Legends of Tomorrow (Staffel 4)

Lesezeit: 6 Minuten

Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich ein Fenster. So läuft das auch bei den Legends of Tomorrow ab. Sie kämpfen gegen böse Mächte, die die Zeitlinie bedrohen und verbarrikadieren das Tor. Und schwupps geht woanders ein Fenster auf, durch das sich ganz andere Fieslinge quetschen. In der vierten Staffel der auf DC Comics basierenden Serie sind es magische Fabelwesen, die sich ein bisschen austoben wollen. Ein Einhorn in Woodstock, Meeresungeheuer in Japan, die blaue Fee bei den Hexenprozessen in Salem – für die Legends gibt es viel zu tun und für den Zuschauer viel zu lachen. Und dem alljährlichen Crossover mit den anderen The CW-Serien wird eine Abfuhr erteilt. Amazon Prime hat die 16 quietschbunten Episoden in Deutschland simultan zur US-Ausstrahlung veröffentlicht, wo sie für einen Bingewatch-Angriff auf die Lachmuskeln bereit stehen.

Nachdem sie den Dämon Mallus besiegt hatten (siehe Staffel 3), haben die Legends das nächste Unglück heraufbeschworen. Andere magische Kreaturen machen sich in der Weltgeschichte breit, was wieder einmal fatale Konsequenzen für den Lauf der Dinge hat. Als erstes geht es nach Woodstock, denn das Hippie-Festival ist plötzlich nur noch als Massaker bekannt, über das man keine Witze reißen sollte. Der Übeltäter ist ein Einhorn, das gern menschliche Herzen verspeist. Und damit fängt der Ärger erst an. Das Time Bureau braucht neue Mittel, um mit den vielen Monstern und Kreaturen adäquat umzugehen. Hier möchte vor allem Nate Heywood (Nick Zano) aushelfen, der eine Pause von den verrückten Zeitsprüngen braucht, aber weiterhin nützlich sein möchte. Sein Platz an Bord der Waverider bleibt nicht lange leer, nicht zuletzt weil sich Constantine (Matt Ryan) dem Grüppchen dauerhaft anschließt. Magie ist schließlich sein Fachbereich und er hat da ein recht persönliches Problem im Schlepptau.

Neue Gruppendynamik

Originaltitel DC’s Legends of Tomorrow (Season 4)
Jahr 2018
Land USA
Episoden 16 in Staffel 4
Genre Science-Fiction, Action, Fantasy
Cast Sara Lance: Caity Lotz
Ray Palmer: Brandon Routh
Nate Heywood: Nick Zano
Zari Tomaz: Tala Ashe
Mick Rory: Dominic Purcell
Charlie: Maisie Richardson-Sellers
John Constantine: Matt Ryan
Ava Sharpe: Jes Macallan
Gideon: Amy Louise Pemberton

Ursprünglich war Legends of Tomorrow mal als Anthologieserie gedacht, bei der jede Staffel einen wechselnden Cast haben sollte. Die Idee wurde über Bord geworfen, aber jede Staffel bringt doch kleine personelle Veränderungen mit sich. So ist es am Ende von Staffel 3 endgültig an der Zeit gewesen, dass Amaya in die 1940er Jahre zurückkehrt, um ihren festen Platz in der Zeitlinie einzunehmen. Für Schauspielerin Maisie Richardson-Sellers findet sich hier aber zum Glück eine neue Rolle, da die Chemie zwischen den Darstellern einen großen Anteil am Unterhaltungswert hat. Episode 3 „Dancing Queen“ führt die Legends nach London in den 1970ern. Sie treffen auf Gestaltwandler Charlie, die versucht Amayas Aussehen für sich zu nutzen als Constantine ihre Kräfte unterbindet. Damit hat Richardson-Sellers eine neue Rolle, in der sie auch ihren englischen Akzent behalten darf. Charlie überzeugt die Legends, dass nicht alle Fabelwesen von Grund auf böse sind und es verdienen in die Hölle geschickt zu werden. Was wiederum dazu führt, dass das Time Bureau Sicherungsverwahrung betreibt. Daher gibt es auch dort Verstärkung in Form von Mona Wu (Ramona Young), die sich um die festgesetzten Kreaturen kümmert.

Zwischenmenschliche Beziehungen

Es gilt aber nicht nur neue Figuren einzuführen, sondern alle bekannten weiter auszubauen. Legends-Captain Sara Lance (Caity Lotz) und Time-Bureau-Direktorin Ava Sharpe (Jes Macallan) vertiefen ihre romantische Beziehung, wobei ihnen weiterhin manchmal ihre unterschiedlichen Arten Probleme anzugehen im Weg stehen. Sara setzt auf Improvisation und spontane Entscheidungen aus der Situation heraus, während Ava Regeln für wichtig hält und Pläne schmiedet. Wenn sie eine Balance zwischen ihren Stärken und Schwächen finden, werden sie ein unaufhaltsames Duo. Mick Rory (Dominic Purcell) ist noch immer der schroffe Klotz, der er zu Beginn der Serie war, doch wird immer deutlicher, dass er sich in dieser Gruppe wohlfühlt. Seine gefühlvolle Seite steckt er in seine Arbeit als Romanzen-Autorin Rebecca Silver, was tatsächlich mehrmals zur Problemlösung beiträgt. Ray Palmer (Brandon Routh) versucht andere mit seinem Optimismus anzustecken und ist weiterhin bemüht, alle davon zu überzeugen, dass Nora Darhk (Courtney Ford) trotz magischer Kräfte nicht so böse ist, wie ihr Vater. Zari Tomaz (Tala Ashe) hat sich mittlerweile bestens eingelebt und versucht Charlie und Constantine genau dabei zu helfen. Wo Ray das Herz des Teams ist, wird sie zur Seele, stammt sie doch aus einer Zukunft geprägt von Angst und Verfolgung. Zari weiß genau was es bedeutet, für andere Menschen zu kämpfen. Die Beziehungen untereinander, das Zusammenspiel als Team, die Art und Weise wie humorvolle Vorlagen umgesetzt werden, um die Figuren sympathischer zu machen, das sind die Stärken der vierten Staffel und die besten Gründe, die Serie zu schauen.

Wer ist der Oberbösewicht?

Legends of Tomorrow hat sich von dem Zwang befreit, dass alle Episoden in erster Linie grundsätzlich der übergeordneten Rahmenhandlung dienen müssen. Abgeschlossene Geschichten sorgen eher dafür, dass einzelne Folgen mehrfach angesehen werden und puren Spaß bringen können. Das bedeutet nicht, dass auf zusammenhaltende Elemente verzichtet wird, doch entfalten sich diese auf angenehme Art ohne das Unterhaltungslevel abzusenken. Im Gegensatz zu den Schwesterserien Arrow, The Flash und Supergirl hat die vierte Staffel von Legends of Tomorrow zudem nur 16 Episoden, weshalb hier nichts übermäßig in die Länge gezogen wird. Zunächst stellt sich die Frage, wohin mit den Kreaturen? Dann scheint es, dass es eine Regierungsverschwörung rund ums Thema geben könnte. Und zu guter Letzt hat ein Dämon aus Constantines Vergangenheit seine Finger im Spiel. Solange die Legends nicht nur den einen Bösewicht im Hinterkopf haben, den sie dingfest machen müssen, müssen sich die Drehbuchautoren auch nicht Woche für Woche überlegen, warum das so schwer ist. (Wie es etwa wieder und wieder Staffel für Staffel bei The Flash passiert, was das Team dümmlich aussehen lässt.) Die Gefahrenlage spitzt sich in den letzten Episoden rasant zu und macht dabei eine runde Figur mit lustigem aha-Effekt. Dämon Neron ist ein ernstzunehmender Gegner, in der Welt der DC Comics als Höllenfürst bekannt. Und selbst er kann Zuschauer zum Schmunzeln bringen. Da wird extra über seine Geliebte namens Tabitha geredet, die sich dann als schon bekannte blaue Fee entpuppt. Somit ist ihr früher Auftritt in der Staffel samt Feenregeln wichtig fürs Finale und wirkt trotzdem nicht aufgeblasen. Und wer hätte gedacht, dass Gary Green (Adam Tsekhman) seine abgebissene Brustwarze wiederbekommt, um mit dieser dann Leute zu hypnotisieren?

Bunte Überraschungstüte an Ideen

Die englischen Episodentitel von Legends of Tomorrow zeigen schon, dass mit Staffel 3 der Humor in den Vordergrund gerückt wurde. So hält Staffel 4 nun Perlen bereit wie „Wet Hot American Bummer“, in dem es wie im Film samt dazugehöriger Netflix-Serie Wet Hot American Summer in ein Ferienlager geht. „Tagumo Attacks!!!“ braucht unbedingt drei Ausrufezeichen, da sowas zum guten Ton gehört, wenn es zur Riesenmonsterjagd nach Japan geht. „Séance & Sensibility“ klingt nicht nur zufällig wie ein Jane Austen Roman, die Gute ist Teil der Folge. „The Eggplant, the Witch & the Wardrobe“ oder „Nip/Stuck“ sind leicht zu fassende Referenzen, während „Legends of To-Meow-Meow“ im ersten Moment nur albern klingt. Aber wie soll man sonst einen dezenten Hinweis einstreuen, dass eine der Figuren in eine Katze verwandelt wurde? Auslöser ist ein im Grunde ernstes Ereignis, da mal wieder eine der Legends lernen muss, keine persönlichen Tragödien zu verändern. Doch daraus resultiert eine wahnwitzige Kettenreaktion und wie anders das Team aussehen könnte (inklusive Puppentrick). An Ideen für lustige Monsterbegegnungen mangelt es wahrlich nicht. Und mittendrin ein Team, das mittlerweile zu einer Familie zusammen gewachsen ist. Wer damit leben kann, vielleicht nicht alles vollkommen zu erfassen und akzeptiert, dass die Figuren alle schon eine längere Hintergrundgeschichte haben, kann sich die vierte Staffel von Legends of Tomorrow als längere Komödie der fantastischen Art ansehen.

Fazit

Die Neuausrichtung der Serie hat mir schon in Staffel 3 gefallen, aber dieses Mal habe ich mich Woche für Woche noch mehr auf neue Episoden gefreut. Auch weil mir Nate als Charakter endlich besser gefällt. Sein Aufenthalt beim Time Bureau bringt ihn seinem Vater näher, der hervorragend gespielt wird von Thomas F. Wilson (besser bekannt als Biff Tannen aus Zurück in die Zukunft). Um so saurer stößt mir daher die Beziehung zu Zari auf. Das ist leider ein etwas aufgesetzter Plotpoint für mich, der sich durch das Ende der Staffel noch leerer anfühlt. Als würde mich ihr Verschwinden mehr berühren, weil sie romantisch mit jemandem involviert ist. Wenn Nate mal nicht über Frauen nachdenkt, wie zuvor über Amaya, scheint er seine Gehirnzellen gleich besser nutzen zu können. Dieser kleine Aspekt zieht die Staffel für mich etwas runter. Ebenso ist John Constantine schwer einzuordnen. Sein Charakter ist ernster als die anderen und so manches Mal fällt das extrem auf. Als würde er die Position von Rip Hunter einnehmen, der auch immer alles besser weiß und dann doch einsehen muss, dass die Legends ihm auf unkonventionelle Art helfen können. Wer die Serie Constantine geschaut hat, wird sich allerdings darüber freuen, dass die Handlung rund um Astra – das kleine Mädchen, das in die Hölle gezogen wurde – nicht vergessen ist und hier eine spannende Fortsetzung bekommt. Vielleicht schwingt die Serie mit dem angezogenen Humor manchmal etwas zu sehr in Richtung Albernheit und büßt dadurch Zuschauer ein, die die ernste Lage auch wirklich ernst dargestellt sehen wollen. Die Selbstreferenzen geben dem kompletten The CW DCversum aber frischen Wind, der mich begeistert. Wie jedes Jahr gab es auch wieder ein Crossover, aber die Legends sagen in der Folge „Legends of To-Meow-Meow“ ganz offiziell ab, weil sie keine Lust haben. Gut so, denn die haben bisher nur Ärger gehabt, wenn sie den anderen helfen mussten. Gleichzeitig werden Green Arrow, Flash und Supergirl zum Ende hin als Trinity bezeichnet, wie es bisher nur Fans tun (in den Comics ist die Trinity selbstverständlich Superman, Batman und Wonder Woman, für die Fernsehserien stehen hier die nächst-größeren Namen im Vordergrund). Zeitreisen, Spaß mit historischen Persönlichkeiten wie Richard Nixon, aberwitzige Actionsequenzen und gut angelegte Charaktere. Staffel 4 von Legends of Tomorrow überzeugt und zur Feier des Tages ist sogar Platz für eine Tanz- und Gesangseinlage im Bollywood-Gewand.

© Warner

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Misato

Misato hortet in ihrer Behausung fiktive Welten wie ein Drache seinen Goldschatz. Bücher, Filme, Serien, Videospiele, Comics - die Statik des Hauses erlaubt noch ein bisschen, der Platz in den Regalen weniger. Am liebsten taucht sie in bunte Superheldenwelten ein, in denen der Tod nicht immer endgültig ist und es noch gute Menschen gibt. Íhr eigenes Helfersyndrom lebt sie als Overwatch Support Main aus und adoptiert fleißig Funko Pops.

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