Survival Game

Das Gesellschaftsspiel Mafia ist hierzulande besser in den Variante Die Werwölfe von Düsterwald oder Mord in Palermo bekannt. Seine Ursprünge liegen im Russland der 1980er, wo es unter Dimitry Davidoff erfunden wurde und seitdem fester Bestandteil einer jeden Klassenfahrt, und hat als Partyspiel schon so manchen Samstagabend in Schwung gebracht. Da ist es nur naheliegend, dass eine Verfilmung des Prinzips auch aus Russland stammt. Die futuristische Version des “Spiel oder stirb”-Prinzips nennt sich schlicht Survival Game (Original: “Mafya”) und wurde punktgenau am 1. Januar 2016 veröffentlicht. Als effektvoller Blockbuster aufgezogen und mit einem Millionenpublikum im Visier legte die Produktion einen gewaltigen finanziellen Schiffbruch hin: Der Film von Sarik Andreasyan (Guardians) floppte so sehr, dass er seine Produktionskosten bei Weitem nicht einholen konnte.

 

Russland im Jahr 2075: Die Gesellschaft ist völlig abgestumpft und verbringt einen Großteil ihrer Freizeit vor dem Fernseher. Der größte Kick ist die “Mafia”-Show, eine Live-Action-Game-Show, in der zehn Kandidaten herausfinden müssen, welche beiden Teilnehmer unter ihnen Mitglieder einer fiktiven Mafia sind. In jeder Runde stimmen die Spieler abwechselnd in der Gruppe ab, wen sie für einen Mafiosi halten, und anschließend entfernen die Mafiosi einen Mitspieler. Wann immer ein Spieler ausscheidet, durchlebt der Teilnehmer seine schlimmsten Ängste und das Publikum ist live dabei. Virtuelle Realität ermöglicht eine lebensechte Wahrnehmung der eigenen Gefühlszustände. Das perfide Spiel endet erst, wenn die Mafia entweder ausgelöscht ist oder keiner der unschuldigen Zivilisten mehr steht. Der Weg dorthin ist pervers …

Ein Spielprinzip seiner Genialität beraubt

Originaltitel Mafiya: Igra na vyzhivanie
Jahr 2016
Land Russland
Genre Science-Fiction, Thriller
Regie Sarik Andreasyan
Cast Kirill: Vadim Tsallati
Katya: Violetta Getmanskaya
Luka Sergeevich: Venyamin Smekhov
Verkhorg: Viktor Verzhbitskiy
Larisa: Olga Tumaykina
Krivoy: Aleksey Grishin
Mariya: Natalya Rudova
Vladimir: Vyacheslav Razbegaev
Ilya: Andrey Chadov
Konstantin: Yuriy Chursin
Laufzeit 91 Minuten
FSK

Survival Game zeichnet das düstere Zukunftsbild einer Menschheit, die wie im alten Rom Gladiatorenkämpfen zum Zeitvertreib folgt. Nur mit dem Unterschied, dass die Kämpfe in diesem Filmtitel ausschließlich auf verbaler bzw. psychologischer Ebene stattfinden. Wer einmal Die Werwölfe von Düsterwald oder Mafia gespielt hat, weiß, dass hier Menschenkenntnis, Misstrauen und Selbstreflexion gefragte Attribute sind. Das für Nichtteilnehmer (also in diesem Fall die Zuschauer) greifbar zu machen, ist gar nicht so einfach. Entweder weiß man als Zuschauer, wer die Mafiosi sind und verzichtet auf die Spannung oder aber man tappt den Filmverlauf über im Dunklen, denn Hinweise gibt es nicht. Regisseur Andreasyan wird die Aufgabe zuteil, seine Zuschauer nun möglichst gut in das Spektakel einzubinden. Und er scheitert an genau diesem Vorhaben. Die einzige Möglichkeit, um eine Verbindung zu ihnen aufzubauen, besteht nämlich darin, die Figuren möglichst dreidimensional zu gestalten. Denn während des Spiels, bei dem das berühmte Pokerface gefragt ist, kann man den zwölf Teilnehmern nur vor die Stirn schauen.

Einzelschicksale, die keinen interessieren

Also geht es damit los, dass wir zwölf Menschen beim Streiten zuschauen dürfen. Willkürliche Verdachtsmomente, die keine Möglichkeit für Rückschlüsse zulassen. Immerhin: Die Spieler stecken in ihren Kapseln fest, sodass niemand handgreiflich werden kann. Wie sich die Mafiosi absprechen: unklar. Denn niemand darf miteinander kommunizieren und die Entscheidungen werden virtuell abgegeben. Also bleibt es bei haltlosen Anschuldigungen und alle paar Minuten verlässt einer das Spiel. Hier wird die Handlung arg schemenhaft: Nach jeder Wahl eines Opfers folgt ein kurzer Abriss der Geschichte jeder Figur. Möglichst kompakt und dramatisch aufgeladen, um die Zuschauer noch halbwegs zu involvieren, indem Emotionen erzeugt werden wollen. Blöd nur, dass man sich zu dem Zeitpunkt bereits mit ihrem Schicksal abgefunden hat. Anteilnahme: ausgeschlossen. Gedanklich ist man ohnehin bereits eine Runde weiter und die klischeehaften Backgroundstories sind in Sachen Melodrama und Kitsch nicht zu überbieten.

In Schönheit sterben

Produziert wurde der Titel, um die Ticketverkäufe des 3D-Kinos gehörig anzukurbeln. Die Tiefen- und 3D-Effekte sind jederzeit deutlich erkennbar und der vollkommen vor dem Greenscreen gedrehte Film muss sich visuell auch nicht vor großen Hollywood-Produktionen verstecken. Während den Abstimmungsrunden merkt man den Greenscreen allerdings auch deutlich an den Konturen zwischen Menschen und Hintergrund, insbesondere an den Haaren. Dagegen reibungslos wirkt die Optik während den Todessequenzen. Dabei werden die Spieler in virtuelle Umgebunden entlassen, in denen sie ihr Ende finden. Diese Umgebungen bieten einen echten Augenschmaus und bieten vor allem visuell Abwechslung zu den öden Abstimmungsrunden. Sehen lassen kann sich das Spektakel durchaus, wenngleich auch hier die Todesarten flacher kaum ausfallen könnten. Im Vorfeld werden Ängste wie Höhenangst oder Angst vor Schlangen erwähnt, sodass es keines großen Tippspiels bedarf, auf welche Weise der Teilnehmer draufgehen wird. Damit folgt der CGI-Bombast also nach Plan. Anschauen, genießen, aber beeindruckend ist daran wenig. Zudem ist die Spannung bereits im Vorfeld raus, wenn man weiß, dass keiner der ausgeschiedenen Spieler den folgenden Überlebenskampf gewinnen wird.

Fazit

Das Budget von 15 Mio. US-Dollar (zu einem Einspielergebnis von 7,3 Mio. US-Dollar) schien vollkommen in die Effektechnik geflossen zu sein, denn der Anspruch an das Drehbuch blieb bei der Entstehung von Survival Game vollkommen auf der Strecke. Das stupide Erzählmuster und die flache Adaption des Gesellschaftsspiels machen diesen Titel zu einem wahren Graus. Die anfänglich noch stärker betonte Sozialkritik verpufft irgendwann und weicht damit dem CGI-Gewitter, das von der Belanglosigkeit und Willkür des Drehbuchs nur bedingt ablenken kann.

© Capelight Pictures


Im Handel erhältlich:

 

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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