Haikyu!!

Japan, Volleyball und Manga – bei diesen Schlagwörtern fielen früher die Gedanken sofort auf „… wie die Sonne überm Fujiyama“, Mila Superstar. Doch Haruichi Furudates Manga-Hit Haikyu!! änderte dies. Nicht nur breitete sich in Windeseile eine Volleyball-Manie im Land der aufgehenden Sonne aus, nein, auch weltweit konnte die Geschichte die Herzen vieler Menschen erreichen. Neben mehreren Anime-Staffeln und Romanen folgten sogar Bühnenstücke ‒ und das bei einem Titel, der sich ganz dem Volleyball verschrieb. Nach nun mehr 45 Bänden ging im September 2021 die englische Ausgabe des Viz Media Verlags zu Ende, weswegen es für uns Zeit wird, zurück auf all die Spiele, Drama-Momente und humorvollen Einlagen eines der sympathischsten Sportteams der Manga-Geschichte zu schauen. Knieschoner an, ein paar Aufwärmrunden absolvieren und dann ab aufs Spielfeld zu den Krähen, denn: Let’s fly!

   

Ein kleiner Junge holt Anlauf, springt in die Höhe, pfeffert einen Volleyball ins gegnerische Feld und holt so einen Punkt. Diesen bewegenden Spielmoment erlebt der ebenfalls kleine Junge Shoyo Hinata bei einer Fernsehübertragung, woraufhin er sich sofort in diese Sportart verliebt. Nach einigen Problemen schafft er es sogar an einem Volleyball-Mittelschulturnier teilzunehmen. Hinata verliert jedoch in der ersten Runde gegen den sogenannten König des Spielfelds, Tobio Kageyama, kann aber in einem Zug seine schnellen Reflexe und seine kräftige Sprungkraft präsentieren, sodass den Leuten in der Halle nichts anderes übrig bleibt als zu staunen. Daraufhin werden Hinata und Kageyama zu Rivalen, bis sich beide ganz unverhofft in der Trainingshalle der Karasuno-Oberschule wiedersehen. Nun als Teamkameraden. Ob der arrogante König und der viel zu kleine Hinata es schaffen werden, im Team der gefallenen Krähen siegreich an einem Turnier teilnehmen zu können, steht auf der anderen Seite des Netzes.

Rivalen, Teamkameraden und Freunde?

Originaltitel Haikyuu!!
Jahr 2012‒2020
Bände 45
Genre Sport, Drama, Komödie
Mangaka Haruichi Furudate
Verlag Kazé Manga (2017)
Im Handel erhältlich

Im Mittelpunkt von Haikyu!! stehen die beiden Jungen Hinata und Kageyama, die wie Tag und Nacht sind. Während Hinata eine hüpfende Frohnatur ist, dessen Reflexe ihm den Platz im Team sicheren, ist der düstere Kageyama auf der Position des Zuspielers ein Genie und damit gern gesehen. Bis er den Mund für einen fiesen Kommentar aufmacht. Das schreit natürlich nach Konflikt und lässt nicht lange auf sich warten. Doch genau darin liegt einer der Spannungsbögen der Geschichte, denn keiner der beiden bleibt auf der Stelle stehen. Spielerische und menschliche Entwicklungen ziehen sich bis zum letzten Band durch und wir verfolgen diese interessanten, sympathischen und lustigen Werdegänge, bei denen auch mal die Fetzen fliegen. Dabei überrascht es nicht, dass gerade der Hallensegen zwischen den beiden zwar mehr als schief hängt, doch gerade ihr Zusammenspiel immer wieder aufs Neue ein Highlight bildet.

Mama, Papa und der fiese große Bruder – die Krähengang

Nur zu zweit lässt sich ein Volleyballteam jedoch nicht bilden. Wie zu erwarten, lernen wir daher den Rest der Krähengang kennen, die mit ihrem Charme schnell ihren Weg ins Herz findet. Kein Wunder, wo doch jeder so seine liebenswerten Seiten, aber auch Ecken und Kanten besitzt. So darf niemand Captain Daichi sauer machen, außer er lässt sich vom fürsorglichen Suga in Schutz nehmen. Auf das Ace Asahi ist vor dem Spiel hingegen kein Verlass, denn das Lampenfieber ist größer als er. Wer sich hingegen mit Tanaka und Noya gutstellt, findet zwei Bros fürs Leben. Die wunderschöne Managerin Shimizu schweigt oft gerne, drückt ihren Jungs aber fest die Daumen und selbst auf die Reservemitglieder ist Verlass. Nur mit den anderen Neulingen kommt weiterer Ärger ins Nest, denn der schlaue Tsukki besitzt einen fiesen Schnabel und der schüchterne Yamaguchi sucht noch sein Talent.

Blocken, baggern und das Einmaleins des Volleyballs

Bei Volleyball handelt es sich um keinen neuen oder gar unbekannten Sport. Viele von uns durften in der Schule versuchen – erfolgreich oder nicht – den Ball in der Luft zu halten, jedoch dachte sich Furudate, dass sein Manga Haikyu!! wirklich für jeden verständlich sein sollte. Deswegen baute er die Figur des zuständigen Lehrers Takeda so auf, dass dieser zwar das Team betreut, aber absolut keine Ahnung vom Spiel hat. Seine Fragen an Coach Ukai beantworten daher im Laufe der Bände manche noch so wichtige Frage. Ein sehr geschickter Schachzug, denn so werden auch Sportfremde ihren Spaß mit diesem flinken Teamsport haben und können zum richtigen Volleyball-Nerd werden. Wer dann plötzlich nach ein paar Bänden selbst auf dem Feld steht und voller Leidenschaft nach dem Ball brüllt, der ist nicht alleine, denn vielen erging es so. Kein Wunder, denn gerade Hinatas und Kageyamas freaky Zuspiel lädt zum Nachmachen ein.

Gegen Füchse, Katzen und die eiserne Mauer

Immer und immer wieder zieht es uns auf Spielfeld. Dass es dabei nie langweilig wird, liegt zum einen daran, dass unser Krähen noch viel lernen müssen, sich ständig aber auch weiterentwickeln und so richtig zum Team zusammenwachsen. Zum anderen heißt das aber auch, dass es gegen abwechslungsreiche Gegner geht. Dabei widmet sich der Autor diesen liebevoll, sodass es oft sehr schwerfällt, sich für einen Sieger zu entscheiden. Ob nun gegen den großen König Oikawa, der auf den ersten Blick Mister Perfekt ist oder gegen das Kraftpaket Ushiwaka, die Verwirrung stiftenden Miya-Zwillinge oder die flinken Katzen rund um Energiesparer Kenma – die Liste der Lieblingsfiguren wird schnell sehr lang. Die unterschiedlichen Strategien locken dabei auch immer wieder. Unüberwindbare Mauern, Power-Angaben oder Gegner, die plötzlich die eigene Technik beherrschen, Furudate holt im Laufe der Bände alles heraus, was dieser Sport bietet. Der größte Witz: Es bleibt dabei bodenständig. Kein Fantasy-Einschlag. Keine Superkräfte. Trotzdem klasse!

Federn, Netze und ganz viele fliegende Bälle

Bevor Furudate seiner Leidenschaft für Volleyball freien Lauf ließ, zeichnete er bereits eine dreibändige Manga-Reihe. Dass er durch diese schon Erfahrung sammelte, lässt sich bereits am Anfang von Haikyu!! sehen. Eine dynamische Panelaufteilung, gut platzierte Sprechblasen und ein individuelles Charakter-Design laden zum Lesen ein. Doch der Mangaka ruhte sich nicht auf seinen Lorbeeren aus. Im Laufe der Bände werden die Figuren kantiger und realistischer, wodurch aber auch besser sichtbar wird, dass sie an Muskeln zulegen. Außerdem werden die Spielabläufe schwungvoller und der Mangaka findet noch mehr ein Händchen dafür, besondere Schlüsselmomente hervorzuheben. Dabei schafft er es, neben ernsten auch eine herrliche Palette an lustigen Gesichtern zu zeichnen. Die knuffigen Tierversionen nicht zu vergessen! Die detaillierten Hintergründe sorgen ebenfalls dafür, das Gefühl zu bekommen, in der Halle zu sitzen. Ebenfalls ein Seegenuss: die in unterschiedlichen Stilen gehaltenen Farbseiten.

Fazit

Vom Rivalen zum Teamkameraden – mit dieser seltsamen Kombination lockt Haikyu!! aufs Spielfeld und lässt einen erst nach 45 packenden Bänden wieder gehen. Bis dahin gewinnt man so viele der charmanten, sich weiterentwickelnden Figuren lieb, dass bei einigen Wettkämpfen am besten beide Teams gewinnen sollten. Viele Sofakissen leiden genauso mit, wenn Spiele überraschende Wendungen nehmen oder wenn es wieder heißt, auf den nächsten Band zu warten. Furudate hält uns bei Laune. Das mit herrlichen humorvollen Einlagen, aber auch Momenten, bei dem ein Taschentuch von Nöten ist. Selbst Sportmuffel oder Volleyball-Fremde verlieben sich hier in den Sport, der jede Menge Abwechslung bietet, da die unterschiedlichen Teams alles zeigen, was möglich ist. Mit dynamischen Zeichnungen, einem individuellen Charakter-Design und einer Liebe zum Detail erweckt der Mangaka seine Geschichte zum Leben. Mit einem passenden Finale, bei dem die Figuren einen langen, schönen Weg zurücklegten, schließt ein großes, tolles Kapitel. Ein Sieg auf ganzer Linie.

© KAZÉ Manga

Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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