She-Ra und die Rebellen-Prinzessinnen (Staffel 5)

Alles hat ein Ende, so auch Netflix’ She-Ra und die Rebellen-Prinzessinnen. Die fünfte und finale Staffel flimmerte im Mai 2020 über die Bildschirme und brachte ein geplantes Ende mit sich. Laut Serienschöpferin Noelle Stevenson war die Handlung nämlich von vornerein auf 52 Episoden ausgerichtet, und dass daraus schließlich fünf Staffeln wurden, kann man wohl auch nur noch dem Netflix-Marketing zuschreiben, um die Anzahl vermeintlicher “Neustarts” zu erhöhen. Trotz allem: Die von DreamWorks produzierte Serie zeigt sich in Staffel 5 von ihrer besten Seite und gibt ein Vorzeigebeispiel für gelungene Charakterentwicklung ab.

Ohne She-Ra und das Sword of Protection steht die Rebellion vor ihrer bislang größten Herausforderung: Die Horde Prime ist angekommen. Doch vor der finalen Konfrontation werden die Beziehungen noch einmal auf den Prüfstand gestellt, denn wer ist wirklich Freund und wer Feind? Können Adora und die Rebellen-Prinzessinnen den Planeten retten?

Eine A- bis Z-Bestellung

Originaltitel She-Ra and the Princesses of Power
Jahr 2020
Land USA
Episoden 13 in Staffel 5
Genre Fantasy, Science-Fiction
Cast Adora / She-Ra: Aimee Carrero 
Glimmer: Karen Fukuhara 
Catra: AJ Michalka 
Bow: Marcus Scribner 
Hordak: Keston John 
Shadow Weaver: Lorraine Toussaint 
Angella: Reshma Shetty 
Sea Hawk: Jordan Fisher
Seit dem 15. Mai 2020 auf Netflix verfügbar

Nicht jede Serie kann sich so glücklich schätzen wie She-Ra und die Rebellen-Prinzessinnen: Wo selbst bei Streamingdiensten mittlerweile nur wenige Serien sicher vor einer vorzeitigen Absetzung sind, wurden von dieser Serie direkt zu Beginn 52 Episoden bestellt. Somit konnte sichergestellt werden, dass eine von Anfang bis Ende durchkonzipierte Handlung erzählt werden konnte. Ein Segen für jeden Autoren, der dadurch nicht gezwungen wird, mit allen handlungsrelevanten Eckpfeilern voranzupreschen. Und – das muss man voranschicken – das ist gelungen. Das Finale fällt episch und für eine Zeichentrickserie geradezu tiefgründig aus. Ein Beispiel dafür ist der Umgang mit Entrapta. Einer Dame, die im Laufe der Serie die Seiten wechselte und in Staffel 5 nun ins Kreuzverhör genommen wird. Aber er stellt sich heraus, dass Entrapta nicht an Menschen, sondern an Dingen (oder genauer gesagt: Technik) interessiert ist. Das mag auf andere einen falschen Anschein erwecken, ist aber ihre Art zu helfen. Diese differenzierte Betrachtung eines Charakters erklärt sehr gut die Wichtigkeit, andere Perspektiven einnehmen zu können.

Wertvolle Charaktermomente für alle

In 52 Folgen sind viele Charaktere aufgetaucht. Während She-Ra, Catra und auch Glimmer mehr als genug Screentime in den ersten vier Staffeln erhalten haben, blieben vor allem Perfuma und das Paar Spinerella und Netossa eher Randfiguren. Als wüsste das Drehbuch diesen Umstand nur allzu gut, bekommen genau diese drei Charaktere in den 13 verbleibenden Folgen eigenene Nebenstränge. Perfuma erweckte bislang eher den Anschein, eine von vielen Freundinnen zu sein, die sich vornehmlich über Pflanzen definiert. In Staffel 5 stellt sie ihre kämpferischen Fähigkeiten unter Beweis und entpuppt sich als wertvolle Kriegerin. Über die Partnerschaft von Spinerella und Netossa ist eher wenig bekannt und die Serie thematisierte bislang selten die romantischen Beziehungen ihrer Figuren. Nun wird auch die Liebe der beiden auf die Probe gestellt. Momente, auf die viele Fans lange gewartet haben. Und mit jeder Folge wird das zwischenmenschliche Band tiefer. Dass Scorpia zu den heimlichen Stars der Serie zählt, zeichnete sich schon früh ab. In Staffel 5 kann man kaum anders, als sie ins Herz geschlossen zu haben. Wie sieht es eigentlich inzwischen auf der Gegenseite aus? Die Horde Prime kann in Sachen Charakterisierung zwar nicht mit der Rebellion mithalten, ist inzwischen aber auch um einige Persönlichkeiten reicher. Dass diese nicht einfach nur “böse” sind, kann man sich angesichts des sowieso auf Diversität abzielenden Drehbuchs bereits denken. Insofern punktet die letzte Staffel auch hier noch einmal mit dramatischen Entwicklungen.

She-Ra als LGBT-Ikone

Von der ersten Folge an machte She-Ra und die Rebellen-Prinzessinnen keinen Hehl um seine LGBT-Freundlichkeit. Ohne dabei allzu aufdringlich zu sein, denn genau für diese Selbstverständlichkeit lieben Fans die Serie. Da hat Bow eben einfach zwei Väter und ein lesbisches Paar existiert, ohne dass das einer besonderen Ergründung bedarf. In den letzten Folgen wird diese augenscheinliche Subtilität aufgebrochen und vor allem das Verhältnis zweier Figuren, das bislang nur als ambivalent beschrieben werden konnte, nimmt klare Formen an. Es bleibt kein Raum mehr für Spekulationen. Insbesondere für die LGBT-Szene ist She-Ra und die Rebellen-Prinzessinnen somit ein wichtiges Serienprodukt. Denn auf der einen Seite wird hier Diversität abseits gängiger Klischees gelebt und auf der anderen Seite wird auch eine junge Zielgruppe an einen völlig natürlichen Umgang mit der Thematik herangeführt. Beachtlich ist insbesondere aber auch, dass die Serie den Namen einer großen Marke trägt, die einst dazu diente, Spielzeug zu verkaufen.

Fazit

Die anfangs noch (unberechtigte) Skepsis ist vollkommen verflogen: Mit einem runden Abschluss tritt She-Ra und die Rebellen-Prinzessinnen von ab. Alle erzählerischen Puzzleteile fügen sich ineinander und offenbaren ein bis ins Detail zu Ende gedachtes Skript. Die vielen Charaktermomente und generell der vorbildliche Umgang mit den Figuren, denen viel Raum für ihre Entfaltung gegeben wird, machen die Serie zu einer neuen Referenz im Bereich der Zeichentrickserien. Vor allem aber LGBT-Anhänger können hier eine konsequente Weiterentwicklung dessen erleben, was The Legend of Korra bereits 2014 aufbaute. Staffel 5 und damit auch die Serie als Ganzes übertreffen alle Erwartungen. Chapeau, Netflix!

© Netflix

 

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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1 Kommentar
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Ayla
2. Juni 2020 9:15

Ich hab mir die Serie auch endlich angesehen. Einerseits ist es schade, dass ich sie erst jetzt geschaut habe, andererseits ist es auch cool gewesen, dass ich gleich alles am Stück schauen konnte. Ich muss sagen, mir hat sie auch ausgesprochen gut gefallen, vor allem die meiner Meinung nach echt gut durchdachte und spannende Story sowie die Charaktere (Entrapta ist darunter mein Liebling, ich finde ihre Art total liebenswürdig) sind wirklich klasse. Definitiv neben Avatar/Korra nun meine liebste Zeichentrickserie. Dass die Serie so offen und natürlich mit LGBT-Figuren umgeht und sich am Ende auch ein bisschen mehr getraut hat als Legend of Korra (was aber natürlich auch daran liegt, dass Nickelodeon was anderes als Netflix ist), ist natürlich ein dicker Pluspunkt, das vermisst man im Zeichentrickbereich ja doch noch immer.
 
Irgendwann will ich sie auch auf jeden Fall nochmal schauen, allein schon, um auch mal in die deutsche Synchro reinzuhören. Die englische Synchro ist großartig, da würde mich schon interessieren, wie die deutsche Besetzung so klingt.