The Roundup

Fäuste sind toll, einfach zu handhaben und solch ein vielseitiges Werkzeug, es ist schlicht unglaublich. Die Tür klemmt? Kein Problem, so stabil sehen die Scharniere nicht aus. Ein unflätiger Boxsack, der die eigene Freundin anschwingt? Die linken und rechten Knöchelklumpen wurden quasi für den Job geboren. Ein störrisches Marmeladenglas? Scherben bringen Glück. Kein Wunder also, dass in der komplexen, minutiösen und umsichtigen Art der Verbrechensbekämpfung, diese Multifunktionswundertüte großzügig zum Einsatz kommt. Und niemand anderes zeigt das besser als der ‘Beast-Detective’ Ma Seok-do (Ma Dong-seok, Train to Busan) im Fensterschmetterer, aus Korea The Roundup. Der filigrane Fausttanz, von Regisseur Lee Sang-Yong (The Outlaws) im Takt gehalten, lässt sich im September auf dem Fantasy Filmfest 2022 bewundern. Ist der furiose Fleischhammer-Film tatsächlich ein Fest für Fans frenetischer Fights und fulminantem Faustfeuerwerk oder nur eine lahme Ohrfeige?

Vier Jahre nachdem ein ruppiger Bandenkrieg mit den einzigartigen diplomatischen Bemühungen von Detektive Ma Seok-do zur Ruhe gelegt wurde, scheint die Stadt Seoul in ruhigeren Fahrwassern zu dümpeln. Hier und da braucht es die exzessive Nahgesichtsbehandlung eines außer Kontrolle geratenen Tunichtguts, aber alles geht seinen gewohnten Gang. Entsprechend kommt ein simpler Auftrag mit vielversprechendem Tapetenwechsel gerade recht: Ein sich freiwillig der Polizei gestellter Krimineller soll vom Vietnam nach Korea überführt werden; Keine große Sache und es darf zu opulent bunten Urlaubs-Shirts gelinst werden. Dummerweise hat Detektiv Ma zwei Händchen dafür, Gefahren aller Art anzuziehen und als sie in gewohnt gütiger Manier mit dem gestandenen Kriminellen ein paar warm gewatschte Worte wechseln, stellt sich heraus, dass ein Killer, Kang Hae-sang (Sukku Son, Hit-and-Run Squad), koreanische Touristen nur scheibchenweise in ihr Heimatland zurückfliegen lässt. Zeit für Polizist Ma den außer Kontrolle geratenen Säbler zurecht zu biegen.

Huch, eine Fortsetzung?!

Originaltitel Beomjoidosi 2
Jahr Südkorea
Land Action, Crime
Regie Lee Sang-Yong
Cast Ma Seok-do: Ma Dong-seok
Kang Hae-sang: Sukku Son
Jeon Il-man: Gwi-hwa Choi
Jang Isu: Ji-hwan Park
Oh Dong-gyun: Heo Dong-won
Kang Hong-seok: Ha-Jun
Kim In-sook: Ji-Young Park
Laufzeit 106 Minuten
FSK unbekannt
Titel im Programm des Fantasy Filmfest 2022

Wer den Titel liest und seine Augen über die Inhaltsangabe huschen lässt, dürfte eine kurze Bremse einlegen, denn das ‘Vier Jahre nachdem’ könnte vermuten lassen, dass sich The Roundup um eine zwei im Titel herumgeschummelt hat. Und dem ist auch so; im Original eigentlich Beomjoidosi 2 (= ‘Crime City 2’) ist Part einer ganzen Reihe von ruppigen Actionfilmen rund um Detektiv Ma Seok-do, wobei der Erstling The Outlaws sehr lose auf wahren Begebenheiten eines Bandenkriegs beruht. Der einem möglicherweise überrumpelnde fehlende erste Teil ist aber kein Grund unruhig auf dem Stuhl herumzurutschen, denn wie die Inhaltsangabe dezent vermuten lässt, ist die Handlung wenig komplex oder auffällig und benötigt keinerlei Vorwissen. Dinge wie Charakterentwicklung und Persönlichkeit spielen ohnehin im Hintergrund Karten, denn maßgeblich geht es schlicht um ein simples ‘Knallharter Cop jagt Gauner’ und der eindrücklichen Präsentation des Plots in die Gesichter unwilliger Spitzbuben. Trotzdem kann es hilfreich sein, den ersten Part zu kennen, um ein Gefühl für Tonfall und Atmosphäre zu bekommen, ehe man mit falschen Erwartungen in die nächstbeste Faust rennt.

Oldschool Action

Wie ist denn besagte Atmosphäre nun? Je nachdem, ob man wohlwollend oder miesepetrig gestimmt ist, könnte man den Film als traditionsreich oder eben ‘Oldschool’ bzw. als aus der Zeit gefallen bezeichnen. Ein Film mit einem ‘No-Bullshit-Badass-Cop’ im Fokus, der auch mal die Regeln zurechtbiegt, knetet und prügelt, falls sich solche doofen Worte wie ‘Polizeigewalt’, ‘unbefugtes Betreten und Durchsuchung von Eigentum’ etc. in den gerechten Weg der Aufklärung zu schieben wagen, aber schnell heulend mit blauen Augen davonrennen. Die Attitüde lässt sich mit einem leicht paraphrasierten Zitat der Hauptfigur zusammenfassen: ‘Wenn die Gesetze die Leute nicht schützen, dann müssen wir das ja wohl machen’. Ein kurzes grübelndes Nachdenken könnte einen Einspruch hervorbringen, aber die drohende Gehirnerschütterung lässt den Gedanken schnell schutzsuchend in den Hinterkopf flüchten. Kurz und gut: The Roundup ist kernige Oneliner-Action, bei der wohl niemand mit der Wimper zucken würde, wenn jemand behauptet, er stamme aus den 80ern mit der einzigen Irritation, warum die Handlung im ‘futuristischen’ 2008 spielt.

*Cool genervtes Seufzen*

Die Simplizität und der klare Fokus des Films auf Knöchel-Sandwiches mag nun nicht jedem schmecken, hat aber definitiv den klaren Vorteil, dass man ihm leicht folgen kann und sich auf die Action konzentriert wird, die zumeist aus den viel zitierten, mal mit mal ohne Messer Unterstützung ablaufenden Handgemengen besteht. Knackige Nahkämpfe ohne Schnittgewitter sind an der Tages- und Nachtordnung, wobei die dargestellte Gewalt sich aber stets in Zaum hält. Ein blutiger Schnitt oder ein ‘er wird nie mehr Geige spielen können’-schief hängende Hand sind das äußerste. Es reicht sicherlich nicht an gnadenlose Wuchtbrummen wie The Raid heran, ist aber auch über kein inszeniertes Action-Gewitter wie Carter. Solide, kernig, simpel, genau wie die Handlung. Schauspielerisch und technisch, abseits von der sauberen Inszenierung der brummenden Brawls, gibt es wenige Standouts zu vermelden, aber da wo es zählt, passt es. Sowohl Ma Dong-seok als auch Gegenspieler Sukku Son liefern ab, was man erwartet. Letzterer ist in seiner Rolle als schnittwütiger Killer Kang angenehm bedrohlich und Detective Ma hat eine angenehm wuchtige Präsenz. Wobei seine fast schon resignierte Coolness, die meist in einem leicht gezischten Fluch vermittelt wird, etwas überfaust nimmt. Nichts wirkt auf ihn wie eine wirkliche Bedrohung, Herausforderung oder wenigstens milde Überraschung. Was dann letztlich etwas Spannung aus den Szenen zieht, weil die Frage ‘Wird er es schaffen?!’ schon mit dem einsetzend dröhnenden Charaktereigenen Musik-Theme beantwortet wird, sobald die linke und rechte Hand des teuflischen Ma gefordert werden.

Fazit

The Roundup
ist exakt das, was man erwartet. Ein klarer, simpler Action-Film ohne Schnörkel. Zugegeben, ich hätte mir bei der Action vielleicht noch ein bisschen mehr Gnadenlosigkeit erhofft und erwartet, aber für einen groß angelegten Blockbuster mag das vielleicht eine ruppige Grenze zuviel überschreiten. Trotzdem bleibt es unterhaltsam, die Action ist nicht hinter einer Wackelkamera versteckt, deren Bilder von einem tasmanischen Teufel editiert wurden, dem man mit aufmunternd Schulterklopfen ein Bündel neuer Scheren geschenkt hat. Wobei ich zugeben muss, dass der Film stellenweise etwas zu altbacken wirkt. Manche Klischees wie den mürrischen Captain und der leichten Unfähigkeit quasi aller Beteiligten abseits von Detektiv ‘The Man, the myth, the legend’ Ma höchstselbst sind etwas augenverdrehend und ich kam auch nicht umhin, manchmal etwas mit dem Kopf zu wackeln, wenn dem ein oder anderen Verhörten mit einer comedy-artigen Selbstverständlichkeit der Kopf verwackelt wird. Ganz klar: Der Film will nur unterhalten, da stecken keine bösen Absichten dahinter, aber Polizeigewalt ist schlicht ein unschön schmeckendes Thema. Aber das ist hier weniger Vorwurf, als Hinweis, das bei eventueller Empfindlichkeit demgegenüber ein stoisches ‘Einfach Hirn abschalten und Popcorn mampfen’ angebracht sein könnte. Generell: The Roundup ist ein netter Actionfilm alter Schule, den man für einen launigen Abend oder Abschluss eines längeren Festivaltages mit einigen hier nicht näher bestimmten Getränken ansehen kann. Wer sich dagegen entscheidet, muss sich aber auch nicht vor den Kopf schlagen.

© Capelight Pictures

Mort

Mort hat 'Wie? Nicht auf Lehramt!?' studiert und wühlt sich mit trüffelschweiniger Begeisterung durch alle Arten von Geschichten. Animes, Mangas, Bücher, Filme, Serien, nichts wird verschmäht und zu allem Überfluss schreibt er auch noch gerne selbst. Meist zuviel. Er findet es außerdem seltsam von sich in der dritten Person zu reden und hat die Neigung, vollkommen überflüssige Informationen in sein Profil zu schreiben. Mag keine Oliven.

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