincent: Tristán Ulloa
Jillian Salvius: Thekla Reuten
Kardinal Duretti: Joaquim de Almeida
JC: Emilio Sakraya
Seit dem 2. Juli 2020 auf Netflix verfügbar

Ava hat logischerweise erst einmal andere Prioritäten, hat sie doch den Großteil ihres Lebens an ein Bett gefesselt in einer christlichen Einrichtung verbracht, wo sie von der für ihre Pflege verantwortlichen Nonne über Jahre hinweg verbal misshandelt wurde. Die Achtzehnjährige hat deswegen sehr viel echtes Leben aufzuholen, das sie bisher nur aus dem Fernseher kannte: Tanzen, Feiern und vielleicht sogar sich verlieben, wie in den jungen Trickbetrüger JC – Teenager-Zeug eben. Der Kreuzschwert-Orden sucht derweil händeringend nach Ava. Offenkundig um den Heiligenschein sicherzustellen, der unerlässlich für den Kampf gegen die Mächte des Bösen ist, doch auch machtpolitische Spiele rund um den einflussreichen Kardinal Duretti sind ein Faktor. Dieser will den Heiligenschein am liebsten im Besitz der überambitionierten und loyalen Schwester Lilith sehen, insbesondere um den Orden im Kampf gegen Dr. Salvius zu instrumentalisieren. Diese arbeitet daran, ein Tor in eine andere, paradiesische Dimension zu öffnen, in der es weder Leid noch Tod gibt. Das klingt nicht nur sehr stark nach dem christlichen Himmel, auch hat sie als Material dafür neuerdings Divinium entdeckt, das der Vatikan für sich beansprucht. Vater Vincent sieht indes hingegen bei Ava die Hand Gottes im Spiel und möchte versuchen, Ava als Kriegernonne für den Orden zu gewinnen. Auch ungeklärt ist, wie es überhaupt zu der aktuellen Situation kommen konnte, denn außer durch das Metall Divinium sind Kriegernonnen extrem schwer zu töten und besonders für die Ordensschwester Mary, aka. Shotgun Mary, steht fest, dass ihre Freundin Shannon Opfer eines gezielten Anschlags war.

Super Teenage Ninja Nuns

Warrior Nun ist besonders durch Ava somit durch einen starken Coming-of-Age-Anteil gekennzeichnet und damit verbundene Inhalte, wie der ersten Liebe und dem Ringen darum, Verantwortung zu übernehmen. Bei Letzteren steht Avas Anspruch auf ein normales Leben nach einer höllengleichen Jugend die überwältigende (und sehr gefährliche) Pflicht gegenüber, die Welt vor Dämonen zu sichern. Mit Kardinal Duretti und Dr. Salvius sind zudem stellvertretend für konservativen Katholizismus und experimenteller Wissenschaft zwei Glaubens- und Machtsysteme auf direkten Konfrontationskurs, die dabei sehr unterschiedliche Vorstellungen von Himmel und Hölle haben und wie damit umzugehen ist. Der klassische Kampf zwischen Gut und Böse, Himmel und Hölle wird dabei auch durch eine wissenschaftliche Perspektive für Zuschauer wie auch für Ava und den Orden in Frage gestellt, wobei in der nicht vom Ego freien Auseinandersetzung die ursprüngliche Mission, Unschuldige im effektreichen Kampf vor Dämonen und/oder Wesen aus einer anderen Dimension zu schützen, zunehmend in den Hintergrund rückt und sich die in Kampfkunst geschulten und manchmal mehr an Ninjas erinnernden Nonnen gegen weltliche Gegner in eindrucksvollen Kampfchoreographien erwehren müssen.

Frische Optik

Die Serie basiert auf der von Ben Dunn kreierten Comic-Reihe Warrior Nun Areala, die zwischen 1994 und 2003 bei Antarctic Press veröffentlicht wurde. Die Serie verwendet seine Vorlage aber eher als Steinbruch für Ideen und Figuren und geht einen eigenen Weg, anstatt eine originalgetreue Adaption anzustreben (bestimmt gibt es unter den dunklen Brücken des Internets Bewohner, die sich mit diesen Argument darüber echauffieren, keine sexed-up Nonnen mit freien Oberschenkeln wie im Comic zu bekommen). Die US-amerikanische Produktion verlegt Handlung und auch Drehort nach Spanien und besetzt diese zudem mit einem jungen, größtenteils europäischen Cast, der überzeugt und hervorragend harmonisiert. Allen voran die portugiesische Schauspielerin Alba Baptista in der Hauptrolle als Ava, die gefühlvolle und auch komische Momente in die Serie bringt. Einem größeren Kreis bekannt dürfte hingegen Joaquim de Almeida als Kardinal Duretti sein, der in vielen internationalen Film- und Serienproduktionen zu sehen ist, wie beispielsweise in Queen of the South oder Das Kartell.

Fazit

Mir gefällt die erste Staffel (und hoffentlich kommen noch mehr) sehr gut. Auch wenn anderweitig Warrior Nun insgesamt gut, aber auch nicht ohne Kritik aufgenommen wurde, habe ich persönlich nicht wirklich einen Punkt gefunden, der mich gestört hätte. Ava muss halt erst einmal eine Entwicklung durchmachen und ich glaube, wenn sie sich sofort in das Dasein als Kriegernonne geworfen hätte, hätte mich das mehr gestört. Himmel und Hölle zudem einem gewissen Interpretationsspielraum auszusetzen und nicht treudoof die Klischees bibelhaften Alters zum x-ten Mal zu reproduzieren, finde ich auch gut. Abgesehen davon konnte ich sehr viel Sympathie mit den Figuren entwickeln, finde einige der Actionsequenzen wirklich toll und auch Setting und Kostümdesign kreieren eine ungewohnte und ansprechende Atmosphäre mit einer Story, die ein paar überraschende Wendungen bereithält.

© Netflix

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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