We Summon the Darkness

Mal wieder die 80er. Dieses oft zitierte Jahrzehnt brachte popkulturell genug hervor, um noch tausende Filme mit Geschichten aus dieser Zeit zu füllen. Noch nicht genug wurde über Heavy Metal erzählt, seines Zeichens musikalischer Inbegriff des Teufels und Auslöser für den Verfall der Sitten. Regisseur Marc Meyers tauchte für seine Charakterstudie My Friend Dahmer in die 70er ein und nimmt sich für seine Horrorkomödie We Summon the Darkness des Folgejahrzehnts an. Die vorherrschende Heavy Metal-Paranoia nutzt er, um ein viel zu früh aufgelöstes Verwirrspiel zu entfachen. Dummerweise geht seinem “Satanic Panic”-Vertreter nicht nur zu schnell die Puste aus; das Drehbuch kränkelt an allen Ecken und Enden.

 

Der US-Bundesstaat Indiana, 1988: Satanisten erschüttern die Bevölkerung mit Ritualmorden. In der öffentlichen Wahrnehmung wird Heavy Metal als Auswuchs satanistischer Verehrung verschrien. Das hält das Freundinnen-Trio Alexis (Alexandra Daddario, San Andreas), Val (Maddie Hasson, God Bless America) und Beverly (Amy Forsyth, Hell Fest) nicht davon ab, ein Konzert zu besuchen. Bereits auf dem Parkplatz wird Alkohol konsumiert und Kontakt mit drei jungen Männern aufgenommen: Ivan (Austin Swift, Live by Night), Kovacs (Logan Miller, Love, Simon) und Mark (Keean Johnson, Alita: Battle Angel). Die private After-Show-Party entwickelt sich allerdings für alle Beteiligten zu einer überraschenden Sause.

Satanisten lieben Plot Twists

Originaltitel We Summon the Darkness
Jahr 2019
Land USA
Genre Horror, Komödie
Regie Marc Meyers
Cast Alexis: Alexandra Daddario
Val: Maddie Hasson
Beverly: Amy Forsyth
Ivan: Austin Swift
Kovacs: Logan Miller
Mark: Keean Johnson
Laufzeit 91 Minuten

We Summon the Darkness zehrt von einem einzigen Überraschungseffekt, den Genre-Kenner durchaus vorausahnen können. Einen sonderlich großen Knall gibt dieser nicht ab und dennoch nimmt sich Marc Meyers ganze 20 Minuten Zeit bis zur Enthüllung seines Twists. Twists scheint das Drehbuch ohnehin zu lieben, denn kaum etwas ist wirklich so, wie es scheint. Zumindest unter diesem Aspekt dürfen sich Zuschauer daran erfreuen, dass Autor Alan Trezza (Weg mit der Ex) immer wieder etwas Neues einfällt, um keinen Abbruch des Treibens zu riskieren. Diese falschen, häufig absurden Fährten bewegen sich auf einer Skala von eins bis zehn auf einer gutgemeinten Fünf. Sie ändern zwar die Machtverhältnisse, niemals aber die Situation, in der die Teenager stecken.

Klischees um sie zu widerlegen

Garniert mit rabenschwarzem Humor und einer unausgegorenen Mischung Blut (es ist der Wurm drin: je nach Situation entweder zu viel oder zu wenig davon) rattert sich die Geschichte an allerlei Klischees herunter, um diese immer wieder zu zerlegen. Ihr glaubt, man sieht einer Person bereits anhand des Aussehens an, ob er/sie würdig ist, um ein Final Boy/Girl zu sein? Ha! … Der Cast offenbart wenige Lichtblicke. Alexandra Daddario als selbstbewusste Alexis punktet am meisten mit ihrer Präsenz, während Johnny Knoxville (Men in Black II) als Pastor John Henry Butler die erinnerungswürdigste Performance abgibt. Alle anderen: Belangloses Füller-Personal, das keine besonderen Chancen erhält, sein Können unter Beweis zu stellen. Möglichkeiten zur Enfaltung des individuellen Charakters sind nämlich nach der ersten halben Stunde nicht mehr vorhanden. Das hat aber auch etwas Gutes: Alle sind (un)freiwillig so over the Top, dass das persönliche Kominikzentrum mindestens leichte Stimulation erfährt.

Kurzweilig plätschernd

Laune macht der 80er Jahre-Soundtrack von Timothy Williams (Guardians of the Galaxy), der neben authentischen Samples der Zeit sowie Synthesizer-Klängen auch einen großen Pop-Hit des Jahrzehnts in der Tasche hat. Doch um diesem Kult gerecht zu werden, fehlt es We Summon the Darkness einfach an Drive: Auch wenn immer etwas passiert und sich das Drehbuch alle zehn Minuten etwas Neues überlegt, fehlen die Höhepunkte und die Handlung plätschert in einem angenehmen Tempo vor sich hin. Das bleibt auch bis zum Ende so. Vermutlich war das Budget für einen Klimax nicht drin, aber der Showdown flacht nochmals so richtig ab, da die vermeintlich brutalste Szene einfach weggeblendet wird.

Fazit

We Summon the Darkness ist im Grunde genommen ein sympathischer Titel, der bewusst mit der Erwartungshaltung seiner Zuschauer spielt, letztlich aber viel zu verhalten darin ist, auf die Tube zu drücken. Die Gewaltspitzen sind zahm und selten auf den Punkt, sodass Slasher-Fans nahezu gar nicht auf ihre Kosten kommen. Für humorvoll-leichte und (vor allem einmalige) Unterhaltung geht die Produktion in Ordnung, bietet sich aber eher an, in Gesellschaft als alleine gesehen zu werden. Manche Gags zünden dann doch eher bei einem Festivalpublikum als im heimischen Wohnzimmer.

© Splendid Film

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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