Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion

1966. Das Jahr, in dem die damalige UdSSR und die USA mit ihren Weltraumprogrammen Erfolge verbuchen. Sonden und Satelliten besuchen Mond und Venus, die Astronauten Neill Armstrong und David Scott nehmen das erste Kopplungsmanöver im All vor und die Mondsonde Lunar Orbiter 1 funkt das Bild der aufgehenden Erde über dem Mond an die Bodenstation. Und auch Deutschland macht sich auf in den Weltraum – zumindest auf der Leinwand. In Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion erleben Major Cliff Allister McLane und seine Crew Abenteuer, die seinerzeit zusammen mit den realen Erfolgen in der Raumfahrt die Fantasie der Menschen Purzelbäume schlagen ließen.

 

Zwischen den Staaten auf der Erde gibt es keine nationalen Grenzen mehr und die Menschheit hat sich dem Weltraum zugewandt, um ihn zu kolonisieren. Major Allister McLane wird mit seiner Mannschaft auf dem Raumkreuzer Orion zur Verkehrsüberwachung im All strafversetzt, da er sich nicht zum ersten Mal Befehlen widersetzt hat. Um zu gewährleisten, dass er sich zukünftig an die Regeln hält, kommt Sicherheitsoffizier Tamara Jagellovsk an Bord, die sich mit ihrer strikten Haltung zunächst keine Freunde unter den Mitgliedern von MacLanes Mannschaft macht. Doch dann tauchen intelligente Außerirdische auf, „Frogs“ genannt, die der Menschheit feindlich gegenüberstehen. Diese Gefahr wird zu einer Herausforderung für die Besatzung der Orion, denn nur gemeinsam können sie die Erde retten. Major MacLane und seine Leute riskieren mehr als einmal Kopf, Kragen und Raumschiff, um Gefahren für die Menschheit abzuwenden, egal, ob Frogs oder eine explodierende Supernova. MacLanes Hang zu eigenmächtigem und unkonventionellem Handeln erweist sich dabei als unschlagbarer Vorteil.

Renitente Elemente an Bord

Originaltitel Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion
Jahr 1966
Land Deutschland
Episoden 7 (in 1 Staffel)
Genre Science Fiction
Cast Major Cliff Allister McLane: Dietmar Schönherr
Leutnant Tamara Jagellovsk: Eva Pflug
Leutnant Mario de Monti: Wolfgang Völz
Leutnant Hasso Sigbjörnson: Claus Holm
Leutnant Atan Shubashi: Friedrich G. Beckhaus
Leutnant Helga Legrelle: Ursula Lillig

Dienst nach Vorschrift scheint nicht das oberste Gebot auf dem Raumkreuzer Orion zu sein. Obwohl sich Major Allister MacLane ständig in Schwierigkeiten befindet, da seine Vorgesetzten wenig bis gar kein Verständnis für seine Eskapaden besitzen, hält seine Crew zu ihm, sogar, als sie für drei Jahre in den hintersten Raumsektor versetzt werden, um dort den Verkehr zu überwachen. Immerhin besteht diese Crew aus Mitgliedern, die unter richtlinientreuen Kommandanten wenig Chancen hätten. Mario de Monti liebt Frauen fast so sehr wie das Waffenarsenal der Orion. Hasso Sigbjörnson nutzt die räumliche Trennung von seiner Frau Ingrid, um das eine oder andere Glas zu leeren. Helga Legrelle händelt die Überwachung und Kommunikation an Bord und ist in MacLane verliebt. Astrogator Atan Shubashi besitzt einen der wenigen noch existenten Pudel. Inmitten dieser unabhängigen Geister wirkt Sicherheitsoffizier Tamara Jagellovsk mit ihrem unbedingten Gehorsam den Statuten der Raumflotte gegenüber wie ein Fremdkörper.

Spürbarer Zeitgeist

Die erste deutsche Science-Fiction-Serie entpuppte sich 1966 als Straßenfeger. Mit sorgfältig ausgearbeiteten Charakteren und kreativen Details nahm sich Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion aktuellen Themen an, die die Menschen beschäftigten. Die Erfolge in der Weltraumfahrt fachten nicht nur die Begeisterung für neue Welten und Abenteuer an, sondern auch die Furcht vor dem Unbekannten hinter den Grenzen der Erde. Intelligentes Leben im All schien in greifbare Nähe zu rücken, und die kriegsgeprägten Menschen gingen eher von feindlichen Begegnungen aus, sollte es zu einem Kontakt kommen. Aber auch Bedrohungen durch Meteoriten oder Supernovae, welche sich auf Kollisionskurs mit der Erde befinden könnten, wurden zum Thema. Verräter in den eigenen Reihen, Roboter, die die Kontrolle über die Menschen übernehmen, Bürokraten und Paragraphenreiter, Frauen an der Macht, Umweltzerstörung – die Gegenwart lieferte jede Menge Ansatzpunkte für spannende Abenteuer und lustige Begegnungen.

Von Designermöbeln und Bügeleisen

Aufmerksame Zuschauer werden beim Blick auf das Inventar der Orion das eine oder andere Objekt entdecken, welches durchaus alltagstauglich ist. Kein Wunder, bediente sich Filmarchitekt Rolf Zehetbauer (Das Boot, Die unendliche Geschichte) bei der Ausstattung der Orion in Küchen, Bädern und Büros und verwendete unter anderem Bananenstecker, Anspitzer und Plastibecher. Mit Kreativität und Fantasie integrierte er diese Gegenstände in die Kulisse. Legendär ist noch immer das Bügeleisen, welches als Bedienelement im Maschinenraum verbaut wurde. Namhafte Designer wie Charles Eames und Harry Bertoia trugen mit ihren Möbeln zur futuristischen Atmosphäre bei. Ein Klassiker wurde das Trinkglas „Smoke“ von Joe Colombo, das mit seinem asymmetrisch geformten Fuß ein Alleinstellungsmerkmal aufwies. Auch die Technik griff tief in die Trickkiste: mit Mehl, Rosinen, Reis und Kaffeepulver gefüllte Gipskugeln, mit Glitter beklebte Holzrollen oder pendelnde brennende Holzkugeln bildeten die Grundlagen für spektakuläre Effekte. Die Fische in den Unterwasserszenen wurden im Aquarium des Berliner Zoos gefilmt.

Kultserie mit Wiedererkennungswert

Der Wiedererkennungswert der Schwarz-Weiß-Serie Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion ist hoch. Die Filmmusik mit der einprägsamen Titelmelodie stammt von Peter Thomas (Bruce Lee – Die Todesfaust des Cheng Li) und lässt sofort Bilder von fliegenden Untertassen vor dem inneren Auge des Zuhörers entstehen. Claus Biederstaedt (Synchronsprecher u.a. von James Garner, Marlon Brando und Peter Falk) spricht den bekannten Eingangstext „Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein.“ Für stete Erheiterung sorgen neben den verbalen Scharmützeln immer wieder die Tanzszenen, die in mehreren Episoden zu sehen sind: Hinter dem Kopf verschränkte Hände, abwechselnd fließende und eckige Bewegungen und Storchenschritte bringen Walzerschritt und Foxtrott auf ein ganz neues Niveau, Eleganz allerdings sieht deutlich anders aus. Erheiternd ist auch die Tatsache, dass die Bezeichnung „Frogs“, die für die Außerirdischen verwendet wird, im 2003 erschienenen Kinofilm Raumpatrouille Orion – Rücksturz ins Kino nachträglich als Abkürzung für „Feindliche Raumverbände Ohne Galaktische Seriennummer“ deklariert wird.

Fazit

Ich liebe Raumpatrouille Orion, wie diese schwarz-weiße Miniserie auch genannt wird. Wenn die Titelmelodie erklingt, die Sprecherstimme auf die Geschichte einstimmt und die Orion über karge Gegenden mit schroffen Felsformationen fliegt, dann bin ich dabei, wenn auch nur mit Popcorn auf dem Sofa. Auch wenn die Serie ihre Jahre auf dem Buckel hat, sprüht sie, ebenso wie Raumschiff Enterprise, nur so vor Abenteuerlust, Fantasie und Neugier auf das Unbekannte. Aus heutiger Sicht mögen Elemente wie das Machogehabe von MacLane und die eindimensionale Sicht auf außerirdische Intelligenz anachronistisch wirken, doch für seine Zeit ist es ein rundes Werk, das sich auf seine Weise kritisch mit der damaligen Gegenwart auseinandersetzt. Natürlich können die Tricktechniken von 1966 nicht mit den modernen, an Computern erschaffenen Ergebnissen mithalten, aber für mich haben sie ihren ganz eigenen Charme und eine Authentizität, die auch durch die mühevolle Arbeit hinter den Kulissen entsteht, welche den einzelnen Szenen anzumerken ist.

@ Bavaria Media International

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