Mysterious Mermaids (Staffel 1)

Lesezeit: 4 Minuten

Manche Titeländerung verwundert schlichtweg: Als die US-Serie “Siren” ihren Weg ins deutsche Fernsehen im Frühjahr 2019 fand, durfte dies nicht unter ihrem ursprünglichen Titel geschehen. Die Gründe darüber sind unklar und es ist umso verwunderlicher, dass es stattdessen “Mysterious Mermaids” geworden ist, denn das kann zu Missverständnissen führen. In Siren geht es nämlich nicht um fröhlich trällernde Meerjungfrauen, also Nixen mit Flossen, die von sprechenden Fischen und singenden Krabben begleitet werden, sondern um die wilden Kreaturen, die einst Männer mit ihrer Schönheit bezirzten und schließlich in den Tod lockten. Das ist der Stoff, mit dem der US-Sender Freeform Jagd auf eine Zielgruppe zwischen 14 und 34 Jahren macht.

Bristol Cove ist eine verschlafene Küstenstadt im Nordwesten der USA, die bekannt für ihre sagenhaften Erzählungen ist. Dort lebt Ben Pownall (Alex Roe, Die 5. Welle), der als Meeresbiologe arbeitet. Ein Beruf, den er mit seiner Liebe Maddie (Fola Evans-Akingbola, VS.) teilt. Bei einem Hochsee-Einsatz geht einem Fischereibetrieb ein Fang ins Netz, der sich als besonders außergewöhnlich herausstellt: Eine junge Frau. Diese entpuppt sich als äußerst bissiger Wildfang, welcher Chris, einen Matrosen, verletzt. Zugleich ist das US-Militär vor Ort, um das Meereswesen mitzunehmen. Dass dabei auch der verletzte Chris mitgenommen wird, verwundert Ben und seinen Kumpel Xander (Ian Verdun, Lucifer) allerdings. Wenig später liest Ben eine junge Frau auf der Straße auf. Ihr Name ist Ryn (Eline Powell, King Arthur: Legend of the Sword) und sie verhält sich gegenüber Menschen äußerst vorsichtig. Mit viel Feingefühl finden Chris und Maddie heraus, dass es sich dem mitgenommenen Wesen um Ryns Schwester Donna (Sibongile Mlambo, Teen Wolf) handelt, an der nun wissenschaftliche Experimente betrieben werden …

Sirene oder Nixe?

Originaltitel Siren
Jahr 2019
Land USA
Episoden 10 (in Staffel 1)
Genre Fantasy, Drama, Mystery
Cast Ryn: Eline Powell
Maddie Bishop: Fola Evans-Akingbola
Ben Pownall: Alex Roe
Xander McClure: Ian Verdun
Helen Hawkins: Rena Owen
Calvin Lee: Curtis Lum
Ted Pownall: David Cubitt
Janine: Hannah Levien

Mysterious Mermaids erwies sich während seiner Ausstrahlung auf Freeform bereits als voller Erfolg, sodass sogleich die Produktion einer zweiten Staffel in Auftrag gegeben wurde. Auch diese war mit Erfolg gesegnet und eine dritte Staffel erhielt ebenfalls grünes Licht. Wie eingangs erwähnt, lässt der Originaltitel bereits erahnen, dass es hier eben nicht um  friedfertige Meeresbewohnerinnen dreht, sondern wilde Kreaturen. Auch wenn sie aussehen wie Menschen, besitzen sie unglaubliche Muskelkraft und raubtierhafte Instinke. Hinzu kommt eine besonders stark ausgeprägte Auffassungsgabe, was innerhalb der Serie auch eine Funktion einnimmt: Nur so gelingt es Ryn, die menschliche Sprache zu erlernen. Dadurch ist der Weg der Kommunikation geebnet und wir erfahren mehr über die Welt der Sirenen und natürlich speziell über Ryn. Damit sie kein zu übermächtiges Wesen wird, leistet sie sich immer wieder Fehltritte. Denn was ist der größte Aneckpunkt eines jeden Wesens, das in unserer Welt landet? Das menschliche Sozialverhalten. Durch die Beobachtung von Ben und Maddie lernt Ryn allerdings schnell und viel.

Konflikte über Konflikte

Die inhaltliche Entwicklung von Mysterious Mermaids ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite steht Donnas Rettung im Vordergrund und es versteht sich von selbst, dass Ben und seine Freunde nicht auf der Seite der Wissenschaft stehen. Ganz nebenbei lernt Ryn von Folge zu Folge mehr über das Verhalten von Menschen. Eine Entwicklung, die sich ebenfalls geradezu aufdrängt. Es stellt sich nur die Frage, weshalb Ryn soviel über Menschen lernen muss, wenn es ein klares Ziel gibt. Vor dem Hintergrund, dass weitere Staffeln gefüllt werden wollen, ist es also vollkommen legitim zu hintefragen, ob sich Donnas Rettung wirklich über so viele Folgen erstrecken wird oder ob primär Ryns Landaufenthalt drehbuchbedingt zum Auffüllen der Folgen dient. Szenen dieser Art werden in Staffel 1 zumindest noch kurz gehalten. Szenen dieser Art werden in Staffel 1 noch kurz gehalten. In jeder der zehn Episoden geht es mit der Handlung ein Stück voran. Dazwischen gibt es zahlreiche Konflikte zwischen all den Figuren. Insbesondere zwischen Maddie und Bens Mutter Elaine (Sarah-Jane Remond, The Entrance). Die führt nämlich eine Scheinehe mit Bens Vater Ted (David Cubitt, Ali) und auch Bens Bruder Doug (Andrew Jenkins, Once Upon a Time – Es war einmal … ) beäugt den Familienzusammenhalt kritisch. Dass schwierige Familienfehden nicht nur unter Menschen bestehen, demonstrieren auch Ryn und Donna. Ihre Erfahrungen mit Menschen sind ganz unterschiedlicher Natur und daher ist ein Zusammenstoß unausweichlich. Der zentrale Konflikt ist nicht neu: Serien wie The 100 oder iZombie loten ebenfalls Loyalitäten aus, wenn es darum geht, Entscheidungen für ganze Völker zu treffen. Dass dabei einzelne Figuren wie Ben und Maddie im Falle von Mysterious Mermaids ihre Artgenossen hintergehen müssen, sorgt für zusätzliche Fallhöhe.

Fazit

Mysterious Mermaids ist alles andere als ein vergnüglicher Meerjunfrauen-Trip und lässt Disneys Arielle weit hinter sich. Hier geht es um Wesenskonflikte, ähnlich radikal wie in The Shape of Water und Cold Skin. Ins Horror-Genre lässt sich die Serie trotz ihrer stellenweise düsteren Szenen jedoch nicht einordnen. Wir haben es hier mit einem waschechten Drama zu tun, das sich knietief im Fantasy-Genre tummelt. Die erste Hälfte fällt aufgrund der vielen Unbekannten spannender als die zweite aus, in der sich die zahlreichen zwischenmenschlichen Konflikte häufen. Luft nach oben für Ryn und Co. besteht hier wortwörtlich. Anfreunden muss man sich auch mit manch phantastischen Element, etwa dass Ryn unheimlich schnell die menschliche Sprache lernt und Hürden dieser Art im Sinne des Erzähltempos außerordentlich schnell abgebaut werden.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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