You Might Be the Killer

Lesezeit: 4 Minuten

Meta-Horror, das ist das Schlagwort. Darunter verbergen sich augenscheinliche Horrorfilme, deren wahrer Kern eine augenzwinkernde Persiflage genretypischer Klischees ist – was sie gleichzeitig zu Fanfilmen macht. Also Filme von Fans für Fans, nur eben professionell produziert. Titel dieser Art gab es in den letzten Jahren noch in überschaubarer Menge: Auf Tucker & Dale vs. Evil folgten kleinere Filme wie Ruin Me oder Blood Fest. Diese definieren sich als Postslasher. Das bedeutet: Die Figuren kennen die Regeln des Genres. In diese Kerbe schlägt auch You Might Be The Killer, welches wie alle genannten Titel im Programm des Fantasy Filmfests zu sehen war. Hierbei handelt es sich um eine schwarzhumorige Parodie des Slashers mit prominenter Hauptbesetzung: Alyson Hannigan (Buffy – Im Bann der Dämonen) und Fran Kranz (Cabin in the Woods).

“Clear Vista” lautet der Name eines Sommercamps, welches an einem einsamen See angesiedelt ist. Kaum ist die 13-köpfige Teamleiter-Crew angekommen, taucht auch schon ein maskierter Killer auf, der Jagd auf die Erwachsenen macht. Auf der Flucht fällt Sam (Fran Kranz) nichts Besseres ein, als seine Nerd-Freundin Chuck (Alyson Hannigan) anzurufen, die in einem Comic-Shop arbeitet. Wozu hat man schließlich Kumpels, die jedes Slasher-Klischee in- und auswendig kennen? Am Telefon hängend lotst Chuck also Sam mal mit mehr, mal mit weniger Euphorie durch das Camp. Ob ihre Überlebenstipps in der Praxis Bestand haben?

Und ewig lockt das Sommercamp

Originaltitel You Might Be The Killer
Jahr 2018
Land USA
Genre Horrorkomödie
Regisseur Brett Simmons
Cast Sam: Fran Kranz
Chuck: Alyson Hannigan
Imani: Brittany S. Hall
Jamie: Jenna Harvey
Brad: Patrick R. Walker
Freddie: Jack Murillo
Laufzeit 92 Minuten

Die Klischees des Slashers sind allseits bekannt. Bereits Scream zitierte sie 1996 und seitdem hat sich in dem Genre auch nichts Weltbewegendes getan. Große Reihen wie Freitag der 13. und Halloween erfreuen sich weiterhin ununterbrochener Begeisterung und Fans bekommen regelmäßig das aufgetischt, was sie erwarten. Brett Simmons liefert mit You Might Be The Killer eine Parodie all jener Filme, in denen maskierte Killer kreischende Teenies durch den Wald jagen. Der Zuschauer kann sich dabei zu 100% mit Chuck identifizieren, denn die kennt auch jedes Klischee und weiß genau, was als nächstes passieren wird. Selbsterklärend, dass sie bereits zu Beginn weiß, wer das Final Girl ist.

Doppelter Boden

Es wäre ein Leichtes, einfach nur herunterzuspulen, was bereits x-fach erzählt wurde. You Might Be The Killer versucht sich in Originalität und ist doppelbödig erzählt. Genau das ist auch die Krux: Der Clou wird bereits durch den Titel verraten, denn Sam KÖNNTE der Killer sein. Nur unter Umständen, versteht sich… Das ist verzeihlich, wenn die Trefferquote der Gags sitzt. Dafür muss man das Genre noch nicht einmal sonderlich gut kennen, man muss nur die einzelnen Bestandteile passgenau auf den Kopf stellen. In diesem Punkt bleibt der Film immer wieder hängen und will sich auch nicht vom Fleck bewegen. Die klischeehaften Charaktere sind dabei noch nicht einmal negativ anzukreiden: Eher sind sie eine Verbeugung vor dem Kino der 80er und 90er. Einzig Sam erweist sich als nervtötendes Wrack, zu dem die gemäßigt temperamentvolle Chuck einen Gegenpol darstellt.

Bissiger Leichenzähler

Zu den launigeren Parts des Films gehört neben den gelungenen Splattereffekten und Kills der Bodycount, also der filmeigene Tötungszähler, der auch hier und da mal nachjustiert wird. Eine spaßige Angelegenheit für alle, die auf den Bodycount bei Slashern achten. Da der Film nicht zeitlich chronologisch erzählt wird, handelt es sich dabei um eine hilfreiche Gedächtnisstütze. Außerdem wird das On Screen-Geschehen immer wieder durch Schwenks zu Chuck in den Comicladen unterbrochen, was gerne mal in einem Splitscreen mündet. Während Sam um sein Leben rennt, ordnet Chuck eben ganz unbeteiligt Comics ein. Das bremst die Handlung vor allem in der ersten Hälfte derart häufig aus, dass die Killszenen nur noch aneinandergereiht wirken.

Fazit

Mit viel Splatter gespickt, wird eine Festivalmeute vollkommen befriedigt, zum einmaligen Anschauen alleine fällt der Campaufenthalt eher lau aus. Schon in den ersten zehn Minuten kann man den Braten riechen und You Might Be The Killer spielt sein stärkstes Blatt viel zu früh aus. Damit geht auch jegliche erzählerische Raffinesse verloren und alles andere fällt in den Bereich einer handelsüblichen Slasher-Parodie, der man wenigstens die Liebe zum Detail noch anmerkt. Die einzige Besonderheit ist und bleibt dann nur noch die alles wissende Chuck, die ebenso liebenswert wie sympathisch ist und bei der man eines sofort weiß: Sie ist eine von uns.

© Indeed Film
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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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