The Forest

Lesezeit: 4 Minuten

Manch gruseliger Schauplatz benötigt keine blühende Autorenfantasie. Der Aokigahara-Wald in Japan ist real und schlägt mit 35m² Fläche zu Buche. Was ist an diesem Wald so besonders? Die Dichte der Bäume ist so hoch, dass man sich nur viel zu schnell in ihm verläuft. Doch das ist nicht alles: Der Ort gilt als beliebter Rückzugspunkt für die Ausübung des Selbstmords. Anfang 2018 erlangte Aokigahara weltweite Aufmerksamkeit, als der YouTuber Paul Logan innerhalb einer kontroversen Footage-Show besonders pietätsloses Verhalten an den Tag legte. Anders sieht das bei Jason Zada aus, der in seinem Film The Forest eine feinfühlige Geistermär inszeniert. Der Ort ist eine dankbare Kulisse für einen solchen Film und mit Natalie Dormer (Margaery in Game of Thrones) eine talentierte Darstellerin dafür gefunden. Doch reicht das aus, um einen gelungenen Film zu produzieren?

 

Sara (Natalie Dormer) kann nicht glauben, dass ihre Schwester Jess im japanischen Aokigahara Wald, der als Selbstmordwald bekannt ist, einfach verschwunden sein soll. Die beiden Zwillingsschwestern verbindet eine gemeinsame Intuition und so fühlt Sara, dass Jess noch am Leben ist. Gestärkt von diesem unbestimmten Gefühl bricht sie nach Japan auf. Doch der Wald am anderen Ende der Welt ist nicht nur geheimnisvoll, sondern auch gefährlich…

Kein Remake, sondern ein Original

Originaltitel The Forest
Jahr 2016
Land USA
Genre Horror
Regisseur Jason Zada
Cast Sara/Jess Price: Natalie Dormer
Aiden: Taylor Kinney
Michi: Yukiyoshi Ozawa
Rob: Eoin Macken
Valerie: Stephanie Vogt
Laufzeit 94 Minuten
FSK

Spätestens seit The Ring ist Hollywood auch auf Japan und japanische Geschichten aufmerksam geworden. Anders als Gore Verbinskis Erfolgsfilm oder etwa The Grudge (2005) handelt es sich bei The Forest um einen Originalstoff. Der Produzenz David S. Goyer (Blade: Trinity) zeigte sich selbst überrascht, dass bislang kein Horrorfilm über diesen real existierenden Ort gedreht wurde. Angefixt von der Idee las sich der Regisseur Zada in Berichte über den Wald ein und besuchte diesen schließlich auch, ehe Natalie Dormer und Taylor Kinney (Chicago Fire) zum Cast hinzustießen. Für Dormer war vor allem die Idee, eine Doppelrolle zu spielen, reizvoll.

Klischees im Selbstmordwald

Was zunächst nach einer unverbrauchten Kulisse und einem motivierten Team klingt, entpuppt sich bereits wenige Meter nach dem Waldeingang als wenig aufregende Geisterbahnfahrt. Es kommt, wie es kommen muss: und der Suchtrupp findet schnell einen Anlass, sich in Kleingruppen aufzuteilen und – wie es nun einmal typisch ist – Sara wird der attraktive Aiden zur Seite gestellt. Ab hier beginnt The Forest eine Ansammlung gängiger Horrorklischees zu werden. Selbstverständlich ist Aiden nicht einfach nur so da, sondern wittert als Sensationsjournalist eine Story. Und ebenso selbstverständlich findet Sara dies heraus, was Misstrauen schürt.

Doch ganz platt wollen die Dinge nicht von statten gehen, sodass sich die Geschichte noch immer eine Hintertüre offen lässt und dem Zuschauer Freiraum zur Interpretation gibt. Hierbei kristallisiert sich auch heraus, dass die Geschichte im Grunde in jedem Wald spielen könnte, wobei der Mythos um Aokigahara zugegebenermaßen für ein wenig mehr Substanz sorgt. Das Gefühl der Orientierungslosigkeit innerhalb eines Geisterwaldes ist eben gleich doppelt so unangenehm, und so beginnt Saras Selbstsicherheit allmählich zu bröckeln.

Original, aber wenig originell

Bis kurz vorm Finale schreitet der Horror mehr oder minder subtil voran, ehe die Geschichte erst im Finale mutig wird. Hier entspringt auch eine wichtige Wendung, die mit dafür verantwortlich ist, ob The Forest beim Zuschauer zünden kann oder durchfällt. Denn der Weg ins Finale fällt trotz plakativer Gruselmomente erstaunlich öde aus und gibt auch Dormer kaum Gelegenheiten, mit ihrem Schauspiel zu glänzen. Zum Schluss will The Forest noch einmal besonders originell sein, doch schließlich wäre es hier konsequenter gewesen, die Geschichte kurz zuvor zu einem glaubhafteren Ende zu führen, als noch einmal auf den letzten Metern reißerisch sein zu wollen.

The Forest ist eher ein ermüdender Spaziergang durch einen Geisterwald als ein rasanter Trip. Die Geschichte ist minimalistisch und kann mit ihrem Setting überzeugen, doch das Skript gibt nur bedingt Einfallsreichtum her, sodass das Erzählkonstrukt reichlich dünn ausfällt.

 

 

 

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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Alva Sangai
Redakteur

Musste gerade lachen, weil Yukiyoshi Ozawa der Mann aus der Sakeru Gummy “Long Long Man” Werbung ist xD Hab ihn auf dem Bild erkannt und dann gegoogelt. Er ist es wirklich. 😀