Mortal Kombat: Defenders of the Realm

Der Erfolg auf einer Plattform lässt sich spielend einfach auf eine andere übertragen. So oder so ähnlich muss der Gedankengang hinter Mortal Kombat: Defenders of the Realm gewesen sein, als die erfolgreiche Game-Reihe 1996 als 13-teilige Cartoon-Serie adaptiert wurde. Die Verantwortlichen des USA Network sahen sich offensichtlich bestätigt darin, dass die 90er neue Actionhelden brauchten. Immerhin funktionierte Street Fighter II im Osten sowohl als Game als auch Animeserie prächtig. Das Problem ist nur: Was macht man mit dem Gewaltpegel, für den die Reihe berühmt-berüchtigt ist? Die simple Antwort: aussparen. Eine Katastrophe nahm ihren Lauf.

Seit dem letzten “Mortal Kombat”-Turnier ist viel passiert. Dunkle Mächte aus Outworld greifen die Erde an. Seit diesen Angriffen ist die Erde geschwächt und erlaubt es dadurch Kriegern aus anderen Reichen, den Planeten Erde anzugreifen. Nur die stärksten Krieger der Erde können diese Kämpfe durchstehen: Liu Kang, Prinzessin Kitana, Sub-Zero, Jax, Sonya Blade, Nightwolf, Keva und Stryker. Geführt und beraten werden sie durch den Donnergott Rayden. Sie sind die Beschützer des Reichs.

Im Fahrwasser des Erfolgs

Originaltitel Mortal Kombat: Defenders of the Realm
Jahr 1996
Land USA
Episoden 13 in 1 Staffel
Genre Action-Cartoon
Cast Rayden: Clancy Brown
Liu Kang: Brian Tochi
Kitana: Cree Summer
Sub-Zero: Luke Perry
Jax: Dorian Harewood
Sonya Blade: Olivia d’Abo
Nightwolf: Tod Thawley
Styker: Ron Perlman
Bislang keine deutsche Veröffentlichung

Das USA Network hatte für die Samstage im Herbst 1996 ein ganz heißes Lizenz-Eisen im Feuer: Mortal Kombat. Ein Jahr zuvor war die Realverfilmung von Paul W.S. Anderson (Resident Evil) erfolgreich in den Kinos angelaufen und der dritte Ableger der Reihe kam nur drei Wochen nach Beginn der Cartoon-Serie in den Handel. Also ein guter Zeitpunkt, um die Figuren auch gleich schon einmal mit ihren Outfits aus Mortal Kombat 3 auftreten zu lassen. Offensichtlich also, dass alle Beteiligten etwas vom Kuchen abhaben wollten und mit einer Cartoon-Serie schlug man gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Denn so konnte gleichzeitig verhindert werden, dass das berüchtigte Franchise erneut durchs Fegefeuer der Zensurbehörden musste.

Wir versuchen das jetzt mal mit einer friedlichen Lösung

Was allerdings den Kernaspekt der Spiele ausmachte, war die übertriebene Gewaltdarstellung. Wie kann also eine Serie funktionieren, die auf das wichtigste Element ihrer Vorlage verzichtet? Autor Sean Catherine Derek hatte zuvor mit Batman eine ebenfalls düstere Cartoon-Serie für Jugendliche geschrieben, die sich stark von seiner bisherigen Arbeit (Die Schlümpfe) unterschied. Die Grundgeschichte des Games sowie des vorliegenden Kinofilms wurde also einmal durch den Fleischwolf gedreht. Das Ergebnis: Zur Originalgeschichte des Games passte diese Version nicht mehr. Aber auch nicht schlimm, denn Mortal Kombat: Defenders of the Realm sollte schließlich auch nur ein paar anspruchslose, überwiegend männliche Teenager vor den Bildschirmen fesseln.

Lieblos umgesetzt und grauenhaft animiert

Anspruchslos schien auch die Devise der Umsetzung zu sein. Defenders of the Realm genießt nicht zuletzt aufgrund seiner grauenhaften Umsetzung einen schlechten Ruf in der Fangemeinde. Die steifen Figuren wurden (augenscheinlich aus Budget-Gründen) immer wieder per Copy-Paste-Verfahren in die Szenerie gesetzt. Die Hintergründe stehen nicht gerade für Abwechslung und sind überwiegend entweder einfach dunkel oder lassen das Geschehen vor violett verschwimmenden Bergen abspielen. Die Detailarmut ist durchgängig erschreckend hoch. Zerfetzte Kleidung ist in der nächsten Einstellung wieder von Zauberhand vollständig hergestellt und Texturen scheinen für die junge männliche Zielgruppe wohl auch nicht von Bedeutung zu sein. Anders lässt sich nicht erklären, weshalb die beliebten Figuren so dahingeschludert sind. In Großaufnahmen mancher (nicht aller) Folgen lassen sich die Figurenmodelle sogar noch halbwegs sehen, während die schlechten Animationen innerhalb der Kämpfe leider Standard sind.

Atemlos durch die Nacht

Ohnehin grenzt es an ein Wunder, wie die dünne Geschichte eine Spielzeit von 13 Folgen á 20 Minuten füllen sollen. Das ist immerhin doppelt so lang wie der Spielfilm, sodass doch zumindest irgendwo ein bisschen Platz für Charakterentfaltung sein muss. Pustekuchen: Es wird von Anfang bis Ende durchgeprügelt. Vor den ewig düsteren Hintergründen stellt sich schnell eine Monotonie ein. Ruhige Abschnitte sind nicht vorhanden, und wenn man sich so fragt, wie eigentlich die Figuren zueinander stehen, wird deutlich, dass individuelle Beziehungen einfach keinen Raum in einem solchen Format haben. Witzigerweise wollen sich Sonya und Kitana in Folge 10 ein paar Minuten zum Reden nehmen, werden dann aber direkt für den nächsten Kampf wieder von ihrem Vorhaben abgebracht.  Folge 9 wurde eine ganz besondere Aufgabe zu Teil: Eine geheimnisvolle Figur (deren Identität nie enthüllt wurde) tritt auf. Ein Crossover zwischen Defenders of the Realm sowie den ebenfalls auf USA Network laufenden Serien Street Fighter, Savage Dragon und Wing Commander Academy. In der Konzeption eine gute Idee, in der Umsetzung … ausbaufähig.

Unpersönliche Keilerei

Ein richtiges Ärgernis ist auch die Ausgestaltung der Charaktere, sofern man davon überhaupt sprechen kann. Besonders nervig ist Sonya Blade, die den Anschein erweckt, als wolle sie unbedingt so unsympathisch wie nur möglich sein. Weshalb Liu Kang und Kitana das Liebespaar der Geschichte bilden, wird auch nicht weiter erklärt. Hier werden einfach nur die Entwicklungen des Kinofilms aufgegriffen, aber nicht weiter vertieft. Die Figuren Quan Chi und Nightwolf (mitsamt Wolf Keva) feierten mit der Serie ihr Debüt, ehe Zuschauer sie dann in Mortal Kombat 3 spielen durften. Ob ihnen die Einführung innerhalb einer Kindersendung geholfen hat, ist eher fraglich.

Fazit

Jedes langjährige Franchise hat seine guten und seine schlechten Teile. Und solche, die zurecht in Vergessenheit geraten sind. Ein solcher Ableger ist Defenders of the Realm. Selbst Hardcore-Fans der Reihe haben keinen Grund, diese 13-teilige Serie nachzuholen. Inhaltlich bietet die Serie keinen Mehrwert und verwirrt eher, und ohne die ikonischen Fatality-Moves ist sowieso ein großer Teil der Marke abhanden gekommen. Mit dem billigen Look und dem pausenlosen Gekloppe wirkt das Ergebnis noch betagter, als es ohnehin schon ist. Dass eine solche Serie heute noch das Licht der Welt erblicken könnte, ist einfach unvorstellbar.

© Warner Home Video

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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