Stargirl (Staffel 1)

Die Lage 2020: Arrow beendet, Supergirl in der finalen Staffel. Es scheint, als würde das Arrowverse, so der Namen des DC-Serien-Universums, schrumpfen. Doch mit Stargirl startete am 18. Mai 2020 auf der amerikanischen Streaming-Plattform DC Universe bereits die nächste DC-Serie, diesmal allerdings mit einer jugendlichen Protagonistin in der Hauptrolle. Seit dem 11. April 2021 kommen auch deutsche Superhelden-Fans in den Genuss der 13 Episoden umfassenden ersten Staffel, denn Sky One strahlte wöchentlich zwei neue Episoden aus. Am 23. Mai endete die erste Staffel und kann seitdem auch vollständig auf Sky Q abgerufen werden. Aber wie schlägt sich der neueste Serien-Sprössling, der bereits um eine zweite Staffel verlängert wurde und zukünftig in den USA auf dem Sender The CW laufen wird?

 

Vor zehn Jahren wartet die kleine Courtney auf den Weihnachtsbesuch ihres Vaters, der jedoch nie auftauchen wird. In der gleichen Nacht wird die Justice Society of America von Bösewichten, der sogenannten “Injustice Society of America”, ausgelöscht. Die mittlerweile 15-jährige Courtney Whitmore (Brec Bassinger, Bella and the Bulldogs) zieht zu ihrem Missfallen mit nach der Wiederheirat ihrer Mutter nach Blue Velley in Nebraska. Zunächst scheint für den Teenager schon am ersten Tag alles schief zu laufen, doch dann entdeckt sie im Keller ihres neuen Hauses einen Stab, der geheimnisvoll aufleuchtet. Dieser stellt sich als sogenannter “kosmischer Stab” heraus, den einst der Superheld Starman nutzte, bevor er vor zehn Jahren mit der gesamten Justice Society of America von Schurken getötet wurde. Ihr Stiefvater Pat Dugan (Luke Wilson, Natürlich blond) erklärt ihr, dass er selbst einst als Stripesy der Sidekick von Starman war und deshalb den kosmischen Stab aufbewahrt hatte. Für Courtney ist die Sache klar: Der kosmische Stab hat sie erwählt, da ihr Vater niemand anderes als Starman war! Sie wird entgegen des Wunsches ihres Stiefvaters zur Superheldin Stargirl, auch wenn sie damit die Aufmerksamkeit der zahlreichen Bösewichte in Blue Velley auf sich zieht …

Die gute alte Heldin im Teenager-Alter

Originaltitel Stargirl
Jahr 2020
Land USA
Episoden 13 (in Staffel 1)
Genre Action, Science-Fiction
Cast Courtney Whitmore: Brec Bassinger
Yolanda Montez: Yvette Monreal
Beth Chapel: Anjelika Washington
Rick Tyler: Cameron Gellman
Pat Dugan: Luke Wilson
Cindy Burman: Meg DeLacy
Jordan Mahkent: Neil Jackson
Mike Dugan Trae Romano
Barbara Whitmore: Amy Smart
Veröffentlichung: Juni 2021 auf Sky

Die Entstehung von Serien-Heldin Stargirl ist tatsächlich tragisch: Die Figur Courtney Whitmore wurde von Comic-Autor Geoff Johns nach dem Tod seiner Schwester Courtney entworfen. Als Schöpfer von Stargirl ist er aber auch an der Entstehung der TV-Serie beteiligt. Bei einer Protagonistin im Highschool-Alter denkt man dabei schnell, dass dies nichts Neues sei, schließlich gibt es zahlreiche Superhelden, die ihren Alltag zwischen Helden- und Schüler-Dasein balancieren müssen. Doch mit genauerem Blick auf die DC-Serien fällt auf, dass Courtney sogar eher aus dem Raster fällt, denn die meisten Titelhelden sind schon junge Erwachsene, so wie Kara Danvers in Supergirl oder Oliver Queen in Arrow. Positiv anzumerken ist auch, dass das junge Alter von Courtney recht authentisch dargestellt wird. So übersieht sie die Gefahren, die ihre Aktivität als Superheldin mitbringt und agiert als Neu-Heldin oft impulsiv und etwas naiv. Dies wird vor allem gegen Ende der Serie deutlich, wenn enthüllt wird, dass Courtneys Vater tatsächlich nicht Starman war, sondern ein wenig sympathischer Typ, der sie an jenem Weihnachten vor zehn Jahren einfach im Stich ließ. Courtneys Hoffnung, ihr Vater sei ein Superheld gewesen, der heldenhaft im Kampf gegen das Böse fiel, wird damit zerstört.

Eine Gruppe Außenseiter wird zu Superhelden

Natürlich braucht eine Superheldin auch Mitkämpfer. Diese findet sie wenig überraschend in anderen Teenagern, die in der Highschool wenig anerkannt werden, wie etwa in dem Computer-Nerd Beth (Anjelika Washington, Wie Jodi über sich hinauswuchs) oder der durch ein geleaktes Nacktfoto in Ungnade gefallenen Yolanda (Yvette Monreal, Rambo: Last Blood). Während Protagonistin Courtney innerhalb der 13 Episoden gekonnt ausgebaut wird, bleiben ihre Mitstreiter größtenteils allerdings noch eher blass. Yolanda ist noch der Charakter mit den meisten Ecken und Kanten, bei Beth oder Rick (Cameron Gellman, Jahrhundertfrauen) wird es hingegen schwierig, in ihnen mehr als reine Klischees zu sehen. Ihre Feinde sind hingegen unter ihnen, denn die Injustice Society of America ist noch immer aktiv und treten nun als der Arbeitgeber von Courtneys Mutter, Rektorin der Highschool oder Eltern von Mitschülern auf. Die große Aufgabe ist hierbei, die zivile Identität der Superschurken ausfindig zu machen. Die Bösewichte präsentieren sich dabei zwar als kaum mehr ausgearbeitet als die Superhelden, aber dennoch recht differenziert. Es gibt die eiskalten Schurken, die ohne jegliche Moral ihr Ziel verfolgen, aber auch solche, die eigentlich ein gutherziges Ziel haben, jedoch völlig falsche Mittel verwenden. Auch vor teils recht schockierenden Toden junger Charaktere wird nicht zurückgeschreckt. Allerdings wirken diese teils etwas bedeutungslos, da sie Charaktere betreffen, die ohnehin noch kaum Screentime hatten. Viel mehr dienen die Tode der Illustration der Grausamkeit einiger Bösewichte.

Courtneys Familie: die große Stärke

Besonders gut gelungen ist Courtneys Beziehung zu ihrer Familie. Sie wohnt mit ihrer Mutter, ihrem Stiefvater Pat und ihrem jüngeren Stiefbruder zusammen, doch eine richtige Familiendynamik hat sich noch nicht eingespielt. Mit Courtneys Erweckung als Stargirl verbringt sie jedoch viel Zeit mit Pat, sodass sich über die erste Staffel eine rührende Vater-Tochter-Beziehung bildet, die zeigt, dass Familie mehr als Blutsverwandtschaft ist. Auch der Konflikt, dass Courtney ihre Identität als Superheldin vor ihrer Mutter geheim hält und Pat somit seine Frau belügt, wird authentisch ausgearbeitet. Courtney selbst verletzt sich als Superheldin häufiger, weshalb ein großer Konflikt innerhalb der ersten Episoden die Tatsache ist, dass Pat Courtney nicht als Stargirl agieren sehen möchte. Er schlägt vor, sie solle den kosmischen Stab vergessen und einfach als normale Schülerin weiterleben. Sie setzt sich dem natürlich entgegen, obwohl Pat durchaus nicht falsch liegt: Courtney befindet sich oft in lebensgefährlichen Situationen und ihre Geheimidentität bleibt nicht lange geheim. Die Maskierung wird stets recht schnell durchschaut, was sich als realistisch präsentiert, denn nur die Maske im Gesicht sorgt natürlich nicht dafür, dass sie niemand erkennt. Dennoch baut sie mit ihren Freunden eine neue Generation der Justice Society of America.

Die Szenerie bleibt oft eine Dunkelkammer

Ohne Frage: Die Kostümierungen der Figuren und der Roboter, mit dem Pat kämpft, regen eher zum Schmunzeln an. So richtig ernstnehmen kann man die Figuren deshalb zu Beginn nicht, erst mit den späteren Episoden fallen diese Elemente nicht mehr derart auf. Auch die Namen haben mit “Justice Society of America” und “Injustice Society of America” schon bessere Zeiten gesehen, wobei dies sogar ironisch von Courtney und ihren Freunden kommentiert wird. Im Gegensatz zu den teils unfreiwillig komischen Kostümen steht die Kulisse, die nur allzu oft sehr dunkel ausfällt. Die meisten Aktionen finden in der Nacht oder in dunklen Kellern statt, was für die Handlung Sinn ergibt, für Zuschauer*innen hingegen eher anstrengend ist. Oft ist nur schwer erkennbar, was gerade auf dem Bildschirm passiert, was schade ist. Schaut man auf die Schauspieler, lassen sich viele eher unbekannte Namen erkennen, Titelheldin Courtney selbst wurde jedoch mit Brec Bassinger besetzt. Diese hatte in der Nickelodeon-Serie Bella and the Bulldogs schon einmal eine Hauptrolle inne und verkörpert trotz dessen, dass sie bereits über 20 ist, optisch einen authentischen Teenager.

Fazit

Die erste Staffel Stargirl ist sicherlich nicht herausragend. Außer Courtney bleiben die Charaktere ziemlich flach und die Handlung eher seicht. Aber in der zweiten Hälfte wird doch mehr Spannung aufgebaut und als erste Staffel, die vorrangig die Charaktere vorstellen soll, machen die 13 Episoden einen guten Job. Besonders lobenswert bleiben vorrangig die authentische Darstellung von Courtney als Teenager-Heldin sowie die Bindung zu ihrer Familie, die sich bis zum Ende der Staffel konsequent weiterentwickelt. Persönlich mag ich besonders, dass auch dargestellt wird, wie gefährlich und schwierig Courtneys Anfänge als Heldin sind. Auch bei den Charakteren gibt es trotz der Klischees schon Figuren, die ich gerne mag und bei denen ich gespannt bin, wie sie weiter ausgebaut werden. Für Fans der DC-Superhelden ist Stargirl somit dank Highschool-Setting eine erfrischende Erfahrung, die zwar noch keine größeren Wellen schlägt, für die Zukunft aber großes Potenzial inne hat.

© Warner Bros.

Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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