Halo: Nightfall

Die Miniserie Halo: Nightfall aus dem Jahre 2014 ist der zweite Versuch von 343 Industries, das Halo-Franchise im Rahmen einer Live-Action-Adaption umzusetzen. Die daran gestellten Erwartungen waren umso größer, als bekannt wurde, dass Ridley Scott (Blade RunnerAlien) persönlich der Produzent sein würde. Kurz Luft holen … Ridley Scott, der »Mister Sci-Fi himself«, und Halo? Gute Güte! Doch das erwartete Meisterwerk blieb aus. Stattdessen entpuppt sich Nightfall weit weniger meisterhaft als aufgebauschte, verpasste Gelegenheit.

 

Nightfall spielt zwischen den Ereignissen von Halo 4 und Halo 5. Zwischen dem UNSC und der Allianz herrscht Waffenruhe, doch der Frieden ist fragil. Die Serie beginnt mit einem Team von ONI-Agenten unter der Führung von Jameson Locke (Mike Colter, Marvel’s The Defenders), das zu einer Kolonie auf dem Planeten Sedra reist und dort in einen Terroranschlag der Allianz verwickelt wird. Ein Elite lässt eine Bombe mit einem Virus hochgehen, welches nur Menschen befällt. Gezwungen, mit dem ortsansässigen Militär zusammen zu arbeiten, darunter Soldatin Macer (Christina Chong, Line of Duty) und Colonel Aiken (Steven Waddingotn, Uncharted), muss das Team um Locke einen Weg finden, das Virus zu stoppen. Besagter Weg führt sie geradewegs zur Installation 04, dem Halo-Ring, der einst von Master Chief zerstört wurde. Doch die Mission geht schief; das Team ist auf dem Halo gefangen und etwas dort ist darauf aus, sie alle umzubringen.

Locke, der Goldjunge

Originaltitel Halo: Nightfall
Jahr 2014
Land USA
Episoden 5 in Staffel 1
Genre Science-Fiction, Action
Cast Locke: Mike Colter
Macer: Christina Chong
Aiken: Steven Waddington
Horrigan: Luke Neal
Estrin: Alex Bath
Veröffentlichung: 17. März 2015

Genau wie Halo 4: Forward Unto Dawn (2012), handelt es sich auch bei Nightfall um eine Origin-Story, die die Hintergrundgeschichte einer in den Games neu eingeführten Figur beleuchten soll; genauer gesagt jene von Agent Jameson Locke aus Halo 5: Guardians. Locke ist ein Typ mittleren Alters mit Glatze und Gewerkschafterbart, der auf seine militante Weise hart, aber fair ist und zudem einige Momente von zivilisierter Höflichkeit zeigt, die sich in Nightfall dadurch ausdrückt, dass er nicht über die einzige Kollegin im Team herzieht, die noch über andere Emotionen verfügt als Wut. Davon abgesehen transportiert die Miniserie erstaunlich wenig bis gar keinen Background, um ihren Protagonisten interessant zu gestalten. Lockes einzige Charakterisierung besteht darin, dass er »der Beste in seinem Job« ist – also ein wahrer Goldjunge.

Der wahre Star: Aiken (und ein schlechtes CGI-Alien)

Auch das restlich Figuren-Ensemble bleibt schwach, da es sich dabei zum Großteil um Schablonen handelt, die nur existieren, um sich gegenseitig auszuspielen. Die Einzige, die entfernte Sympathien weckt, ist die Soldatin Macer in ihrer Rolle als »verherrlichte Busfahrerin«, die jedoch nicht annähernd genug Bildschirmzeit bekommt, um sich zu irgend etwas Rundem zu entwickeln. Auch Steven Waddington als Aiken bildet einen kleinen Lichtblick, da man durch seine pastoralen Monologe über das Soldatenleben noch am Ehesten Zugang zu seinem Innenleben bekommt. Gequält durch den Tod seiner Tochter und enttäuscht vom UNSC, geht er mit Locke häufig auf Tuchfühlung und spielt den Advokaten des Teufels. Eigentlich dient Nightfall der Vorstellung von Jameson Locke, in Wahrheit aber erzählt die Serie die Geschichte von Aiken, einem Antihelden, der darüber hinaus der einzige Grund ist, die Serie zu beenden. In Sachen Produktionswerten ist Nightfall ehrgeiziger als Forward Unto Dawn, da es mit aufwendigeren Requisiten und Settings arbeitet. Gleichzeitig erstaunt es mit äußerst unangenehmen CGI-Momenten wie etwa der fragwürdigen Darstellung eines Elite-Zeloten, der mit einer Bombe in der Hand durch ein Einkaufszentrum schlendert (und keinen aus der menschlichen Zivilbevölkerung juckt’s). Den Einsatz von CGI hat Forward Unto Dawn wesentlich besser umgesetzt.

Mehr generische Survival-Sci-Fi denn Halo

Aber auch hier stellt sich die Frage: Ist Nightfall für Halo-Fremde geeignet? Die Antwort ist: Ja. Von all den Bewegtbild-Adaptionen der 2010er Jahre funktioniert Nightfall in dieser Hinsicht wohl am Besten, da es keine Kenntnis der Halo-Lore erfordert und im Grunde auch in jedem anderen Universum spielen könnte. Nur durch kleine Anmerkungen wie »Das ist ein Halo-Ring, hier könnte alles möglich sein« oder den nicht seltenen Hinweis darauf, dass Aiken einst ein Spartaner war, kommt man darauf, dass die Serie im Halo-Kosmos angesiedelt ist. Sieht man aber davon ab, dann könnte Nightfall auch als reine Survival-Science-Fiction mit stereotypen Zutaten durchgehen. Eine Serie über eine Gruppe von Menschen, die von einer außerirdischen, wurmartigen Gefahr bedroht werden und sich vor lauter internem Misstrauen irgendwann gegenseitig die Knarren an den Kopf halten. Es gibt die typisch platten Oneliner und freilich auch das »Chick mit Ausschnitt«, welches sich mehr als einmal in die Kamera bücken muss. Aber naja, so richtig gut ist das alles nicht.

Fazit

Halo: Nightfall ist eine unter- bis durchschnittliche Miniserie über eine Gruppe stereotyper Soldat:innen, die irgendwas in die Luft jagen müssen, den Auftrag versemmeln und sich plötzlich in einer Survival-Geschichte wieder finden, in der jeder jedem an den Kragen will und … nun, den Rest kann man sich denken. Im direkten Vergleich scheitert Nightfall dort, wo Forward Unto Dawn erfolgreich war, denn Zweiteres fügt sich in das Halo-Universum ein und bietet mehr als einen Charakter, um den man sich sorgen kann. Nightfall tut das nicht, sondern glänzt stattdessen durch indifferente Figuren, schlechtes CGI und einer scheinbaren Unterbeanspruchung seines Budgets.

© Polyband


Veröffentlichung: 17. März 20215

 

Totman Gehend

Totman ist Musiker, zockt in der Freizeit bevorzugt Indie-Games, Taktik-Shooter oder ganz was anderes und sammelt schöne Bücher. Größtes Laster: Red Bull. Lieblingsplatz im Netz: der 24/7 Music-Stream von Cryo Chamber auf YouTube.

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