Asterix & Obelix: Slap Them All!

Wer kinnkratzend über Themen nachgrübelt, die für Kinder interessant sein können, wird selten mit einem Fingerschnippen begleitenden Heureka-Moment “Der gallische Krieg”‘ ausrufen, außer man ist ein fanatisch Relevanz für sein Fach suchender Lateinlehrer oder ein Zombie-Julius-Caesar mit latenter Ruhmsucht. Das hat die Asterix & Obelix-Reihe, die 1959 zum ersten Mal schlicht als Asterix den Flügelhelm aufzieht, dennoch nicht daran gehindert zu einem weltweit bekannten ikonischen Duo zu werden. Das Franchise umspannt bereits etliche Zeichentrickfilme, leider ein paar Realfilme und wie nicht anders zu erwarten eine Legion an Videospielen unterschiedlichster Art, Ausrichtung und Qualitätsstufe. Stammesführer/Publisher Microids und Azubi-Druide/Entwickler Mr. Nutz Studio brauten mit Asterix & Obelix: Slap them All! ein ganz eigenes Wundergebräu zusammen und flößten es den Vorzeigefiguren ein, damit sie im November und Dezember 2021 auf PC und Konsolen Fäuste und Römerhelme fliegen lassen können. Wartet hier ein wahres Fest für Wildschwein-Connoisseure oder eine himmelschreiende Ohrfeige?

Wir kritzeln das Jahr 50 v. Christus auf Pergamente und mit viel Willen auf Steine. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt … Ganz Gallien? Nein, ein winziges von unbeugsamen Galliern bewohntes Dorf leistet tapfer und schamlos Zaubertrank-Doping ausnutzend den Invasoren Widerstand, die die Unsportlichkeit mit einer ewigen Umzingelung quittieren. Aber das Leben für die Legionäre in den Lagern rundum die Siegermacht in Frage stellende Siedlung ist kein Ambrosia-Schlecken, denn das Durchbrechen besagter Belagerung ist für die Gallier keine Monumentalaufgabe, sondern mehr Frühsport und Appetitanreger. Die Stimmung ist gedrückt, außer bei Schildausbeulern, Zahnärzten und Chiropraktikern. Insbesondere zwei Gallier sind den legendären Legionen eine geballte Faust im Auge: Der gewieft-flinke Asterix und sein treuer XXL-Mode bevorzugender Freund Obelix samt Winzhündchen Idefix, die immer wieder mit schlagkräftigen Reisepässen ausgestattet ausziehen, um Abenteuer zu erleben.

Plotpräsentationix

Originaltitel Asterix & Obelix: Slap them All!
Jahr 2021
Plattform PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox X/S, Nintendo Switch
Genre 2D-Beat’em’Up; Sidescroller
Entwickler Mr. Nutz Studio
Publisher Microids
Spieler 1–2
USK
Veröffentlichung: 2. Dezember 2021

Die vage nur grob die vermutlich allbekannte Ausgangslager wiedergebende Inhaltsangabe lässt bereits erahnen, dass die Narrative Asterix & Obelix: Slap them All! eher geringen Fokus einnimmt und auf einen Wildschweinferkelhauer passt. Die rund 50 Einzelmissionen sind in sechs Akte unterteilt, die jeweils grob einer Vorlagen-Handlung folgt, angefangen bei Asterix bei den Briten sowie unter anderem weitergeführt mit Asterix und Cleopatra. Grob ist dabei das Zauberwort, denn genau wie ein Stück Wurst irgendwann einmal ein Schwein war, kann man jetzt im Bestfall nur noch Stücke davon erkennen. Einzelne Plotpunkte tauchen zwar auf, sind aber meist nur Kurzrechtfertigungen um in die nächste Prügelorgie überzuleiten und werden dabei denkbar unspannungsfördernd präsentiert. Vor generischem Hintergrund werfen sich die Figurenporträts unvertonte Dialogschnipsel zu; einzig die einsätzigen Übergänge zwischen den geruhsamen Gesprächen werden durch einen Sprecher beglückt, der noch einmal das zuvor Besprochene zusammenfassen darf, falls jemand dachte, die Titelhelden hätten sich zwischen den Bildschirmen mit einem Achselzucken zum vorgezogenen Festschmaus zurückgezogen. Bereits hier verschenkt der Titel viel Charme-Potenzial mit beispielsweise Comic-Panels an die Vorlage zu erinnern; zudem gehen dank des visual-noveligen Nebenhers gehen einige visuelle Gags weinend zwischen den Zeilen verloren.

Artus Designus Maximus

All das fällt besonders dadurch auf, dass die Entwickler mit Blick auf Stil und Artdesign der Vorlage alle Register gezogen und Galleonen an Zaubertrank haben hineinfließen lassen. Wenn es in die Missionen geht, könnte man denken, alle Figuren, die sich mit comic’schen *Wack!*s und *Wamm!*s auf handgezeichneten Hintergründen gegenseitig Ohrfeigen verteilen, seien direkt Knöchel knackend den Comics oder Zeichentrickfilmen entstiegen. Ausnahmslos alle, vom wild armwedelnden Briganten über säbelschwingende Piraten hin zu den treudoof in ausgestreckte Hände hineinlaufende Legionäre, sind liebevoll gestaltet und fangen voll und ganz den Charm der Vorlage ein. Es wäre schön, den Punkt damit zufrieden nickend abzuschließen, aber ‘Aber’ hat noch ein Wörtchen zu sagen. Aber: So fein das Auge auch an den Figuren schmaust, wirken die Hintergründe doch auf Dauer recht nährarm und leer, da man zumeist schlicht auf gepflasterten, steinigen, sandigen oder waldigen Pfaden dahermarschiert, die kaum die jeweils dargestellten Ortschaften hinausposaunen. Zudem dürfte sich selbst die hungrigste Pupille nach einer Weile an dem zwar gleich bleibend guten aber immergleichen Legionärsaufmarsch satt gesehen haben. Die Gegner-Assetts wiederholen sich trotz leichter Varianten untereinander so oft, dass man den Frauen die Quadrilliolinge zur Welt gebracht haben, nur sein herzliches Beileid wünschen kann.

Imkampfeinschlafikus

‘Schwere Geburt’ und ‘Leid’ sind allerdings gute Stichwörter, denn viele werden vermutlich schon Genre-gerecht drohend mit den Fäusten über der Tastatur wedeln und denken: Story und Artdesign, pah, knallt’s denn nu, oder nicht?. Bei einem ersten mentalen Überschlag kommt man nicht umhin zu denken, dass die Asterix & Obelix-Reihe und Beat’em’Ups eines dieser Traumvorzeigepaare sind, die einen Tränen wegwischend nach dem geworfenen Brauthinkelstein fischen lassen. Und tatsächlich macht es Spaß, sich mit Asterix und Obelix im Wechsel oder, falls Freund vorhanden, beide gemeinsam im Coop sich mit Kinnhaken Römer entsandalend sidescrollend von links nach rechts zu bewegen oder einen unseligen Unhold schwungvoll kegelnd zu seinen Kumpanen zurückzubefördern. Gerade gepaart mit der liebevollen Optik und den schön anzuschauenden Animationen schlägt das Herz freudig auf die Kontrahenten ein. Aber leider muss Aber wieder das Wort ergreifen. Und es sind lange Worte. Aber: Die spielerische Abwechslung wird unter den zahllosen Gamaschen der Gegnerwellen niedergetrampelt. Die beiden titelgebenden Gallier haben nur ein begrenztes, wenn auch zweifelsohne effektives Moveset, das sich maßgeblich durch leicht andere Spezialattacken zeigt; Obelix hat neben der normalen *Wam* *Wam*-Kombo noch eine härtere Form, wo er sich quasi mehr Mühe gibt und Asterix wird zum weltersten Brummkreisel. Und das war’s schon. Selbst der hartgesottenste Römerfeind wird nach Welle XXXVIII, die er fürsorglich mit der ewig gleichen Schlagtastenhämmer-Kombination niedergeprügelt hat, der Hass ausgehen.

Sonstnix

Denn bereits nach Mission 1 hat man die vollständige Tiefe des Gameplays bereits ausgeschöpft. Über den Bildschirm tapsen. Schilde zu Töpfen prügeln. Weitergehen. Legionärshelmteller herstellen. Weitergehen. Und so weiter. Gepaart mit den sehr schnell immergleich bleibenden Gegnermassen, bei denen man das Gefühl bekommt, man hätte ganz Rom fünfmal entvölkert und Bossen, die nicht mehr sind als Schlagschwämme wird es trotz wundervoll bunter Figurenzeichnung schnell sehr sehr grau. Besagte Bosse bleiben ebenfalls nicht einzigartig, sondern werden quasi noch mit den Beulen der ersten gallischen Begegnung wieder in den Ring geschickt. So fühlen sich die in grob 7-8 Stunden durchgewalzten Akte gleichzeitig zäh und inhaltslos an. Abseits des Hauptabenteuermodus schaltet man die Freeplay-Variante frei, die allerdings schlicht Wiederholungen der Missionen bietet, beispielsweise um einen Score nach oben zu treiben. Besagter Score ergibt sich aus Schlägen und allerlei Münzen, die die Gegner verlieren, als hätten sie sich kurz vor Schlachtfeldantritt ihre Lebensversicherung in Kleingeld auszahlen lassen. Der Score selbst besitzt aber keinerlei spielerische Relevanz, schaltet nichts frei und das dagobert’sche Münzbad ist eher ablenkend als hilfreich. Für den ungetrübten Prügelfreund gibt es nach Medium noch härtere Schwierigkeitsgrade, die von Anfang an zur Verfügung stehen, aber selbst mit viel Gutwillen nicht zur erneut knochenbrechenden Keilerei ermutigen.

Fazit

Asterix & Obelix: Slap them All ist ein schnell repetetitives Beat’em’Up, das mit seiner feinen Optik eine gute Figur macht, aber dessen Gameplay röchelnd nach Zaubertrank brüllt. Ich bin mit wenig Erwartungen herangegangen, bin kein großer Fan der Comics oder Filme, auch wenn sie einen nostalgischen Platz in meinem zynischen Herzelein haben, und habe mir schlicht ein launiges Beat’em’Up vorgestellt, in der sich die Figuren der Vorlage tummeln, Hinkelsteine werfen und vielleicht auch mit Fischen um sich schlagen. Pustekuchen. Abseits von Asterix und Obelix selbst traut sich niemand in den Kampf, es gibt keine Nettigkeiten im Hintergrund, nicht in der Story-Präsentation, keine lustigen Gegenstände, die als Waffe zweckentfremdet werden können und trotz visuell tollem Design der Gegner verhalten sie sich rein spielerisch exakt gleich. Auch das wenig variantenreiche Faustbewegungsset der Figuren ist innerhalb einer Mission erkundet und trotz allem könnte ich noch darüber hinwegsehen und sagen: ‘Ja gut, ist eben für das casualige Zwischendurch-Whack’a’Roman’, aber der Preis von 40 bis (je nach Version) 50 Euro lässt mich da doch Obelix Signatursatz murmeln. Ultimativ: Wenn einem die repetetitiven Kämpfe nicht stören, wenn einem der Artstyle alleine genügt, wenn man einfach nur einen Zwischendurch-Spaß haben will, wenn man riesiger Fan der Vorlage ist und wenn es im Angebot ist, dann klar, warum nicht. Aber ab einer bestimmten Anzahl an ‘Wenn’s wird eine Empfehlung schwierig. Bei großer Beat’em’Up-Liebe vielleicht doch zu Streets of Rage 4 oder River City Girls schielen und bei starkem Asterix-Entzug sich lieber durch die Filme durchschauen. Macht mehr Spaß. Faust drauf.

© Microids


Veröffentlichung: 2. Dezember 2021

 

Mort

Mort hat 'Wie? Nicht auf Lehramt!?' studiert und wühlt sich mit trüffelschweiniger Begeisterung durch alle Arten von Geschichten. Animes, Mangas, Bücher, Filme, Serien, nichts wird verschmäht und zu allem Überfluss schreibt er auch noch gerne selbst. Meist zuviel. Er findet es außerdem seltsam von sich in der dritten Person zu reden und hat die Neigung, vollkommen überflüssige Informationen in sein Profil zu schreiben. Mag keine Oliven.

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