Unknown Identity

Lesezeit: 5 Minuten

Sieht man sich die Fillmografie von Liam Neeson zwischen 2008 (96 Hours) und 2018 (The Commuter) einmal an, wird man einen bestimmten Charaktertypen in vielen seiner Filme wiedererkennen. Da bildet Unknown Identity (im Original nur “Unknown”) keine Ausnahme, dessen Regisseur Jaume Collet-Serra mehrfach mit Neeson kooperierte. Zwar spielt Neeson weder einen abgehalfterten Ex-Cop, noch einen trockenen Alkoholiker, doch immerhin einen Mann, der durch viele seltsame Zufälle in eine brenzlige Lage gerät, da die Handlung ihm allerlei Steine in den Weg legt, natürlich ganz zum Vergnügen des Zuschauers. Für deutsche Filmfreunde ist vor allem die Kulisse interessant, denn der Film entstand im Filmstudio Babelsberg (Potsdam) sowie am Leipziger Flughafen.

    

Dr. Martin Harris (Liam Neeson) befindet sich auf dem Weg nach Berlin, wo er einen Biotechnologie-Vortrag halten soll. Auf dem Weg ins Hotel kommt es zu einem Unfall und sein Taxi landet in der Spree. Zwar kann er von der Taxifahrerin Gina (Diane Kruger, Inglourious Basterds) gerettet werden, doch er fällt danach ins Koma. Wenige Tage später erwacht Dr. Harris im Krankenhaus, welches er auf eigenen Wunsch und unter Anzeichen von Gedächtnisverlust wieder verlässt. Seine Frau Liz (January Jones, X-Men: Erste Entscheidung) scheint ihn nicht mehr zu erkennen und hat obendrein einen anderen Mann an ihrer Seite, der sich ebenfalls Martin Harris nennt. Doch zum Glück steht der Detektiv Ernst (Bruno Ganz, Luther) auf seiner Seite…

Berlin, das echte Berlin

Originaltitel Unknown
Jahr 2011
Land USA
Genre Action, Thriller
Regisseur Jaume Collet-Serra
Cast Dr. Martin Harris: Liam Neeson
Gina: Diane Kruger
Liz“ Harris: January Jones
Rodney Cole: Frank Langella
zweiter Martin Harris: Aidan Quinn
Ernst Jürgen: Bruno Ganz
Professor Bressler: Sebastian Koch
Laufzeit 114 Minuten
FSK

Unknown Identity rückte 2011 mit einer Buchvorlage im Nacken an. Die Handlung von Hors de moi des Autors Didier van Cauwelaert spielt sich allerdings in Paris ab. Für den Film wurde die Geschichte ins hippe Berlin verlegt, welches etwas weniger häufig Filmschauplatz ist als Frankreichs Hauptstadt. Das führt zu dem einen oder anderen Klischeebild (inklusive einer Krankenschwester namens Gretchen Erfurt), was vermutlich nur Deutschen bzw. Berlinern auffallen wird. Ansonsten überwiegt erst einmal die freudige Tatsache, einen wirklichen Hollywood-Blockbuster vor authentischer deutscher Kulisse erleben zu dürfen. Diese ist obendrein noch in einen deutschen Winter gehüllt, sodass das verschneite Setting ein wenig die eher kühle und distanzierte Atmosphäre unterstreicht.

Hohes Tempo; bloß nicht mit nachdenken beginnen

Während die Ereignisse Martin Harris wie eine Lawine überrollen (oder besser hinter ihm herjagen, denn eine Verschnaufpause gibt es so schnell nicht), dreht Collet-Serra den Temporegler immer weiter auf. Das sorgt für kurzweilige Unterhaltung und verhindert, dass der Zuschauer beginnt, die Begebenheiten zu hinterfragen. Sonst würde sich das Handlungskonstrukt nur viel zu schnell als eines zu erkennen geben, das im Grunde hanebüchen ausfällt und auf einer Mischung aus Zufällen oder übers Knie gebrochenen Twists beruht. Das stört nicht, solange etwas auf dem Bildschirm passiert und der Unterhaltungswert vorhanden ist. Stoppt man jedoch und rekonstruiert einmal Harris’ gesamte Filmreise, werden die Schwächen überdeutlich.

Der Twist im Twist

Während einige Zuschauer sicherlich schon nach zehn Minuten Spielzeit einen Twist erahnen werden, kann es dennoch zu einem starken Überraschunsgeffekt kommen, da der Film letztlich in eine andere Richtung läuft als angetäuscht. Martin Harris ist nur eine fiktive Persönlichkeit, während der Film einen zunächst glauben lässt, dass eine Identität mitsamt Ehefrau und Leben gestohlen wurde. Insofern besitzt die Geschichte durchaus einen doppelten Boden mit Aha-Effekt-Zünder. Gleichzeitig heißt es auch hier wieder: Nur nicht genauer darüber nachdenken, wie sämtliche Spuren von Martin Harris Nr. 1 verwischt werden und durch die des zweiten ersetzt werden konnten.  Zu den schauspielerischen Glanzlichtern zählt Bruno Ganz als kauziger Detektiv sowie natürlich Liam Neeson, dem man unterstellen möchte, dass das brachiale Potenzial seines 96 Hours-Charakters auch hier in ihm schlummert.

Unknown Identity ist schnell und unterhaltsam, aber ebenso grotesk wie konstruiert. Ist man einmal in der Handlung angekommen, fährt man mit ihr wie in einem Schnellzug in Richtung Finale. Dabei rauscht alles, was einen ablenken könnte, an einem vorbei und man bekommt regelrecht aufgedrückt, auch ja jede noch so absurde Idee einfach hinzunehmen. Handwerklich handelt es sich aber um einen astreinen Verschwörungsthriller.

 

Zweite Meinung:

Okay, eines vorweg: Liam Neeson ist awesome. Ergo: Filme mit Liam Neeson können nie WIRKLICH schlecht sein. Zum Glück muss sich Unknown Identity aber nicht darauf verlassen, dass ich einen verklärten Blick bekomme, sobald er auf dem Bildschirm erscheint. Es ist ein grundsolider Action-Thriller, der einen abholt, samt Taxi in einen Fluss versenkt und klitschnass durch den Rest der Handlung jagt. Zugegeben, ein ruppiger Umgang, aber hey, man ist als Zuschauer ja einiges gewöhnt. Die große 180° Wendung mit doppeltem Salto hat bei mir auf jeden Fall funktioniert und mich mit einem ‘Huch’ zurückgelassen. Unknown Identity ist sicher kein Film, den man gesehen haben muss, aber für einen unterhaltsamen Abend reicht es auf jeden Fall. Außerdem: Liam Neeson. Just saying.

 

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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