The Suicide Squad

Suicide Squad von 2016 ist den wenigsten von uns positiv in Erinnerung geblieben. Obwohl er an den Kinokassen einschlug, überzeugte der Film von David Ayer inhaltlich kaum jemanden. Ein ähnlicher Hit wie das ursprünglich anvisierte Deadpool wurde Suicide Squad jedenfalls bei weitem nicht. Aber DC reagierte prompt, als Regisseur James Gunn (Guardians of the Galaxy) bei Disney aufgrund eines Tweets der Vergangenheit in Ungnade fiel, und engagierte den Ensemble-Profi für irgendeinen Film, den er sich nur noch aussuchen musste: Und da ist er nun, The Suicide Squad. “The” – auf diese drei Buchstaben kommt es an, denn damit wird gleichzeitig hervorgekehrt, dass es eben nur noch eine einzig wahre Filmfassung gibt, deren Erstling gemäß allen Verursachern wohl am besten für immer totgeschwiegen werden soll. Mut bedarf es bei einem solchen Projekt innerhalb so kurzer Zeit ohne Frage. Warum der sich ausbezahlt hat, kann seit dem 5. August 2021 im Kino überprüft und hier nachgelesen werden.

   

Noch immer ist Amanda Waller (Viola Davis, How to Get Away with Murder) die Chefin der Suicide Squad, einer Truppe krimineller Superschurken, die einen Teil ihrer Haftstrafe durch Beteiligung an Missionen für die US-Regierung erlassen bekommt. Dieses Mal zwingt sie Harley Quinn (Margot Robbie, Once Upon a Time … in Hollywood), Rick Flag (Joel Kinnaman, Robocop), Captain Boomerang (Jai Courtney, Terminator Genisys) und einige andere Rekruten wie den tierischen King Shark (Stimme: Sylvester Stallone), den Psychopathen Savant (Michael Rooker, Love and Monsters), die Ratten kontrollierende Ratcatcher 2 (Daniela Melchior, Valor da Vida) und den Elitekiller Peacemaker (John Cena, Fast & Furious 9) dazu. Angeführt wird die Runde von dem Söldner Bloodsport (Idris Elba, Thor), der erpresst wird, um diese Funktion auszufüllen. Zwei Teams der Squad landen schließlich auf dem Inselstaat Corto Maltese, um dort eine Nazi-Forschungsstation zu vernichten, in der die Regierung Potenzial für einen Terroranschlag sieht. Doch eines der Teams dient lediglich als Ablenkungsmanöver …

Es war einmal bei Warner …

Originaltitel The Suicide Squad
Jahr 2021
Land USA
Genre Action, Komödie
Regie James Gunn
Cast
Dr. Harleen Quinzel / Harley Quinn: Margot Robbie
Amanda Waller: Viola Davis
Col. Rick Flag: Joel Kinnaman
George „Digger“ Harkness / Captain Boomerang: Jai Courtney
Christopher Smith / Peacemaker: John Cena
Abner Krill / Polka-Dot Man: David Dastmalchian
Nanaue / King Shark: Steve Agee
Cleo Cazo / Ratcatcher 2: Daniela Melchior
Robert DuBois / Bloodsport: Idris Elba
Brian Durlin / Savant: Michael Rooker
Laufzeit 132 Minuten
FSK
Kinostart: 5. August 2021

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Verantwortlichen von Warner und DC bei einer Fehleranalyse von Suicide Squad zu dem Ergebnis gekommen sind, dass zu viele Vorgaben durch und durch schädlich sein können und der Versuch, ein zweites MCU zu etablieren, (schon lange) fehlgeschlagen ist. Deswegen erhielt James Gunn auch die volle kreative Kontrolle über sein Projekt: Anders als David Ayer durfte er frei von Vorgaben agieren und sich voll austoben. David Ayer hat sich mittlerweile selbst von seinem Suicide Squad distanziert, welches das Ergebnis eines zu großen Studio-Einflusses ist und sich mit all seiner oberflächlichen Unterhaltung kaum Fans machte. Jetzt soll James Gunn es also nun richten, dem die Rolle des Dompteurs für schwierige und sperrige Außenseiter, die als Team agieren, durch zwei Filme Guardians of the Galaxy schon auf den Leib geschrieben steht. Die Lösung aller Probleme liegt aber von selbst auf der Hand: Reduzierung auf das Wesentliche. Fokus auf die Figuren, die man aber nicht zu doll ins Herz schließen soll. Denn: Ein Fehltritt und weg sind sie, wie auch der fertige Film beweist.

Eine für alle und alle für sich selbst

Aber wo ist The Suicide Squad nun innerhalb des komplizierten DC-Kosmos anzusiedeln? Setzt er den ersten Film fort? Ignoriert er ihn? Spielt er in einem Paralleluniversum? Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte, sodass man von einem Soft Reboot sprechen kann. Was von Suicide Squad in Erinnerung bleibt, ist Margot Robbies Performance als Harley Quinn. Die einzige Figur, die mit Birds of Prey einen Solofilm zugesprochen bekam, der trotz ausreichender Qualität an den Kinokassen abschmierte, da die Covid-19-Krise die Kinos zur Schließung zwang. Wenig überraschend also, dass sie diese ikonische Rolle wiederholt. Auch Viola Davis gehörte als Amanda Waller zu den Top-Besetzungen des ersten Films und Joel Kinnaman sowie Jai Courtney dürfen ihre Rollen ebenfalls wiederholen. Anders als zuvor steht nun aber die gesamte Gruppe im Vordergrund.

Keine Zurückhaltung

Wo David Ayer eine halbe Stunde für die Einführung seiner Figuren braucht, gelingt das James Gunn in zehn Minuten. Er startet in medias res, um das Publikum von Beginn an in Atem zu halten. Der Body Count ist nämlich von der ersten Minute an hoch und die FSK 16-Freigabe überrascht in mancher Szene aufgrund der grafischen Gewaltspirale durchaus.  Das Blut spritzt munter durch die Gegend, Extremitäten beschreiben formvollendete Flugkurven, Körper werden dank explosiver Momente in ihre Kleinteile zerlegt und das Finale ist ohnehin in Sachen Ekel-Cringe kaum zu übertreffen. Das Gemetzel wird allerdings erwartungsgemäß mit viel Humor gefeiert. Humor, den man im Gesamtergebnis eher bei Marvel als DC erwartet hätte. Zumindest mit Blick auf die Interaktionen der Figuren.

Unter der kreativen Fuchtel eines Regisseurs

James Gunn bezeichnet The Suicide Squad als besten Film seiner Laufbahn. Inszenatorisch glaubt man ihm das aufs Wort, denn allein, wie er seine Harley Quinn sich in einer Solo-Szene austoben lässt, sieht beeindruckend aus. In dem Film steckt bereits in der ersten halben Stunde mehr Kreativität als im gesamten Suicide Squad. Ein unfairer Vergleich, der sich allerdings aufdrückt. Das geschieht an allen Ecken und Enden. In Gunns Filmografie zeigt sich dessen Liebe zur Musik, die sich auch im Einfluss auf diesen Film äußert, der neben bekannten Songs wie „Folsom Prison Blues“ von Johnny Cash vor allem unbekanntere Titel enthält. Merklich von jemandem ausgesucht, der Musik auch wirklich hört, und keine Zusammenstellung von Evergreens, welche die Marketing-Abteilung mit Kalkül zusammengeschustert hat. Ähnlich verhält es sich mit dem Humor: Hinterließ Suicide Squad noch eher den Eindruck, dass alle Gags vor allem für den Trailer produziert wurden. Auch wenn beim zweiten Anlauf nicht jeder sitzt, lässt sich kaum über Timing und Gespür von James Gunn streiten. Hier dominiert Humor das Geschehen merklich (anders als konsequent kann man den finalen Gegner da kaum noch nennen …) und lässt die Action immer in seinen Diensten stehen.  Etwa, wenn Harley bei einem Gefängnisausbruch Zeichentrickblumen und -tiere durch die Gegend fliegen und tollen sieht, während die Wachleute gleich dutzendfach zersiebt werden. Dadurch fehlt hier und da der Nachdruck, aber ein bloßer Actionfilm will The Suicide Squad nicht sein.

Konsequenter Wahnsinn

Es sind aber nicht nur die prominent platzierten Superschurken, die hervorragende Arbeit leisten. Gunn hat sich für The Suicide Squad an einem namhaften Cast bedienen können. Zwar sind die Auftritte von Nathan Fillion und Taika Waititi kurz, aber dafür umso gelungener. Er denkt sich in seine Figuren hinein und streut so kleinere und manchmal emotionale Momente, die den Charakteren Profil verleihen. Was angesichts der Größe des Casts umso beeindruckender ist, doch hierin zeigt sich wieder einmal sein Geschick mit dem Umgang eines Ensembles. Ein weiteres großes Plus ist die Fähigkeit, seine Filme nicht nur mit Referenzen, schrägen Ideen und Nebenfiguren vollzustopfen, sondern das auch noch in einer Taktung mit unerwarteten Wendungen zu bombardieren. Alleine die Einstiegsszene birgt so viele Überraschungen, mit denen kaum zu rechnen ist. Dank nicht-chronologischer Erzählweise wechselt die Perspektive auf die Geschehnisse immer wieder, sodass der Film nahezu null Leerlauf bietet. Schnelle Taktung und hohes Pacing lassen selbst Zuschauer:innen mit geringer Aufmerksamkeitsspanne am Ball bleiben. Und falls nicht das, dann sind das Figuren wie King Shark, Ratcatchers 2 tierische Gefährten und … Milton.

Zur Eigenständigkeit gezwungen

Anlass zur Kritik gibt es nur bedingt und das auch eher an DC als dem Film: Bei DC passt eben im Gesamtbild nichts zusammen. Ob das noch der Anspruch ist oder nicht: Wo bei Marvel stets auf den Kontext geachtet wird, soll The Suicide Squad eben im selben Universum spielen wie Zack Synder’s Justice League und Shazam! So oder so kommt man nicht drumherum, jeden Film für sich stehend zu betrachten und sich möglichst davon zu lösen, dass hier kein Puzzlestück ans andere passen will tonal und qualitativ. Aber das nimmt letztlich dem geradezu steroiden Unterhaltungswert nichts. Schade ist es nur um Figuren wie eben Harley Quinn, die nun bereits zum dritten Mal zu sehen ist und sich über die Filme hinweg kaum entwickelt, da die Zusammenhänge marginal sind. Wünschenswert wäre es aber, dass zumindest diese Suicide Squad nicht ihren letzten gemeinsam Auftritt hat.

Fazit

The Suicide Squad ist ein Film, der wie schon lange kein anderer mehr die Signatur seines Regisseurs trägt. Eine unverfälschte Handschrift, die der Produktion eine fast eigenständige Note verleiht und bei der nicht man nicht ständig irgendwo im Hinterkopf daran erinnert wird, dass das doch eigentlich nur der Ableger eines Franchises ist. James Gunn steht für die vier großen Hs: Herzschmerz, Humor, Hirnrissigkeit und Härte. Wo andere Regisseure tonal ins Schwanken geraten, hat Gunn immer den richtigen Cocktail-Mix parat. Als Entertainment-Rakete, aber auch Comic-Adaption hinterlässt The Suicide Squad einen hervorragenden Eindruck.

© Warner Bros.

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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