Elden Ring

Fällt der Name From Software, dann stolpert das Herz und fließt der Schweiß. Denn das japanische Entwicklerstudio ist berüchtigt für seine erbarmungslosen Action-RPGs, allen voran für seine Dark Souls-Reihe. Im Februar 2022 brachte das Studio seine neuste Schöpfung heraus: das lang und heiß ersehnte Elden Ring. Ein Game, das der Souls-Tradition in nichts nachsteht, gleichzeitig aber auch völlig neue Saiten anschlägt, denn es bietet erstmalig eine vollumfängliche offene Spielwelt. Knapp drei Wochen nach Release hat sich Elden Ring bereits 12 Millionen Mal verkauft; damit ist From Software mit seinem Souls-Genre endgültig im Mainstream angekommen. Schnuppern wir in unserem First Look doch einmal rein.

   

Elden Ring spielt im so genannten Zwischenland. Nachdem der titelgebende Eldenring zerstört wurde, befindet sich die Welt im Niedergang. Es regieren nun die halbgöttlichen Nachkommen der einstigen Königin Marika der Ewigen, die die Bruchstücke des Eldenrings an sich rissen, von ihrer Macht verdorben wurden und Krieg und Chaos auslösten. Es liegt nun an den »Befleckten«, die einst aus dem Zwischenland verbannt wurden, in ihre Heimat zurückzukehren, damit einer von ihnen die Bruchstücke des Eldenrings zusammenführt und zum neuen Eldenfürsten wird, um das Zwischenland vor seinem Untergang zu bewahren.

Einsteigerfreundlich … so ziemlich

Originaltitel Elden Ring
Jahr 2022
Plattform Microsoft Windows, PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox Series, Xbox One
Genre Open-World-Action-RPG
Entwickler From Software
Publisher Bandai Namco Entertainment
Spieler 1
USK
Veröffentlichung: 25. Februar 2022

Hach ja, Dark Souls – davon hat man ja nur schlimmes gehört. Sackschwer, deprimierend und mit einem ausufernden und irgendwie schlauchigen Leveldesign versehen, welches uns geradewegs zur nächsten Klatsche führt. Wer Elden Ring anschmeißt, der mag zunächst denken, dass alles beim Alten geblieben ist. Gleich zu Beginn riecht es nach dem klaustrophobischen Defätismus der Souls-Reihe und es dauert nicht lange, da wird man auch schon vom ersten Boss überfahren, ganz gleich, in welcher der zehn Klassen man startet: ob als Vagabund, Bekenner, Bandit oder Samurai. Doch wer sich aufrappelt und es schafft, aus dem Kellerloch zu klettern, der erlebt die 180°-Kehrtwende. Vor demjenigen breiten sich nämlich die weiten Flure von Limgrave aus; ein wunderbares Einsteiger-Areal mit Wiesen, Feldern und leuchtenden Goldbäumen, durchsetzt mit Ruinen und Strukturen und umgeben von Schlössern, die man alle erreichen und erkunden kann. Der Wind streichelt einem die Bäckchen und wird von fernen Streichern und ihrem brodelnden Flageolettteppich getragen. Von dieser Schönheit völlig betäubt macht man sich also auf, um den Ritter in goldener Rüstung zu grüßen, der dort hinten zu Pferde seine Runden dreht – und zack, man ist tot. Ach ja, Dark Souls.

Lore made by George R. R. Martin

Elden Ring stellt mit seinem Open World-Design und den wundervollen Kulissen ein völlig neues Erlebnis dar, ist aber in seinen Kernelementen immer noch typisch Dark Souls. Man wird ohne großartige Erklärungen der einzelnen Spielmechaniken in die Welt geworfen und muss zusehen, wo man bleibt. Aschen, Aufrufungen, Runen? Waffen, die mit Attributen skalieren? What? Hier heißt es: Learning by doing and dying. Die Geschichte fühlt sich relativ distanziert an und kleidet sich in hochtrabende Worte von dramatischer Poesie, für die sich u.a. George R. R. Martin verantwortlich zeigt, der Godfather des Game Of Thrones. Die Distanz wird auch dadurch hervorgerufen, dass die NPC-Dialoge nicht als Cut-Scenes umgesetzt wurden und es auch keine Mienenspiele oder nennenswerte körperliche Kommunikation gibt. Es ist die Vertonung, die das Spiel trägt, aber das, muss man sagen, macht sie ziemlich gut. Die Atmosphäre ist ohne Frage vorhanden.

Hätte ich doch nur einen Controller

Die Menüführung hat sich für Tastatur-Spieler:innen im Vergleich zum übelst frickeligen Dark Souls zwar erheblich verbessert, doch man merkt immer noch, dass From Softwares Lieblingskind ganz unbestreitbar der Controller ist. Wenn man als Tastatur-Spieler:in auf das zweite Inventar zugreifen will, ist man gezwungen, die Maus loszulassen – die Maus (!). Jenes Ding, mit dem man das Schwert schwingt und am Leben bleibt. Wer tut denn so etwas? Insgesamt also eine ziemlich mäßige Lösung, aber gut, wie so oft bei From Software muss man sich wohl auch hier sagen: Challenge accepted.

Erkunden, Einstecken, Staunen, Herzkasper kriegen

Glücklicherweise präsentiert Elden Ring ein Open World-Design, welches nicht mit 1000 Icons zugekleistert ist, nur um mit der eigenen Größe zu flexen. Stattdessen hält sich die Karte bedeckt, was aber umso mehr zum wahrhaftigen Erkunden einlädt. Da uns das Spiel nur bedingt an die Hand nimmt, kann man so aber auch leicht an Gegner geraten, für die man hoffnungslos unterpowert ist. Das Verhältnis von Schaden, den man austeilt, und Schaden, den man einsteckt, ist ein recht guter Indikator dafür, ob das Spiel gerade will, dass wir uns hier aufhalten oder nicht. Und selbst wenn nicht, so steht es uns dennoch frei, uns da durchzuboxen. Echte Genießer können allein in Limgrave & Umgebung gut und gerne 20 Stunden versenken, und das macht vielleicht gerade mal 1/5 der Spielwelt aus. Es gibt Dungeons, NPCs inkl. Sidequests und andere interessante Happenings, wie etwa seltsame, von Riesen angeführte Karavanen. Manche Dinge treten sogar nur nächtens in Erscheinung, denn auch das ist neu in Elden Ring: der vorhandene Tag/Nacht-Rhythmus inkl. variierender Wetterverhältnisse. Schon allein Limgrave bietet eine Vielzahl individueller und manchmal sogar überdimensionaler Gegner, die unseren Puls hochtreiben und auf vielfältige Weise bekämpft werden können: zu Fuß, zu Pferde, mit Geistern, mit Dreschflegeln. Und auch wenn man an den Bossen zu Grunde gehen mag, so ist der allgemeine Tonus von Elden Ring ein ungewohnter … und zwar irgendwie hoffnungsvoll. Das Main Theme im Menü? Extrem basslastig und heroisch. Anstatt wie sonst in Defätismus zu versinken, scheint Komponist Yuka Kitamura dieses Mal sagen zu wollen: »Geh! Geh und steck die weite Welt in Brand, du tapferer und schöner Mensch!« Und das machen wir doch mit Freuden.

Fazit

Bislang hab ich 30 Stunden Spielzeit hinter mir und ich bin ziemlich angetan. Wo mich das erste Dark Souls nach fünf Stunden verloren hat, wickelt mich Elden Ring tatsächlich um den Finger. Das Ausmaß der Open World, die überall auffindbaren Wunder und Happenings, die ich nicht verstehe aber trotzdem bestaune, die spielerische Härte vor grafisch wirklich wunderprächtigen Kulissen und natürlich die Möglichkeit, den eigenen Charakter bis zur Nasenspitze anzupassen: Das alles tut was für Elden Ring. Zumal es trotz aller Härte auch unerwartet einsteigerfreundlich ist. Das vergrault womöglich die Hardcore-Fans der ersten Stunde, führt aber gleichzeitig eben auch zu diesen enormen Verkaufszahlen. Ich selber hab die Toolbox, die einem das Game zur Verfügung stellt, zwar noch nicht einmal zur Hälfte genutzt geschweige denn komplett verstanden, aber ich hab meinen Spaß und ich werde sicherlich noch weitere 120 Stunden für meinen ersten Durchlauf verbraten. Bis dahin also.

© Bandai Namco Entertainment


Veröffentlichung: 25. Februar 2022

Totman Gehend

Totman ist Musiker, zockt in der Freizeit bevorzugt Indie-Games, Taktik-Shooter oder ganz was anderes und sammelt schöne Bücher. Größtes Laster: Red Bull. Lieblingsplatz im Netz: der 24/7 Music-Stream von Cryo Chamber auf YouTube.

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