Colony (Staffel 1)

Alien-Invasionen gibt es viele in der fiktionalen TV- und Kinowelt. Während feindlich gesinnte Besucher anderer Welten mit ihren überlegenen Technologien meist auf mirakulöse Weise zurückgeschlagen werden oder sie die Menschheit gänzlich an den Rand der Ausrottung bringen, erforscht die Serie Colony mit der Familie Bowman wie in einer nahen Zukunft die Erde unter extraterrestrischer Besatzung aussehen würde. Die erste von drei Staffeln hat Pandastorm Pictures seit März 2020 nun auch als DVD- und Blu-ray-Box für den deutschen Heimkinomarkt aufgelegt.

 

Invasoren aus dem Weltraum kamen, sahen und haben mit der Menschheit kurzen Prozess gemacht. Binnen kürzester Zeit wurden alle Verteidigungskapazitäten auf der Erde von den Aliens mit strategischen Schlägen ausgelöscht und kein Jahr später ist die Welt eine andere. Gigantische, von den Außerirdischen errichtete Mauern umschließen und teilen die großen Metropolen und haben die Welt in Blöcke eingeteilt, in denen deren Bewohner nun festsitzen. Die Invasoren und warum sie die Erde erobert haben bleiben jedoch indes ein Rätsel. Nur die wenigsten haben je einen der sogenannten Raps gesehen, während deren neue Weltordnung durch eine Armee von automatisierten Drohnen und einer eingesetzten Menschenverwaltung mitsamt brutalen Polizeiapparat, den nach ihren roten Helmen benannten Redhats, durchgesetzt wird. Während die verhassten Kollaborateure die neue Obrigkeit akzeptiert haben und durch ihre Zusammenarbeit die altbekannten Annehmlichkeiten genießen können, lebt der Rest der übriggebliebenen Menschheit in Armut, schlägt sich mit Tauschhandel durch und hält sich an die rigiden Regeln der neuen Obrigkeit. Im Los Angeles-Block überlebt so auch die nicht ganz vollständige Familie Bowman, bestehend aus Will, Katie und ihren Kindern Gracie und Bram, jedoch unter falschen Namen. Hoch qualifizierte oder taktische ausgebildete Menschen wie der ehemalige FBI-Agent Will Bowman hatten bisher die Eigenschaft, durch die Besatzungsmacht schnell ausgeschaltet zu werden. Bei einem Versuch sich in den benachbarten Santa Monica-Block schmuggeln zu lassen, um dort seinen seit der Invasion vermissten Sohn Charlie zu suchen, gerät Will jedoch in einen Bombenanschlag des Widerstands, die aus dem Verborgenen heraus den Kampf gegen die Besatzer und ihre Kollaborateure fortsetzen. Von den Redhats aufgegriffen, wird Will vom Verwalter des Blocks, Proxy Snyder, nun vor die Wahl gestellt: Entweder Will landet mit seiner gesamten Familie in der Fabrik, einer Art Arbeitscamp der Invasoren aus dem noch nie jemand zurückgekehrt ist, oder er arbeitet für Snyder, um für ihn den Widerstand mitsamt dessen mysteriösen Anführer Geronimo auszuheben und als Belohnung wieder mit Charlie zusammengebracht zu werden. Eben diesem Widerstand ist jedoch auch vor kurzem Wills Frau Katie beigetreten.

Faschisten aus dem Weltraum?

Originaltitel Colony
Jahr 2016
Land USA
Episoden 10 in Staffel 1
Genre Science-Fiction, Dystopie
Cast Will Bowman: Josh Holloway
Katie Bowman: Sarah Wayne Callies
Madeline Kenner: Amanda Righetti
Bram Bowman: Alex Neustaedter
Broussard: Tory Kittles
Alan Snyder: Peter Jacobson
Gracie Bowman: Isabella Crovetti
Seit dem 3. April 2020 im Handel erhältlich

Inspiriert zu dem dystopischen Science-Fiction-Besatzungsdrama wurden die Serienschöpfer Ryan J. Condal (Rampage – Big meets Bigger) und Carlton Cuse (Locke & Key) nach eigenen Angaben von der historischen Besatzung Frankreichs durch Nazi-Deutschland zwischen 1940 und 1944, in der gleichsam Kollaborateure unter der Regierung Pétain den deutschen Besatzern unter anderen bei der Judenverfolgung unterstützten und gleichsam ein Widerstand in Form der Résistance auch mit Anschlägen gegen die Besatzer vorgingen oder Verfolgten des Regimes bei der Flucht halfen. Die Inspiration findet sich dabei nicht nur in dem schwarz-weiß-roten Farbschema des durch die Aliens eingesetzten Regimes wieder, sondern auch in der Anlehnung an historische Vorfälle. Die Risslinie zwischen dem Pragmatismus mit den Besatzern zusammenzuarbeiten, um die eigene Familie zu beschützen und durch Auflehnung nicht noch mehr unnötige Opfer zu provozieren, und dem Willen in Freiheit leben zu können, verläuft in der Serie dabei nicht nur durch die menschliche Gesellschaft, sondern auch mitten durch die Familie Bowman.

Ehepaar auf unterschiedlichen Seiten

Bestimmend sind in der Serie vor allem zwei Perspektiven. Zum einem die von Will, der Teil einer Spezialbehörde wird, die mit der Zerschlagung des Widerstands betraut ist, zum anderen die von Katie, die eine wichtigere Rolle in ihrer Widerstandszelle einnimmt, da sie nun über Will an Infos aus der Kommandozentrale des Feindes kommen kann. So schwarz und weiß wie die Fronten zunächst scheinen, sind sie jedoch nicht. Während auf Wills Seite besonders die Redhats mit ihren rabiaten Vorgehen den allgemeinen Hass auf sie bestätigen, findet er mit seinem neuen müßiggängerischen Partner Beau (Carl Weathers; The Mandalorian) und seiner Vorgesetzten Phyllis (Kathy Baker; Picket Fences – Tatort Gartenzaun) auch gute Menschen unter den Kollaborateuren vor, die durchaus Gründe für ihre Zusammenarbeit haben. Katie merkt im Widerstand hingegen schnell wie ihr gefühlskalter Kontaktmann Broussard (Tory Kittles; True Detective) und dessen Anführer Quayle (Paul Guilfoyle; CSI: Vegas) für ihre Ziele auch über Leichen gehen, während die Moral dabei auf der Strecke bleibt. Herausstechend im Cast bleiben dabei die beiden Hauptdarsteller mit Josh Holloway (Sawyer in Lost) als Will und Sarah Wayne Callies (Sara Tancredi in Prison Break) als Katie, die mit ihren Figuren das erzählerische Zentrum bilden und deren gegenseitige Geheimnisse voreinander auch für zwischenmenschliche Spannungen sorgen.

Warten auf E.T.

Schwächer zeigt sich die Serie dagegen bei Nebenschauplätzen, wie die Geschichte von Katies Schwester Madeline (Amanda Righetti; The Menatalist), die sich in den privilegierten Zirkeln der grünen Zone von Los Angeles langsam gesellschaftlich nach oben arbeitet, oder die rund um den ältesten Bowman-Sohn Bram, der insgeheim mit dem Widerstand sympathisiert. Diese haben zwar im Gesamtbild letztlich auch ihren Sinn, wirken aber erzählerisch manchmal etwas uninspiriert und stören die Spannung der Serie mehr, als sie dazu beitragen.
Die Besatzer selbst glänzen wie erwähnt meist durch Abwesenheit genauso wie auch ihre Beweggründe für die Invasion im Dunkeln bleiben. Man bemerkt sie überhaupt nur durch ihre Drohnen und den am Horizont aufragenden Mauern. Für eine Science-Fiction-Serie zeigt sich dieser Science-Fiction-Anteil deswegen ziemlich selten, sodass die Serie eher mit den beklemmenden Eindrücken einer post-apokalyptischen Gesellschaftsordnung punkten kann.

Fazit

Colony ist eine gute und unterhaltsame Serie, hat aber leider wenig Herausstellungsmerkmale, die sie wirklich stark von anderen ebenfalls guten und unterhaltsamen Serien abhebt, zumal das Thema der Alien-Besatzer durch V – Die Besucher oder Falling Skies schon kurz zuvor – wenn auch mit anderen Schwerpunkten – als Fernsehserie behandelt wurde. Wenn es auch in der ersten Staffel kein Titel ist, den man ganz, ganz dringend gesehen haben muss, macht man damit definitiv nichts falsch und ich persönlich hab mich als Prison Break– und Lost-Fan besonders darüber gefreut, von Callies und Holloway mal wieder mehr zu sehen.

© Pandastorm Pictures

Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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