The Cleaning Lady

Lesezeit: 4 Minuten

Soziopathen oder zumindest psychisch sowie verhaltensauffällige Charaktere, die aber dennoch fest im Arbeitsleben integriert sind, gibt es nicht allzu häufig. Zumeist sind Soziopathen in Filmen nach außen hin unauffällig. Stets darauf bedacht, eine gewisse Tarnung aufrecht zu halten. Ganz anders sieht es in The Cleaning Lady von Jon Knautz (Jack Brooks: Monster Slayer) aus. Dieser macht rein gar keinen Hehl daraus, wie es um die Psyche der Titelfigur steht. Bereits in den ersten Minuten wird deutlich, dass hier jemand mit durch und durch kranken Fantasien unterwegs ist. Doch wie immer fällt dies erst viel zu spät auf…

    

Alice (Alexis Kendra, Goddess of Love) führt ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann. Sie und Michael (Stelio Savante, Running for Grace) lieben einander, doch ein Paar soll aus den beiden nicht werden, da Michael seine Ehe nicht aufgeben will. Auch der Besuch einer Selbsthilfegruppe führt zu keiner Einsicht bei Alice. So muss anderweitig Gesellschaft her. Wieso nicht einmal ihre Putzfrau Shelly (Rachel Alig, Officer Down) zum Abendessen einladen? Alice hat Mitleid mit der jungen Frau, deren Gesicht durch Brandnarben entstellt ist. So nähern sich die beiden Frauen einander an. Doch die wortkarge Shelly hegt eine seltsame Form der Bewunderung…

Extended Version eines Kurzfilms

Originaltitel The Cleaning Lady
Jahr 2018
Land USA
Genre Horror, Drama
Regisseur Jon Knautz
Cast Alice: Alexis Kendra
Michael: Stelio Savante
Shelly: Rachel Alig
Shelly (jung): Mykayla Sohn
Colleen: JoAnne McGrath
Laufzeit 90 Minuten

Zunächst rollte Jon Knautz das Skript zu The Cleaning Lady zu einem zehnminütigen Kurzfilm aus, ehe er daraus einen Film in Spielfilmlänge inszenierte. Gemeinsam mit Alexis Kendra, die in die Hauptrolle schlüpfte, schrieb er das Drehbuch für die lange Variante. Um die Handlung schließlich über 90 Minuten zu strecken, musste diese erst einmal ausgedehnt werden. Genau das merkt man The Cleaning Lady auch an. Denn trotz zahlreicher Ereignisse bleibt der Grundton ruhig. Manche Szene zieht sich schließlich unnötig hin. So sammeln sich nach und nach Längen an. Timing ist mitunter das größte Problem des Films. Denn während sich einzelne Momente zu lange hinziehen, fehlt es gelegentlich auch an mehr Zeit. Das Resultat fällt unausgewogen aus.

Erstaunlich ausgefeilte Charaktere

Zunächst einmal denkt man als Zuschauer, schnell hinter den weiteren Verlauf der Geschichte zu steigen. Doch genau dann, wenn man beginnt sich in dieser Vermutung bestätigt zu fühlen, geschieht Unvorhergesehenes. Der Regisseur fängt an, seine Figuren mitsamt Beweggründen zu etablieren und hier lauern echte Abgründe. Shellys Vergangenheit ist aufwühlend und zugleich schockierend. Nicht nur wird erklärt, woher ihre Narben stammen, sondern auch was aus dem angeknacksten Mutter-Tochter-Verhältnis wurde.  Shelly selbst ist über weite Strecken erstaunlich sympathisch. Über ihre unbeholfene und einsiedlerische Art schaut man hinweg. Sobald sie Alice ein offenes Ohr bietet, erfüllt sie mehr als nur einen Zweck. Und Alice, die zunächst den Anschein einer oberflächlichen Person erweckt, zeigt sich erstaunlich sozial und empathisch. Die überraschende Charaktertiefe mausert sich zum Herzstück von The Cleaning Lady.

Von allen Genres ein bisschen

Was man dem Film zwischen all dem Porzellangeschirr und den pastellfarbenen Wänden ganz und gar nicht ansieht, ist die überraschend heftige Gewalt, die im späteren Verlauf angewendet wird. Zwar deutet die erste Szene das bereits an, doch dann wird es erst einmal ruhig. Im Plätschertempo kommt es dann auch immer wieder zu arg konstruierten Zufällen, welche die Handlung in zum Teil absurde Bahnen lenken. Hier und dort tut man sich besser daran, die Dinge einfach hinzunehmen. Am Ende ist The Cleaning Lady auch von allem ein bisschen etwas. Drama, Psycho-Studie, Slasher, Horror. So ganz will sich die Handlung nicht festlegen. Dass das noch funktioniert, liegt an zwei starken Hauptdarstellerinnen. Während bei Rachel Alig die Maske bereits viel hermacht, gelingt es Alexis Kendra ein hohes Maß an Warmherzigkeit und Güte zu transportieren. Die Chemie zwischen den ungleichen Frauen funktioniert auch abseits aller Tragik.

Das Einzige, was The Cleaning Lady fehlt, um wirklich Eindruck zu hinterlassen, ist ein straffes Drehbuch. Das langatmige Voranschreiten in den ersten beiden Dritteln killt so manches Quäntchen Spannung und es erscheint offensichtlich, dass der Plot künstlich aufgebläht wurde, um auf eine entsprechende Spielfilmlaufzeit zu kommen. Wer Geduld mitbringt, wird mit einem charaktergetriebenen Horror-Drama überrascht, das seine Figuren außerordentlich gut profiliert.

 

 

 

© Jinga Films

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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