Oxenfree

Lesezeit: 4 Minuten

Im Night School Studio haben sich unter anderem ehemalige Telltale-Entwickler zusammengefunden, um das 2016er Grafik-Adventure Oxenfree zu entwickeln. Der Titel, der dem Genre Mystery kaum gerechter werden kann, glänzt mit mehreren Dialog-Optionen und sympathischen Charakteren, die durch eine Zeitschleife getrieben werden und dabei an den Rand des Wahnsinns stoßen. Dies ist nicht nur eine Geschichte übernatürlicher Ereignisse, sondern auch zwischenmenschlicher Beziehungen.

  

Die smarte Alex ist mit ihrem besten Freund Ren sowie ihrem Stiefbruder Jonas auf dem Weg zu Edwards Island. Eine Insel vor der US-Küste im Nordpazifik, die eine ehemalige Militärbasis beinhaltet und als Touristenattraktion dient. Zumindest tagsüber, denn nachts ist die Insel wie ausgestorben. Die letzte Bewohnerin verstarb kürzlich und die Touristenshops sind geschlossen. Die drei wollen einen entspannten Abend auf der Insel verbringen, als sie feststellen, dass zwei weitere Personen dort sind. Die zickige Clarissa, die mit Alex’ Bruder Michael liiert war, sowie deren beste Freundin Nona. Somit beschließen die fünf ein gemeinsames Besäufnis am Strand. Doch anstelle chilliger Musik, Lagerfeuer und Bier macht sich schnell eine unheimliche Stimmung breit und Alex’ Taschenradio spielt plötzlich seltsame Töne und reagiert auf irgendwelche Frequenzen, die sich die Anwesenden selbst kaum erklären können. Die Gruppe bricht zur Erkundung der Insel auf…

Erschaffen um mehrfach gespielt zu werden

Originaltitel Oxenfree
Jahr 2016
Plattform PC, Xbox One, PlayStation 4, Linux, Nintendo Switch, iOS, Android
Genre Grafik-Adventure
Entwickler Night School Studio
Publisher Night School Studio
Spieler 1
USK

Oxenfree erschien 2016 zunächst für Windows, macOS, Linux, Xbox One und PlayStation 4. 2017 zogen die Versionen für Nintendo Switch, iOS und Android nach. Gespielt wird in einer 2,5D-Perspektive, in welcher der Spieler die Hauptfigur Alex über die Insel steuert. Das einzig wirkliche Gameplay-Element sind die Reaktionen der Figuren innerhalb der Dialoge. Hier hat der Spieler eine Auswahl von bis zu vier Möglichkeiten, die mehrere Spielenden zulassen. Zwar fällt Oxenfree mit seiner Spielzeit von rund fünf Stunden überschaubar aus, doch der erste Durchlauf ist auch erst der Anfang. Denn es gibt viele gute Gründe, das Spiel erneut durchzuspielen, so etwa das Ausloten der alternativen Endings. Auch bleibt für die Auswahl der richtigen Antwort vergleichsweise wenig Zeit, weshalb die erste Runde besonders von Bauchentscheidungen lebt. Bei weiteren Durchgängen spielt die Vernunft eine ganz andere Rolle. Wieso nicht einfach mal zwei der Charaktere miteinander verkuppeln? Sofern man schnelle Entscheidungen treffen kann. Zwar schweben die Texte als Blasen über den Köpfen der Figuren, doch die englischen Texte werden es nicht jedem Spieler leicht machen, flexibel zu reagieren. Darüber hinaus hält sich der spielerische Anspruch in Grenzen und auch das Finden der richtigen Radiofrequenz wird keine grauen Zellen wecken.

Man spricht nicht nur englisch, sondern auch sarkastisch

Ebenso kunstvoll wie ärgerlich ist die Kameraführung des Spiels. Einerseits sind die panoramaartigen Bildschirmaufnahmen gelungen und zeigen immer, wie winzig so eine Figur doch mitten in der Natur sein kann, andererseits bleiben so auch die Details auf der Strecke. Darüber trösten ein wenig die immer wieder eingeblendeten Artworks hinweg, welche jeder Persönlichkeit den richtigen Ausdruck verleihen. Auch ohne sichtbare Mimik der Charaktere funktioniert die Darstellung der jeweiligen Gefühle tadellos. Dies ist der gelungenen Synchronisation zu verdanken, die besonders lebhaft ausfällt. Alex’ Sprecherin Erin Yvette (Molly in Telltales’ The Walking Dead) macht ihre Figur zu einer wahren Sympathieträgerin, die fließend Sarkasmus spricht, aber auch mal ernste Töne anstimmen kann. Im Gegensatz zu anderen Horror- bzw. Mystery-Titeln wie etwa Until Dawn kommt die Handlung ganz ohne Stereotypen oder nervige Teenager aus. Auch auf Jumpscares oder andere Schreckeffekte wird verzichtet. Das Spiel setzt auf gruselige Mystery-Einlagen, die genau das sind. Nicht mehr und nicht weniger.

Licht und Schatten

Das große Highlight stellen die Charaktere dar. Oxenfree ist ein Titel für Liebhaber zwischenmenschlicher Beziehungen und deren Entwicklung. Hier gibt es viel zu tun, denn neben Entscheidungen warten auch Konflikte und die Bewältigung vergangener Erlebnisse. Deshalb ist der Titel uneingeschränkt für jeden zu empfehlen, der empfänglich für diese Themen ist. Spieler, die ein Problem mit Backtracking haben, sollten um Oxenfree jedoch einen weiten Bogen machen. Denn die Laufarbeit der Figuren nimmt einen hohen Anteil ein und leider bewegen sich diese auch nicht sonderlich schnell. Schließlich kann ein gemütlicher Spaziergang so ganz geschwind zur Geduldsprobe werden.

Der Geist von Telltale Games ist bei diesem Mystery-Abenteuer allgegenwärtig. Ohne wirkliche Rätsel oder fordernde Elemente bleibt der spielerische Anspruch gering. Freunde gut erzählter Geschichten und sympathischer Figuren werden Oxenfree hingegen lieben, da diese Identifikationspotenzial mitbringen und die Dialoge einfach Spaß machen. Die fantastische Geräuschkulisse sorgt für subtilen Grusel und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Empfehlenswert ist das Adventure aus den unterschiedlichsten Gründen für Freunde dieser Werke: Gravity Falls, Donnie Darko, Gone Home, Life is Strange und The Cave.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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