Broadchurch (Staffel 1)

Lesezeit: 6 Minuten

Broadchurch gilt als eine der erfolgreichsten TV-Serien der jüngeren Vergangenheit und hat mit Gracepoint sogar ein US-Remake hervorgebracht. Mit der Ausstrahlung der dritten und finalen Staffel fand sie 2017 im Vereinigten Königreich ihren Abschluss. Zum Erscheinen der letzten Staffel ein Jahr später auf Blu-ray/DVD und auf Netflix werfen wir noch einmal einen Blick in die Serie als Ganzes: Was verbirgt sich hinter dem Ursprung des Phänomens, dem zunächst nur unter “Creative Risk” grünes Licht gegeben wurde?

    

Ellie Miller ist Detective Sergeant bei der Polizei und ihr wurde eine Promotion versprochen. Doch kaum ist sie zurück, erfährt sie, dass die Stelle von Detective Inspector Alec Hardy besetzt wurde, der erst kürzlich beim Fall “Sandbrook” für Schlagzeilen sorgte. Noch am selben Tag wird eine Leiche am Strand der idyllischen Gemeinde Broadchurch gefunden: Danny Latimer, elf Jahre alt und Sohn von Ellies Nachbarin und Freundin Beth. Danny ist gewaltsam zu Tode gekommen und Ellie muss mit Alec ein Team bilden, um den Mörder zu fassen…

Von Folge 1 bis 8 eine zusammenhängende Geschichte

Selten sind zusammenhängende Geschichten heutzutage nicht mehr. Mit den Eigenproduktionen von Netflix gehen laufend vollständige Episodenblöcke an den Start. 2013 waren im in sich abgeschlossene episodische Handlungen gang und gäbe, bei denen es nicht weiter tragisch ist, wenn man die Ausstrahlung der Vorfolge verpasst hat. Auf Broadchurch trifft diese Erzählstruktur definitiv nicht zu, weswegen sie zunächst als “Creative Risk” in Produktion genommen wurde. Das Skript aus der Feder von Chris Chibnall (Doctor Who) überzeugte, doch war der Erfolg zunächst noch alles andere als gesichert. Die erste Staffel ist daher bereits eine eigene abgeschlossene Handlung, falls sie nach einer Staffel abgesetzt werden sollte. Doch ist diese Geschichte ebenso bereits zu Beginn als Teil einer größer angelegten Geschichte konzipiert gewesen, weswegen Staffel 2 nahtlos an die erste Staffel anschließt.

Ein ungleiches Paar auf Tätersuche

Originaltitel Broadchurch
Jahr 2013
Land 8 in Staffel 1
Genre Krimi, Drama
Cast Alec Hardy: David Tennant
Ellie Miller: Olivia Colman

Ellie und Alec stellen sich dem Fall als kontrastreiches Duo entgegen: Ellie ist vertrauensselig und mitfühlend. Der Mord schockiert sie wie alle anderen in der friedlichen Gemeinde und sie muss erst noch die nötige Kühle und Erfahrung entwickeln, Menschen zu misstrauen, denn absolut jeder ist ein Verdächtiger. Alec derweil kommt schwer gezeichnet von seinem letzten Mordfall aus Sandbrook, den er nicht abschließen konnte. Erfahrung und Kompetenz bringt er mit, doch kann er im Gegensatz zu Ellie nicht gut mit Leuten und ihm fehlt des Öfteren das nötige Feingefühl. Das erschafft viele gute Momente für Kontraste und kleinere Konflikte, durch die sich beide über sich selbst hinaus entwickeln und einander ergänzen.

Ein Mord der Geheimnisse ausgräbt

Tatkräftige Hinweise fehlen zunächst noch und so steht erst einmal jeder unter Verdacht. Mit dem Mordfall als roter Faden wird die individuelle Geschichte eines breiten Spektrums von Nebenfiguren aufgedeckt. Viele derer Charakterhandlungen thematisieren über ihren persönlichen Motiven hinaus auch gesellschaftliche und soziale Themen. Sei es die Rolle der Kirche, die in diesen Situationen mehr Zulauf bekommt oder vor allem die der Medien, die neben den Ermittlungen ebenso viele Geheimnisse ausgraben. Sie werden in der Serie aber nicht bloß als eine sensationsgeile Institution behandelt. Verleugnet wird diese Seite jedoch auch nicht, denn gerade Ellies Neffe Olly Stevens, der bei der Lokalzeitung “Broadchurch Echo” arbeitet, möchte gerne Schlagzeilen schreiben. Verantwortungsvoller sind Maggie Radcliffe, die Chefredakteurin von “Broadchurch Echo” und Karen White von der Nationalzeitung “Daily Herald”, die nach Broadchurch kommt, um Alec Hardy daran zu hindern, eine zweite Sandbrook-Ermittlungstragödie zu verursachen. Ebenso thematisiert werden zwischenmenschliche Themen. Ehe sowie Selbstentfaltung darin oder der Familienzusammenhalt angesichts eines einschneidenden Mordes. Manch eine Figur bringt eine Vergangenheit mit, vor der sie fliehen wollte, doch mit dem Mordfall wird sie nun wieder mit weitreichenden Konsequenzen aufgedeckt.

Atmosphärisch dicht in Bild und Ton

Broachchurch dreht sich um einen Mordfall, und gehört damit auf jeden Fall in die Krimi-Sparte. Aber vor allem ist es auch eine Drama-Serie, denn es geht auch um die Schicksale all der Figuren. Vordergründig der Familie Latimer, die als Opferfamilie die größte emotionale Last zu tragen hat und in der jeder anders mit der Tragödie umgeht, doch der Mord zieht weite Kreise. Hierzu sind die Landschaften der fiktiven Gemeinde Broadchurch mit den Klippen am Strand zum Meer als auch der malerische Soundtrack mit dem kühl-melancholischen isländischen Touch geradezu eigene Figuren, die die Serie begleiten. Der Soundtrack entspringt der Feder von Ólafur Arnalds und die Lyrics der Ending-Themen werden von Arnor Dan (beteiligt an der Animeserie Terror in Tokio) vertont. Verdichtet wird das Ganze mit einer kompetenten Regie, die vom ersten Moment an mit verschiedensten Techniken für eine unbehagliche Stimmung sorgt, selbst in einem erstmal noch normalen, idyllischen Alltag als noch niemand etwas vom Mord ahnt. In vielen Momenten sind die Figuren gefangen, nicht nur von der Tragödie, sondern buchstäblich im Bild. Gartenmauern, Treppenbalken, Zimmerränder oder Fensterrahmen schließen die Figuren oft ein, genauso wie Spiegelungen. Auf die Spitze getrieben wird die Gefangenschaft bei der finalen Konfrontation, als Mark Joe aufsucht und durch die kleine Klappe der Zellentür zu ihm spricht.  Allgegenwärtig ist auch die Leere, in der die malerische Landschaft mit voller Gewalt die Figuren zu erdrücken versucht. Farben werden pointiert eingesetzt, wie etwa Beths rotes Kleid in der ersten Folge, Ellies orangene Jacke oder der blutrote Sonnenuntergang mit Mark am Strand im letzten Drittel.

Broadchurch war mir nicht bekannt durch den großen Erfolg. Auch nicht durch die prägnante Besetzung bekannter britischer Schauspieler, sondern durch den Soundtrack. Der Soundtrack des Animes Terror in Tokio hat einen sehr starken isländischen Einschlag und da Arnor Dan in beidem mitwirkte, war der Sprung zum Broadchurch Soundtrack von Ólafur Arnalds ziemlich kurz. Hätte ich gewusst, dass die Serie so gut ist, hätte ich etwas früher am Tag mit dem Schauen begonnen und mir eine ungesunde Nacht gespart, da ich wissen wollte, wie es weitergeht. An dieser ersten Broadchurch-Staffel habe ich eigentlich so gut wie nichts auszusetzen, wenn man mal von der letzten Szene mit der Figur des Steve Conelly absieht, von dem nahe gelegt wird, dass seine Behauptungen bezüglich seiner übernatürlichen Kräfte vielleicht doch nicht bloß betrügerische Scharade sind. Das passt so gar nicht in den sonst sehr bodenständig und realistisch gehaltenen Tenor der Serie. Sie stößt umso säuerlicher auf, da Conelly in seiner vorletzten Szene schon einen sehr passenden Abtritt von der Bühne hatte.  Das ist definitiv eine Serie zum erneuten Anschauen, denn viele Kleinigkeiten deuten späteres schon an, wie das verlotterte “Love thy neighbour as thyself” Schild in in den ersten Sekunden der ersten Folge. Diverses spielt sogar über diese Staffel hinweg eine Rolle. Ansonsten genießt man  die Serie am besten im Original. Broadchurch ist definitiv sehr britisch und bringt eine Vielfalt verschiedener Akzente und kleinerer lokalen Ausdrücke mit.

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch nicht um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben, sich verständigt zu bekommen, vertreibt sie gerne die Zeit mit dem Lernen und Erproben verschiedener Sprachen und derer Ausdrucksformen.

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