The Equalizer 2

Lesezeit: 5 Minuten

Ein freundlicher, älterer Herr. Ein ruhiges Leben mit einem bescheidenen Job am Tag und guten Büchern zum Feierabend. Wenn nicht das Böse in seine kleine Welt eindringt und er die alles niedermähenden Nahkampf-Skills eines Ex-Agenten einsetzen muss, um die Schurken auszuschalten, so schonungslos und präzise wie andere Leute Unkraut jäten. In den 80er Jahren entstand aus dieser simplen, aber wirkungsvollen Grundsituation The Equalizer, eine Fernsehserie mit stolzen 88 Folgen. 2014 kehrte der Stoff ins Kino zurück. Nun war der Equalizer schwarz, mit den stoischen Zügen von Denzel Washington. Und weil es so viel Spaß machte, wie Denzel Washington alias Ex-Agent Robert McCall den Baumarkt-Mitarbeiter gab und nebenbei die Russenmafia aufmischte, kam diesen Sommer The Equalizer 2. Einem Serienstoff kann die eine oder andere Fortsetzung nicht schaden.

Nachdem sich Robert McCall im ersten Teil an seinem Arbeitsplatz einen Showdown mit der Russenmafia geliefert hatte, konnte er wohl nicht in seinen alten Baumarkt-Job zurück. Aber sein zurückgezogenes Leben mit einem unauffälligen Job und einem Buch für den Feierabend hat er beibehalten. Nun fährt er Taxi und hört sich die vielen Kümmernisse seiner Fahrgäste an. Er ist in eine hübsche Altbauwohnung in einem innerstädtischen Problembezirk umgezogen und kümmert sich wie zuvor freundlich-distanziert und einen Hauch besserwisserisch um das verwüstete Gemüsebeet der Nachbarin oder einen Slum-Jugendlichen, der ins Milieu der Goldkettchen-Gangster abzurutschen droht. Seine geheime Tätigkeit als schlagkräftiger Verteidiger des Guten hat er so weit ausgebaut, dass seine Missionen ihn auch schon mal bis in die Türkei führen. Bei seiner Lektüre ist er von den Klassikern zu zeitgenössischen Autoren übergegangen und auch, wenn ihm die Erinnerung an seine tote Frau noch sehr zusetzt, scheint er insgesamt mehr Spaß am Leben zu haben, besonders, wenn er sich mit Susan, seiner ehemaligen Vorgesetzten aus Agententagen trifft. Als sie bei den Ermittlungen zu einem undurchsichtigen Mordfall ums Leben kommt, ist für McCall wieder die Zeit gekommen, gegen das Böse in den Kampf zu ziehen. Doch diesmal geht es auch um seine Vergangenheit…

Das Fortsetzungs-Dilemma

Originaltitel The Equalizer 2
Jahr 2018
Land USA
Genre Agententhriller
Regisseur Antoine Fuqua
Cast Robert McCall: Denzel Washington
Dave York: Pedro Pascal
Susan Plummer: Melissa Leo
Brian Plummer: Bill Pullman
Miles Whittaker: Ashton Sanders
Sam Rubinstein: Orson Bean
Fatima: Sakina Jaffrey
Resnik: Jonathan Scarfe
Laufzeit 121 Minuten
FSK

Es ist immer das gleiche Problem mit dem zweiten Teil: Er macht einen Film, der bisher für sich da stand, zu einem ersten Teil, an dem der zweite sich messen lassen muss. Ist er genauso wie der Erste? Und macht ihn das zu genau der richtigen Ergänzung, oder macht es ihn langweilig, weil man alles schon gesehen hat? Ist er etwa ganz anders? Bringt er ganz neue, spannende Aspekte auf die Leinwand? Oder ist er eine Beleidigung der Vorlage, weil er missachtet, was den Fans des ersten Teils lieb und teuer ist, sodass er kein würdiger Nachfolger sein kann? Bei The Equalizer 2 braucht der Zuschauer keine Überraschungen zu fürchten: Der Film liefert alles ab, was den ersten Teil ausmacht. Nur, dass beim ersten Mal keiner daran gedacht hat, dass das alles Hausnummern sind, die abgearbeitet gehören.
Der unauffällige Mann von nebenan mit der Doppelexistenz, die kleinen und großen Sorgen seiner Mitmenschen, die junge Nebenfigur, die einen Anschub braucht, um sich aus dem Dreck in ein selbstbestimmtes Dasein aufzumachen. Die Schurken, die von McCall immer wieder freundlich aufgefordert werden, doch mit ihren Missetaten aufzuhören, wofür sie nur ein herzliches “Muahaha!” übrig haben und dann binnen weniger Sekunden am Boden liegen. Der Hauptschurke, der ein Plädoyer fürs Böse-Sein hält und sowohl argumentativ als auch im Nahkampf den Kürzeren zieht. Knackig-brutale Kampfszenen, in denen Knochen splittern und Blut kunstvoll spritzt. Ein Showdown als Heimspiel für McCall, an einem Ort, wo er allein gegen eine Übermacht im Vorteil ist, weil er sich auskennt und die in der Überzahl auftretenden Schurken nicht. Postkartenwürdige Stadtansichten. Die Kamera, die an Denzel Washingtons Gesicht klebt, damit ihr auch kein Augenaufschlag oder Mundwinkelzucken entgeht. All das hat im ersten Teil schon gut funktioniert und wird im zweiten Teil stimmig fortgeführt und vorsichtig weiterentwickelt. Ein Ausflug in die Türkei, wo McCall mit Vollbart und Gebetsmütze wie ein türkischer Großvater und frommer Muslim auftritt, wirkt allerdings etwas weit hergeholt. Andererseits, als Anreisser-Sequenz in der Tradition von James Bond funktioniert es ganz prima und stimmt ein auf das, was der Equalizer am besten kann: harmlos wirken, dem Schurken freundlich erklären, was er falsch macht. Aber wenn der nicht hören will…

Was kommt nach der Russenmafia?

So weit, so schön. Eine Vorlage, die viel Futter für Variationen über das immer gleiche Thema bietet und ein Regisseur, der Variationen über ein Thema gekonnt umsetzen kann. Aber es gibt auch den Punkt, an dem neue Wege beschritten werden müssen. Die Handlung des ersten Teils war sehr geradlinig: McCall arbeitete sich durch die Hierarchie der Russenmafia und erledigte erst die kleinen Fische vor Ort, dann einen von weiter oben entsandten Killer und seine Schergen und zum Schluss den Kopf des Verbrechensimperiums. In logischer Fortsetzung kämen danach nur noch Vladimir Putin und Darth Vader. Blödsinn mal beiseite: So etwas ist nicht zu toppen und nur schwer zu wiederholen ohne langweilig zu werden. Wer also könnte McCalls nächster Gegner sein? Eine ganze Weile weiß man es nicht. Statt einer ganz linear voranschreitenden Handlung von einem Gegner zum nächststärkeren gibt es hier erst einmal Geheimnisse und Detektivarbeit. Das hat Längen. Und die Lösung ist zwar überraschend, aber beim zweiten Darübernachdenken offensichtlich, denn so viele Figuren, die in Frage kämen, wurden gar nicht eingeführt. Wer sonst sollte es sein als McCalls Ex-Kollege, der nette Familienvater? Der in der Zeit, in der McCall sich ein Leben mit kleinen Jobs und dicken Büchern einrichtete, vom Agenten zum Auftragskiller wurde und ebenfalls ein Doppelleben führt. Eigentlich eine gute Idee: Ein Mann, der das gleiche Training durchlaufen hat wie McCall und ihn gut kennt, könnte gefährlicher sein als jeder Mafia-Schläger. Aber so richtig schurkisches Charisma entwickelt er aus seiner Doppelrolle als liebevoller Familienmensch und skrupelloser Killer nicht. Und seine Schergen sehen zwar eindrucksvoll aus, haben aber keinen einzigen Moment um ein Fünkchen Persönlichkeit zu entwickeln, sodass sie nichts weiter als Kanonenfutter im Showdown sind.  So ein zäh aufgebautes Rätsel mit einer flauen Lösung tut dem Film streckenweise nicht gut. Dafür kommt er im Showdown, in einer sturmumtosten kleinen Stadt am Meer, wo McCalls verstorbene Frau einst eine kleine Bäckerei betrieb, wieder auf die richtige Spur und es wird gekämpft, gerannt, aufgelauert und gemeuchelt, dass die Fetzen fliegen.

Ich mag das, wenn mit bekannten Bausteinen etwas Neues gebaut wird und alle Steinchen fachgerecht verbaut werden. Dazu ein großartiger Denzel Washington, der aus dem arg strapazierten Motiv “Alltagsmensch bei Tag – Rächer der Enterbten bei Nacht” eine eigenständige und sogar liebenswerte Figur macht, mit genug Skurrilität und Ironie, damit daraus kein unerträglich selbstgerechter Haudrauf entsteht. Um die Frage zu klären, welcher Teil denn nun besser war, habe ich mir am Abend darauf Teil 1 noch einmal angeschaut. Fazit des Vergleichs: Beide waren so gut, dass ich für einen dritten Teil durchaus zu haben wäre. Nun mag es zwar sein, dass die Geschichte zu Ende erzählt ist, weil Robert McCall am Ende des zweiten Teils mit der Trauer um seine Frau abschließen und in ihr gemeinsames Haus am Meer zurückkehren konnte. Aber ein Equalizer 3, in dem McCall am Meer Brötchen bäckt und nebenbei das Böse bekämpft, könnte funktionieren…

 

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wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

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