Secret Invasion

Man stelle sich vor, es gibt eine Alien-Invasion und keiner bekommt was davon mit. Das ist durchaus im doppelten Sinne gemeint, denn die Serie Secret Invasion zählt zu den bisherigen Tiefpunkten des Marvel Cinematic Universe. Dabei wurde die Produktion mit Nick Fury (Samuel L. Jackson) im Mittelpunkt im Vorfeld lange erwartet und es standen crossover-artige Twists im Raum, welche die Perspektive auf das Geschehen der Multiverse-Saga noch einmal gehörig auf den Kopf stellen könnten. Der am 26. Juli 2023 auf Disney+ geendete Sechsteiler weiß erschreckend wenig zu erzählen, davon aber eine ganze Menge. Wir erzählen euch, wieso es sich um einen mediokren Mischmasch handelt.

Die gestaltwandlerische Spezies der Skrull hat sich auf der Erde versteckt. Genauer gesagt eine gefährliche Sekte, die sich als Menschen ausgibt und zahlreiche Lebensbereiche infiltriert hat. Unter anderem bekleiden sie hohe Posten der Regierung. Der ehemalige S.H.I.E.L.D.-Direktor Nick Fury und der Skrull Talos (Ben Mendelsohn, Catch the Killer) schließen sich zusammen, um dieser Verschwörung auf den Grund zu gehen. Zur Seite stehen ihnen ihre Verbündeten Maria Hill (Cobie Smulders, How I Met Your Mother) und Everett Ross (Martin Freeman, Sherlock).

Hochkarätiger Cast gegen schwaches Drehbuch

Originaltitel Secret Invasion
Jahr 2023
Land USA
Episoden 6 in 1 Staffel
Genre Thriller
Cast Nick Fury: Samuel L. Jackson
Gravik: Kingsley Ben-Adir
Pagon: Killian Scott
G’iah: Emilia Clarke
James Rhodes: Don Cheadle
Talos: Ben Mendelsohn
Sonya Falsworth: Olivia Colman
Maria Hill: Colbie Smulders
Everett Ross: Martin Freeman
Auf Disney+ verfügbar

Nach den Neueinführungen Ms. Marvel und Moon Knight steht in Secret Invasion seit langem mal wieder eine Figur im Zentrum, die bereits seit Jahren im Marvel Cinematic Universe etabliert ist, was zuletzt Ende 2021 mit Hawkeye der Fall war. Ins Spionage-Drama-Fach hat das MCU bislang allerdings nur mit Captain America: Return of the First Avenger einen Fuß gesetzt und somit haben wir es also mit einer bekannten Figur in einem noch relativ unverbrauchten Genre zu tun. Ein echter Kurswechsel nach mehr als einem Jahr voller Origin Stories auf Disney+. Das klingt auf dem Papier auch erstmal verlockend: Nick Fury im Fokus, ein doppelbödiger Verschwörungsthriller, ein starker Cast mit namhaften Neuzugängen. Die Krux: Manchmal nützt ein hochkarätiger Cast (den hat diese Serie mit Darstellern des Kalibers Samuel L. Jackson, Ben Mendelsohn, Cobie Smulders, Martin Freeman, Kingsley Ben-Adir, Charlayne Woodard, Killian Scott, Samuel Adewunmi, Dermot Mulroney, Christopher McDonald, Katie Finneran, Emilia Clarke, Olivia Colman und Don Cheadle ohne Frage) nichts, wenn das Drehbuch, der Schnitt und die Umsetzung der fertigen Serie leider langweilig und uninspiriert sind. Moment, langweilig?

Kein Groß-Event

Secret Invasion besitzt durchaus das Potenzial für Größeres, lässt aber die große Bedrohung vorbeiziehen. Was bleibt, ist immer das Gefühl, dass wir etwas angeteasert bekommen, das letztlich gar nicht wahr wird. Etwas, das sich wie ein roter Faden durch die sechs Folgen zieht. Wenn in der letzten Folge dann schließlich eine große Wendung mit Konsequenzen für das gesamte MCU herbeigezaubert wird, hat das auf diese Serie keinen Einfluss mehr, sondern verpufft erstmal irgendwo am Horizont, da zum Ende von Secret Invasion noch unklar ist, wann Marvel die Geschichte weiterführen wird. Was hier fehlt, sind wirkliche Entwicklungen. Stattdessen versucht sich das Drehbuch auf frechste und reißerische Weise an Dampfhammer-Twists, die entweder in die Irre führen sollen, oder es werden Charaktere geopfert, ohne dass dies für die Handlung notwendig wäre. Dieses Gefühl entsteht leider bei mehreren Ereignissen. Folge 1 prescht in dieser Hinsicht gleich voran, als wolle sie behaupten, dass hier jetzt aber mal wirklich ernst gemacht wird. Eine echte Fallhöhe existiert zu keinem Zeitpunkt, denn als clevere:r Zuschauer:in ahnt man natürlich, dass frisch eingeführte Figuren nach nur einer Folge kaum ernsthaft in Gefahr gebracht werden. Neben diesen Cliffhanger tun sich viele weitere Fragen auf. Etwa, wieso ein gut vernetzter Mann wie Nick Fury eine solch ernste Mission alleine angeht, anstatt einfach die verbliebenen Avengers zu informieren. Das wird wenig zufriedenstellend beantwortet. Keiner der neu eingeführten Charaktere kann aufwiegen, was ein Avenger möglicherweise in die Geschichte getragen hätte.

Spannung? Fehlanzeige

Der Ton der Serie bleibt im Gesamtverlauf düster, was nicht schlimm wäre, wenn wenigstens eine gewisse Kurzweiligkeit für Unterhaltung sorgen würde. Doch trotz der kurzen Laufzeit der sechs Episoden fühlt sich das Anschauen einer jeden Folge wie Arbeit an. Es werden auf ernsthafte und stets seriöse Weise Informationen zur Verarbeitung kredenzt, aber so richtige Früchte, an denen man sich erfreuen kann, trägt das alles nicht. Gute Paranoia-Atmosphäre in allen Ehren – weder fühlt sich das rund an, noch möchte sich Secret Invasion organisch ins MCU einbetten. Es sind viele Fragen, die vor allem mit Blick auf das Budget von ca. 35 Millionen US-Dollar pro Folge (!) offen bleiben. Etwa, wieso Schauplätze unbelebt aussehend bleiben, wenn hier üblicherweise viele Menschen unterwegs sind. Die Leblosigkeit vieler Szenen lenkt nicht selten von der Handlung ab und schafft ein steriles Umfeld. Auch in die Actionszenen, die nicht weiter der Rede wert sind, oder die Effekte kann einfach kein größerer Geldbetrag geflossen sein.

Fazit

Secret Invasion hat zahlreiche Probleme: Nichts scheint wirklich auf dem Spiel zu stehen, und doch wird überdeutlich, dass die ganze Welt in Gefahr ist. Das wird solange betont, bis man es irgendwann glauben möchte, aber das Gezeigte schafft es einfach nicht, so richtig zu beeindrucken. Secret Invasion fühlt sich relativ leicht überspringbar und von wenig Konsequenz an. Wären da nicht die neu eingeführten Charaktere und ein Cliffhanger, hätte diese Serie erschreckend wenig Existenzberechtigung. Auch Nick Fury hätte eher davon profitiert, einfach der geheimnisvolle Mann zu bleiben, anstatt nun offengelegt zu werden. Unterm Strich bleibt eine zähe Geschichte, die weder spannend ist noch in irgendeiner Form begeistert.

© Disney

Ayres

Ayres ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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