Son

Nichts ist so stark wie die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind, so der Volksmund. Regisseur Ivan Kavanagh (The Canal) ließ sich für das Drehbuch seines Films Son davon inspirieren, dass er selbst Vater wurde, und ließ all seine Emotionen in eine Mutter-Kind-Geschichte fließen, die er mit einem Gruselschocker kreuzte. Dabei ist eine komplexe Geschichte entstanden, die auch dem Publikum gegenüber soviel Distanz aufbaut, dass zu keinem Zeitpunkt klar ist, was nun wirklich los ist. Horrorfans mit Vorliebe für emotionale Geschichten mit Interpretationsspielraum konnten den Film auf den Fantasy Filmfest Nights 2021 ansehen ehe er am 24. September 2021 in den Handel kam.

Laura (Andi Matichak, Halloween) führt ein stressiges Leben, welches sie allerdings soweit gut meistert: Die alleinerziehende Mutter schafft es, für ihren Sohn David (Luke David Blumm) da zu sein. Eines Abends vernimmt Laura ein seltsames Geräusch aus Davids Zimmer und trifft dort auf eine Gruppe Fremder, die sich um sein Bett gescharrt hat. Geistesgegenwärtig ruft sie die Polizei, doch als diese eintrifft, ist niemand mehr da. Nur der Beamte Paul (Emile Hirsch, Into the Wild) schenkt ihr Glauben.

Kurz darauf wird David krank und bekommt am ganzen Körper Ausschlag. Seine Mutter bringt ihn ins Krankenhaus, doch die leitenden Ärzte können keine Diagnose treffen. Laura beginnt auf eigene Faust zu ermitteln …

Wahnfantasien mit Konsequenzen

Originaltitel Son
Jahr 2021
Land USA
Genre Horror
Regie Ivan Kavanagh
Cast Laura: Andi Matichak
Paul: Emile Hirsch
David: Luke David Blumm
Steve: Cranston Johnson
Jimmy: Blaine Maye
Laufzeit 98 Minuten
FSK
Veröffentlichung: 24. September 2021

Son wirkt auf den ersten Blick wie ein linearer Film, der sich auf Lauras Ermittlungen nach der Wahrheit zu konzentrieren scheint. Doch genau dieser Eindruck täuscht, denn das Drehbuch ist überraschend vielschichtig angelegt und beginnt auch die Geschichte von Laura zu erzählen, welche nicht minder interessant ist. Es ist die Art und Weise, wie beide Charakterschicksale in Einklang gebracht werden, die besonders spannend ausfällt. Son ist ein Film der Perspektiven. Einer, der Zuschauer*innen immer wieder hinterfragen lässt, was sie da gerade sehen. Was echt ist, was Fantasie und was vielleicht nur eine der Figuren sehen oder erleben kann. Der besondere Clou ist, dass ausgerechnet Laura selbst eine unzuverlässige Erzählerin ist. Das Publikum ist es gewohnt, sich an den Beobachtungen einer Figur zu orientieren. Nur, was macht man, wenn diese Beobachtungen lückenhaft sind oder zunehmend unglaubwürdiger werden?

Gruseln vs. erschrecken

Über die Handlung von Son zu viele Worte zu verlieren, spoilert den Film in diesem Fall. Festzuhalten ist, dass Kavanagh sein Möglichstes unternimmt, um sein Publikum konsequent bei Laune zu halten und Leerlauf zu vermeiden. Stellenweise gelingt es ihm sogar, durch die konsequente Inszenierung für Überraschungsmomente zu sorgen, die auch erfahrene Horror-Fans nicht unbedingt kommen sehen. In der zweiten Hälfte funktioniert diese Prämisse nicht mehr ganz so einwandfrei wie noch zu Beginn. Denn je mehr wir über Laura und David erfahren, desto vorhersehbarer wird es schließlich. Das soll nicht bedeuten, dass Son irgendwo im Durchschnitt hängen bleibt: Zwar kommen die für das Genre üblichen Jump-Scares zum Einsatz, aber immer wohldosiert. Kavanagh kennt den Unterschied, wann das Publikum einfach nur erschreckt werden und wann es sich wirklich gruseln möchte. Dieses Wechselspiel trägt einen großen Teil dazu bei, dass sich der Film inhaltlich wie erzählerisch ausgereift anfühlt. Diese Atmosphäre definiert sich dabei nicht allein durch die wunderbar stimmungsvollen Bilder von Kameramann Piers McGrail, sondern auch durch die Filmmusik von Aza Hand.

Fazit

Son überzeugt mit einer erfrischenden Perspektive und einem durchdachten Drehbuch, dem es gelingt, seine Zuschauer*innen konsequent im Dunkeln tappen zu lassen – zumindest für eine ganze Weile. Mit einer talentierten Hauptdarstellerin, einer gruseligen Klangkulisse und viel Fingerspitzengefühl. Son mag nicht zu den Horror-Klassikern von Morgen zählen, ist aber ein lupenreiner Gruselfilm mit Stil, Atmosphäre und Talent. Nur mit dem Epilog vergeigt es Kavanagh so richtig – manchmal ist weniger einfach mehr.

© Capelight Pictures


Veröffentlichung: 24. September 2021

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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