New Pokémon Snap

1999 (bzw. 2000 in Europa) verzauberte Pokémon Snap auf dem Nintendo 64 die seinerzeit noch recht junge Pokémon-Fanbase. Doch anstatt die niedlichen Taschenmonster zu fangen und zu trainieren lag der Fokus bei dem heutigen Klassiker auf dem Fotografieren von Pokémon in ihren natürlichen Habitaten. 22 Jahre mussten sich Fans nun gedulden, doch am 30. April 2021 war es endlich so weit: New Pokémon Snap erschien exklusiv für die Nintendo Switch und schickt Pokémon-Anhänger erneut auf eine Foto-Safari. Für einen nicht unerheblichen Teil dieser wird die von Bandai Namco Studios entwickelte Fortsetzung des ungewöhnlichen Games hingegen aufgrund des Alters das erste Snap-Abenteuer sein. Doch wie schlägt sich New Pokémon Snap im Test und kann das Spielprinzip wirklich langfristig unterhalten?

 

Kaum in der Lentil-Region angekommen, erhält unser Protagonist von Pokémon-Forscher Professor Mirror und seiner Assistentin Rita einen Foto-Apparat und soll fortan die heimischen Pokémon in ihrer natürlichen Umgebung ablichten, um so seinen Fotodex zu füllen. Zusätzlich möchte Professor Mirror das “Lumina-Phänomen” erforschen, bei dem Pokémon strahlend leuchten.

Unterhält das Fotografieren?

Originaltitel New Pokémon Snap
Jahr 2021
Plattform Nintendo Switch
Genre Adventure
Entwickler Bandai Namco Studios
Publisher Nintendo, The Pokémon Company
Spieler 1
USK
Veröffentlichung: 30. April 2021

New Pokémon Snap hat es ohne Frage schwerer als sein Vorgänger aus den 90er-Jahren, denn während 3D-Darstellungen der Pokémon damals noch ein absolutes Novum waren, sind diese mit den technischen Möglichkeiten der heutigen Zeit vollkommen normal. Auch das Gameplay, das lediglich aus dem Fotografieren verschiedener Pokémon besteht, wirkt auf den ersten Blick sehr mager. Tatsächlich entpuppt sich das Fotografieren aber als außergewöhnlich spaßig. Insbesondere dadurch, dass sich die Pokémon immer wieder anders verhalten und die verschiedenen Areale, welche vom Basis-Camp aus gestartet werden können, unterschiedliche Level besitzen, sodass neue Pokémon angetroffen und andere Wege eingeschlagen werden können. Leider sind diese Areale aber nicht frei zugänglich. Stattdessen fährt man in dem Fahrzeug “Neo-One” über vorgefertigte Wege, wobei immerhin die Geschwindigkeit dieser Fahrten im späteren Verlauf individuell angepasst werden kann. Zudem ist trotz des Fotografierens eine gewisse Interaktivität vorhanden, denn das Verhalten der Pokémon kann beeinflusst werden: Der Einsatz eines Scanners lenkt eventuell ihre Aufmerksamkeit auf die Kamera, das Werfen eines Samtapfels führt dazu, das Pokémon beim Essen beobachten zu können (oder aber dabei, wahlweise wütend oder traurig zu werden, wenn der Samtapfel weniger sanft an ihrem Kopf landet) und mit dem Abspielen einer Melodie fangen manche Pokémon an zu tanzen. Am Ende eines großen Gebietes steht immer die Mission, ein Lumina-Pokémon zu fotografieren, neben dem aus den Trailern bereits bekannten Meganie sind das zum Beispiel Milotic und Ramoth.

Ein Foto, dutzende Möglichkeiten

In jedem Durchgang können 72 Fotos geknipst werden, weswegen es sich anbietet, durchaus auch etwas den Counter im Auge zu behalten. Wer aber öfters in den Gebieten auf Foto-Safari geht, entwickelt schnell ein Gefühl dafür, wie man den Speicher nutzen sollte. Diese Fotos können dann neben der Aufnahme in den Fotodex auch in einem eigenen Album gespeichert und von dort aus bearbeitet werden. Mit dem Fortschritt in der Geschichte und dem Erreichen neuer Meilensteine werden neue Extras freigeschaltet. Bearbeitungsoptionen sind zum Beispiel verschiedene Bilderrahmen, Symbole und Effekte, ebenso können individuelle Foto-Titel vergeben werden. Dieser Modus regt definitiv die Kreativität an. Mitglieder des kostenpflichtigen Service Nintendo Switch Online dürfen sich zudem daran erfreuen, ihre schönsten Schnappschüsse mit der ganzen Welt zu teilen und bewerten lassen zu können. Ein weiteres Feature, das zeitgleich oft auch ein Hinweis auf die Anforderungen für ein besonders seltenes Foto darstellt, sind die Aufträge. Von diesen gibt es viele, wobei es stets gilt, ein bestimmtes Pokémon bei einer spezifischen Verhaltensweise abzuknipsen.

Das Bewertungssystem: gut ausgefeilt, aber nicht perfekt

Die geknipsten Fotos werden je nach Seltenheit des Verhaltens des Pokémon in die Kategorie ein bis vier Sterne eingeteilt, je nach Punktzahl sind diese Sterne dann Bronze, Silber, Gold oder Platin. Die Punktzahl basiert auf Aspekten wie der Größe, dem Blickwinkel oder der Pose des abgebildeten Pokémon. Zusätzliche Pokémon neben dem Hauptmotiv und besonders ansprechende Hintergründe geben Bonuspunkte. Das Bewertungssystem ist damit so ausgereift, dass es sich durchaus lohnt mehrere Fotos zu knipsen und das nicht nur, weil ein vollständiger Fotodex je ein Foto aus jeder Sternen-Kategorie benötigt. Zumeist ist auch nachvollziehbar, warum ein Foto mehr Punkte als ein anderes einheimst, lediglich an manchen Stellen wirkt die Bewertung schwer nachvollziehbar. Eine besondere Komplexität sollte hier nicht erwartet werden, doch mit über 200 Pokémon aus allen Generationen, die zur Vervollständigung des Fotodex immerhin je vier Fotos pro Eintrag benötigen, ist eine Motivation für die Langzeit gegeben. Die Kommentare, die Professor Mirror zu den Fotos abgibt, beschränken sich jedoch leider meist auf Phrasen wie “Es schläft” oder “Das ist ein interessantes Verhalten”. Spannender wäre gewesen, wirklich individuelle Kommentare zu den Verhaltensweisen der Pokémon zu erhalten und so mehr über sie zu lernen, anstatt erneut nur den Eintrag im Fotodex lesen zu können.

Ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten

New Pokémon Snap würdigt seine Wurzeln, indem auch Todd Snap, der Protagonist des ersten Pokémon Snap (und in den ersten vier Staffeln der Anime-Serie ein Kumpel von Ash Ketchum) einen Auftritt bekommt. Er unterstützt Professor Mirror bei seinen Forschungen und nimmt für Spieler*innen eine erklärende Funktion ein, zum Beispiel wenn es um das Fotografieren der Pokémon im Basis-Camp geht. Die Charaktere selbst sind ebenso wie die Story sehr simpel gestrickt und sind mehr Beiwerk des Fotografierens. Neben unserem Protagonisten, der erneut wahlweise männlich oder weiblich ist, sowie Professor Mirror und seiner Assistentin Rita gibt es noch den Rivalen Phil. Allerdings fungiert dieser eher als Sprücheklopfer – er selbst knipst keine Fotos, mit denen man die eigenen Schnappschüsse vergleichen könnte. Dies ist schade, denn auch wenn New Pokémon Snap von der gemütlichen Atmosphäre profitiert, so hätte ein kompetitiver Modus definitiv für Abwechslung gesorgt. Obwohl die Geschichte also nichts Weltbewegendes darstellt, ist es schön, dass die Geschichte um das Erforschen eines Phänomens wunderbar zur Handlung der aktuellen Anime-Serie Pokémon Reisen passt, in der Ash mit seinem Kumpel Goh als wissenschaftlicher Mitarbeiter die Welt bereist und verschiedene Phänomene untersucht.

Eine traumhafte Grafik

Besonders auffallend und bei einem auf das Knipsen von Fotos ausgelegten Game auch essenziell ist die Grafik. Diese präsentiert sich in New Pokémon Snap traumhaft schön und besticht mit vielen Details. Die grafische Schönheit kommt insbesondere durch die Vielzahl an so unterschiedlichen Gebieten zur Geltung. Schwächen lassen sich lediglich erkennen, wenn mit der Kamera zu nah an einen bestimmten Punkt gezoomt wird – das kann die bunten 3D-Welten schnell entzaubern. Dennoch strahlen die farbenfrohen Gebiete in satten Tönen und die verschiedenen Pokémon sind sehr detailiert. Zudem ist es unbestreitbar niedlich, wenn man ein kleines Pichu und ein Chimpemp zusammen spielen oder ein Hopplo gemütlich auf dem Panzer eines Chelterrar schlafen sieht. Im Gegensatz zu den meisten anderen Pokémon-Games gibt es diesmal auch eine Sprachausgabe, wahlweise in Japanisch oder Englisch, wobei die Untertitel natürlich auf Deutsch sind. Da ist es fast schade, dass meist nur in den Zwischensequenzen mehr als nur wenige Worte gesprochen werden. Der Soundtrack ist dafür eher unauffällig, hervorstechende Tracks gibt es zwar nicht, aber die Hintergrundmusik ist durchaus ein nettes Gimmick.

Fazit

New Pokémon Snap ist mit seiner ungewöhnlichen Mechanik definitiv nichts für jeden, aber wer mit dem Prinzip etwas anfangen kann und ein großer Fan der Taschenmonster ist, wird mit dem Game glücklich. Natürlich kann man kritisieren, dass hier und da ein paar mehr Features nett gewesen wären und sich am Kern-Gameplay in zwei Jahrzehnten nichts geändert hat, aber das Ergebnis kann sich dennoch sehen lassen. Es ist einzigartig, die Pokémon in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen. Persönlich bin ich von dem Game sehr positiv überrascht, da ich skeptisch war, ob mich das Spielprinzip länger bei der Stange halten kann. Tatsächlich sind die Stunden aber wie im Flug vergangen und ich habe immer noch viel Spaß dabei, die niedlichen Pokémon möglichst vorteilhaft zu fotografieren und meinen Fotodex zu füllen. Pokémon-Fans sollten der Foto-Safari also definitiv eine Chance geben.

© Nintendo


Im Handel erhältlich:

 

Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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