Broadchurch (Staffel 2)

Lesezeit: 6 Minuten

Nach dem massiven Erfolg der ersten Staffel von Broadchurch ließ eine zweite nicht lange auf sich warten: Dannys Mörder wurde nun gefasst und muss sich dem Gesetz stellen. Derweil kommen die Steine des alten Sanbrook-Falls des ehemaligen Detective Inspector Alec Hardy wieder ins Rollen. Broadchurch Staffel 2, die nahtlos an die erste Staffel andockt, hat diesmal mehr als nur ein Drama zu erzählen. Achtung Spoilergefahr für Staffel 1!

Einige Monate sind vergangen, seit Joe Miller gestanden hat und als Dannys Mörder festgenommen wurde. Ellie arbeitet nun in der Verkehrsabteilung einer Nachbarsgemeinde, ihr Sohn hat sich von ihr entfremdet und lebt bei ihrer Schwester. Alec Hardy wurde wegen seiner Herzkrankheit vom aktiven Dienst suspendiert. Die Latimers verdauen noch immer Dannys Tod, während Beth’ Schwangerschaft fortgeschritten ist. Als der Tag anrückt, an dem Joe verurteilt wird, überrascht dieser alle, indem er auf “Nicht schuldig” plädiert. Das hat weitreichende Folgen, denn damit wird ein langwieriger Gerichtsprozess ins Rollen gebracht. Gleichzeitig kehrt Lee Ashworth, der Hauptverdächtige im geplatztem Sandbrook-Mörderfall, wieder ins Land zurück, der seine Frau Claire zu sich holen will – Claire, die einst gegen ihn ausgesagt hat.

Schlammschlacht im Gericht mit Perücken…

Nach dem überraschendem Plädoyer suchen die Latimers und Maggie Radcliff (“Broachchurch Echo”-Redakteurin) die Anwältin Jocelyn Knight um Hilfe. Doch erst das Auftreten ihrer ehemaligen Schülerin Sharon Bishop holt Jocelyn aus dem Ruhestand. Sharon führt noch eine Privatfehde gegen Jocelyn, da sie ihr nicht geholfen hat, ihren Sohn vor dem Gefängnis zu bewahren. Jocelyn derweil hat zunehmends mit den Erscheinungen ihres Alters und der Bürder ihrer Verantwortung zu kämpfen. Beide sind unnachgiebig darin, die Symphathien der Juroren zu gewinnen, denn so eindeutig das Ende von Staffel 1 auch ist: Die Wahrheit kann durch Andeutungen und die Verzerrung von Fakten fast beliebig auf den Kopf gestellt werden. Für die Beteiligten ist das ein Zermürbungskrieg, dem nicht jeder emotional gewachsen ist.

… und das Wiederauftreten alte Geister

Originaltitel Broadchurch
Jahr 2015
Land Großbritannien
Episoden 8 in Staffel 2
Genre Krimi, Drama
Cast Alec Hardy: David Tennant
Ellie Miller: Olivia Colman

Zermürbend ist auch der Sandbrook-Fall für Alec Hardy. Er hat den Fall, bei dem ein Mädchen getötet wurde und ein weiteres verschwand, noch immer nicht aufgegeben. Doch seine Krankheit verschlimmert sich, eine Operation ist unvermeidlich und ob er die überlebt, ist nicht gesichert. Er holt Ellie zu Hilfe und stellt ihr Claire Ashworth vor, eine Zeugin des Sandbrook-Falls. Claire hat Angst vor ihrem Mann Lee, der nun auch nach Broadchurch gekommen ist, um sie wieder zu bekommen. Alec besitzt keine Zweifel an seiner Schuldigkeit, doch mit der neuen Perspektive Ellies fallen immer mehr Ungereimtheiten auf. Ist er vielleicht doch unschuldig? War es jemand anderes? Was verschweigt Claire, die einerseits vor Lee flieht, aber doch nicht von ihm ablassen kann? Wie in der ersten Staffel kippt die Stimmung laufend und man weiß nicht, wem man noch Glauben schenken kann. Der Erzählstil dieses Krimis unterscheidet sich dadurch wesentlich von dem der ersten Staffel: Dort ist es vor allem ein Whodunit, das von Anfang bis Ende verfolgt wird. Staffel 2 beginnt mit einem Howdunit, macht zwischendurch einen Umweg zum Whodunit, um am Ende wieder bei einem Howdunit anzukommen.

Viele parallele Handlungsstränge: Weniger Prägnanz

Die erste Staffel dreht sich als Ganzes um die Aufklärung von Dannys Mord. Staffel 2 verfolgt nun zwei Haupthandlungsstränge: Den Gerichtsprozess und den Sandbrook-Fall, der in der ersten Staffel einige Mal referenziert wird. Beides geht wieder mit menschlichen Dramen einher, in denen die Figuren die schwer verdaulichen Erlebnisse verarbeiten. Der Hauptunterschied zwischen den Staffeln ist der dadurch bereits stark gestreute Fokus. In Staffel 1 haben alle Charakternebenhandlungen direkten Bezug zu den Fall. In Staffel 2 nehmen die Sandbrook-Handlungsstränge keinen Einfluss auf die des Gerichtsverfahrens. Gestreut wird der Fokus zusätzlich noch durch diverse Subplots, die gegenwärtige soziale Themen ansprechen. Social Media, Sensationsgeilheit und Manipulation der Zuschauer haben wieder einen festen Platz, doch nun werden auch Themen wie die Rolle der Alten in der Gesellschaft, Homosexualität oder Gleichberechtigung von “Person of colour” abgehandelt. Diese Themen haben mit unterschiedlicher Stärke Einfluss auf den Verlauf der Gerichtsprozesshandlung, doch nahezu keinen auf den Sandbrook-Fall. Manche davon (etwa die Beziehung von Priester Arthur Darvill mit Hotelinhaberin Becca Fischer) besitzen sogar gar keine Relevanz auf die Haupthandlung. Da diverse Szenen, die diese Themen vertiefen, auf die Deleted Scenes der Blu-ray/DVD-Ausgabe delegiert wurden, erscheinen sie rein in der Ausstrahlungsversion etwas halbgar. So ist z.B. etwas diffus, ob Sharons Sohn unschuldig verurteilt wurde oder ob Sharon ihn aus Mutterliebe unschuldig gesprochen haben möchte.

Merklich andere Bildästhetik

Das Erste. was in dieser Staffel auffällt, sind die Farben. Staffel 1 wirkt geradezu von der Sonne ausgebleicht und Farben werden in der Regel stilisiert in Szene gesetzt. Staffel 2 beginnt mit einem Blauglöckchenfeld im Wald mit gesättigten Farben. Die Farben sind überall und stellen mit ihren Tönen das Stimmungsbild her. Das lässt viele der malerischen Landschaften in neuem Glanz erscheinen, doch wird dadurch eine dramatische Hervorhebung durch Farb- und Lichtkontraste seltener. Die Klaustrophobie im Bild zur Darstellung der Gefangenschaft der Figuren, setzt sich in dieser Staffel ebenfalls fort, allerdings nicht mehr so klar durchgehend. Stellenweise tritt sie erst mitten in einer Szene ein, sodass diese direkt bedeutungsschwanger wird. Ebenfalls fällt darüber auch der Einsatz von Depth of Field-Techniken stärker auf. In Tandem mit den Flashbacks und diversen farblich “überhübschen” Landschaftsbildern entsteht teilweise ein sehr träumerischer Eindruck. Doch fällt ebenfalls klar die Qualität der Schauspieler auf, die nun noch stärker zermürbte Figuren darstellen.

Da ich später mit der Serie dran war, konnte ich die zweite Staffel direkt nach der ersten schauen. Und sie ist ziemlich anders. Im Wesentlichen zum Guten hin, denn zweimal das Gleiche vorzukauen, wäre ja langweilig. Eine Faible für träumerische Optik habe ich auch, aber irgendwie hatte ich bei manchen Szenen doch ein wenig das Gefühl, dass es zu viel des Guten ist. Vielleicht liegt das auch einfach nur daran, dass die träumerischen Flashbacks zu Sandbrook in der Filmrealität fast genauso aussehen. Das ist recht interessant, denn der Einbau etlicher kleinen Nebensachen, die nichts mit der Hauptgeschichte zu tun haben, gibt mir eher ein Gefühl des in-die-Realität-eingekehrt-Seins, bei der vieles einfach irgendwie existent ist, ohne eine direkte Zielorientierung, Bedeutung oder Gewicht hinsichtlich einer einzigen Sache zu haben. Hat es für irgendeinen Handlungsstrang eine Bewandtnis, dass die Richterin als gesundheitsbewusst charakterisiert wird, indem sie mit dem Klapprad zur Arbeit erscheint? Nicht wirklich. Jocelyns Mutter und die Krankenpflegerechnungen haben mich ohne die Deleted Scenes auch eher irritiert. Maggies und Jocelyns Liebe kommt auf den ersten Blick auch ein wenig aus dem heiteren Himmel. (Eine Brücke hierfür wäre eine Deleted Scene aus Staffel 1, in der Maggie erwähnt, mit Arthurs Vorgänger in Konflikt geraten zu sein, wodurch sie sich in der Kirche sehr unwillkommen fühlt.) Anders als bei der Handlung von Staffel 1 sind die Deleted Scenes für diese doch recht wichtig, zumal in ihnen auch Arthurs und Beccas Beziehung wieder auseinander bricht. Das gibt den beiden einen Abschluss, denn Becca kommt in Staffel 3 nicht mehr vor. In dieser Staffel ist die Reporterin Karen weder mit von der Partie, noch wird sie erwähnt. Das finde ich eher seltsam gemessen daran, wie sie hinter Alec her war, weil er Sandbrook in den Sand gesetzt hat. Immerhin passiert nun das Gleiche mit Joe. Beth’ Mutter verabschiedet sich derweil einfach ins Grab und während Susan Wright doch nochmal wieder auftaucht. Die zweite Staffel setzt ganz andere Akzente als die erste, aber selbst das mit einbezogen, ist die erste für mich doch das größere Kunstwerk. Dafür hat die zweite aber auch nette Lerneffekte des britischen Rechts. Während über viele Details des rechtlichen Prozederes offenbar viel gestritten wurde, ist eines auf jedenfalls real: Perücken, die wie aus einem Historienfilm kommen, werden tatsächlich verwendet.

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch nicht um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben, sich verständigt zu bekommen, vertreibt sie gerne die Zeit mit dem Lernen und Erproben verschiedener Sprachen und derer Ausdrucksformen.

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