Sonic the Hedgehog 2

Zunächst standen alle Vorzeichen schlecht und nach seinem ersten Ankündigungstrailer erntete Sonic the Hedgehog in seinem Ursprungsdesign einen gewaltigen Shitstorm. Dann aber avancierte der daraufhin angepasste Film des SEGA-Maskottchens zu einer der erfolgreichsten Produktionen des problematischen Filmjahres 2020: Mit nur 300 Mio. US-Dollar Einnahmen Platz 6 im weltweiten Box Office-Ranking, dank “glücklicher” Veröffentlichung kurz vor dem großen COVID-19-Zusammenbruch. Nicht nur, dass eine Fortsetzung bei Paramount Pictures somit frühzeitig beschlossene Sache war – das Vertrauen in den blauen Igel ist so hoch, dass nun ganz nach dem Vorbild von Marvel ein Sonic Cinematic Universe entstehen soll. Regisseur Jeff Fowler sitzt bereits an Teil 3, eine Serie soll auf dem Streamingdienst Paramount+ an den Start gehen. Ob sich das Studio zu viel vorgenommen hat oder ob Sonic 2 seinen generischen Vorgänger übertrumpft, haben wir uns einmal kritisch angesehen.

Tom (James Marsden, Verwünscht) und Maddie (Tika Sumpter, Ride Along) sind auf Hawaii, um dort die Hochzeit von Maddies Schwester Rachel (Natasha Rothwell, The White Lotus) zu feiern. Sonic hat derweil die Bude für sich und treibt allerlei Schabernack. Doch dann verläuft das Wochenende allein daheim anders als geplant, denn sein Erzfeind Dr. Robotnik (Jim Carrey, Die Maske) ist wieder zurück. Dieses Mal hat er Unterstützung mitgebracht, nämlich den roten Kraftprotz Knuckles, der es ebenfalls auf Sonic abgesehen hat. Zeitgleich taucht ein weiteres Wesen aus einer fernen Welt auf: der doppelschwänzige Fuchs Tails, welcher auf der Seite von Sonic steht. Beide Duos haben es auf einen rätselhaften Smaragd abgesehen, der die Macht birgt, ganze Völker auszulöschen …

Never change a running System

Originaltitel Sonic the Hedgehog 2
Jahr 2022
Land USA
Genre Action, Komödie
Regie Jeff Fowler
Cast Sonic: Ben Schwartz / Julien Bäm
Tails: Colleen O’Shaughnessey
Knuckles: Idris Elba
Dr. Ivo Robotnik: Jim Carrey
Tom Wachowski: James Marsden
Maddie Wachowski: Tika Sumpter
Agent Stone: Lee Majdoub
Laufzeit 122 Minuten
FSK
Kinostart: 31. März 2022

Die Skepsis um die Sonic-Live Action war groß, erwies sich im Nachhinein allerdings als ungerechtfertigt. Mit einem Budget von gerade einmal 90 Millionen US-Dollar und einem mehr als dreifachen Einspielergebnis fackelt kein Studio lange. Zumal genug Stoff in dem Franchise steckt, schließlich wächst die Videospiel-Reihe seit 1991 rege. Der Figurenkatalog ist mittlerweile riesig (man werfe nur einen Blick auf die Racing-Games) und Sonic the Hedgehog hat sein Pulver bei weitem noch nicht verschossen. Was bedeutet das also für die Fortsetzung? Sonic the Hedgehog 2 ist eine sichere Bank: Weder vor noch hinter der Kamera kam es zu gravierenden Veränderungen. Die Zutaten sind exakt dieselben wie beim ersten Mal. Knuddelige Animationskunst trifft auf Echtzeit-Action in einer weitestgehend generischen Geschichte. Natürlich steht wieder der Humor neben der Highspeed-Action an erster Stelle. Kaum eine Szene vergeht, ohne dass nicht irgendwer einen Witz reißt. Manchmal sehr bemüht, nicht jeder Gag trifft seine Pointe. Gelegentlich fühlt man sich wie Knuckles, der wenig Verständnis für Sonics Scherze aufbringt: Haarsträubend etwa ist der Versuch Sonics, Knuckles als Winter Soldier (in Anspielung auf den gleichnamigen Marvel-Charakter) zu bezeichnen. So oder so muss man sich fragen, woher die Figuren ihr Wissen über Popkultur beziehen, speziell, wenn sie keine Zeit auf der Erde verbracht haben.

Mal wieder ein Stein der Macht

Mit der ausufernden Jagd um den grünen Edelstein hat sich das Drehbuch deutlich verhoben. Ein Stein, der so mächtig ist, dass er alles auslöschen kann? Das schreit bereits derart nach Superlativ, dass berechtigte Fragen auftreten, was dann erst die kommenden Sonic-Streifen erzählen wollen, wenn jetzt schon so hoch gegriffen wird. Ohne eine Heranführung à la Marvel mit seinen Infinity Stones wirkt die Jagd nach dem Smaragd ganz schön beliebig. Im Grunde ist die Handlung sogar reichlich egal, solange die vier Kontrahenten Sonic, Tails, Knuckles und Dr. Robotnik aufeinander losgehen dürfen. Jim Carrey macht einmal mehr eine gute Figur in der schrillen Rolle des Doktors, während der Rest des (menschlichen) Casts nebensächlich bleibt. Das ist vor allem insofern schade, als dass der Kern des Vorgängers, nämlich die Beziehung zwischen Sonic und Tom, nicht weiterentwickelt wird. Aber irgendetwas soll ja auch für das geplante Sonic Cinematic Universe bleiben …

Rasanter Spaß

Tails und Knuckles zählen zum Stammpersonal der Spiele, insofern war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die beiden auf der Leinwand wiederfinden würden. Sie spielen im Sonic-Kosmos eine tragende Rolle. Der bringt das nur bedingt zur Geltung: Die beiden kommen in Sachen Sendezeit und Leinwandpräsenz deutlich zu kurz! So oder so stimmt etwas mit der Prioritätensetzung nicht, wenn rund 20 Minuten der Handlung mit einer verpatzten Hochzeitsfeier verschwendet werden, die ikonischen Figuren selbst aber zu kurz kommen. Sonst ergänzen Knuckles und Tails das bisherige Spektrum sinnvoll:  Zeichnet sich der Sonic durch seine hohe Geschwindigkeit aus, steht Knuckles für pure Kraft, wenn seine Antwort auf alles ein kräftiger Fausthieb ist. Tails wiederum sorgt durch die gleichermaßen zahlreichen wie skurrilen Erfindungen für Erheiterung. Diese Momente polieren die hübsch anzusehenden (CGI-)Actionszenen noch einmal auf. Es ist ein wahres Fest, die Figuren in Action zu erleben!

Fazit

Weder sticht der Film mit besonderen Stärken hervor, noch bleibt er aufgrund irgendwelcher besonderen Leistungen im Gedächtnis hängen: Sonic the Hedgehog 2 ist weiterhin ziemlich formelhaft, aber nicht ganz so generisch wie sein Vorgänger. Inhaltlich verhoben, vor allem mit Blick auf kommende Teile, wird vor allem die Handlung zur reinen Nebensache. Dank des erweiterten Figurenensembles und der erneut spaßigen Action ist der zweite Teil unterhaltsamer als der erste, kommt aber nicht über „nett“ hinaus. Dafür müsste mehr Energie in die Entwicklung von Storylines gesteckt werden. Denn sonst läuft die Reihe Gefahr, sich in Over-the-Top-Action zu verlieren, ohne dabei etwas zu erzählen.

© Paramount Pictures

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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