Obi-Wan Kenobi

Das Imperium ist an der Macht und Darth Vader aka Anakin Skywalker (Hayden Christensen, Jumper) tyrannisiert die Galaxis. Doch all das tangiert vorerst den gebrochenen Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor, Christopher Robin) nicht, der zurückgezogen auf Tatooine ein einsames Leben fristet. Als jedoch ein Freund aus alter Zeit seine Hilfe benötigt, muss sich Obi-Wan zwangsläufig mit sich selbst und seiner Vergangenheit auseinandersetzen. Mit dem Abschluss der ersten Staffel der Star Wars-Serie Obi-Wan Kenobi auf Disney+ kehrt ein alternder Jedi zurück in die Wirren der Galaxis – anfangs weniger als Hauptträger der Handlung, sondern eher als Leidtragender – bis er am Ende erkennt was es heißt ein wahrer Jedi zu sein.

Nach dem Fall von Anakin Skywalker zur dunklen Seite der Macht und seinem vermeintlichen Tod in Episode III: Die Rache der Sith lebt sein alter Meister Obi-Wan Kenobi in Trauer um den Verlust eines engen Freundes, der für ihn wie ein Bruder war. Dabei liegt sein Augenmerk darauf, Luke Skywalker (Grant Feely) zu beschützen, sehr zum Ärger von dessen Onkel Owen Lars (Joel Edgerton, Red Sparrow). Doch als Bail Organa (Jimmy Smits, Sons of Anarchy) Kontakt zu Obi-Wan aufnimmt mit der verzweifelten Bitte Lukes entführte Zwillingsschwester und seine Ziehtochter Leia Organa (Vivien Lyra Blair) zu retten, beginnt für Obi-Wan eine wilde Schnitzeljagd der Gefühle und Konfrontationen mit seiner Vergangenheit, was allen voran von Inquisitorin Reva (Moses Ingram, Das Damengambit) und Darth Vader persönlich erschwert wird. Die kleine Leia und auch die Rebellin Tala (Indira Varma, Game of Thrones) scheinen aber Obi-Wans leuchtende Sterne in der finsteren Galaxis zu sein, wodurch der alternde Jedi sich wieder auf sich selbst besinnt.

Kleine Star-Wars Serie mit großen Querverweisen

Originaltitel Obi-Wan Kenobi
Jahr 2022
Land USA
Episoden
Genre Space Western, Drama
Cast Anakin Skywalker/ Darth Vader: Hayden Christensen
Leia Organa: Vivien Lyra Blair
Reva Sevander/ Dritte Schwester: Moses Ingram
Großinquisitor: Rupert Friend
Fünfter Bruder: Sung Kang
Tala Durith: Indira Varma
Senator Bail Organa: Jimmy Smits
Breha Organa: Simone Kessell
Owen Lars: Joel Edgerton
Beru Lars: Bonnie Piesse
Luke Skywalker: Grant Feely
Veröffentlichung: 27. Mai auf Disney+

Die Markenzeichen der Serie sind wohl, neben Ewan McGregor, der seine Rolle als gebrochenen Jedi meisterlich spielt, bildgewaltige Aufnahmen von Planeten und epischer Kämpfe, aber auch – und das ist sehr hervorzuheben – Hints aus allen Ecken des Star Wars-Universiums. Referenzen aus Star Wars: The Clone Wars wie die Erwähnung von Obi-Wans alten Jedi-Rivalen Quinlan Vos oder der Leiche von Tera Sinube, in dessen lebloses Gesicht Obi-Wan Kenobi in Folge 4 blickt, sind zwei von vielen Beispielen. Einige vermeintlich kaum sichtbare Referenzen gelten sogar Anakin Skywalkers ehemaliger Padawan-Schülerin Ahsoka Tano, dessen Kampfpose er als Darth Vader für einen kurzen Moment im Duell gegen Reva einnimmt. Selbst, als Obi-Wan ihm einen Teil seiner Maske abschlägt, ist das ebenfalls ein Hinweis auf Ahsoka in Star Wars: Rebels. Denn ihr gelingt diese Tat ebenfalls. Sehr tiefsinnig gedacht: Obi-Wan und Ahsoka schlagen jeweils einen anderen Teil von Vaders Maske ab und legen dadurch Anakins Gesicht nur zum Teil frei und zeigen damit, dass der heißspornige Anakin in den Tiefen von Vaders Bosheit noch existiert. Auch die Rückblenden zwischen Obi-Wan Kenobi und seinem Padawan in Folge 5 sind ein wahrer Hingucker. Der Übungskampf, der vermutlich im Zeitraum von Episode II: Angriff der Klonkrieger spielt, ist zwar kein direkter Verweis auf eine Serie oder Film des Star Wars-Universums, untermalt aber die Beziehung zwischen Obi-Wan und Anakin, die in erwähnter Episode doch etwas zu kurz kommt. Auch Folge 6 in der finalen Konfrontation zwischen dem alten Jedi-Meister und seinem ehemaligen Schüler trieft vor Querverweisen. Endlich hat Darth Vader den „High Ground“, verliert aber das Duell trotzdem. Auch dass Obi-Wan Darth Vader schlicht nur „Darth“ nennt, ist ein Verweis auf Episode IV: Eine neue Hoffnung.

Alle sind Stars der Serie – nur nicht Obi-Wan

So toll die verschiedenen Verweise auch sind, desto mehr kommt das Gefühl auf, dass Obi-Wan Kenobi – Namensträger der Serie wohlgemerkt – dem nicht gänzlich gerecht wird. Klar, er ist ein gebrochener Mann, der zu sich und damit zur Macht zurückfinden muss. Dennoch scheinen vor allem die kleine Leia mit ihrem frechen und spitzzüngigen Mundwerk, Inquisitorin Reva mit ihren eigenen Plänen und ihrer aggressiven Art oder sogar Rebellin Tala, die auf dem Planeten Jabiim das Leben lässt, mehr die Serie voranzubringen als der ehemalige General der Republik Obi-Wan Kenobi. Natürlich ist es taktisch, dass der gebeutelte Obi-Wan sich von einem passiven deprimierten Eigenbrödler zurück zu dem aktiv handelnden Jedi entwickelt, der er eins war. Natürlich soll es aufzeigen, dass insbesondere äußere Einflüsse einen pushen und fördern können. Dennoch, ein bisschen mehr Obi-Wan,  seine Versuche zurück zur Macht und damit der Aufbau des Kontakts zu seinem alten Lehrmeister Qui-Gon Jinn wäre sehr spannend gewesen. Auch aus Reva und dem Zwist mit den anderen Inquisitoren hätte mehr gemacht werden können.

Melancholie, aber viele Fragezeichen

Die sechs Folgen von Obi-Wan Kenobi zeigen die Galaxie zur Zeiten des Imperiums mittels schrecklich-imposanten Bildern. Ob nun Grausamkeiten der Inquisitoren, brutale Ermordungen durch Darth Vader, schöne Aufnahmen von den Planeten Alderaan, Jabiim und Tatooine, oder auch versteckte Star Wars-Referenzen, die Augen feucht werden lassen können, täuschen sehr gut über Logiklücken hinweg. Dennoch: Die Fragezeichen bleiben bestehen. Obi-Wan ist ein gesuchter Jedi und hält es nicht für nötig, sein Lichtschwert zu verstecken? Wie schafft es Reva, schwer verwundet nach Tatooine zu gelangen? Warum bläst Vader die Verfolgung der Rebellen ab, nur um seinen alten Meister zu verfolgen? Schon mal was von Kräfte aufteilen gehört? Ist der Großinquisitor etwa unter die Zauberer gegangen, weil er plötzlich nach seinem vermeintlichen Tod so unerwartet wieder auftaucht? Gut, dass er es ist, aber ein bisschen besser hätte das schon erklärt werden können.

Der Soundtrack – Entführung in eine ferne Galaxie

Gerade der Melancholie-Effekt wird durch einen schönen Soundtrack untermalt. Zwar war der alt bekannte Star Wars-Komponist John Williams dieses Mal nicht allzu stark in der Schaffung neuer Soundtracks involviert, das tat der Serie in dem Zusammenhang aber keinen Abbruch. Mit neuen Tracks von Natalie Holt kommt ein frischer musikalischer Wind in die Serie. Allerdings wird auf musikalischer Ebene in Folge 6 sehr mit alt bekannten Themen wie dem Imperialen Marsch, Leia’s Theme und dem der Macht gearbeitet. In letzterer ist das eine schöne Verbindung zwischen der neu geschaffenen Star Wars-Serie und Episode IV: Eine neue Hoffnung, die chronologisch nach der Serie spielt und damit eine Hommage an die alten Fans der Filme ist. Gerade im Zusammenhang mit der Charakterentwicklung ist die Musik ein schön gewähltes Mittel. Neue Figuren wie beispielsweise Reva, die sich von einer aggressiven Rächerin zu einer jungen Frau entwickelt, die ihren Platz in der Galaxis erst neu finden muss, brauchen ein neues Musik-Thema. Selbst bei Obi-Wan erklingt das Thema der Macht erst zum Schluss und das aus guten Grund: Der Jedi-Meister hadert von Folge 1 an mit sich und plagt sich mit Selbstvorwürfen. Sein Weg zurück zu dem Jedi ist verbunden mit Verfolgungsjagden, Konfrontationen, Verlust und mündet in der Akzeptanz, Anakin für immer verloren zu haben. Schlussendlich findet er jedoch durch diesen langen und beschwerlichen Weg zurück zu sich und zur Macht. Gerade letzteres wird deutlich mit dem Macht-Thema unterstrichen.

Fazit

Obi-Wan Kenobi ist eine Serie, die das Zurückfinden des Protagonisten zur Macht aufzeigen soll. Auf lange Sicht und mit viel Exposition gelingt das auch. Dabei schafft es die Serie auch, neue Charaktere wie Reva oder Tala einzuführen, gibt ihnen aber nur zum Teil die Möglichkeit sich zu entfalten. Vor allem auf mehr Streit zwischen den Inquisitoren – und natürlich mehr Obi – hätte ich mich persönlich gefreut. Das Ende der ersten Staffel lässt zudem auch noch vieles offen. Qui-Gon Jinn geht davon aus, dass Obi-Wan noch einen langen Weg vor sich hat. Was genau meint er damit und wo führt dieser Weg unseren Jedi der Sprüche hin? Was wird aus Reva? Fragen über Fragen. Doch manchmal, gerade wenn Melancholie und Bildgewalt mit Absicht über Logiklöcher hinwegzutäuschen versuchen, stellt sich die Frage, ob es nicht sinniger wäre, gewisse Fragen dort zu lassen wo sie sind: in einer weit, weit entfernten Galaxie.

© Disney

Lady Narmora

Als Sinologin liebt Lady Narmora die asiatische und allen voran die chinesische Kultur sowie Literatur. Sie liebt Fantasy, Sci-Fi und spannende Historienromane, in denen fremde Orte und Philosophie hochgeschrieben werden. Daher ist Literatur mit einem interessanten und spannenden Worldbuilding für sie sehr wichtig; gerade, dann wenn es um Speisen, Feste, Geschichte und Politik geht.

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