The War of the Worlds – Krieg der Welten

Dreibeinige Kampfmaschinen vom Mars: The War of the Worlds ist ein Klassiker des Genres, der in den letzten 120 Jahren in vielfältiger Form sein Publikum gefunden hat. Als wunderbar betulich-altmodischer Roman von H.G. Wells (Die Zeitmaschine). Als Halloween-Scherz von Orson Welles (Citizen Kane), der 1938 das Radiopublikum mit seiner gar zu realistischen Hörspielversion in Angst und Schrecken versetzte. Als Kino-Klassiker aus den 50er Jahren. Als Blockbuster der 2000er von Steven Spielberg (Jurassic Park). Braucht man da wirklich noch eine Version? Aber sicher, findet die BBC und produzierte 2019 The War of the Worlds als dreiteilige Miniserie. Nicht als Millionen verschlingendes CGI-Spektakel, sondern eher als solides, kleines Kostümdrama in der fotogenen Welt von 1906. So nah am Original wie möglich und so weit weg wie nötig, um ins 21. Jahrhundert zu passen. Coole Idee, eigentlich. 

1906. Das britische Weltreich ist auf dem Höhepunkt seiner Macht und steuert auf eine Konfrontation mit Russland zu. Journalist George (Rafe Spall, Just Mercy) lernt Fahrrad fahren. Amy (Eleanor Tomlinson, Poldark), vielseitig interessiert und unkonventionell, muss feststellen, dass ihr Zusammenleben mit George kompliziert ist, denn der ist verheiratet und seine Frau verweigert die Scheidung. Nebenan ist der Forscher Mr. Ogilvy (Robert Carlyle, T2 Trainspotting) völlig aus dem Häuschen: ihm ist es gelungen, Fotos von der Mars zu schießen, auf der Oberfläche tut sich etwas. Vielleicht Vulkanausbrüche? Und was ist vom Himmel in den nahen Wald gestürzt? Ein Meteor? Schon bald stellt sich heraus, dass es eine Invasion vom Mars ist, die da begonnen hat. In ihren riesigen dreibeinigen Kampfmaschinen fallen die Marsianer über Großbritannien her und zerstören, was ihnen in den Weg kommt. Im Chaos der Flucht vor den Marsianern werden George und Amy voneinander getrennt und versuchen verzweifelt, einander in den Wirren des Marsianer-Angriffs wiederzufinden.

Solide Neubearbeitung in BBC-Qualität

Originaltitel The War of The Worlds
Jahr 2019
Land Großbritannien
Episoden 3 (in 1 Staffel)
Genre Science-Fiction
Cast Amy: Eleanor Tomlinson
George: Rafe Spall
Ogilvy: Robert Carlyle
Frederick: Rupert Graves
Priester: Jonathan Aris
Veröffentlichung: 31. Januar 2020

Wenn man sich diese Miniserie so anschaut, ist der erste Eindruck: Da hat jemand sehr fleißig seine Hausaufgaben gemacht. Sich weit in H.G. Wells’ Roman hineingedacht: Häkchen. Relevante Themen der Epoche verarbeitet, wie britisches Großmachtdenken, Darwinismus, Stellung der Frau, Wandel der Moralvorstelungen: Häkchen. Aus einer schattenhaften Nebenfigur eine starke weibliche Hauptrolle geschrieben: Häkchen. Dem altbekannten Stoff noch ein paar neue Aspekte abgewonnen: Häkchen. Liebevolle Details eingebaut, wie etwa die niedliche Steampunk-Teemaschine mit Zeitschaltuhr, die Amy entworfen hat (ab den 60ern stand so etwas mit dem Namen Teasmade überall in britischen Haushalten): Häkchen. Die Epoche optisch mit gewissenhaft recherchierten und handwerklich hochwertigen Kulissen und Kostümen adäquat eingefangen: Häkchen. Und unterhaltsam ist es außerdem. Insgesamt ist das auf jeden Fall ein Fleißkärtchen wert.

Marsmonster fürs Fernsehen

Auch, wenn die BBC mit The War of the Worlds definitiv nicht versucht, mit der Spielberg-Version zu konkurrieren, kommt man bei diesem Stoff um Monster, Kampfmaschinen und CGI nicht herum Zum Glück ist das mittlerweile offenbar so preiswert geworden, dass auch Fernsehproduktionen CGI verwenden und dabei gut aussehen können. Nicht nur was Marsmonster angeht, auch historische Serien sehen viel besser aus, seitdem man Straßenzüge, Gebäude und Stadtansichten der Epoche einfach per CGI einfügen kann, statt nach teuren Drehorten zu suchen. Aber reden wir über dreibeinige Killermaschinen vom Mars. Mit denen steht und fällt jede Neubearbeitung dieses Stoffs. Diese hier haben eine Menge Gelenke in ihren Beinen, was ihnen etwas Spinnenartiges gibt. Und auch ihre Insassen sind weder die Tentakelköpfe der Romanvorlage, noch Spielbergs neugierig-skrupellose Humanoide mit großen Augen und zarten Händchen. Sondern erinnern wie ihre Kampfmaschinen eher an Monsterspinnen. Sie machen sogar die gleichen rasselnden, keckernden Geräusche, die Kinospinnen immer, echte Spinnen aber nie machen. Passend dazu folgt die Serie über weite Strecken einem bekannten Muster: eine Gruppe Menschen findet sich zusammen, damit eine Nebenfigur nach der anderen von den Monstern erwischt werden kann. Ganz klassisch also.

Und zum Schluss?

Kinotechnisch war der finale Twist von H.G. Wells’ Roman schon immer ganz schön lahm. Sicherlich, passend für das, was Wells seinem Publikum über die Erde, die Menschen und die Außerirdischen erzählen wollte, aber für einen Spannungsbogen? Die Außerirdischen kamen, mordeten und verwüsteten unaufhaltsam und dann starben sie an Schnupfen und alles war wieder gut? In dieser Version wird das ein wenig weiter gedacht, um noch mehr Futter für den Handlungsverlauf herauszuholen. Wie genau infizieren sich die Marsianer mit irdischen Krankheitskeimen? Und dann ist da noch dieser weitere Handlungbogen, der mit einem Blick über eine karge, rote Landschaft beginnt und weiterspinnt, was nach dem Schluss noch kommen könnte. Das führt unverhofft zu einem postapokalytischen Szenario, ein wenig detektivischem Buddeln nach Geheimnissen und einer Schlussszene mit einer Extraportion ganz großen Kitsch.

Fazit

Insgesamt ist The War of the Worlds nicht die spektakulärste und auch nicht die innovativste Umsetzung dieses Monuments der Science-Fiction. Aber unter dem Aspekt “Ach, so könnte man das auch mal machen” ist die Miniserie absolut sehenswert, denn sie schafft es, den Geist des Originals einzufangen und dennoch diesem alten Stoff noch ein paar neue Seiten abzugewinnen. Es war auf jeden Fall eine gute Idee, Eleanor Tomlinson eine so große Rolle zu schreiben. Sie bringt auf jeden Fall mehr Schwung in die Geschichte als es der blass bleibende und bisweilen etwas trocken dozierende Ich-Erzähler der Romanvorlage tut. Insgesamt ein gut verbrachter Fernsehabend.

© Splendid Film


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