The Villainess

Bei Filmen aus Südkorea mit dem Motiv Rache sollte man spätestens seit Chan-wook Parks “Revenge”-Trilogie hellhörig werden. Regisseur Byung-gil Jung holt sich in seinen 2017 erschienen Film The Villainess zudem noch kräftig Inspiration beim frühen Luc Besson und erzählt die Geschichte der Bösewichtin Sook-hee, die von Rache getriebene und frisch zur Auftragsmörderin ausgebildet zwischen die Fronten von Geheimdienst und Verbrechersyndikat gerät.

   

Worum es überhaupt geht, bleibt zunächst unklar. Zuerst erfolgt eine achtminütige Eingangssequenz, in der man aus der Egoperspektive heraus beobachten kann, wie sich jemand durch das Hauptquartier einer Drogenbande schießt, hackt und haut, der sich erst nach einer Konfrontation mit einem Spiegel als eine Frau namens Sook-hee entpuppt. Erst später im Film erfährt man dann, dass sie diese Bande für den Tod ihres Ehemanns Joong-sang verantwortlich macht, den Anführer einer anderen Verbrecherbande. Und erst später erfährt man, dass sich dieser wiederum seit ihrer Kindheit um Sook-hee gekümmert hatte, nachdem deren Vater wegen eines Juwelendiebstahls recht brutal ermordet worden war und dass sie seitdem nach dem unbekannten Mörder ihres Vaters sucht. Dadurch, dass sie im Alleingang erwähnte Drogenbande in einen blutigen Leichenberg verwandelt hat, hat Sook-hee jedoch die Aufmerksamkeit einer geheimen Regierungsorganisation geweckt und findet sich nun in deren Ausbildungseinrichtung wieder, wo Sook-hee, inzwischen für tot erklärt, dort zur Schläferagentin und Auftragsmörderin im Regierungsdienst ausgebildet werden soll. Wenig begeistert von der Idee und da sie mit dem Leben eigentlich eh abgeschlossen hatte, ist es erst die Offenbarung von Ausbilderin „Chief“ Kwon, dass Sook-hee schwanger ist, die sie zum Einverständnis bewegt. Auch der junge Agent Hyun-soo, der zu einem Kader der Geheimdienstorganisation gehört, welcher die Assassinen nach ihrer Ausbildung überwachen soll, scheint derweil ein spezielles Interesse an Sook-hee zu entwickeln.

Wie, wer, wo, was, wann und manchmal auch warum?

Originaltitel Aknyeo
Jahr 2017
Land Südkorea
Genre Action
Regie Byung-gil Jung
Cast Sook-hee: Ok-bin Kim
Joong-sang: Ha-kyun Shin
Hyun-soo: Jun Sung
Chief Kwon: Seo-hyeong Kim
Laufzeit 124 Minuten
FSK
Seit dem 26. Januar 2018 im Handel erhältlich

Die Story und auch einige Bilder im Film mögen einem durchaus bekannt vorkommen, denn Regisseur und Drehbuchautor Byung-gil Jung hat sich sehr stark von Luc Bessons Actionklassiker Nikita aus dem Jahr 1990 inspirieren lassen, ohne sich dabei aber unter die zahlreichen Neuverfilmungen seitdem einzureihen. So geradlinig und bekannt die Geschichte um den Lebensneustart als Auftragskillerin ist – mit einer Rachegeschichte als Beilage – so unnötig sperrig wird diese jedoch präsentiert. Nach der berauschenden Eingangssequenz wird recht wild zwischen der gegenwärtigen und diversen vergangenen Zeitebenen hin und her geschaltet, sodass nicht immer klar ist, wo und wann man sich als Zuschauer gerade befindet. Zwar lassen sich diese mit dem Fortlauf von The Villainess nachträglich einordnen, doch stiften die Einschübe mancher Szenen teilweise mehr Verwirrung, als dass sie etwas Sinnvolles zur Geschichte beitragen. Da sich zur Vergangenheit Sook-hees um die Morde an ihrem Vater und an ihrem Ehemann noch diverse weitere Stränge gesellen, wie eine Freundschaft zu einer Mitauszubildenden, einer Feindschaft zu einer anderen und einem ausgiebigen romanzenkomödiantischen Subplot mit Hyun-soo, lässt sich besonders die Story als größter Schwachpunkt des Films ausmachen, die derart überladen und umständlich erzählt wird, dass hier etwas weniger wohl mehr gewesen wäre.

Gute Schauspieler in schlechten Rollen

Das schlägt sich dementsprechend auch trotz gutem Schauspiel in den Figuren nieder. Als namensgebende Villainess zeigt sich Sook-hee (Ok-bin Kim, Durst) aber nur bedingt wirklich bösewichtig. Zwar kämpft sie sich mit einer Blutigkeit und übermenschlichen Willenskraft durch Ströme von Schergen, dass selbst Punisher Frank Castle dagegen blass aussieht, macht abseits davon durch eine ausgeprägte Anfälligkeit sich leicht manipulieren und austricksen zu lassen, aber eher eine schlechte Figur und scheint am Ende mit Leid und Rachemotiven fast schon unnötig überladen. Alleine der Darstellung von Jun Sung ist es zudem zu verdanken, dass man zumindest etwas Sympathie für Hyun-soo empfinden kann, denn der ist nach allen Maßstäben schlicht ein Stalker und dementsprechend befremdlich wirkt die Romanze zwischen ihm und Sook-hee. Während sich Chief Kwon weiterhin gänzlich durch nebulös nichtssagende Einzeiler auszeichnet und teilweise eher wie eine Karikatur wirkt, zeigt sich zumindest Joong-sang als ein etwas vielschichtigerer Charakter, der mit Ha-kyun Shin (Sympathy for Mr. Vengeance) auch einen Darsteller mit passendem Talent gefunden hat.

Man fühlt sich als Zuschauer wie Chev Chelios in Crank

Die große Stärke des Films sind ganz klar seine Actionsequenzen. Diese sind über eine Filmlänge von zwei Stunden zwar rar gesät, aber dadurch umso mehr die belebenden Adrenalinschübe, die man braucht, um an dem wirren Werk mit seinen wenig überraschenden Plottwists nicht gänzlich das Interesse zu verlieren. Neben der Eingangssequenz in Egoperspektive, gesellt sich besonders eine Verfolgungsjagd mitsamt Schwertkampf auf Motorrädern sowie das geniale Finale zu den Highlights. Diese Sequenzen stellen durch gekonnte Kameraarbeit, Choreografie und Einfallsreichtum jeweils einen absoluten Hochgeschwindigkeitsrausch dar. Ohne albernes Krachbummfeuerwerk oder überstilisierende Zeitlupen begeistern diese Sequenzen durch schiere blutig kreative Rasanz und sollten jedem Actionfan das eine oder andere anerkennende Keuchen entlocken.

Fazit

Im Grunde muss man sich fragen, was man von The Villainess will. Feines Actionkino mitsamt typischen Racheplot kriegt man auf jeden Fall. Gutes Storytelling ist bei diesem überladenen Erzählsalat, dem ein freigiebiger Einsatz der Schnittschere gutgetan hätte, jedoch Fehlanzeige. Grade durch die Actionsequenzen überwiegt der positive Eindruck, sodass man einen Blick in den Film empfehlen kann, aber den kompletten Streifen würde ich mir wahrscheinlich nicht nochmal geben.

© Amasia


Seit dem 26. Januar 2018 im Handel erhältlich

 

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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