Alex Rider (Staffel 1)

Die Alex Rider-Romanreihe darf sich als James Bond-Pendant für Teenager betrachten. Mit bislang 13 Büchern in 20 Jahren erfreut sich die Spionage von Autor Anthony Horowitz großer Beliebtheit. Dies hat auch Amazon gewittert und eine Serie für den hauseigenen Streamingdienst Prime Video in Auftrag gegeben. Schließlich machte der Streamingdienst mit Hanna und Kingsmen sehr gute Erfahrung in diesem Segment. Ganz risikofrei war dieses Vorhaben allerdings nicht, denn bereits 2006 sollte der Jugendheld in den Kinos etabliert werden (Alex Rider: Stormbreaker) und floppte kläglich. Nun werden also die Abrufzahlen der am 7. August 2020 gestarteten ersten Staffel darüber entscheiden, ob die Zeit für das Franchise gekommen ist. Grünes Licht für eine zweite Staffel wurde bereits gegeben.

 

Eigentlich ist Alex (Otto Farrant, Krieg und Frieden) ein ganz normaler Schüler. Als sein Onkel Ian, ein britischer Spion, bei einem Unfall stirbt, wird Alex allerdings skeptisch und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei findet er heraus, dass sein Onkel ein MI6-Agent war. Er wird von Alan Blunt (Stephen Dillane, Game of Thrones), dem Leiter eines Ablegers des MI6 angesprochen, der enthüllt, dass Alex seit seiner Kindheit unwissentlich für die gefährliche Welt der Spionage ausgebildet wurde. Unter Druck gesetzt, bei der Aufklärung des Todes seines Onkels zu helfen – und wie dieser mit der Ermordung zweier hochrangiger Milliardäre zusammenhängt – nimmt Alex widerwillig eine neue Identität an. In seinem ersten Fall wird er in das “Point Blanc”, eine Akademie für schwer erziehbare Rich Kids in den Alpen, eingeschleust. Die karge Einrichtung ist nicht nur strikt bewacht, auch alle dort anzutreffenden Personen verhalten sich höchst merkwürdig. Vor allem scheinen die Schüler ein Geheimnis hüten. Nicht lange, da macht Alex eine grausame Entdeckung …

Nicht Alex’ erster Bewegtbild-Auftritt

Originaltitel Alex Rider
Jahr 2020
Land USA
Episoden 8
Genre Thriller
Cast Alex Rider: Otto Farrant
Alan Blunt: Stephen Dillane
Tom Harris: Brenock O’Connor
Kyra: Marli Siu
Crawley: Ace Bhatti
Jack Starbright: Ronke Adekoluejo
Seit dem 7. August 2020 auf Amazon Prime Video verfügbar

Kann es je genug Agenten haben? Wenn die Antwort mit einer qualitativ gelungenen Serie wie Alex Rider verbunden wäre, dürfte es gar nicht genug geben. Wer die Jugendromane von Horowitz nicht kennt, gerät nicht in akuten Nachholzwang, denn das Drehbuch von Guy Burt nimmt sich Zeit, seiner Zuschauer zu Beginn der acht Folgen ausreichend abzuholen, indem die knappe Vorgeschichte um das Verschwinden von Alex’ Onkel Ian angerissen wird, ehe der eigentliche Fall beginnt. Adaptiert wird allerdings das zweite Buch, Das Gemini-Projekt. Kein Zweifel, hier soll Distanz geschaffen werden zu Stormbreaker, das bereits als Grundlage für den Film diente und damit vielleicht nicht die beste Referenz darstellt. Jedenfalls ist gerade die Einführung relativ dröge ausgefallen: Es fehlt so recht die Vorstellung, welche Richtung die Serie nun einschlagen mag, und deswegen ist die Handlung dazu vorprogrammiert, einige Zuschauer bereits während des ersten Viertels zu verlieren. Hier hätte die eine oder andere Straffung sicherlich ihren Teil dazu beitragen können, das Erzähltempo zu beschleunigen.

Offensichtliches Vorbild

Mit der Ankunft Alex’ in der Akademie verschwinden aber auch jegliche Sorgen: Die beinahe am Stück erzählte Handlung nimmt an Fahrt auf. Nicht nur Alex’ Ermittlungen schreiten rasch voran, sondern auch das Kennenlernen der anderen Figuren. In jeder Folge kommen neue Elemente dazu, die die Spannung aufrecht halten. Diese hat man in ihrer Form unter Garantie bereits in zahlreichen anderen Action-Thrillern gesehen, schaden aber Alex Rider nicht. Das will heißen: Auch wenn die Serie konzeptionell keine bahnbrechenden Neuerungen mit sich bringt, sorgen immer wieder gelungene Drehbuchentscheidungen dafür, dass man nur ungerne abbricht. Ein Hehl wird nicht daraus gemacht, dass James Bond das offensichtliche Vorbild ist: Egal, ob Folterszenen, Verfolgungsjagden oder Faustkämpfe – nur die Darstellung ist weniger rabiat.

Alex Rider – ein Teenager, der eigentlich keiner ist

Obwohl die Zielgruppe Teenager sind, findet Alex Rider den richtigen Ton, um auch ein erwachsenes Publikum zu erreichen. Nicht zu kindisch, aber auch nicht gewollt anspruchsvoll. Die Balance zählt zu den größten Stärken des Drehbuchs, denn ein jüngeres Publikum wird sich von Alex mitreißen lassen, während ein älteres von der stellenweise düsteren Thematik um Gentechnik angesprochen wird. Zu abgehoben wird es auch nicht: Das Drehbuch distanziert sich von abgefahrenen Gadgets und Over-the-Top-Action. Es ist aber auch Otto Farrant als Hauptdarsteller zuzusprechen, dass Alex Rider das Potenzial besitzt, eine große Zielgruppe zu erschließen: Er wirkt eher wie als 20 als 17. Das mag für den einen oder anderen Zuschauer vielleicht störend bis befremdlich wirken, denn Farrant ist inzwischen 23 Jahre alt. Sonst ist das Casting fast rundum gelungen: Otto Farrant füllt die Rolle der Titelfigur beispielhaft aus und stellt den richtigen Anker dar, um die Handlung nicht aus der Bahn gleiten zu lassen. Ebenfalls erwähnenswert ist Brenock O’Connor (Game of Thrones), der Tom, den besten Freund von Alex, mimt und im Hintergrund tätig ist. Er nimmt eine zentrale Rolle ein und ist Alex ebenbürtig. Der Nerd sorgt neben Anekdoten zur Popkultur für den einen oder anderen Witz und hat das Zeug zum Zuschauerliebling. Eine Figur, die serienexklusiv ist, ist die der Kyra: Ein weiblicher Counterpart für Alex, der lose an eine junge Version von Lisbeth Salander (Stig Larssons Millenium-Trilogie) erinnert. Erfreulicherweise funktioniert die Figur im Zusammenspiel mit Alex außerordentlich gut, was auch der Performance von Marli Siu (Anna und die Apokalypse) anzurechnen ist, die die nötige Distanz und geheimnisvolle Aura mitbringt, um Kyra zunächst einmal wenig greifbar zu machen. Damit ist sie aber auch einige von vielen Figuren, die im Gedächtnis bleiben, denn einfach jeder Schüler und jede Schülerin von Point Blanc wirkt wie ein Geheimnishüter.

Fazit

Smart in Szene gesetzt, selbstbewusst in allen Entscheidungen und clever geschrieben – bis auf den ausführlichen Prolog funktioniert Alex Rider als Serie astrein. Die Serie hinterlässt den Eindruck einer kleinen Kino-Produktion in Serienform. Ob die Serie trotz oder gerade aufgrund ihrer Coming-of-Age- und Spionage-Mixtur funktioniert, liegt ganz im Auge des Betrachters. Die Innovationsarmut wird durch eine spannende Erzählweise und Einblicke in die Welt der Geheimdienste kompensiert. Wie wird die Zukunft von Alex Rider aussehen? Grünes Licht für eine zweite Staffel wurde bereits gegeben. 13 Bücher umzusetzen, sollte allerdings kaum schaffbar sein. Denn Otto Farrant kann die Rolle des Alex Rider nur noch einige Jahre spielen und jegliche Anwandlung, die Hauptfigur durch einen anderen Schauspieler zu ersetzen, ist nicht willkommen. Insofern bleibt zu hoffen, dass die Serie am Ende auf drei bis vier Staffeln kommen wird. Das wäre ein echter Erfolg, sofern das vorgelegte Niveau gehalten werden kann.

© Amazon Prime Video

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments