Absentia (Staffel 3)

Absentia erwies sich für Amazon Prime Video als echter Glücksgriff: Knapp vier Wochen nach der Ausstrahlung der zweiten Staffel ließ der Pay TV-Sender AXN die Produktion einer dritten Staffel verkünden. Obwohl in Staffel 2 so ziemlich alles erzählt wurde, was es noch über Emily Byrne (Stana Katic) zu erzählen gibt, sollte die Handlung also einmal mehr in die Vergangenheit der einst verschollenen FBI-Agentin führen. Gedreht wurde ein weiteres Mal in Bulgarien, doch inhaltlich wird es dieses Mal nun deutlich internationaler und die Geschichte wird in Teilen sogar nach Europa verlagert. Staffel 3 lief am 17. Juli 2020 auf Amazon Prime Video an, allerdings zunächst ohne deutsche Synchronisation.

Emily ist kurz vor dem Ende ihrer Suspendierung vom FBI angekommen und muss mit den Konsequenzen ihrer Taten zurechtkommen. Sie misstraut allen und sieht überall Gefahren auf sich zukommen. Also schaut sie sich ihre Umgebung und die Menschen darin genau an. Gerade als sie einer Verschwörung auf die Schliche kommt, wird ihr Ex-Mann Nick (Patrick Heusinger, Black Swan) verschleppt. Mit Hilfe einer rätselhaften Informantin namens Kai (Kaja Chan) findet sie seinen Aufenthaltsort heraus, erkennt, dass die Verschwörung komplexer ist als gedacht, und muss sich mit der Möglichkeit auseinandersetzen, dass Nick getötet wurde …

Der Doppelboden des Doppelbodens des Doppelbodens

Originaltitel Absentia
Jahr 2020
Land USA
Episoden 10 in Staffel 3
Genre Thriller
Cast Emily Byrne: Stana Katic
Nick Durand: Patrick Heusinger
Colin Dawkins: Geoff Bell
Rowena Kincade: Josette Simon
Jack Byrne: Neil Jackson
Tommy Gibbs: Angel Bonanni
Derek Crown: Christopher Colquhoun
Cal Isaac: Matthew Le Nevez
Seit dem 17. Juli 2020 auf Amazon Prime Video verfügbar

Erprobte Absentia-Fans wissen: In dieser Serie ist rein gar nichts wie es scheint. Nahezu jeder Charakter besitzt Informationen, die ihm nur noch entlockt werden müssen, und wann immer eine Lage positiv oder negativ auszugehen scheint, wendet sich das Blatt in letzter Sekunde. Absentia wurde von Staffel zu Staffel reißerischer und fährt auch in der dritten Staffel wieder echte Geschosse auf, die im Finale in Folge 10 ihren bisherigen Höhepunkt finden. Genau das ist auch das Rezept, welches Absentia zu dem hohen Unterhaltungspotenzial führt: Emily Byrne lebt in einer Welt, in der alles möglich ist. In der jeder falsch spielt und wo das Unmögliche doch irgendwie möglich wird. Wofür andere Serien böse angeschaut werden, ist hier völlig selbstverständlich geworden. Denn seit den rätselhaften Umständen, die zu Emilys Entführung führten, lässt sich jede Entwicklung leicht in Kauf nehmen. Abnutzungserscheinungen? Vielleicht. Suchtpotenzial? Hoch.

Gelungene Balance zwischen Entwicklung und bewährtem Rezept

Mit dem Wissen, dass sich eine erste oder zweite Staffel nicht ohne Weiteres wiederholen lässt, spielt ein großer Teil der zweiten Staffelhälfte in Europa – in welchem Land, das wird aus Spoilergründen nicht verraten. Schließlich muss der entführte Nick selbst erst einmal herausfinden, wohin es ihn verschlagen hat. Patrick Heusinger lässt sich leicht als Star der Staffel identifizieren. Denn während wir von Emily inzwischen alles gesehen haben (fast alles, denn in Staffel 3 werden die Fans nun mit einer Nacktszene beschenkt), war Nick Durand bislang nie mehr als ein Sidekick. Diesem Schatten entweicht er nun und darf auf eigene Faust agieren. Damit leistet die Serie ihren Beitrag zum Damsel-in-Distress-Trope, in dem stets die Frau gerettet werden muss. Nachdem das Thema Familie mit Staffel 2 ins Zentrum gerückt wurde, spielt einmal mehr das Leben von Sohn Flynn (Patrick McAuley) eine Rolle. Erfreulicherweise wird dafür nicht Altbekanntes neu aufgewärmt, aber natürlich bleibt Flynn weiterhin ein zentraler Ankerpunkt im Leben von Emily und Nick. Neben bekannten Gesichtern bringt Absentia auch in der dritten Staffel weitere neue Schauspieler ins Geschehen. Neu im Cast der dritten Staffel sind Geoff Bell (Kingsman: The Secret Service) und Josette Simon (Broadchurch). Bell spielt Colin Dawkins, einen geschliffenen “Problemlöser” für eine internationale kriminelle Organisation. Simon verkörpert Rowena Kincade, eine ehemalige FBI-Ausbilderin aus Quantico, die vor vielen Jahren etwas in Emily gesehen hat und seitdem ihrem Lebenslauf folgt.

Auf internationalem Parkett

Obwohl die Fallhöhe mit jeder Staffel größer wird, die Themen an Emotionalität kaum zu stoppen sind und es rein gar keinen mehr beim FBI gibt, den Emily nicht mit ihren hartnäckigen Ermittlungsmethoden gegen sich aufbringt, sind es andere Nuancen, die an dieser Stelle hervorzuheben wären. Besondere Aufmerksamkeit gilt zeitpolitischen Themen, was Staffel 3 in Form eines Flüchtlingsstroms thematisiert. Was sich geradezu anbietet, wenn die Handlung nach Europa verlegt wird. Ganz besonders brisant ist, dass Nick es hierbei mit Kindern zu tun hat, die ebenfalls auf der Abschussliste stehen und damit ebenso Gejagte sind wie er. Der Trip nach Europa kristallisiert sich mit der Zeit als stärkster Handlungsstrang heraus, während das Drehbuch immer wieder zwischen Boston und Europa wechselt. Die Geschehnisse in Boston sind dabei aber nur halb so spannend wie alles sich östlich davon Zutragende. Absentia tut sich schwer damit, neben Emily und Nick Persönlichkeiten zu etablieren, die auch wirklich Profil besitzen oder die Chance haben, in der Zuschauergunst oben zu landen. Den meisten Zuschauern wird das allerdings ganz recht sein, denn schließlich bleibt die Produktion ihrem Genre treu und serviert feine Actionszenen und ein hohes Maß an Spannung, um dem Thriller-Anteil mehr als gerecht zu werden.

Fazit

Absentia legt in seiner dritten Staffel wieder vor: Die Handlung profitiert von ihren ausgebauten Charakterentwicklungen und den durch Staffel 2 neu entstandenen Dynamiken. Hier wird auf Bestellung geliefert. Gleichzeitig besitzt diese Staffel aber nicht mehr den Zauber, den sie einst noch besaß. Was irgendwie in der Natur der Sache liegt. Wir kennen Emily inzwischen und wissen, dass es immer einen Ausweg gibt und das selbst die heftigste Entwicklung am Ende doch noch auf irgendeine Weise anders endet. Das Spiel mit den Erwartungen ist ein guter Lehrer, daher ist manche Storyentwicklung absehbar. Vermeidbar ist das kaum, dafür müsste sich die Serie neu erfinden. Daher ist es zu begrüßen, dass auch die dritte Staffel solide performt und endlich Nick Durand die Screentime schenkt, die ihm längst zusteht.

© Amazon Prime

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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