Final Fantasy VII Rebirth

Es war das Jahr 1997, als ein JRPG die Videospielwelt für immer veränderte: Final Fantasy VII erschien für PlayStation One und schlug ein wie eine Bombe, ebnete gar den Weg für den Erfolg von JRPGs im Westen. Der Ruf nach einem modernen Remake dieses wegweisenden Klassikers wurde mit den Jahren immer lauter und Square Enix erhörte diese, als das Remake 2015 erstmals auf der E3 angekündigt wurde. Im April 2020 erschien Final Fantasy VII Remake für PlayStation 4, ein Jahr später die aufpolierte Intergrade-Version sowie der DLC INTERmission für PlayStation 5. Allerdings handelte es sich lediglich um den ersten Teil einer geplanten Trilogie, der nur die Flucht aus Midgar umfasste und mit seinen Änderungen an der Geschichte auf gemischte Reaktionen stieß. Dennoch waren viele Spieler begeistert und warteten seitdem sehnsüchtig auf den zweiten Teil. Vier Jahre nach dem ersten Teil veröffentlichte Square Enix am 29. Februar 2024 Final Fantasy VII Rebirth exklusiv auf PS5. Diesmal geht es raus aus Midgar und ab in eine große, offene Spielwelt. Wie sich der mittlere Teil der Trilogie schlägt, lest ihr in unserem folgenden Review.

Cloud, Tifa, Aerith, Barret und Red XIII sind nach ihrer Flucht aus Midgar dabei, die Schwarzkutten zu verfolgen. Sie erhoffen sich, dadurch Sephiroth zu finden, der weiterhin das Ziel zu haben scheint, für die vollkommene Zerstörung zu sorgen. Cloud wird auf dem Weg immer mehr von Visionen von Sephiroth geplagt, während ihnen auch Shinra weiter auf der Spur ist …

Fragen über Fragen

Originaltitel Final Fantasy VII Rebirth
Jahr 2024
Plattform PlayStation 5
Genre Action-RPG
Entwickler Square Enix
Publisher Square Enix
Spieler 1
USK
Veröffentlichung: 29. Februar 2024

Final Fantasy VII Rebirth startet ungewohnt: Anstatt uns sofort mit den vertrauten Gesichtern um die Avalanche-Splittergruppe heimisch zu fühlen, sehen wir ein merkwürdiges Szenario. Zack Fair, der bereits am Ende des ersten Teils zu sehen war, beobachtet wie Aerith von einem Shinra-Helikopter mitgenommen wird. Er lässt den komatös wirkenden Cloud zurück und verfolgt sie, wobei Aerith in seinen Armen das Bewusstsein verliert. Erst nach dieser Sequenz geht es in der gewohnten Handlung weiter, was das alles zu bedeuten hat, ist Spielern zu diesem Zeitpunkt ein Rätsel. Immer wieder geht es jedoch in sehr kurzen Spielabschnitten zurück zu Zacks Welt, was einerseits natürlich spannend ist, andererseits aber so selten und abrupt geschieht, dass es oft etwas holprig wirkt. Wie sich herausstellt, haben wir es im Remake mit einem Multiversum zutun, was gerade im Finale sehr verwirrend werden kann.

Ähnlich wie aber die Einführung der Moiren in Teil 1 wird sich über diese Änderung aber wohl erst final ein Urteil fällen lassen, wenn dann der letzte Teil der Trilogie erscheint. Fest steht, dass immer deutlicher wird, dass Spieler davon profitieren, möglichst auch andere Werke des Final Fantasy VII-Universums konsumiert zu haben.

Eine Geschichte voller Emotionen

Die eigentliche Haupthandlung konzentriert sich darauf, den Schwarzkutten zu folgen und so hoffentlich Sephiroth zu finden. Dabei kommt es aber immer wieder zu Konfrontationen mit Shinra und ihren Turks, die immer noch auf der Suche nach dem “verheißenen Land” sind und Aerith als letzte Nachfahrin der Cetra fangen wollen. Das eigentliche Highlight im zweiten Teil stellt aber klar die Charakterisierung der Figuren und ihre Bindung zueinander dar. Diese profitieren nämlich immens davon, dass Spieler endlich mehr von ihrer Vergangenheit erfahren, wie etwa durch den Besuch der Heimatorte. Dabei kommt es zu einigen sehr emotionalen Momente, die wirklich berühren. Schön ist, dass auch Charaktere aus der “Compilation of Final Fantasy VII” (Sammelbegriff für alle Final Fantasy VII-Medientitel, die nach dem Originalspiel erschienen sind) ihren Auftritt bekommen und sich so das ganze Universum des Titels zusammenfügt. Gerade wer zuvor Crisis Core, sei es im Original oder in der verbesserten “Reunion”-Fassung, gespielt hat, darf sich darüber freuen, dass die Geschichte hier besser integriert wird und auch ein sehr beliebter Charakter dabei ist. In jedem Falle wird die Bindung der Gruppe untereinander sehr deutlich: Es gibt ein Gruppenlevel und jeder Charakter hat ein Zuneigungsbarometer gegenüber Cloud, das sich etwa durch Aufträge und richtige Antworten in den Dialogen steigern lässt. Dieses beeinflusst bestimmte Ereignisse, die jedoch nichts an der Hauptgeschichte ändern. Aber auch einfach durch die Interaktionen der Figuren untereinander wird deutlich, wie diese zueinander stehen.

Raus aus der tristen Großstadt Midgar

Während Final Fantasy VII Remake noch ein lineares Spiel ist, das sich auf die tristen Slums und die graue Großstadt beschränkt, entlässt Rebirth die Spieler bereits nach wenigen Stunden in das erste Open World-Gebiet. Sattes Grün, farbenfrohe Fauna und eine lebendige Natur warten in der ersten Grasland-Region darauf, erkundet zu werden. Diese Regionen können auch auf dem Rücken eines Chocobo erkundet werden, wobei die Chocobos je nach Region unterschiedliche Fähigkeiten besitzen. Dabei erwarten Spieler typische Open World-Aktivitäten wie das Aktivieren von Funktürmen, das Erfüllen von Jagd-Aufträgen oder das Suchen von Lebensquellen. Dazu gibt es sogenannte “Protosubstanz”-Missionen, bei denen es darum geht, die Protosubstanz der jeweiligen Region zu erhalten. Die Missionen erzählen aber sehr interessante Geschichten und bereichern oft sogar die Haupthandlung, sodass es sich definitiv lohnt, diese zu machen. Ein wenig schade nur, dass all diese Aktivitäten als Teil der Regionsberichte von Chadley (ja, der Roboterjunge mit seinem Kampfsimulator ist auch wieder dabei und hat nun mit Mai sogar eine Art weibliche Variante) fungieren. Das kann nicht nur nervig werden, insbesondere wenn Chadley einen zum zigsten Mal darauf hinweist, dass er schon lange nichts mehr von den Regionsberichten gehört hat, sondern wirkt auch etwas eintönig. Man hätte gerne zumindest zusätzlich einbinden können, dass sich etwa ein Gruppenmitglied für die jeweiligen Orte interessiert, anstatt nur als gefühlte Laufburschen-Aktivität zu fungieren. Dafür sind die Aufträge, also Nebenmissionen, gut gelungen, da diese sich selten wiederholen und meist interessant ausgestaltet sind. Außerdem vertiefen sie meist die Beziehung zu einem bestimmten Charakter. Zudem hält sich die Anzahl mit 36 Aufträgen angenehm in Grenzen, womit man zwar in jeder Region genug zutun hat, sich aber nie erschlagen fühlt.

Gameplay-Loop vom Feinsten

Die Open World-Aktivitäten sind damit zwar ziemliche Standard-Kost, dass das aber nicht stört, liegt vor allem daran, dass zumindest die Handlung so strukturiert ist, dass uns immer wieder etwas Neues erwartet. Mal geht es recht linear und lastig an Zwischensequenzen zu, dann gibt es wieder ein Open World-Gebiet, danach vielleicht eine Verschnaufpause mit zahlreichen Minispielen – Langeweile kommt hier selten auf! Das größte dieser Minispiel stellt eindeutig das Kartenspiel “Blut der Königin” dar, das sogar eine eigene Geschichte erzählt. Mit dem Gewinn oder Kauf neuer Karten kann so jeder sein eigenes Deck zusammenstellen und in jedem Gebiet gibt es einige Kartenspieler, die auf eine Herausforderung warten. Einziger Wermutstropfen: Wem das Kartenspiel nicht gefällt, wird an einer bestimmten Stelle dennoch dazu gezwungen, dieses im Rahmen der Hauptgeschichte in einem Turnier zu spielen. Dieses kann zwar theoretisch vorzeitig abgebrochen werden, dann verpassen Spieler aber einen der witzigsten Momente des Games. Dennoch sorgt es in jedem Falle für Abwechslung, ebenso wie die vielen anderen Minispiele, zu denen etwa Chocobo-Rennen, Klavierspielen oder auch ein fußballartiges Spielchen mit Red XIII zählen. Insgesamt präsentiert sich Final Fantasy VII Rebirth als kleines Umfangmonster: Wer nur die Geschichte spielen möchte, wird in um die 50 Stunden fertig sein, wer aber auch die anderen Aktivitäten abschließen möchte, kann gut und gerne über 100 Stunden in dem Game verbringen.

Bekanntes Kampfsystem mit neuen Feinheiten

Das bewährte Kampfsystem aus dem vorherigen Teil, eine Mischung aus Echtzeit- und Strategie-Elementen, wird auch hier übernommen: Mit Standard-Angriffen wird die ATB-Leiste gefüllt, sodass dann das Taktik-Menü geöffnet werden kann und Magie, Fertigkeiten oder die Beschwörung eines Espers ausgeführt werden kann. Allerdings wird das Kampfsystem hier weiter verfeinert durch die Synchro-Fertigkeiten und -Aktionen, die zwei Figuren gemeinsam ausführen. Erstere sind mächtige Angriffe, für die ähnlich wie bei den Limits, erst einmal ein Balken gefüllt werden muss, während Letztere während dem Blocken eingesetzt werden können. Das sorgt für noch mehr Möglichkeiten in den Kämpfen, die gerade bei den Bossen auch wieder knackig werden können. Red XIII, Yuffie und Cait Sith sind hingegen die neuen steuerbaren Kämpfern. Während Ersterer mittels Blocken eine Rächerleiste füllen und mit seinen Krallen und Fangzähnen austeilen kann, setzt Yuffie auf eine Variation aus Nah- und Fernangriffen mit ihrem Shuriken. Als Yuffie, die anders als im Original nun nicht mehr optional ist, konnten Fans dabei bereits im DLC INTERmission spielen. Cait Sith kann hingegen neben dem Austeilen seiner eigenen Angriffe auch einen Mogry rufen, der für ihn kämpft. Die Kämpfer sind in jedem Falle alle sehr individuell und spielen sich jeweils anders, was es geradezu schwer macht, sich auf eine Gruppe von drei Figuren zu beschränken. Gänzlich überarbeitet wurde das Waffensystem, denn anstatt jede Waffe individuell mit Punkten aufwerten zu können, sind diese jetzt an den Charakter gebunden und ermöglichen z.B. neue Angriffe und Techniken. Das macht zumindest das Durchwechseln der Waffen, um so verschiedene Fertigkeiten zu meistern, einfacher.

Großartige Technik mit kleinen Abstrichen

Final Fantasy VII Rebirth präsentiert sich optisch auf dem gleichen hohen Niveau wie bereits die PS5-Version des Vorgängers, gerade die Zwischensequenzen sind ein echter Augenschmaus. Egal ob das sonnige Costa Del Sol, das dschungelhafte Gongaga oder auf Mission in einem Reaktor: Das Spiel sieht einfach klasse aus, was für eine jeweils passende Atmosphäre sorgt. Natürlich wurde für den Nachfolger aber auch an einigen grafischen Aspekten geschraubt, was sich besonders bei den NPCs zeigt, die in Remake noch eher wie ein (ziemlich gruseliges) monotones Relikt aus PlayStation 3-Zeiten wirkten. Schade ist, dass die beeindruckende Technik nicht in allen Modi zur Geltung kommt, denn der Leistungsmodus lässt aus dem schönen, detailreichen Spiel eines mit teils verwaschenen Texturen und extrem merkwürdiger Schattierungseffekte werden. Hier werden die 60fps zu teuer erkauft, sodass tatsächlich der Grafikmodus empfehlenswerter ist, auch wenn 30fps nicht unbedingt ideal für ein Action-Spiel sind. Immerhin wurde von den Entwicklern bereits ein Patch versprochen. Ebenfalls wieder einmal fantastisch präsentiert sich die musikalische Untermalung, was durch den bereits Monate vor Release angeteasten Titelsong “No Promises To Keep” verdeutlicht wird. Zudem besitzt fast jede Aktivität, Nebenmission oder Figur einen eigenen charakteristischen Track, was für Abwechslung sorgt.

Fazit

Final Fantasy VII Rebirth entwickelt die Stärken seines Vorgängers (das Kampfsystem, die Charaktere) gekonnt weiter und überzeugt mit einer schönen, coolen Open World, in der es allerhand zu entdecken gibt. Allein sind viele der Elemente zwar nichts Besonderes, aber die Mischung macht es und da gelingt dem Game ein außerordentlich motivierender Gameplay-Loop, sodass man den Controller kaum aus der Hand legen möchte. Dabei wird eine mitreißende Geschichte erzählt, die vor allem mit emotionalen Momenten punktet und bei der es spannend wird, wie der dritte und abschließende Teil diese beenden wird. Aber auch die Aufträge und Missionen sowie die Interaktionen zwischen den Charakteren sind einfach klasse. Für Final Fantasy VII-Fans ist der Teil natürlich wieder Pflicht, alle anderen steigen am besten erst einmal mit Remake ein.

© Square Enix

Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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